Chemnitz-Rabenstein

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Wappen von Rabenstein
Wappen von Chemnitz
Rabenstein
Stadtteil und Statistischer Stadtteil Nr. 94 von Chemnitz
Lage des statistischen Stadtteils Rabenstein in Chemnitz
Koordinaten 50° 49′ 50″ N, 12° 49′ 25″ O50.83055555555612.823611111111Koordinaten: 50° 49′ 50″ N, 12° 49′ 25″ O.
Fläche 7,01 km²
Einwohner 4338 (31. Dez. 2012)
Bevölkerungsdichte 619 Einwohner/km²
Eingemeindung 1. Jul. 1950
Postleitzahl 09117
Vorwahl 0371
Verkehrsanbindung
Autobahn A4 A72
Bus 32, 43, 73, 253, N16

Rabenstein bestand ursprünglich aus den beiden Gemeinden Ober- und Niederrabenstein. Der Stadtteil liegt im Westen von Chemnitz. An ihn grenzen die Stadtteile Röhrsdorf, Rottluff, Siegmar, Reichenbrand und Grüna. Rabenstein liegt am LandschaftsschutzgebietRabensteiner Wald“ das im Wesentlichen aus dem „Rabensteiner Höhenzug“ besteht. Dieser Höhenzug trennt den Nordrand des Erzgebirgischen Beckens vom Südrand des Mittelsächsischen Lößlehmgebietes – somit kann man Rabenstein als „Tor des Erzgebirges“ bezeichnen. Der breitflächige Rabensteiner Höhenzug fällt zum Erzgebirgischen Becken über 100 Meter steil ab. Die Höhenlage beträgt 380 bis 485 Meter über Normalnull.

Geografie[Bearbeiten]

Der Stausee Oberrabenstein als Panorama-Aufnahme

Pleißenbach[Bearbeiten]

Der an der Flurgrenze zu Rottluff fließende Pleißenbach hat seine Quelle in der Gemeinde Callenberg auf der Langenberger Höhe. Mit seinen 20 km ist er der längste Zufluss des Chemnitzflusses. Zum ersten Mal in einer Urkunde wird „daz waßer dy Plyßen“ im Jahr 1402 erwähnt.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Schloss Rabenstein

In der Mitte des 12. Jahrhunderts entstand die Herrschaft Rabenstein im Zuge der Besiedlung des Erzgebirgswaldes während der deutschen Ostexpansion. Es wurde eine Burg als Herrschafts- und Siedlungsmittelpunkt durch die Herren von Waldenburg errichtet.

Oberrabenstein entstand im Schutze dieser Burg. An einer Gasse, die zur Burg hinauf führte, bildete sich eine Häusersiedlung als Waldhufendorf. Niederrabenstein (1375 „Steyn“, 1696 „Nieder Rabenstein“) entstand als Bauerndorf. Das Chemnitzer Benediktinerkloster erwarb im Jahr 1375 die alte Herrschaft Rabenstein, wodurch es 1383 zur Rabensteiner Fehde kam. Beide Orte kamen nach der Säkularisation des Klosters 1548 zum Amt Chemnitz.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich Niederrabenstein zur Industriegemeinde. Es wurden hauptsächlich Strümpfe und Strickhandschuhe produziert, außerdem gab es eine Brauerei und eine Branntweinbrennerei. Durch diese Industrialisierung begann in Niederrabenstein ab 1852 ein verstärkter Zuzug, eine neue Kirchgemeinde bildete sich heraus, wodurch 1852 bis 1854 die Niederrabensteiner Kirche erbaut wurde.

Oberrabenstein behielt bis heute seinen bäuerlichen Charakter. Seit der Eröffnung des Freibades „Stausee Oberrabenstein“ im Jahr 1976 ist es ein beliebtes Naherholungsgebiet. Ober- und Niederrabenstein wurden am 1. Oktober 1897 zur Gemeinde Rabenstein vereinigt. Rabenstein wurde am 1. Juli 1950 nach Chemnitz eingemeindet.

Rittergut Niederrabenstein[Bearbeiten]

Georg von Carlowitz erwarb 1576 vier Höfe in Niederrabenstein und erhielt dafür 1590 vom sächsischen Kurfürst die niedere Gerichtsbarkeit sowie 1602 die hohe Gerichtsbarkeit. Das Rittergut Niederrabenstein entstand dann, als das Dorf Niederrabenstein der Familie als erbliches Lehen übertragen wurde. 1619 erwarb sein Nachkomme Hans Georg auch noch die Burg mit der Rabensteiner Gasse (Oberrabenstein) und bildete somit eine neue Herrschaft Rabenstein, die ab 1671 aufgeteilt wurde. 1686 wurde die Herrschaft Niederrabenstein verkauft. Bis 1774 verblieben Burg und Rittergut Oberrabenstein im Besitz des Carlowitzer Geschlechtes, danach ging beides in bürgerlichen Besitz über. Zu seinen Besitzern gehörte u. a. Georg Ludwig von Welck (1809–1838).

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kulturhaus am Pelzmühlenteich
Die Burg Rabenstein
Blick vom Rabensteiner Viadukt auf die Burg

Rabenstein hat einige Sehenswürdigkeiten zu bieten. So befindet sich in diesem Stadtteil die Burg und Schloss Rabenstein, die „St. Georg-Kirche“ - eine der ersten Kirchen Sachsens im Stil der Neugotik mit Altar von Ernst Rietschel, das Schaubergwerk „Felsendome“ in Niederrabenstein, das Freibad „Stausee Oberrabenstein“ (an dem jährlich im Juni das 24h-MTB-Rennen Heavy 24 MTB durchgeführt wird und von 1999 bis 2006 das Hip-Hop-Festival „Splash“ stattfand), der Pelzmühlenteich¹ mit anschließendem Café¹ und „Tierpark Chemnitz“¹, sowie das DRK-Krankenhaus an der Unritzstraße und die Klinik „Carolabad“ an der Weigandstraße. An der Kreuzung Oberfrohnaer- und Trützschlerstraße befindet sich das Einkaufszentrum „Rabenstein-Center“.

¹ = Heute zur Gemarkung Reichenbrand.

Kulturpalast Rabenstein[Bearbeiten]

In den 1950er Jahren entstand Nahe dem Pelzmühlenteich an der Pelzmühlenstraße der Kulturpalast. Nach der politischen Wende in der DDR wurde er vom MDR genutzt. Heute (2012) steht er leer. Der Kulturpalast Rabenstein gilt als einer der bedeutendsten Kulturbauten der frühen Nachkriegsgeschichte. [1]

Burg Rabenstein[Bearbeiten]

Die Burg Rabenstein ist die kleinste mittelalterliche Burg Sachsens und wurde im Jahr 1336 erstmals erwähnt. Die Burg entstand vermutlich um 1170. Zunächst ist sie im Besitz der Herren von Waldenburg, dann ab 1375 gehört sie zum Chemnitzer Benediktinerkloster. Seit 1619 gehört sie bis in das 18. Jahrhundert der Familie Carlowitz. Schon 1819 wurde die Burg saniert, musste aber 1942, inzwischen gern besuchtes Ausflugsziel geworden, wegen Einsturzgefahr geschlossen werden. 1955/56 wurde sie erneut saniert und 1959 wieder zugänglich gemacht.

Felsendome Rabenstein[Bearbeiten]

Im 1906 stillgelegten „Kalkwerk Niederrabenstein“ befindet sich heute unweit der Autobahn A 72 ein Schaubergwerk. Schon 1365 muss dieses Kalkbergwerk in Betrieb gewesen sein. Seit 1936 ist es für Besucher geöffnet.

Im ehemaligen Bergwerk kann man die noch relativ kleinen Stalagmiten und die Stalaktiten anschauen, sowie die vielen kleinen gewässerten Grotten. Sogar Fledermäuse leben hier im Winter.

Wildgatter Oberrabenstein[Bearbeiten]

Das Wildgatter Oberrabenstein empfängt seit 1973 seine Gäste. Auf einer Fläche von 35 ha bieten ein Rundweg sowie Aussichtskanzeln dem Besucher Möglichkeiten ausschließlich europäische Tierarten in weitläufigen Gehegen zu beobachten. Darüber hinaus besteht ein Naturlehrpfad. Das Areal des seit 1995 zum Tierpark Chemnitz gehörende Wildgatter erstreckt sich in den Rabensteiner Wald. In unmittelbarer Nähe befinden sich der Stausee Oberrabenstein, die Burg Rabenstein sowie der Campingplatz.

Wildgatter Oberrabenstein

Verkehr[Bearbeiten]

Rabenstein wird im Osten durch die A 72 begrenzt. An der Anschlussstelle „Chemnitz-Rottluff“ fehlt noch die direkte Verbindung nach Rabenstein, welche bis 2016 gebaut wird.[2] Des Weiteren verläuft im Norden die A 4 mit der Anschlussstelle „Limbach-Oberfrohna / Chemnitz-Rabenstein“.

Rabenstein ist mit den Buslinien 32, 43, 73, 253 und N16 des Nachtnetzes an den öffentlichen Nahverkehr angebunden.

Über die Oberfrohnaer Straße spannt sich unweit des ehemaligen Bahnhofs Rabenstein (Sachs.) ein altes Eisenbahnviadukt, das sogenannte Rabensteiner Viadukt. Dieses Bauwerk ist heute ein technisches Denkmal, da es als eine der ersten Brücken in Stahlhochbauweise gilt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rudolph Strauß: Neue Forschungsergebnisse zur Geschichte der Rabensteiner unterirdischen Felsendome. in: Sächsische Heimatblätter, Heft 5/1977, S. 210-215.
  • Orts-Chronik von Rabenstein 1936: Die 1000-jährige Burg Rabenstein. Festschrift zum Heimatfest 13.–15. Juni 1936 anlässlich der 600-Jahr-Feier der ersten urkundlichen Erwähnung. Ein Beitrag zur Ortsgeschichte. Herausgegeben im Auftrag des Festausschusses von Dr. Steinbrück, Schuldirektor in Rabenstein. Druck von Willy Gröer, Rabenstein. 120 Seiten.
  • Lothar Schilde: Der Kulturpalast: Die Geschichte des Hauses von den Anfängen bis zur Gegenwart. Druck Willy Gröer, Rabenstein, 76 Seiten.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Chemnitz-Rabenstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fitzcarraldos Traum. Retter gesucht: Dem Kulturpalast Rabenstein bei Chemnitz droht der Abriss, in FAZ vom 16. Juli 2011, Seite 34
  2. „Pressemitteilung Stadt Chemnitz 2. Oktober 2014: [1]