Chen-Stil

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Der Chen-Stil ist einer der ältesten Stile des Taijiquan (Chinesisches Schattenboxen).

Entstehung[Bearbeiten]

Der Chen-Stil des Taijiquan wurde im 17. Jahrhundert von der Familie Chen entwickelt und über Generationen hinweg hauptsächlich innerhalb der Familie weitergegeben. Als erste Generation der Chen-Familie gilt Chen Bo, welcher 1374 aus der Provinz Shanxi in das Dorf der Henan-Provinz zog, welches heute als Chenjiagou und als Ursprungsort des Taijiquan berühmt ist. Die Entstehung des Chen-Stils wird im Allgemeinen Chen Wangting (陳王廷, 1597–1664, 9. Generation der Chen-Familie) zugeschrieben, einem General der Ming-Dynastie, der sich nach dem Fall dieser Dynastie nicht nur den Kampfkünsten, sondern gleichermaßen dem Daoyin und Tuna (daoistische Übungssysteme, welche die Grundlage vieler heutiger Qi Gong-Stile bilden) sowie daoistischen Lehren widmete.[1]

Chen Wangting schuf mehrere Boxformen, darunter eine Langform mit 108 Figuren und eine Form Paochui („Kanonenfaust“), sowie die Übungen der „Schiebenden Hände“ (Tuishou) und der „Klebenden Speere“. Die äußere Form seiner Figuren geht hauptsächlich auf „Die 32 Formen des Boxens“ von General Qi Jiguang (16. Jahrhundert) zurück, er änderte diese jedoch entsprechend seinen Erkenntnissen ab, die er aus dem Studium des Daoyin und des Tuna sowie eines daoistischen Alchemie-Klassikers, des Huang Ting Jing (oder Huang ting nei wai yu jing jing - Klassiker des gelben Innenhofes über die innere und äußere Jadelandschaft) von Frau Wei Huacun (etwa 251–334 n.Chr.), gewonnen hatte. So entstand eine Kampfkunst, die gleichzeitig die Basis einer grundlegenden körperlichen, charakterlichen und spirituellen Transformation des Menschen bilden kann.

Arten[Bearbeiten]

Im Chen-Stil werden zwei Familien-Zweige unterschieden:

  • Dajia – großer Rahmen
  • Xiaojia – kleiner Rahmen

Der große Rahmen wird häufig nochmal unterschieden in einen Rahmen nach Chen Zhaopi und einen Rahmen nach Chen Zhaokui [2]. Obwohl sich die Bewegungs-Choreografien ähneln, kennzeichnen technische Unterschiede in der Ausführung die einzelnen Arten. So variieren die Fuß- und Hüftstellungen, die Körperhaltung und die Art der Kraftführung teilweise beträchtlich. Die überwiegende Mehrheit der heutigen Chen-Taiji-Praktiker übt den großen Rahmen. Es gibt heutzutage weitere Abzweigungen, die dem Chen-Stil zugerechnet werden können, z.B. nach Feng Zhiqiang oder Hong Junsheng u.v.m.

Die wichtigsten Generationen[Bearbeiten]

Chen Changxing[Bearbeiten]

Chen Changxing (1771–1853) fasste die von Chen Wangting überlieferten Formen in den zwei Formen des „Alten Rahmens“ Laojia zusammen. Die 14. Generation um Chen Changxing ist auch insoweit bedeutsam, als um diese Zeit das Taijiquan außerhalb der Chen-Familie Verbreitung fand. Man kann sagen, dass mit Yang Luchan (1. Generation Yang-Stil), der Schüler von Chen Changxing war, das Taijiquan begann, seine Verbreitung erst in China, dann in der ganzen Welt anzutreten. Bis heute ist die Struktur der Laojia Yilu „ersten Form des alten Rahmens“ in allen seriösen Systemen des Taijiquan erkennbar. Ebenfalls 14. Generation Chen-Stil war Chen Youben, Schöpfer des „Kleinen Rahmens“ Xiaojia[3]. Sein Schüler und Neffe Chen Qingping unterrichtete in einem Nachbardorf namens Zhaobao und zu seinen Schülern gehörte unter anderem Wu Yuxiang, den man als den Begründer des alten Wu/Hao-Stils bezeichnet.

Chen Fake[Bearbeiten]

Erst Chen Fake (1887–1957, 17. Generation der Chen-Familie), sein Sohn Chen Zhaokui (18. Generation), sein Neffe Chen Zhaopi (18. Generation) und sein Schüler Feng Zhiqiang (18. Generation) machten diesen Stil einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich, nachdem Taijiquan durch den Yang-Stil Vertreter Yang „der Unbesiegbare“ Luchan bereits berühmt geworden war. Feng Zhiqiang hat später eine Synthese aus Hunyuan Qigong, Xingyiquan und dem Chenstil des Taijiquan geformt und nennt es Chen Shi Taiji Hunyuan Xingyi.

1928 ging Chen Fake nach Peking und blieb dort bis zu seinem Tod, 1957. Er galt als einer der bedeutendsten Repräsentanten des Chen-Stils. Während seiner Zeit in Peking nutzte er die Formen und Methoden, die er aus seiner Heimat mitbrachte, um Bewegungen individuell anzupassen. Viele Bewegungen, Energien und Kräfte [jin] wurden kleiner und spiraliger, was die Form des Chen-Stils bis heute entscheidend beeinflussen sollte. Auch bekamen die Formen mehr Sprünge und wurden die Bewegungsabläufe insgesamt komplizierter. Charakteristisch ist der kompaktere Stand, dessen Schrittweite reduziert wird, und das "Falten von Brust und Taille", eine Wellenbewegung im Oberkörper [4]. Die Bewegungen wurden auch neu unterteilt, so dass die erste (langsamere) Form Yilu von 75 auf 83 Bewegungen anwuchs, die zweite (schnellere) Erlu („Paochui“) von 43 auf 71. Als Chen Fakes Sohn Chen Zhaokui später nach Chenjiagou zurückkehrte und diese Formen mitbrachte, wurden diese in Chenjiagou fortan als Xinjia „Neuer Rahmen“ bezeichnet, weil man die Formen so nicht kannte. In der Traditionslinie Chen Fakes hingegen wird darauf hingewiesen, dass die Formen und die in ihnen enthaltenen Methoden nicht neu sind, sondern einfach vorher nicht öffentlich unterrichtet unterrichtet worden waren. Die Individualisierung wird hier als ein notwendiger Schritt angesehen, um sich Können anzueignen.

Chen Zhaokui[Bearbeiten]

Chen Zhaokui (1928-1981, 18. Generation der Chen-Familie) lehrte als einziger Sohn Chen Fakes umfassend alle Formen seines Vaters. Seine Schwester Chen Yuxia unterrichtete ebenfalls vor allem die Schwertform, sein Bruder Chen Zhaoxu unterrichtete kaum und verstarb frühzeitig. Chen Zhaokui war der bekannteste Vertreter der 18. Generation und prägte den Chen-Stil in dieser Zeit wie kein anderer. Er legte Wert darauf, dass die Formen, die er unterrichtete, in keiner Weise neu waren, sondern die traditionellen Formen seiner Familie. Er kehrte einige Male nach Chenjiagou zurück, um dort die nächste Generation einzuweisen. Zu seinen Schülern gehören natürlich sein Sohn Chen Yu, aber auch Chen Xiaowang, Chen Zhenglei, Zhu Tiancai, Wang Xian, Chen Dewang, Chen Suying, Chen Guizhen und Chen Chunai, zudem viele weitere Vertreter wie Zhang Zhijun, Hai Yuqing und Zhang Maozhen, Wan Wende, Du Wencai, Zhang Caigen. [5]

Aktuelle Repräsentanten des Chen-Stils[Bearbeiten]

In direkter Traditionslinie von Chen Wangting wird noch heute das Taijiquan weitergegeben. Chen Xiaowang (陈小旺, geb. 1946, 19. Generation) und Chen Zhenglei (19. Generation, geb. 1949) sowie Zhu Tiancai und Wang Xian unterrichten heute in der ganzen Welt. Sie werden mit dem Ehrentitel „vier Buddhawächter“ bezeichnet.[6] Chen Xiaoxing unterrichtet in einer Schule in Chenjiagou, und sein Cousin Chen Yu vertritt die Linie Chen Fakes in Peking. Aktuelle Vertreter der Xiaojia-Linie (kleiner Rahmen) des Chen-Stils sind die Geschwister Chen Peishan und Chen Peiju. Chen Bin ist Leiter mehrerer Taijiquanschulen in der Tradition seines Vaters Chen Zhenglei.[7] Chen Zhenglei und Chen Bin sind in Zhengzhou, der Hauptstadt der Provinz Henan, aktiv für die Verbreitung des Taijiquan.[8] In den letzten Jahren haben die vier Buddhawächter ihr internationales Unterrichtsprogramm aus Altersgründen bereits etwas reduziert, dafür rückt die jüngere Generation nach. Neben Chen Bin und Chen Juan als Kinder von GM Chen Zhenglei sind dies im Familienzweig von Chen Xiaowang vor allem sein Sohn Chen Yingjun und seine Neffen Chen Bing und Chen Ziqiang. Ebenso Zhu Tiancais Sohn Zhu Xiang Qian und der Sohn von Wang Xian, Wang Zhanhai.

Das System des Chen-Stil Taijiquan[Bearbeiten]

Charakteristisch für den Chen-Stil ist das Wechselspiel von langsamen, weichen, fließenden Bewegungen und schnellen, explosiven Techniken, sowie die ausgeprägten Spiralbewegungen. Der Chenstil enthält im Vergleich zu einigen anderen Stilen auch noch viele Tritte und Sprünge. Das regelmäßige Training soll zu einer umfassenden Ausbildung von Geist und Körper führen. Neben einer wohltuenden Wirkung auf die Gesundheit ist der Chen-Stil eine hochentwickelte Kampfkunst. Die traditionellen Formen beinhalten eine Vielzahl verborgener Selbstverteidigungstechniken, die erst durch die Anleitung eines erfahrenen Lehrers ersichtlich werden.

Stehende Säule[Bearbeiten]

Die Stehende Säule (chinesisch 站樁 / 站桩, Pinyin Zhàn zhuāng) bzw. das Stehen wie ein Pfahl/ Baum ist eine alte Qigong-Übung, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts häufig in den Chen-Stil übernommen wurde. Sie leitet sich aus der Logik der festen Stellungen (chinesisch 定势, Pinyin Dìngshì) ab, also den gehaltenen Positionen aus der Form, die die Grundlage des Taijiquan-Trainings bilden. Mit Hilfe der Stehenden Säule baut man den Körper lotrecht und zentrumsorientiert auf und entwickelt die Taiji-typische Körperstruktur mit einer stabilen Verwurzelung (Verbindung mit der Yin-Kraft der Erde), sowie das sog. "Ding", die Verbindung des Scheitels nach oben mit den sog. Yangkräften des Kosmos. Diese Verbindung nach oben und unten ermöglicht das Entwickeln, bzw. Fließen von Spiralenergien im Körper und die Entwicklung innerer Kraft. Dabei sind detaillierte Haltungskorrekturen durch einen fähigen Lehrer von überragender Wichtigkeit. Durch langes und regelmäßiges Stehen in immer besser ausgerichteter Struktur wird einerseits der Geist zur Ruhe gebracht, andererseits die Grundlage für die innere Alchemie geschaffen, wobei „das Schwere“ nach unten „durchsinken“ kann, während „das Leichte“ aufsteigt, nämlich insbesondere der „Geist“ (chinesisch , Pinyin Shén); die vergeistigte Form der körpereigenen Energie Qi. Zugleich wird das Dantian (Nabelzentrum) entwickelt, bzw. das Gespür für dieses und die eigene Mitte als Energiezentrum (unteres Elixierfeld). Spannungen in Körper, Seele und Geist werden durch regelmäßiges Stehen abgebaut, wodurch es zu einer fortschreitenden Entspannung beim Üben der Stehenden Säule kommt und die Wahrnehmung und die psychischen Fähigkeiten erweitert werden. Am Anfang ist gerade diese Entspannung (Fangsong) oft mit dem Abbau von unbewussten Verspannungen, bzw. Verspannungsschmerzen verbunden, da durch diese Übung die Körperwahrnehmung verbessert wird, die korrekte Körperhaltung jedoch erst entwickelt werden muß und sich die Muskulatur auf die neue Anforderung (Entspannung) einstellen, bzw. die erforderliche Tiefenmuskulatur erst entwickeln muss. Das Sinkenlassen des Gewichts erlaubt die Ausbildung eines erstaunlich stabilen Standes – die sogenannte „Wurzelkraft“ bzw. „Verwurzelung“. Ein Meister dieser Kunst kann völlig entspannt stehen bleiben, während beträchtliche äußere schiebende Kraft auf ihn einwirkt, die er durch seine starke Verwurzelung neutralisiert und ggf. auch seitlich ableitet, indem er sein Zentrum verlagert.

Das „Aufsteigen des Geistes (chinesisch , Pinyin Shén)“ bildet übrigens auch die Grundlage für alle Formen der sogenannten „Erleuchtung“.

Seidenübungen[Bearbeiten]

Das „Seidenfadenziehen“ oder die „Seidenübungen“ (chinesisch 缠丝功, Pinyin Chánsīgōng bzw. 蚕丝功, Cánsīgōng) bilden heutzutage oft ein Kernstück in der Praxis des Chen Taijiquan. Sie beschreiben Basisübungen, die aus einzelnen Formbewegungen bestehen. Chen Xin (16. Generation, 1849–1929) beschreibt in seinem Werk die grundlegende Theorie der seidenspulenden Kraft (缠丝劲, Chánsījìn), aber keine der modernen Seidenübungen.

Teilweise werden die Übungen mit dem Fokus auf Qi trainiert, welches im Dantian gesammelt wird und von diesem in den Körper fließt, bzw. "geschickt" wird (Jin, Fa Jin). In diesem Fall trainieren die Übungen einerseits gezielt einzelne Qi-Kreisläufe im Körper. In einfachen, ständig wiederholten Bewegungen erfährt der Übende die unterschiedliche Qualität von „Yin“ (aufnehmendes, zurückziehendes Prinzip) und „Yang“ (ausdehnendes, abgebendes Prinzip, siehe auch Taiji). Der Kreislauf wird weiter unterteilt in: wachsendes (junges) Yin, sich vervollständigendes Yin, wachsendes Yang, sich vervollständigendes Yang. Diese Unterteilung kann noch weiter in acht, sechzehn, ... Phasen verfeinert werden. Die Viertelphasen sind zum Beispiel für die korrekte Gewichtsverlagerung relevant, die Achtelphasen für die Schrittarbeit. Die Verfeinerung dieser Energiearbeit erlaubt es, den eigenen Zustand sowie den des Gegners immer klarer wahrzunehmen und ist von zentraler Wichtigkeit für den Fortschritt der kämpferischen Fähigkeiten.

Andererseits werden durch die Bewegung unter Beibehaltung der Struktur aus der stehenden Säule die sogenannten „Seidenfäden“ ausgebildet. Dieses eher fortgeschrittene Konzept erschließt sich erst nach langjähriger ernsthafter Übungspraxis. Die „Seidenfäden“ stehen hierbei für Verbindungen zwischen einander entsprechenden Punkten im Körper, wodurch die Bewegungen eine ganzheitliche und dadurch im fortgeschrittenen Stadium „unwiderstehbare“ Qualität erhalten. ("Steht die Hand still, steht der ganze Körper still. Bewegt sich die Hand, bewegt sich der ganze Körper.") Der theoretische Rahmen für die Seidenübungen ebenso wie für die Stehende Säule ist durch die „äußeren drei Zusammenschlüsse“ (chinesisch 外三合, Pinyin Wàisānhé) gegeben. Diese besagen, dass sich 1. Schultern und Hüften, 2. Ellbogen und Knie, und 3. Hände und Füße zusammenschließen. So findet schließlich jeder Punkt im Körper seine Entsprechungen. Dies hat verschiedene Effekte zur Folge, die den Rahmen dieses Artikels sprengen würden (s. Literaturliste).

In anderen Fällen wird die seidenspulende Kraft eher körpermechanisch umgesetzt und bezieht sich weniger auf Qi-Kreisläufe, sondern auf das Erzeugen von Jìn-Kräften vornehmlich über Bewegungsmechaniken, die den Vergleich mit der Seidenraupe suchen, woher sich der Name dieser Bewegungsart entlehnt.

Taiji Taolu – Die Taijiform[Bearbeiten]

Die Form ist das Kernstück, unterteilt in Laojia Yilu (1. Form alter Rahmen) und Laojia Erlu (2. Form alter Rahmen, „Paochui“) sowie Xinjia Yilu (1. Form neuer Rahmen) und Xinjia Erlu (2. Form neuer Rahmen, „Xinjia Paochui“). Die Waffenformen des Chenstils sind: Schwert, Doppelschwert, Säbel, Doppelsäbel, Stock/Speer, Hellebarde (Chen Wangting's Lieblingswaffe) und Doppelstock (bzw. Doppeleisenstange). Neuerdings sind auch eine Fächer- und eine Doppelfächerform dazugekommen.

Außerdem gibt es noch verschiedene andere Elemente des Systems, die von einigen namhaften Persönlichkeiten vertreten werden, von anderen nicht, so zum Beispiel Übungen mit Bällen und schweren Kugeln oder auch Übungen mit einem 3m Langstock (Dagan).

Die Formen können unter mehreren Gesichtspunkten betrachtet werden. Zunächst werden hier die Bewegungsprinzipien der Seidenübungen in erheblich erweitertem Variationenreichtum durchgeführt. Dies erlaubt dem Übenden mit der Zeit eine immer feinere Kontrolle über die Wandlungen des Qi. Andererseits sind in den Bewegungen zahlreiche Selbstverteidigungsanwendungen versteckt. Auch haben manche Sequenzen der Form einen „gymnastischen“ Effekt. Das Üben einer langen Form hat auch meditativen Wert: Je konzentrierter der Übende in der Bewegung aufgeht, desto mehr Bedeutung und Wirkung erhält seine Taijiform. Dieser Aspekt wird durch die „drei inneren Zusammenschlüsse“ (chinesisch: Neisanhe) beschrieben, d.h., es schließen sich zusammen: 1. Geist und Herz, 2. Qi und Körperkraft, 3. Knochen und Sehnen. Oder anders ausgedrückt: ein geeintes Bewusstsein lenkt die Energie, die die Bewegungen des Körpers bewirkt.

Beim Üben mit Waffen kann der fortgeschrittene Übende lernen, sein Qi nicht nur durch den eigenen Körper, sondern auch durch die Waffe fließen zu lassen. Diese Erweiterung des Bewusstseins in einen um die Reichweite der Waffe vergrößerten Raumbereich ist heute, neben dem rein sportlichen Wert des Übens mit schweren Waffen, der hauptsächliche Grund für die Waffenformen. Früher bezogen diese ihren Wert natürlich aus der Überlegenheit des Bewaffneten auf dem Schlachtfeld.

Bekannte Formen des Chen Taijiquan[Bearbeiten]

  • Laojia Yilu (1. Form alter Rahmen) – 73 Bewegungen
  • Laojia Erlu (2. Form alter Rahmen, Paochui) – 41 Bewegungen
  • Xinjia Yilu (1. Form neuer Rahmen) – 83 Bewegungen
  • Xinjia Erlu (2. Form neuer Rahmen) – 71 Bewegungen
  • Xiaojia Yilu (1. Form kleiner Rahmen) – 73 Bewegungen
  • Xiaojia Erlu (2. Form kleiner Rahmen) – 41 Bewegungen
  • einfacher Säbel (Dan Dao) – 23 Bewegungen
  • Doppel-Säbel (Shuang Dao) – 35 Bewegungen
  • einfaches Schwert (Dan Jian) – 50 Bewegungen
  • Doppelschwert (Shuang Jian) – 39 Bewegungen (1938 Chen Zhaopi)
  • Langstock (Gun) / Speer (Qian) – 71 Bewegungen
  • 3m Langstock (Dagan) – 13 Bewegungen
  • Hellebarde (Guan Dao) – 30 Bewegungen

Weniger bekannte Waffenformen[Bearbeiten]

  • Doppelstock – ? Bewegungen
  • Dreschflegel – ? Bewegungen

Vereinfachte Anfängerformen[Bearbeiten]

  • 38 Bewegungen – Chen Xiaowang
  • 20 Bewegungen – Chen Peishan
  • 19 Bewegungen – 1995 Chen Xiaowang
  • 18 Bewegungen – Chen Zhenglei
  • 13 Bewegungen – 1997 Zhu Tian Cai
  • 9 Bewegungen – 2013 Chen Xiaowang
  • 4 Bewegungen – Zhu Tian Cai

Schiebende Hände[Bearbeiten]

„Schiebende Hände“ (chinesisch 推手, Pinyin Tuī Shǒu) ist Taijiquan zu zweit. Es gibt verschiedene Übungsroutinen: ein- und zweihändiges Tuishou, ohne und mit Schritten, in höheren oder auch sehr tiefen Stellungen, mit festgelegten oder freieren Abläufen. „Hört“ man im Einzeltraining nur auf die eigene Energie (Qi, siehe Seidenübungen), so kommt beim Tuishou noch die Energie (chinesisch , Pinyin jìn)[9][10][11][12] des Übungspartners dazu, man kann u.a. durch die Krafteinwirkung des Partners seine Struktur überprüfen und sein Gefühl für Distanz und das sogenannte "Kleben" entwickeln. Beim Kleben bleiben die Arme wie magnetisch verbunden, der Druck ist im Idealfall jedoch nur so graoß, daß ein Käfer dabei festgehalten, aber nicht zerquetscht würde. Das Schiebende-Hände-Training ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Anwendbarkeit des Taijiquan als Kampfkunst. Es gibt auch Tuishou-Übungen, die in Form eines Wettkampfes - in den Varianten „Dingbu“ (chinesisch 丁步, Pinyin Dīng Bù ‚fester Stand‘) und „Huobu“ (chinesisch 活步, Pinyin Huó Bù ‚beweglicher Schritt‘) - durchgeführt werden können. Sie ermöglichen die Überprüfung des eigenen Trainingsfortschritts durch die Wechselwirkung mit dem Trainingspartner. Auf Wettkämpfen sieht man zunehmend auch freien Kampf, auch Sanshou genannt.

Meditation[Bearbeiten]

Innerhalb einiger Traditionslinien der Chen-Familie wird auch ein Meditationsprogramm gepflegt. Wie dieses aufgebaut ist, unterliegt der jeweiligen Traditionslinie. Oft werden neben der Stehenden Säule (Zhan Zhuang) zunächst im Sitzen Armbewegungen ausgeführt, die an die Seidenübungen angelehnt sind. Diese Armbewegungen bieten unter anderem dem unruhigen Geist einen Haltepunkt, nach der daoistischen Idee des „zehntausend Gedanken durch einen Gedanken ersetzen“.

Quellen[Bearbeiten]

  1. Jan Silberstorff: Chen. Lebendiges Taijiquan im klassischen Stil. Lotos Verlag, München 2003. ISBN 3-7787-8148-0, S. 28f.
  2. Ausführliche Beschreibung des Chen-Stils auf Taiji Europa
  3. Text über Xiaojia bei Fangsong, Radolfzell
  4. Text über den Chen-Stil nach Chen Fake
  5. Text über Chen Zhaokui, sein Leben und seine Unterrichtsweise
  6. Internal Arts - 4 Buddha Wächter. Abgerufen am 14. März 2015.
  7. Chen Bin, Großmeister Chen-Taijiquan. Abgerufen am 14. März 2015.
  8. Chen Village Tai Chi Chuan Training Center (englisch). Abgerufen am 14. März 2015.
  9. Täglich. Chinesisch. :: Zeichen: 劲. Abgerufen am 26. März 2015.
  10. Jin - Innere Energie. Abgerufen am 26. März 2015.
  11. TQJ-Artikel über die Kraft im Taijiquan. Abgerufen am 28. März 2015.
  12. Taiji-Energien: Anhaften, hören und interpretieren. Abgerufen am 26. März 2015.