Chephren-Pyramide

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Chephren-Pyramide
Khephren 009.jpg
Ägyptischer Name
Hiero Ca1.svg
ra xa f
Hiero Ca2.svg
wr O24

Wer Chaefre
wr ḫ3=f Rˁ
Chephren ist groß / Größe/Großartigkeit Chephrens[1]
(mit Determinativ für Pyramide)
Daten
Ort Gizeh
Erbauer Chephren
Bauzeit 4. Dynastie
Basismaß 215 m
Höhe (ursprünglich) 143,5 m
Höhe (heute) 136,4 m
Volumen 2.211.096 m³
Neigung 53°10′
Kultpyramide ja
Königinnenpyramiden keine

Die altägyptische Chephren-Pyramide ist nicht nur die zweithöchste der Pyramiden von Gizeh, sondern auch die zweithöchste aller ägyptischen Pyramiden. Dass sie trotzdem höher als die Cheops-Pyramide erscheint, liegt vor allem an dem steileren Neigungswinkel und an dem etwas höheren Untergrund. Sie wurde wie alle Pyramiden von Gizeh in der 4. Dynastie um 2550 v. Chr. erbaut und erhielt den Namen Wer Chaefre (‚Chaefre ist groß‘).

Pharao Chephren (auch Chaefre), der hier bestattet wurde, war der Halbbruder seines Vorgängers Radjedef (alternative Lesung Djedefre) und Sohn von Pharao Cheops (auch Chufu), der ebenfalls in Gizeh begraben wurde. Auf dem Ostfriedhof in Gizeh findet man eine große Doppelmastaba (Nr. G7130-40), die nach Stadelmann dem Königssohn Chaefchufu zuzuordnen ist. Dieser Chaefchufu änderte nach dem Tode seiner Halbbrüder Kawab und Djedefre sowie seiner Machtübernahme den Namen in Chaefre (‚Er erscheint wie Re‘).

Daten[Bearbeiten]

  • Höhe: 143,87 m (275 Königsellen); 143,87/275 = 0,523 m pro Elle
  • Seitenlänge: 215,29 m (410 Königsellen); 215,29/410 = 0,525

Die Pyramide[Bearbeiten]

Die Chephren-Pyramide liegt südwestlich derjenigen seines Vaters und damit in der Mitte der drei Pyramiden von Gizeh auf einer Terrasse. Die Stufen der Nordwestecke der Basis sind etwa 10 m in den Felsen eingehauen, die gegenüber liegende Südostecke wurde massiv hochgemauert, um das leichte Gefälle der Terrasse auszugleichen. Der Steinbruch für das Baumaterial liegt unmittelbar vor Ort. Die waagerecht verlegten Steinlagen sind grob behauen, die Fugen sehr breit, und oft fehlt der Mörtel; der Pyramidenkern ist handwerklich deutlich schlechter ausgeführt als bei der Cheops-Pyramide.

Die Verkleidung der beiden unteren Lagen bestand aus Granit, die weitere Verkleidung aus Kalkstein.

An der Spitze der Chephren-Pyramide sind noch Reste der Verkleidung vorhanden, das Pyramidion existiert nicht mehr.

Aufgrund der fortschreitenden Erosion wurde die erhaltene Kalksteinverkleidung von italienischen Fachleuten untersucht. Bei dieser Gelegenheit wurden starke Verschiebungen der Eckkanten registriert und mittels Computersimulation auch Erdbeben als Ursache ermittelt.

Bereits in der 19. Dynastie hat Ramses II. mit dem Steinraub begonnen. Er verwendete die Kalksteinverkleidung für den Bau eines Tempels in Heliopolis (Felsinschriften des Vorstehers der Tempelarbeiten Maj).

Zwischen den Jahren 1356 und 1362 entfernte man weitere Teile der Verkleidung für den Bau der Hassan-Moschee in Kairo.

Die Substruktur[Bearbeiten]

Querschnitt durch die Chephren-Pyramide

Die Pyramide besitzt zwei absteigende Zugänge im Norden. Beide liegen übereinander, der untere beginnt 30 m außerhalb des Bauwerks auf Bodenniveau, der obere 11,5 m über der Grundfläche. Die untere Passage mündet in einen horizontalen Stollen, von dem eine Nebenkammer abzweigt (10,41 × 3,12 m, 2,61 m hoch). Es wird vermutet, dass diese Kammer die gleiche Funktion wie die sogenannte Königinnenkammer der Cheops-Pyramide hatte. Hinter dem horizontalen Stollen steigt die Passage wieder an und trifft knapp unter Bodenniveau auf den von oben kommenden zweiten Zugang. Der nun gemeinsame Gang verläuft nunmehr waagerecht zur Grabkammer im Zentrum des Bauwerks.

Die Grabkammer misst 14,15 × 5 m und hat eine Höhe von 6,83 m. Die Decke besteht aus mächtigen, schräg liegenden Kalksteinbalken, die Wände bestehen bereits aus gewachsenem Fels. Bis auf Belzonis Graffito ist die Kammer unbeschriftet und enthält nur noch den Sarkophag aus Granit, der halb in den Boden eingelassen ist. Der Schiebedeckel lag zerbrochen in der Kammer, aufgefundene Knochen stammten von Stieren. Ein kleiner Schacht im Boden barg wahrscheinlich die Kanopen.

Es ist anzunehmen, dass die Pyramide bereits erstmals in der Ersten Zwischenzeit beraubt wurde. Der Historiker Ibn Abd as-Salam vermerkt eine weitere Öffnung der Pyramide im Jahr 774 nach islamischer Zeitrechnung (= 1372 n. Chr.), doch wurde diese anscheinend wieder verschlossen.

Am 2. März 1818 wurde die Grabkammer von Belzoni wiederentdeckt. Gegenüber dem prächtigen Kammersystem des Cheops wirkt die bislang entdeckte Struktur des Chephren jedoch eher einfach.

Der Pyramidenbezirk[Bearbeiten]

Die Sphinx vor der Chephren-Pyramide

Die Pyramide wurde von einer massiven Umfassungsmauer umgeben, die allseits einen über 10 m breiten gepflasterten Hof bildete. Weiter nördlich, westlich und südlich lokalisierte man Wallreste, die wohl die Abgrenzung des ganzen Komplexes bildeten. Auf der Südseite, außerhalb der Umfassungsmauer, liegen die Reste einer Nebenpyramide (Nr. G2a). Es ist strittig, ob es sich bei dieser Pyramide um eine Kultpyramide oder das Grab einer Gemahlin des Chephren handelt.

Wie seit Snofru üblich, besitzt auch die Chephren-Pyramide die Dreiteilung Taltempel, Aufweg und Totentempel. Der Totentempel ist östlich der Pyramide vorgelagert. Der König hat hier erstmals ein neues Baumuster eingeführt, das alle folgenden Totentempel aufweisen:

  • Eine Eingangshalle,
  • einen offenen Säulenhof,
  • fünf Nischen für Königsstatuen (Statuenkapellen),
  • fünf Kammern als Magazine,
  • das Allerheiligste mit Scheintüre und/oder Stelenpaar.

Der Tempel war aus örtlichem Kalkstein errichtet, im Inneren mit Granit ausgekleidet und mit farbigen Reliefdekorationen versehen. Die Pfeiler des Hofes bestanden ebenfalls aus Granit. Bruchstücke beweisen, dass der Tempel mit zahlreichen Statuen des Königs versehen war, von denen einige 3,75 m hoch gewesen sein sollen.

Der 495 m lange Aufweg zwischen Tal- und Totentempel ist nur noch in Resten erhalten. Er bestand wahrscheinlich aus einem gedeckten Korridor aus Kalksteinen, außen mit Granit verkleidet und im Inneren mit Reliefs verziert. Der Aufweg verläuft nicht gerade auf der Ost-West-Achse, sondern ist leicht verschoben, um nicht mit der Sphinx in Konflikt zu geraten. Einige Ägyptologen sehen darin den Nachweis, dass die Sphinx bereits vor der Regierungszeit des Chephren geschaffen wurde.

Der Taltempel der Chephren-Pyramide liegt unmittelbar neben dem Sphinx-Tempel am ehemaligen, antiken Hafenkai des Pyramidenbezirks. Der bauliche Zustand ist heute noch ausgezeichnet. Errichtet wurde er aus großen Kalksteinblöcken, die mit polierten Granitplatten verkleidet wurden.

Der Zugang erfolgte vom Kai her über zwei Pforten, die früher mit riesigen Türen aus Zedernholz verschlossen waren. Beide Eingänge münden in eine Querhalle, von der ein zentraler Gang in eine große, T-förmige Pfeilerhalle führt. Die 16 Säulen bestehen aus Granitmonolithen und trugen das Dach. Die Beleuchtung erfolgte durch schmale Schlitze im oberen Teil der Wände. Der Fußboden bestand aus weißem Alabaster. In dieser Halle waren an den Seiten 23 oder 24 Königsstatuen aufgestellt. Eine dieser Statuen besteht aus Diorit und wurde in sehr gut erhaltenem Zustand von Auguste Mariette gefunden und ist heute im Ägyptischen Museum von Kairo zu sehen. Die übrigen Statuen waren mehr oder weniger zerstört. Von ihnen befindet sich der Kopf einer Statue im Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim.

Der Aufweg zum Totentempel beginnt ebenfalls in der Pfeilerhalle.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Allgemeines
  • Miroslav Verner: Die Pyramiden. Rowohlt, Reinbek 1999, ISBN 3-499-60890-1, S. 254–264.
  • Mark Lehner: Geheimnis der Pyramiden. Econ, Berlin 1997, ISBN 3-572-01261-9, S. 122–132.
  • Zahi Hawass: Giza, Khafre pyramid complex. In: Kathryn A. Bard (Hrsg.): Encyclopedia of the Archaeology of Ancient Egypt. Routledge, London 1999, ISBN 0-415-18589-0, S. 342–45.
  • Zahi Hawass: Die Schätze der Pyramiden. Weltbild-Verlag, Augsburg 2003, ISBN 3-8289-0809-8, S. 130–133.
  • Uvo Hölscher: Das Grabdenkmal des Königs Chepren (= Veröffentlichungen der Ernst von Sieglin Expedition in Ägypten. Bd. I). Leipzig 1912 (Onlineversion).
  • Rainer Stadelmann: Die ägyptischen Pyramiden. von Zabern, Mainz 1991, ISBN 3-8053-1142-7, S. 130–140.
  • Rainer Stadelmann: Die großen Pyramiden von Giza. Akad. Druck- u. Verlagsanstalt, Graz 1990, S. 1, 76–191
Detailfragen
  • Dieter Arnold: Zur Zerstörungsgeschichte der Pyramiden: Ein Vortrag. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo. (MDAIK) Bd. 47, 1991, S. 21–27.
  • Jürgen Becker: Der Bau der Chephren-Pyramide. In: Sokar. 10, 2005, S. 24–37.
  • Jürgen Becker: Die Chephren-Pyramide. Ihre Baugeschichte von der topographischen Situation am Standort vor Baubeginn bis zum Plan des Kammersystems. In: Sokar. 9, 2004, S. 18–27.
  • Jürgen Becker: Die Chephren-Pyramide. Planänderung des Baukörpers und ihre Auswirkung auf das Kammersystem. In: Sokar. 8, 2004, S. 8–17.
  • John A. R. Legon: The Design of the Pyramid of Khaefre. In: Göttinger Miszellen (GM) Bd. 110, 1989, S. 27–34.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Chephren-Pyramide – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Roman Gundacker: Zur Struktur der Pyramidennamen der 4. Dynastie. In: Sokar, Nr. 18, 2009, S. 26–30

29.97586111111131.130361111111Koordinaten: 29° 58′ 33″ N, 31° 7′ 49″ O