Chersones (Stadt)

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Basilika 1935, Ende 6. bis Ende 10./Anfang 11. Jh.
Glocke von Chersones
Alte 1-Hrywnja-Note zeigte die Ruinen von Chersones
Basilika 1935
Ruinen
Wladimir-Kathedrale

Die antike Stadt Chersones (griechisch Χερσόνησος Halbinsel, auch Cherson, antik Chersonesos, Herakleia) liegt am Südufer der größten der insgesamt 38 Buchten von Sewastopol (Sewastopol’skaja buchta) geschützt hinter einigen Hügeln, am äußersten Südwestzipfel der Halbinsel Krim am Schwarzen Meer in der heutigen Ukraine. Neben Chersones wurde 1783 die heutige Großstadt Sewastopol gegründet.

Urgeschichte[Bearbeiten]

Vor 300.000 Jahren sollen frühe Vertreter der Menschen in Höhlen und Grotten auch bei Chersones gesiedelt haben.

Griechischer Stadtstaat[Bearbeiten]

422 v. Chr. entstanden die ersten griechischen Kolonien auf der Krim. Sie vertrieben die als räuberisch geltenden Taurer und errichteten Festungen mit dazugehörenden Häfen. Sie bauten nachweislich auf der Krim auch erstmals Wein an sowie Getreide und Obst.

Dabei wurde die Krim geografisch aufgeteilt: die ionischen Kolonisten aus Milet gründeten Theodosia, Pantikapaion, Mirmekion und Nimpheion auf der Halbinsel Kertsch im Osten der Krim am Asowschen Meer, während dorische Kolonisten aus Herakleia Pontike den Südwesten der Krim besiedelten. Hier entstanden Kerkintida (heute Jewpatoria), Kalamita (heute Sewastopol), Kalos-Limen (heute Tschernomorsk) und eben Chersones (Chesona), das zunächst Herakleia nach der Mutterstadt genannt wurde.

Im 2. Jahrhundert v. Chr., als die Skythen die Griechen angriffen, konnte sich die griechische Polis (altgriech. Stadtstaat) Chersones nicht mehr alleine schützen und musste deshalb den König von Pontos um Hilfe bitten. Dabei verlor das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum der südwestlichen Krim seine Unabhängigkeit.

Römischer Vorposten und Chasaren-Khanat[Bearbeiten]

Im Jahre 63 n. Chr. riefen die Stadtbewohner von Chersones Rom zum Schutz vor den Barbaren. Chersones wurde dem römischen Imperium einverleibt und diente von nun an als Vorposten der römischen Eroberungspolitik am Nordufer des Schwarzen Meeres. Die Münzen der Stadt Chersonesos aus der Kaiserzeit haben die Aufschrift CHerson/e/soy eleytheras, sogar basileyo?s/e/s, und weder Königs- noch Kaisernamen oder Kopf.[1]

Die Stadt verblieb als römisch-byzantinischer Handelsvorposten bis ins späte 7. Jahrhundert beim Imperium und diente diesem als Verbannungsort, unter anderem für Papst Martin I., auch Kaiser Justinian II. wurde dorthin nach seinem ersten Sturz 695 verbannt.

Während des byzantinischen Bilderstreits im 8. und 9. Jahrhundert stand Chersones unter chasarischem Einfluss und war für Byzanz eher Handelsniederlassung denn militärischer Stützpunkt. Dadurch wurde es Zufluchtsort byzantinischer Bilderverehrer während der Herrschaft bilderfeindlicher Kaiser.

Byzantinische Zeit[Bearbeiten]

Hauptartikel: Thema von Cherson

Als Gegenleistung für die Hilfe beim Bau der chasarischen Festung Sarkel an der Don-Mündung erhielt Byzanz 838 die Kontrolle über die Stadt Chersones zurück, die ihren griechisch-byzantinischen Charakter dann bis zur Zerstörung um 1400 bewahrte.

Um 985 besetzte der mit Byzanz gegen Bulgarien verbündete Kiewer Großfürst Wladimir I. die Stadt, mit dem Ziel, dadurch die Heirat mit Anna, der Schwester des byzantinischen Kaisers, zu erzwingen. Byzanz willigte ein, machte aber neben der Rückgabe Chersones auch die Taufe Wladimirs und die Christianisierung der Rus zur Bedingung für die Heirat.

Die byzantinische Herrschaft dauerte dann weiter bis zum 4. Kreuzzug 1204 an, nach dem Chersones zunächst an das byzantinische Teilreich von Trapezunt und im weiteren Verlauf des frühen 13. Jahrhunderts dann an die Republik Genua fiel, bis es schließlich um 1400 von der Weißen Horde zerstört und danach nicht wieder aufgebaut wurde.

Russische Neugründung[Bearbeiten]

1783 gründete Zarin Katharina II. neben Chersones die Stadt Sewastopol; das antike Chersones wurde nicht überbaut. Etwa 1820 begannen russische Archäologen mit Ausgrabungen und legten Teile der Stadt frei. Die sowjetische Schwarzmeerflotte war weniger rücksichtsvoll als Katharina II., sie errichtete mitten im Ausgrabungsfeld militärische Bauten, die aber heute wieder abgebaut sind.

Chersones heute[Bearbeiten]

Heute kann man das archäologische und historische Freilandmuseum „Chersones von Tauria“ besichtigen. Im Sommer findet hier im frei gelegten Amphitheater das jährliche Theaterfestival Die Spiele von Chersones statt. Seit Sommer 2013 trägt Chersones den Titel Weltkulturerbe.[2]

Sonstiges[Bearbeiten]

Auf Kreta gab es zwei weitere antike Siedlungen ähnlichen Namens:

  • Chersonasos, ganz an der westlichen Spitze von Kreta zwischen Platanos und Stomio an der Küste gelegen, und
  • Chersonasos (Chersonaos) an der nordöstlichen Küste Kretas, nördlich des heutigen Chersonissos, zwischen Iraklio und Mália.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Alfred von Sallet: Die Münzen von Chersonesus in der Krim. In: Zeitschrift für Numismatik. Bd. 1, 1874, ZDB-ID 501259-4, S. 17–32, hier S. 27; Alfred von Sallet: Ein Goldstater der taurischen Chersonesus mit dem Beinamen BACIΛEYOYCA und einer Jahreszahl der Chersonesischen Ära. In: Zeitschrift für Numismatik. Bd. 4, 1877, S. 273–277, hier S.273; zitiert nach Mommsen.
  2. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/unesco-kassels-bergpark-wilhelmshoehe-mit-herkules-wird-welterbe-a-907377.html

44.61138888888933.491944444444Koordinaten: 44° 36′ 41″ N, 33° 29′ 31″ O