Cherti

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Cherti (engl. Kherty), ist der Name eines altägyptischen Unterweltsgottes, der ab der Mitte der Zweiten Dynastie sicher belegt ist. In den Pyramidentexten des ausgehenden Alten Reiches gilt er als Fährmann und Geleiter der nichtköniglichen Personen in das Totenreich des Osiris. Hauptkultorte sind Letopolis (nordwestlich von Memphis) sowie nach den Pyramidentexten auch Nesat (Nz3t). Cherti wird meist als mumifizierter liegender Widder dargestellt.

Cherti in Hieroglyphen

Cherti im ausgehenden Alten Reich[Bearbeiten]

Cherti wird als Toten- und Nekropolengott in Totendomänennamen der 5. und 6. Dynastie im memphitischen Raum erwähnt, nicht aber in Privatgräbern dieser Zeit. Vor allem in den Pyramidentexten wird er häufig genannt.

Die Pyramidentexte sind eigentlich königliche Texte, die erst ab der Ersten Zwischenzeit demokratisiert und von Privatpersonen verwendet werden. Trotzdem ist in die Texte auch nichtkönigliches Gedankengut eingeflossen.[2] So gilt Cherti in den Pyramidentexten als Fährmann, der die Toten über einen Fluss ins Jenseits des Osiris bringt. Der König dagegen wünscht sich ein Jenseits auf der Sonnenbarke des Re, nicht aber im unterweltlichen Totenreich des Osiris, in das seine Beamten eingehen wollen. Vor diesem Hintergrund wird die Polarisierung und königliche Polemik gegen Cherti verständlich, wie in Spruch 264 (Pyr. 350)

Er (Re) hat den Teti aus der Hand von Cherti weggenommen, nicht übergibt er ihn dem Osiris
nicht starb Teti den Tod.
Er wurde verklärt im Horizont, er ist ewig geworden in Heliopolis.[3][4]

Spätere Überlieferungen[Bearbeiten]

Nach dem Alten Reich werden die Belege für Cherti spärlicher.

Obwohl der Kult des Cherti im Mittleren Reich weiter besteht und Cherti auch in Personennamen vorkommt, ist er nicht in den Sargtexten belegt. An seine Stelle tritt der göttliche Fährmann Aken, der in Spruch 396 von Mahaf geweckt werden muss. Auch im ägyptischen Totenbuch des Neuen Reiches, das viel Gedankengut der Sargtexte bewahrt und weiterentwickelt hat, kommt Cherti nicht vor. Stattdessen wird in Spruch 99 A beim Herbeirufen der Fähre ins Jenseits wieder Aken genannt.

Dagegen kommt Cherti in der 9. Stunde des Amduat vor, einem Unterweltsbuch, das in vielen Königsgräbern des Neuen Reiches aufgezeichnet ist. Dort ruht Cherti als Widderidol in der 5. Szene der 9. Stunde auf einem Korb
V30
, der dem hieroglyphischen Zeichen entspricht.

Siehe auch[Bearbeiten]

Kommentierte Übersetzungen[Bearbeiten]

  • R. O. Faulkner, The Ancient Egyptian Pyramid Texts, Oxford 1969
  • R. O. Faulkner, The Ancient Egyptian Coffin Texts, Warminster 1973
  • Erik Hornung, Ägyptische Unterweltsbücher, Zürich 1972
  • Erik Hornung, Das Totenbuch der Ägypter, Zürich und München 1979
  • Kurt Sethe, Übersetzung und Kommentar zu den altägyptischen Pyramidentexten, Band II, Glückstadt/Hamburg 1938

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Bonnet, Reallexikon der Ägyptischen Religionsgeschichte, Berlin/New York 1971, S. 135
  • Peter Kaplony, im: Lexikon der Ägyptologie, Band I, 1975, Sp. 944f
  • R. Weill, in: Miscellania Gregoriana, Vatikan 1941, S. 381-391

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kurt Sethe, Die altägyptischen Pyramidentexte Band II, Reprint Hildesheim 1969, S. 214, Spruch 534
  2. Vgl. z. B. Kurt Sethe, Übersetzung und Kommentar zu den altägyptischen Pyramidentexten, Band II, S. 226f.
  3. vgl. Sethe, a. a. O.
  4. vgl. R. O. Faulkner, The Ancient Egyptian Pyramid Texts, S.74