Cheshire Cat

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Die Cheshire Cat in Carrolls Alice im Wunderland, 1866

Die Cheshire [ˈtʃɛʃə] Cat (Cheshire-Katze, in deutschen Übersetzungen Edamer-Katze, Grinsekatze oder Grinse-Katze) ist eine Figur aus dem Roman Alice im Wunderland (Alice's Adventures in Wonderland) von Lewis Carroll. Erstmals gezeichnet hat sie Sir John Tenniel 1865 für die 1866 erschienene Ausgabe des Buches.

Namensherkunft[Bearbeiten]

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Originalillustration John Tenniels zu Carrolls Alice im Wunderland, 1865

Der englische Originalname der Katze bezieht sich auf die nordenglische Grafschaft Cheshire, wo Carroll 1832 in Daresbury zur Welt kam und seine Kindheit verbrachte. Der Ausdruck „to grin like a Cheshire cat“ („Wie eine Cheshire-Katze grinsen“) ist eine alte englische Redewendung. In deutschen Übersetzungen wird der Name oft mit Grinsekatze wiedergegeben. Der Grund dafür ist das charakteristische Grinsen der Katze und wohl insbesondere die Tatsache, dass die Katze verschwinden kann, während ihr Grinsen sichtbar bleibt.

Die englische Redewendung „grin like a Cheshire cat“ bedeutet „breites Grinsen“. Über die Herkunft dieser Redewendung gibt es mehrere Vermutungen. Die eine Möglichkeit ist, dass diese auf den Chester-Käse (engl. Cheshire cheese) zurückzuführen ist, welcher früher in Form einer Katze geformt wurde. Die Katze „grinste“, weil die Grafen von Cheshire das Privilegium hatten, keine Steuern an die Krone zahlen zu müssen.

Eine andere Version ist, dass ein schlechter Schildermaler dafür verantwortlich war, dass auf vielen Schildern der alten Gasthöfe in Cheshire Löwen dargestellt wurden, die wie grinsende Katzen ausgesehen haben.

Die unwahrscheinlichste Alternative ist mit der Regierungszeit von Richard III. verbunden: Es soll einen Förster namens Caterling gegeben haben. Dieser wollte die Wilderei ausrotten und war für die Hinrichtung von über hundert Wilderern verantwortlich. Bei den Hinrichtungen sei er immer „grinsend von Ohr zu Ohr“ dabei gewesen. Sein Grinsen sei sprichwörtlich gewesen und sein Name später über „Catling“ zu „Cat“ verkürzt worden.

Die drei Herkunftsalternativen sind im Buch „Credit to Word and Phrase Origins“ von Robert Hendrickson (1997) dargelegt.

Alice im Wunderland[Bearbeiten]

Das Tier taucht im sechsten Kapitel, Ferkel und Pfeffer (Pig and Pepper), auf:

„Please would you tell me,“ said Alice, a little timidly, for she was not quite sure whether it was good manners for her to speak first, „why your cat grins like that?“
„It’s a Cheshire-Cat,“ said the Duchess, „and that’s why. […]“

In deutschen Übersetzungen (hier von Antonie Zimmermann für die Ausgabe von 1869) wird daraus die Grinse-Katze:

„Wollen Sie mir gütigst sagen,“ fragte Alice etwas furchtsam, denn sie wußte nicht recht, ob es sich für sie schicke zuerst zu sprechen, „warum Ihre Katze so grinst?“
„Es ist eine Grinse-Katze,“ sagte die Herzogin, „darum! […]“

Weitere Verbreitung[Bearbeiten]

Ein Stofftier (Kinder-Museum von Indianapolis)

Das Motiv der Cheshire Cat wurde von zahlreichen Künstlern aufgegriffen und in unzähligen Variationen verbreitet, sei es als nachempfundenes oder neugestaltetes Bild wie in neueren Illustrationen des Buches oder auch als Zeichentrickfilm-Figur in der Disney-Produktion Alice in Wonderland von 1951. In der englischen Verfilmung des Stoffes von 1999 als Spielfilm unter dem Originaltitel Alice in Wonderland wird die Grinsekatze von Whoopi Goldberg dargestellt.

Auch in Texten anderer Autoren taucht die Cheshire Cat auf, etwa als gleichnamige Figur in der Romanserie von Jasper Fforde, dessen Werk für seinen Reichtum an literarischen Anspielungen bekannt ist.

Blutrünstig abgewandelt kommt die Grinse-Katze auch in den Spielen American McGee’s Alice und Alice: Madness Returns vor.

In der Archäologie wurde die Bezeichnung Cheshire Cat von Paul Jacobsthal in Bezug auf die erste Phase der keltischen Kunststile eingeführt (Early Celtic Art, 1944). Dort finden sich auf Schmuckstücken etc. Motive, die „auf den zweiten Blick“ glotzäugige Gesichter abzubilden scheinen. Diesen Effekt verglich Jacobsthal mit der Grinsekatze, bei der zunächst nur das Lächeln wahrzunehmen sei, einen Augenblick später jedoch der Rest des Wesens.

In dem Buch Unser Kosmos von Carl Sagan kommt das Grinsen der Katze in einer Demonstration von einem fiktiven Planeten mit variabler Gravitation vor. Das Grinsen ist sogar sichtbar bei Gravitationskräften über der eines Schwarzen Loches.

Die US-amerikanische Pop-Punk-Band blink-182 benannte ihr 1994 erschienenes Debütalbum ebenfalls Cheshire Cat.

Die britische Indie-Rock Band Milburn nannte ihre zweite Singleauskopplung aus ihrem Debütalbum Well, Well, Well Cheshire Cat Smile.

Nach der Cheshire Cat ist ebenfalls der Asteroid (6042) Cheshirecat benannt.

In einigen Bildern der Comic-Serie Die Peanuts verschwindet Snoopy ebenfalls bis auf sein Lächeln und in anderen Bildern bis auf seine Nase.

Ein Konzept der theoretischen Elementarteilchenphysik, das in Bag-Modellen verwendet wird und unter anderem von Holger Bech Nielsen stammt, heißt nach der Lewis-Carroll-Katze „Cheshire Cat Principle“. Das Prinzip besagt, dass die sich aus der Zusammenfügung von unterschiedlichen Beschreibungen innerhalb und außerhalb eines Bag mit Radius R ergebende Theorie vom genauen Wert des Radius unabhängig ist (der Radius verschwindet also aus der Theorie wie Carrolls Katze).

In The Cell as a Habitat von M. H. Richmond und D. C. Smith wurde die Cheshire-Katze als eine Metapher verwendet, um die Natur der Mitochondrien verständlich zu machen.

Im japanischen Manga Pandora Hearts von Jun Mochizuki, der auch als Animeserie umgesetzt wurde, findet sich auch ein Charakter mit dem Namen Cheshire Cat.

In der amerikanischen Fernsehserie Die Simpsons imitiert Milhouse die Grinsekatze (Staffel sechs, Folge 24).

Im Science-Fiction-Roman „The Windup Girl“ („Biokrieg“) von Paolo Bacigalupi (2009) findet sich eine aus einer unbeabsichtigen Kreuzung mit einer gentechnisch veränderten Katze entstandene Rasse von aggressiven Wildkatzen, die als Cheshire Cats bezeichnet werden.

In seiner Kurzgeschichte „Der goldene Nachmittag“ (enthalten im Kurzgeschichtenband „Etwas endet, etwas beginnt“) erzählt der polnische Autor Andrzej Sapkowski eine alternative Version der Geschehnisse aus „Alice im Wunderland“. Hier tritt der Cheshire-Kater als Ich-Erzähler auf. Er hat magische Kräfte, kann aus dem Wunderland in die Welt der Menschen überwechseln und rettet der realen Alice Liddell das Leben.

Markenrechte[Bearbeiten]

The Walt Disney Company hat sich auf den Namen „Cheshire Cat“ weitreichende Markenrechte eintragen lassen.[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Cheshire Cat – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Referenzen[Bearbeiten]

  1. http://www.tagesanzeiger.ch/panorama/vermischtes/Grinsekatze-auf-der-Guertelschnalle/story/12651068