Child in Time

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Child in Time ist ein Lied der britischen Hard Rock-Band Deep Purple. Es wurde 1969 geschrieben, im selben Jahr mit dem Royal Philharmonic Orchestra uraufgeführt und für das Livealbum Concerto for Group and Orchestra aufgenommen.[1] 1970 erschien Child in Time schließlich auf dem Album Deep Purple in Rock als Studioversion.

Hintergrund[Bearbeiten]

Das Lied ist ein zehn Minuten und 22 Sekunden langes, kraftvoll treibendes und episch anmutendes Stück. Die Bandmitglieder sagten, dass sie zum Stück von dem Intro aus dem Song Bombay Calling der Band It’s a Beautiful Day inspiriert wurden.[2] Child in Time vereint Deep Purples typische musikalische Merkmale: Markante Hard-Rock-Riffs Blackmores, Lords klassische Kadenzen und Figuren, Gillans ekstatischen Gesang sowie Paices und Glovers treibendes Schlagzeug beziehungsweise Bass-Spiel. Live wurde der Song als offen ausgetragene Konkurrenz zwischen Lords Orgel und Blackmores Gitarre interpretiert.[3] Zwischen 1969 und 1973 war es ein regulärer Bestandteil bei Deep Purples Konzerten, so auch als Teil des 1972-er Livealbums Made in Japan, sowie bei ihren Reuniontourneen 1985 sowie 1987/88 und beim erneuten Einstieg Ian Gillans 1993. Seit 1995 wird das Stück nicht mehr regelmäßig aufgeführt; zum letzten Mal wurde es 2002 live gespielt. Gillan nennt dafür persönliche Gründe; Hauptgrund ist laut seiner eigener Angabe jedoch die Tatsache, dass durch die langen Schrei-Passagen des Stückes seine Stimme leidet und dies auf Kosten seines gesamten Gesangs geht.

In seiner Autobiografie beschreibt Sänger Ian Gillan Child in Time wie folgt:

„Ich fing an zu singen: ‚Sweet child in time’. Es war total spontan und hatte keine Geschichte wie “Smoke”. Durch den Song – und mit Hilfe meiner engen Hose – entdeckte ich ‚meinen Schrei’, und der Song wurde ganz groß. Komischerweise ist ‚child in time’ ein rätselhaftes Wort, das der Botschaft des Songs trotzt. Es zu singen war und ist für mich bis heute ungreifbar. Das Timing und die Betonung des Textvortrages können ein Alptraum sein, wenn ich nicht in der richtigen Stimmung bin, und es hat mich schockiert, als ich Jahre später, 1992, als ich in der früheren UdSSR auf Tour war, erfuhr, daß ein Song, der ohne erzählerischen Gehalt geschrieben worden war, von Widerstandsgruppen im Untergrund in einigen osteuropäischen Ländern als Hymne übernommen wurde. Es ist für einen Sänger und Songwriter beängstigend, wieviel Einfluß man manchmal hat, ohne es zu wissen.“

Ian Gillan[4]

Musik[Bearbeiten]

Struktur[Bearbeiten]

Das Stück weist die folgende Struktur auf: Intro – A – B – Intro' – A' – B'. Es beginnt mit einer relativ einfachen Einleitung der Hammond-Orgel mit zurückhaltender Schlagzeugbegleitung. Charakteristisch für dieses Intro ist ein einfaches Pattern. Im Gesangsteil A setzt Ian Gillan zunächst mit leisem, im Verlauf des Stückes immer lauter werdendem Gesang ein. Zusammen mit dem Bass beginnt eine Serie hilferufähnlicher Schreie von Gillan, die sich mit Begleitung von Gitarre und Orgel schließlich in nahezu ekstatisches Kreischen steigert. Ab etwa drei Minuten 20 beginnt mit B ein etwa drei Minuten langes Solo von Gitarre und Orgel, bei dem sich das Tempo kontinuierlich steigert, bis das Solo abrupt abbricht und das Stück mit einer Variation der Orgel-Einleitung (Intro'), der Strophe (A', mit zu A identischem Text) und einem kürzeren Instrumentalpart (B') endet.

Pattern[Bearbeiten]

Das gesamte Stück basiert auf nur drei Akkorden, die zudem oftmals ohne Terz gespielt werden (sogenannte Powerchords). Das charakteristische, je nach Zählweise 8- oder 4-taktige Muster folgt folgendem Chordsheet:

GG|:Am-----GG|Am-----FF|G-----GG|Am-----GG:|

Die Modalität mit den Haltetönen A und G entspricht dem mittelalterlichen Tonus peregrinus.

Wissenswertes[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Concerto for Group and Orchestra bei www.thehighwaystar.com (englisch, abgerufen am 13. September 2010)
  2. DPAS INTERVIEW: Ian Gillan, Mumbai, India. 3rd May 2002 bei deep-purple.net (englisch, abgerufen am 24. April 2010)
  3. Jon Lord: „Well, Ritchie is at least a very big friend of classical music. But on stage he knows how to hide this side of his personality. On stage the slogan is always: Whose fire is burning better this evening, his or mine?“ auf www.thehighwaystar.com
  4. Jürgen Roth und Michael Sailer: Deep Purple, die Geschichte einer Band. Verlagsgruppe Koch GmbH/Hannibal, 2005. S. 195.
  5. 100 Greatest 'Rock' Vocal Performances