China Miéville

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China Miéville (2010)

China Tom Miéville (* 6. September 1972 in Norwich) ist ein englischer Fantasy-Autor. In seinen Werken finden sich jedoch auch Merkmale der Science Fiction, der Horrorliteratur und des Steampunk. Er selbst beschreibt sein Werk gern als „Weird Fiction“ (ähnlich einigen Schriftstellern des frühen zwanzigsten Jahrhunderts wie etwa H. P. Lovecraft und Clark Ashton Smith, die für das Pulp-Magazin Weird Tales schrieben) und gehört zu einer losen Gruppe von Autoren, den sogenannten New Weird, die versuchen, die Fantasy-Literatur von den eher konservativen Inhalten, die ihrer Meinung nach z. B. die für das Genre stilbildenden Romane Tolkiens charakterisieren, wegzuentwickeln.

Leben und Schaffen[Bearbeiten]

Miéville wurde in Norwich geboren. Im Alter von 18 Jahren lebte er in Ägypten und unterrichtete dort Englisch. Während dieser Zeit entstand sein Interesse an der arabischen Kultur und der Nahost-Politik. Miéville besitzt einen Bachelor in Sozialanthropologie der Universität Cambridge, einen Master mit Auszeichnung sowie einen PhD der London School of Economics and Political Science.

Er kandidierte 2001 ohne Erfolg für das englische Unterhaus als Kandidat der Sozialistischen Allianz und war bis März 2013[1] Mitglied der englischen Socialist Workers Party. Er bleibt Mitglied der US-amerikanischen International Socialist Organisation. Er gehört zu den Herausgebern der Zeitschrift Historical Materialism – Research in Critical Marxist Theory.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Miévilles erster Roman, King Rat, wurde für den Preis der International Horror Guild und für den Bram Stoker Award nominiert. Perdido Street Station gewann 2001 den Arthur C. Clarke Award und wurde für den Hugo, den Nebula Award und den World Fantasy Award nominiert. In Deutschland erschien Perdido in zwei Teilen als Die Falter und Der Weber; die Bücher erhielten 2003 den Kurd-Laßwitz-Preis in der Kategorie „Bester ausländischer Roman“, und die Übersetzerin Eva Bauche-Eppers erhielt zugleich den Kurd-Laßwitz-Preis für die beste Übersetzung. Sein drittes Buch, The Scar, gewann ebenfalls den Arthur-C.-Clarke-Preis, den Locus Award, und wurde für den World Fantasy Award nominiert. 2005 erhielt Miéville in Deutschland wiederum den Kurd-Laßwitz-Preis für The Scar als besten ausländischen Roman. 2005 gewann er erneut den Locus Award für den besten Fantasy-Roman mit Iron Council, und 2010 gewann sein The City & the City wiederum den Locus- und den Arthur-C.-Clarke-Preis. 2011 gewann Miéville mit Kraken erneut den Locus-Award für den besten Fantasy-Roman. Der SF-Roman Embassytown ist 2012 ebenfalls auf der Shortlist des ACCP.[2]

Die Welt von Bas-Lag[Bearbeiten]

Die drei Bücher Perdido Street Station, The Scar und Iron Council spielen in der Fantasiewelt Bas-Lag, deren einflussreichste Stadt „New Crobuzon“ ist. Diese Welt bevölkert Miéville mit einer verblüffend farbigen Fülle von (oft intelligenten) Lebewesen wie z. B. Kaktusmenschen, aus der Wüste stammenden Vogelwesen mit einer Nomadenkultur, Wesen mit Frauenkörpern und Insektenköpfen, aber auch „Konstrukten“ (Robotern) und genetisch oder chirurgisch veränderten Wesen, den „Remade“. In dieser Welt wird Magie als eine Art mystische Wissenschaft betrieben, der mess- und reproduzierbare Naturkräfte zugrunde liegen. Miéville vermeidet hierbei die Begriffe „Zauberei“ und „Magie“, spricht lieber von „Thaumaturgie“ und versteht es damit, diesen Aspekt seines Weltentwurfs ein wenig aus den gängigen mittelalterlich-märchenhaften Klischees zu befreien.

Wie in The Scar geschildert wird, hat die Welt von Bas-Lag durch die Kollision mit einem andersdimensionalen Himmelskörper einen kosmischen Unfall erlitten, dessen Überbleibsel die „Narbe“ ist, eine „massive Wunde in der Welt“, in deren Einflussbereich die sonst üblichen Naturgesetze nicht gelten und seltsame, oft bösartige Wesen entstehen.

Die Stadt New Crobuzon wird zwar von einem Parlament regiert und hat damit oberflächlich gesehen eine demokratische Verfassung, aber es gibt auch eine Miliz, die Arbeiteraufstände blutig niederschlägt. Miéville schildert Regierung und Bürgermeister als korrupt, macht- und geldgierig, obwohl er diesem Punkt keine starke Beachtung schenkt. Seine Aufmerksamkeit gilt mehr unterschiedlichen Subkulturen und Widerstandsgruppen und deren Interaktionen sowie den Konflikten, die seine Hauptpersonen zwischen persönlichen, Gruppen-, nationalen oder rassischen Interessen erleben. Die Liebesbeziehungen seiner Protagonisten, bei denen es sich um Männer, Frauen als auch andere Wesen handeln kann, sprengen oft die heterosexuelle Norm, sei es in Form homosexueller oder auch rassenübergreifender Partnerschaften.

Perdido Street Station hat die größte Nähe zum Horror-Genre, hier geht es um die Ausnutzung von hypnotisch begabten Wesen, sogenannten Gierfaltern, durch unterschiedliche Fraktionen der Einwohner New Crobuzons. Schließlich geraten die zwischen mythischen Wesen und Raubtieren oszillierenden Kreaturen, die die Träume der New Crobuzonians als Nahrung trinken, außer Kontrolle und bedrohen die Existenz der gesamten Stadt. Im Rahmen dieser Handlung entfaltet sich die ganze pittoreske Fülle der Stadt mit ihren verschiedenen Milieus und Rassen; man hat den Eindruck, als hätten sich ein an Cultural studies interessierter Soziologe, Neal Stephenson und Charles Dickens an einen Tisch gesetzt, um gemeinsam ein stinkendes, dampfendes London in einer Parallelwelt der Zukunft (oder Vergangenheit) zu entwerfen. In The Scar kämpft eine schwimmende Stadt mit Piraterie gegen die Übermacht New Crobuzons. Einige einflussreiche Figuren spielen jedoch ihr ganz eigenes Spiel und beschwören ein sagenhaftes Ungeheuer herauf, um die schwimmende Stadt für ihre Interessen zu nutzen. In Iron Council geht es um den Bau einer transkontinentalen Eisenbahn: Eine Gruppe von Gewerkschaftern, Anarchisten, befreiten Sklaven und Huren entführt einen Zug und bricht mit ihm in die Wildnis auf – in Gebiete außerhalb des Einflusses von New Crobuzon – und wird dadurch zum legendären Vorbild für alle Gegner des Regimes in der Stadt.

Werke[Bearbeiten]

Bas-Lag[Bearbeiten]

  • Perdido Street Station, 2006, Perdido Street Station, 2000 Arthur C. Clarke Award (2001), Kurd-Lasswitz-Preis (2003)
  • The Scar, 2002
  • Der Eiserne Rat, 2005, ISBN 3-404-24344-7, Iron Council, 2004
  • Kurzgeschichte: Jack, Originalbeitrag der Kurzgeschichtensammlung Andere Himmel (Looking for Jake).

Comics[Bearbeiten]

  • On the Way to the Front (Zeichnungen Liam Sharp), Originalbeitrag für Looking For Jake, 2005 (dt. Andere Himmel).
  • Snow Had Fallen (Zeichnungen Giuseppe Camuncoli, Stefano Landini) in Hellblazer Nr. 250 (DC Vertigo 2008); auch enthalten in Sammelband Scab (2010).
  • Dial H for Hero, fortlaufende monatliche Serie für DC Comics (2012).

Einzelromane[Bearbeiten]

Kurzgeschichten[Bearbeiten]

  • Spiegel, 2004, ISBN 978-3-924959-71-5, The Tain in der Übersetzung von Joachim Körber, illustriert von Reinhard Kleist.
  • Sammlung: Andere Himmel, 2007, ISBN 3-404-24361-7, Looking for Jake, 2005. Enthält u. a. Novelle The Tain in der Übersetzung von Eva Bauche-Eppers.

Jugendbücher[Bearbeiten]

Als Autor und Illustrator

Sachbücher[Bearbeiten]

  • Between Equal Rights: A Marxist Theory of International Law, 2006
  • Herausgeber zusammen mit Mark Bould: Red Planets: Marxism and Science Fiction, 2009.

Vor- und Nachworte[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: China Miéville – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. internationalsocialismuk.blogspot.co.uk
  2. China Miéville heads Arthur C Clarke award shortlist – again. In: The Guardian, 26. März 2012