Chinese Wall (Finanzwelt)

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In der Finanzwelt wird Chinese Wall als Metapher für die Praxis benutzt, Abteilungen eines Unternehmens, die von unterschiedlichen Zielsetzungen geleitet werden, so voneinander zu trennen, dass es zu keinem Informationsaustausch kommt, und damit Interessenkonflikte vermieden werden.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Begriff wurde in den USA nach dem Börsenkrach von 1929 geprägt. Die US-Regierung sah die Notwendigkeit, eine Trennung oder Informationsbarriere zwischen Investmentbankern und Emissionsgeschäft zu errichten. Das Ziel bestand darin, den Interessenkonflikt zwischen einer objektiven Bewertung von Unternehmen und dem Wunsch, sie bei einem Börsengang zu begleiten, zu begrenzen.

Der Begriff lehnt sich damit an die Chinesische Mauer als Sinnbild für Größe und Stärke und ihre Fähigkeit an, zwei Seiten voneinander wirkungsvoll zu trennen.

Ironischerweise sind sowohl die Geschichte der Chinesischen Mauer als auch die Praxis des Konzepts von Chinese Walls voll von Beispielen, in denen diese Trennung nicht funktioniert oder zumindest nicht ihr Ziel erreicht hat.

In Deutschland war dies zuletzt in den Jahren 2001 und 2002 der Fall, als sich wiederholt herausstellte, dass Unternehmen, die mit glänzenden Beurteilungen durch die Analyseabteilungen der Banken an den Neuen Markt gegangen waren und damit den Banken über ihre Emissionsabteilungen zu ebenso glänzenden Erlösen aus dem Geschäft der Begleitung von Börsengängen verholfen hatten, sich bereits kurze Zeit später als geringwertig entpuppten. In der Öffentlichkeit blieb der Eindruck, dass Analysen teilweise bewusst zu rosig ausgefallen waren, um die Erträge des eigenen Geschäfts zu steigern.

Gegenwart[Bearbeiten]

Auch heute noch ist es die Regel, dass alle Vorgänge eines Börsengangs einschließlich der Finanzanalyse und der Kurspflege von verschiedenen Abteilungen der gleichen Bank durchgeführt werden.

In der IT-Sicherheit wurde das Konzept der Chinese Wall im Brewer-Nash-Modell aufgegriffen.