Chinesen in Deutschland

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Chinesen in der Pferdebahn, Zeichnung von Christian Wilhelm Allers in seinem Buch Spreeathener (1889)

Die Gemeinschaft der Chinesen in Deutschland (auch Deutschchinesen oder Chinesische Deutsche) besteht aus ethnisch chinesischen Migranten in Deutschland und ihren Nachkommen. Sie sind mit etwa 110.000 Personen[1] eine der zahlenmäßig kleineren Zuwanderergruppen in der Bundesrepublik.

Überblick[Bearbeiten]

Während im Jahr 2009 knapp 80.000 Staatsangehörige der Volksrepublik China in Deutschland lebten, dürfte die tatsächliche Zahl der ethnischen Chinesen in Deutschland deutlich höher sein. So sind einerseits in dieser Zahl keine Einbürgerungen berücksichtigt, viele Personen chinesischer Abstammung sind mittlerweile deutsche Staatsbürger. Auch illegale Einwanderung wird nicht berücksichtigt.[2] Hinzu kommen außerdem taiwanische Bürger, sowie chinesischstämmige Migranten aus Singapur, Malaysia, Indonesien und anderen Ländern, in denen eine bedeutende chinesische Minderheit lebt.

Insgesamt wird von mehr als 110.000 Personen mit chinesischer Abstammung in Deutschland ausgegangen[1], einschließlich derer, die die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen haben. Damit ist die chinesische Gemeinschaft in Deutschland zwar eine der kleineren chinesischen Auslandsgemeinden, neben den Vietnamesen in Deutschland aber die größte ostasiatische Minderheit in Deutschland.

Die Mehrheit der in Deutschland lebenden Chinesen ist erst seit einer Generation in Deutschland ansässig, 2004 waren nur 4,5 % der in Deutschland lebenden Chinesen auch dort geboren.[3]

Deutsch-Chinesische Hochschule in Tsingtau, im Jahr 1913

Geschichte[Bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert bis zum Ersten Weltkrieg[Bearbeiten]

1898 erwarb das Deutsche Kaiserreich das Pachtgebiet Kiautschou mit der Hauptstadt Tsingtau, wodurch erstmals größere Zahlen ethnischer Chinesen auf deutschem Herrschaftsgebiet lebten. In Kiautschou sollte eine deutsche Musterkolonie entstehen, so wurden während der nur 16-jährigen deutschen Kolonialzeit eine Vielzahl an Schulen, Hochschulen, Bahnhöfen, Hafenanlagen und anderen öffentlichen Gebäuden gebaut. 1914, zu Beginn des Ersten Weltkriegs, verlor das Deutsche Kaiserreich die Kolonie jedoch an Japan.

In Deutschland selbst ließ sich ab etwa 1870 eine kleine Zahl chinesischer Seefahrer und Matrosen, die meist auf deutschen Schiffen arbeiteten, in einigen Hafenstädten nieder, insbesondere in Bremen und Hamburg. Um 1890 lebten in Hamburg 43 Chinesen.[4]

Ein anderer Teil der frühen chinesischen Gemeinde in Deutschland bestand zumeist aus Studenten, die sich nur für begrenzte Zeit im Deutschen Reich aufhielten. Unter ihnen war etwa Zhou Enlai, später ein wichtiger Führer der Kommunistischen Partei Chinas.

Gedenktafel in der Nähe des ehemaligen Arbeitserziehungslagers „Langer Morgen“, wo viele Chinesen interniert waren

Die chinesische Einwanderung nach Deutschland fand vorübergehend mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs ein jähes Ende.

Weimarer Republik und Drittes Reich[Bearbeiten]

Nach dem Ersten Weltkrieg ließen sich wieder viele Chinesen in Deutschland nieder und waren Mitte der 1920er-Jahre die viertgrößte Gruppe ausländischer Studenten. Viele von ihnen sympathisieren damals mit dem Kommunismus, einige der in Deutschland lebenden Chinesen wurden sogar Mitglieder bei der KPD, die in Berlin sogar einen „Zirkel für chinesische Sprache“ unterhielt.[5] Größere chinesische Gemeinden bildeten sich in den 1920er-Jahren insbesondere in Hamburg und Berlin. In Hamburg-St. Pauli entstand mit dem Chinesenviertel sogar eine kleine Chinatown.[6]

Nach der "Machtergreifung" Hitlers und der Nationalsozialisten im Jahr 1933, waren die in Deutschland lebenden Chinesen zunächst keinen größeren rassistischen Diskriminierungen ausgesetzt. Da ein Großteil der in Deutschland lebenden Chinesen politisch jedoch links orientiert war, wurden Chinesen, auch wenn sie politisch nicht aktiv waren, zunehmend überwacht oder auf Grund ihrer politischen Einstellungen inhaftiert, sodass ein großer Teil von ihnen Deutschland wieder verließ. 1935 lebten noch etwa 1.800 Chinesen in Deutschland, etwa 1.000 davon in Berlin. Bis zum Jahr 1939 sank die Zahl der in Deutschland lebenden Chinesen auf etwa 1.100.[7]

1942 wurden alle noch in Berlin lebenden Chinesen in das Arbeitserziehungslager Langer Morgen deportiert, 1944 wurde dann auch das „Chinesenviertel“ in Hamburg-St. Pauli geräumt und die dort lebenden Chinesen im Rahmen der Chinesenaktion ebenfalls in Arbeitslagern interniert.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs[Bearbeiten]

Die chinesische Gemeinde in Deutschland, die durch den Nationalsozialismus fast vollständig aufgerieben worden war, erholte sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs rasch. Bereits 1948 lebten in Ost- und West-Berlin zusammen wieder über 350 Chinesen.[8] Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die chinesische Einwanderung nach Deutschland erneut, nun deutlich intensiver als zuvor. Ein Teil der chinesischen Einwanderer in Deutschland, ließ sich zunächst in anderen europäischen Ländern nieder (insbesondere in Großbritannien) und zog erst dann weiter nach Deutschland.[9] 1967 lebten knapp 2.500 chinesische und taiwanische Staatsbürger in Deutschland.[8] Ab den 1970er- und 1980er-Jahren intensivierte sich die chinesische Einwanderung nach Deutschland weiter.

Auch in der DDR existierte ab den 1980er-Jahren eine kleine chinesische Gemeinde, da in geringem Umfang Vertragsarbeiter aus der Volksrepublik China angeworben wurden.[9]

Heutige Situation[Bearbeiten]

Teile der Daten/Zahlen scheinen seit 2007 nicht mehr aktuell zu sein. Bitte hilf mit, die fehlenden Informationen zu recherchieren und einzufügen.

Zwischen 2004 und 2007 nahmen jährlich etwa 1.000 Menschen chinesischer Abstammung die deutsche Staatsbürgerschaft an.[10] Es existieren in den Großstädten Deutschlands und diversen Mittelstädten bedeutende chinesische Gemeinden. Chinesische Restaurants und Asia-Märkte sind im 21. Jahrhundert Teil der meisten Stadtbilder. Chinesische Austauschstudenten sind heute auch eine der größten Gruppen ausländischer Studenten in Deutschland. Institute für Sinologie sowie weitere akademische Einrichtungen mit chinesischem Schwerpunkt befinden sich in mehreren deutschen Universitätsstädten.[11] Es existieren in Deutschland auch einige Schulen mit Chinesisch als Hauptunterrichtssprache, unter anderem in Stuttgart und Frankfurt am Main. Die Zahl der Personen chinesischer Abstammung in Deutschland wurde im Jahr 2008 auf über 110.000 geschätzt[1] und steigt kontinuierlich an.

Chinatowns“, also chinesische bzw. asiatische Viertel, gibt es beispielsweise mit dem Dong Xuan Center auf dem Gelände der ehemaligen VEB Elektrokohle in Berlin-Lichtenberg. Eine solche Umwandlung findet seit 2006 statt.[12] Im Westteil Berlins gibt es vor allem rund um die Charlottenburger Kantstraße eine erhöhte Konzentration chinesischer Betriebe und Bewohner.[13] Peking ist Partnerstadt Berlins, zudem befinden sich die Botschaft der VR China und diverse deutsch-chinesische Organisationen in der deutschen Hauptstadt. Zweijährlich finden die Asien-Pazifik-Wochen Berlin statt.

Seit einigen Jahren wird das Hamburger Chinesenviertel in St. Pauli revitalisiert. Hamburg unterhält enge Beziehungen zur Volksrepublik China, so wird alle zwei Jahre der bedeutende deutsch-chinesische Wirtschaftsgipfel „Hamburg Summit: China meets Europe“ abgehalten,[14] zudem ist Shanghai Partnerstadt Hamburgs. Das chinesische Generalkonsulat befindet sich in Hamburg-Othmarschen.

Menschen chinesischer Abstammung in Deutschland[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Overseas Compatriot Affairs Commision R.O.C. (Taiwan)
  2. Gütinger, Erich (1998), "A Sketch of the Chinese Community in Germany: Past and Present", in The Chinese in Europe von Benton, Gregor; Pieke, Frank N., Macmillan, S.199–210, ISBN 978-0-312175-26-9
  3. destatis.de: Population - Foreign population on 31 December 2003 by country of origin
  4. Gütinger, Erich (2004), Die Geschichte Der Chinesen in Deutschland: Ein Überblick über die ersten 100 Jahre ab 1822, Waxmann Verlag, ISBN 978-3-830914-57-0
  5. berlin-magazin.info: Chinesen in Berlin
  6. Amenda: Keine Weltstadt ohne Chinatown
  7. Benton, Gregor (2007), "Germany", Chinese Migrants and Internationalism, Routledge, S. 30–37, ISBN 978-0-415418-68-3
  8. a b Gütinger, Erich (1998), "A Sketch of the Chinese Community in Germany: Past and Present", in Benton, Gregor; Pieke, Frank N., Macmillan, S. 199–210, ISBN 978-0-312175-26-9
  9. a b Christiansen, Flemming (2003), Chinatown, Europe: An Exploration of Overseas Chinese Identity in the 1990s, Routledge, ISBN 978-0-700710-72-0, S. 28
  10. Naturalised persons, by selected countries of former citizenship - Statistisches Bundesamt Deutschland
  11. Eva-Maria Götz in Gaststudenten: Schweigsame Chinesen, Tagesspiegel, 2008
  12. Anfrage an den Berliner Senat zur Einrichtung des Asia-Zentrums aus dem Jahre 2004, Online (PDF; 124 kB)
  13. Chinesisches Charlottenburg: Berlins Chinatown im Westen, Tagesspiegel, 17. Juni 2013
  14. Hamburg Summit: China will die Lösung sein, Berliner Tagesspiegel, 11. Oktober 2014