Chinesisch-Vietnamesischer Krieg

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Dieser Artikel behandelt den chinesisch-vietnamesischen Grenzkrieg von 1979. Weitere chinesisch-vietnamesische Kriege sind unter Chinesisch-Vietnamesischer Krieg (Begriffsklärung) aufgelistet.
Chinesisch-Vietnamesischer Krieg
Datum 17. Februar bis 16. März 1979
Ort Chinesisch-Vietnamesisches Grenzgebiet
Ausgang Beide Seiten beanspruchen Sieg für sich

Chinesischer Rückzug

Folgen Weiterbestehen der Besetzung Kambodschas durch Vietnam
Konfliktparteien
China VolksrepublikVolksrepublik China Volksrepublik China VietnamVietnam Vietnam
Befehlshaber
Deng Xiaoping
Yang Dezhi
Xu Shiyou
Le Duan
Pham Van Dong
Văn Tiến Dũng
Truppenstärke
ca. 200.000 Infanteristen der VBA 60.000 Soldaten
150.000 Milizen[1]
Verluste
chinesische Angaben:

20.000–30.000 Opfer vietnamesische Angaben: 20.000 Tote
60.000 Verwundete

chinesische Zahlen:

40.000–60.000 Opfer

Als Chinesisch-Vietnamesischer Krieg, in China propagandistisch auch Erziehungsfeldzug oder Strafexpedition genannt, vietnamesisch Chiến tranh chống bành trướng Trung Hoa „Krieg gegen den chinesischen Expansionismus“, wird der Einmarsch der chinesischen Volksbefreiungsarmee in Vietnam ab dem 17. Februar 1979 bezeichnet.

Ursachen und Anlass[Bearbeiten]

Vorausgegangen waren jahrelange Grenzstreitigkeiten und die Rivalität in ideologisch-politischen Auseinandersetzungen zwischen China und der Sowjetunion, die mit Vietnam im November 1978 einen Freundschaftsvertrag abschloss.

Bis 1979 betrachteten China und Vietnam ihre gemeinsame Grenze, die sich durch unübersichtliches und zerklüftetes Terrain erstreckt, als eine „Freundschafts- und Friedensgrenze“. Historisch ging sie auf den Vertrag von Tianjin 1858 zurück mit Ergänzungen 1896, in dem das damalige Kaiserreich China unter anderem auf das Protektorat Tonkin verzichten und dies als französisches Protektorat anerkennen musste. Der strittige Grenzverlauf wurde mehrmals in Verhandlungen zwischen China und Vietnam erörtert, unter anderem 1957. Ab Anfang der 1970er Jahre kam es allerdings zu häufigen Grenzzwischenfällen, für die beide Staaten einander die Schuld gaben. Die Volksrepublik China verkündete am 16. Februar 1979, dass die Vietnamesen rund 3535 Zwischenfälle an der Grenze verursachten, Vietnam gab im Gegenzug für diesen Zeitraum 2158 Grenzprovokationen durch China bekannt. Die Spannungen nahmen zu und beide Staaten baten um Maßnahmen durch den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, da sie durch die Provokationen den „Weltfrieden in Gefahr“ sahen.

Anfang 1979 stürzten vietnamesische Streitkräfte das Pol-Pot-Regime der Roten Khmer in Kambodscha, das mit China verbündet war, und errichteten eine provietnamesische Regierung unter Heng Samrin. China sah seine regionalen Machtinteressen gefährdet, da es eine an die Sowjetunion gebundene Indochina-Föderation unter der Vorherrschaft Vietnams befürchtete, und griff militärisch ein, um Vietnam zur Räumung Kambodschas zu zwingen. China war entschlossen, kein „vietnamesisches Kuba“ an seiner Südflanke entstehen zu lassen und den Einfluss der Sowjetunion zurückzudrängen. Einen Tag nach der chinesischen Invasion schlossen die Regierungen von Vietnam und das von Vietnam besetzte Kambodscha am 18. Februar 1979[2] einen Kooperations- und Freundschaftsvertrag.

Verlauf[Bearbeiten]

Nach der Mobilmachung im Januar 1979 ließ China 200.000 Mann und ein Fünftel seiner Luftstreitkräfte an der vietnamesischen Grenze aufmarschieren. Die vietnamesischen Streitkräfte hatten eine Stärke von 700.000 Soldaten, gegliedert in 38 Infanteriedivisionen und vier selbständigen Panzerbrigaden. Davon waren in Laos sechs Infanteriedivisionen und in Kambodscha fünf Infanteriedivisionen und eine Panzerbrigade stationiert.

Am 17. Februar 1979 um 03.30 Uhr Ortszeit griff die chinesische Volksbefreiungsarmee von Yunnan und Guangxi aus an 26 Stellen der etwa 1347 Kilometer langen Grenze den Nachbarstaat an. China begründete dies als einen Gegenangriff und als Reaktion auf vietnamesische Provokationen; die Truppen würden nach dem Gegenschlag wieder zur Verteidigung der Grenze zurückgezogen. Die Vietnamesen konnten trotz totaler Mobilmachung im Land zunächst durch eine Streitkräfteumgruppierung nur zwei Divisionen zur Verteidigung aufbieten. Die chinesische Infanterie blieb jedoch öfter stecken, da sich die vietnamesischen Soldaten in einem weit verzweigten Bunker- und Stollensystem verschanzt hatten. Erst nach massiven Panzerangriffen erzielten die Chinesen nach zehn Tagen bis zu 40 Kilometer Geländegewinn, besonders im Delta des Roten Flusses und in den Ausgangspforten aus dem Yunnan-Gebirge. Bis zum 5. März eroberten die Chinesen in erbitterten Kämpfen mehrere Grenzorte in Donga Dang, Lạng Sơn, Cao Bằng, That Khe, Lào Cai und Cam Duong und stießen bis Lai Châu vor. Die Sowjetunion schickte Protestnoten an die chinesische Führung und unterstützte Vietnam mit Waffenlieferungen, griff aber selbst nicht in die Kämpfe ein.

Kriegsende[Bearbeiten]

Nach dem dreiwöchigen Gefecht behaupteten beide Seiten, den Krieg gewonnen zu haben. Die Kämpfe forderten auf beiden Seiten hohe Verluste. Genaue Zahlen sind nicht bekannt. Vietnamesische Quellen sprechen von 60.000 Verwundeten und 20.000 Gefallenen auf chinesischer Seite. Umgekehrt heißt es von chinesischer Seite, man habe 20.000 bis 30.000 nicht näher spezifizierte Opfer zu beklagen, während die Verluste der Vietnamesen zwischen 40.000 und 60.000 betragen haben sollen.[3]

Der chinesische Regierungschef Hua Guofeng erklärte am 16. März 1979 den Abzug der chinesischen Truppen aus Vietnam für beendet, dennoch standen bis zum 27. März noch chinesische Soldaten auf vietnamesischem Territorium. Am 18. April 1979 begannen Verhandlungen in Hanoi und im Juni in Peking, sie blieben aber beide erfolglos. Bis zum 22. Juni wurde der Austausch von Kriegsgefangenen vereinbart.

Acht-Punkte-Plan Chinas[Bearbeiten]

Als Grundlage für Verhandlungen über die Beilegung von Grenzstreitigkeiten legte die Volksrepublik China einen Acht-Punkte-Plan vor, der als Basis für Grenzvereinbarungen gelten sollte. Hierzu gehörten im Kern u. a.:

  • die Wiederaufnahme der seit 1978 aus Vietnam nach China vertriebenen 240.000 vietnamesischen Staatsangehörigen chinesischer Herkunft,
  • die Anerkennung der Spratly-Inseln und Paracel-Inseln als integraler Bestandteil Chinas,
  • der Rückzug vietnamesischer Truppen aus allen anderen Staaten (Kambodscha, Laos).

Drei-Punkte-Plan Vietnams[Bearbeiten]

Der vietnamesische Drei-Punkte-Plan als Reaktion auf die chinesischen Forderungen beinhaltete:

Weitere Zwischenfälle nach 1980[Bearbeiten]

Immer wieder kam es auch nach dem Grenzkrieg zu beiderseitigen Grenzverletzungen. Zu den schwersten Kämpfen kam es vom 5. bis 7. Januar 1987, als eine chinesische Division in die Provinz Ha Tuyen eindrang.

Erst nachdem sich Ende 1986 die Sowjetunion unter Michail Gorbatschow um ein besseres Verhältnis zu China bemühte und Vietnam den Rückzug der in Kambodscha stationierten Truppen ankündigte (der im November 1989 vollständig abgeschlossen wurde), trat im vietnamesisch-chinesischen Grenzgebiet Ruhe ein.

Beilegung des Konflikts[Bearbeiten]

Seit 2001 ist der Konflikt zwischen China und Vietnam beigelegt. Nachdem Ende 1999 schon die gemeinsame territoriale Grenze in einem Vertrag der beiden Konfliktpartner festgelegt wurde, fand am 25. Dezember 2000 die Unterzeichnung der Demarkation der Seegrenze und der Fischereirechte im Golf von Tonkin zwischen dem vietnamesischen Präsidenten Trần Đức Lương und dem chinesischen Präsidenten Jiang Zemin statt. Diesem Vertragsschluss ging ein vorbereitendes Treffen der Premierminister am 25. September 2000 voraus. Somit sind alle bilateralen Streitigkeiten um regionale Macht vertraglich beigelegt worden.[4] Lediglich in dem unabhängig existierenden Konflikt um die Spratly- und Paracel-Inseln stehen sich die beiden Länder zusammen mit Brunei, Malaysia, Taiwan und den Philippinen noch konflikthaft gegenüber.

Literatur[Bearbeiten]

  • Pao-min Chang: The Sino-Vietnamese Territorial Dispute. Praeger, New York 1986, ISBN 0-03-007233-6.
  • King C. Chen: China's War against Vietnam, 1979. A Military Analysis (= Occasional Papers/Reprints Series in Contemporary Asian Studies. Band 5). School of Law, University of Maryland, Baltimore 1983, ISBN 0-942182-57-X.
  • Hemen Ray: China's Vietnam War. Radiant Publishers, Neu-Delhi 1983, ISBN 0-391-02816-2.
  • King C. Chen: China's War with Vietnam, 1979. Issues, Decisions, and Implications. Hoover Institution Press, Stanford 1987, ISBN 0-8179-8572-7.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. King C. Chen: China's War with Vietnam, 1979. Issues, Decisions, and Implications. Hoover Institution Press, Stanford 1987, ISBN 0-8179-8572-7, S. 103.
  2. Uni Göttingen: Die Entwicklung Vietnams seit 1976 und die heutige politische Stellung in Südostasien (Version vom 10. April 2005 im Internet Archive)
  3. Le Monde vom 4. Mai 1979
  4. Brantly Womack: China and Vietnam. The Politics of Asymmetry. Cambridge University Press, Cambridge 2006, ISBN 0-521-85320-6, S. 26ff.