Chinesische Zahlschrift

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Chinesische Zahlen)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Falls im Folgenden Zeichen nicht korrekt dargestellt werden, liegt das am Schriftsatz, siehe Darstellung von chinesischen Zahlen in Unicode und Hilfe bei Darstellungsproblemen.
二零一四
(2014 als chinesische Zahl)

Das traditionelle System der chinesischen Zahlzeichen (chinesisch 數字 / 数字Pinyin shùzì ‚Ziffer, Zahl‘) wird im chinesischen Alltagsleben neben den arabischen Ziffern verwendet. Auch in anderen Ländern mit chinesischer Schrift (vor allem Japan, sehr selten in Korea und Vietnam) sind diese Schriftzeichen für die Zahlen im Gebrauch.

Als geschriebene Form von ausgesprochenen Zahlwörtern (ähnlich wie ausgeschriebene Zahlwörter in Deutsch, z. B. dreißigtausendundneunundzwanzig) handelt es sich nicht um ein eigenständiges Zahlensystem.

Die Darstellung ist eine Mischung zwischen Additions- und Stellenwertsystem auf der Basis von Dezimalziffern. Eine Zahl wird als Summe von Termen der Form d × 10n dargestellt, wobei die Ziffern 0 bis 9 und die Zehnerpotenz jeweils durch eigene Schriftzeichen dargestellt werden.

Zeichenliste[Bearbeiten]

Loudspeaker.svg Die chinesischen Zahlen von 0 bis 10 anhören (Datei, ?)

Gebräuchlich sind die folgenden Zeichen:

Zeichen1 Form im Finanzwesen2 Pinyin Zahlenwert
/3 líng 0
壹﹐弌 yī, yāo4 1
/ (Kurzz. )5 貳﹐弍 èr/liǎng 2
參﹐弎 sān 3
4
5
(Kurzz. ) liù 6
7
8
jiǔ 9
shí 10
bǎi 100
qiān 1000
, (Kurzz. ) wàn 10.000
, (Kurzz. 亿) 100.000.000
(100 Millionen)
6 zhào 1.000.000.000.000
(1 Billion)

Erläuterungen
1 Angaben der Zahlen mit Alternativen und falls vorhanden die nach der Schriftreform verwendeten Kurzzeichen.

2 Die Form für den Gebrauch im Finanzwesen ist eine komplexere Form, die zur Vermeidung von Fälschungen im Zahlungsverkehr benutzt wird, da Kurzformen eine leichte Veränderbarkeit ermöglichen. Die angegebenen Varianten , und sind weniger häufig und werden im offiziellen Zahlungsverkehr nicht akzeptiert, da sie durch bloßes Hinzufügen oder Ausradieren eines Strichs gefälscht werden können.

3 Statt wird häufig auch geschrieben, wie zum Beispiel in Jahresangaben (二〇〇五 èrlínglíngwǔ für 2005).

4 Die Silbe yi für die Zahl 1 unterliegt einem Tonsandhi, siehe dazu Töne des Hochchinesischen. Als Ziffer wird sie oft yāo () ausgesprochen, um Verwechslungen zu vermeiden.

5 Wenn 2 konkret zur Zählung von Nomen und nicht als Kardinalzahl benutzt wird, wird nicht èr benutzt, sondern liǎng (Kurzzeichen ), außerdem auch vor 1000, 10.000 und 100.000.000 und meist auch vor 100. Beispiele: 2000: 兩千, 20.000: 兩萬, 200.000.000: 兩億.

6 Das Zeichen ist nicht sehr gebräuchlich und in manchen Wörterbüchern auch mit Million gleichgesetzt. Außerdem wird es zur Einheitenbildung mit Mega- verwendet, z. B. 兆赫 zhàohè = Megahertz.

Siehe auch: Zahlen in unterschiedlichen Sprachen

Bildung der Zahlen[Bearbeiten]

Im chinesischen Zahlensystem werden größere zusammengesetzte Zahlen sowohl multiplikativ (Zehner, Hunderter, Tausender und so weiter) als auch additiv gebildet. Als Dezimaltrennzeichen dient der Punkt.

Beispiele:

  • Multiplikativ werden die Zehner, Hunderter, Tausender, Zehntausender sowie die Hundertmillionen gebildet:
20: 二十 (2 × 10); 30: 三十 (3 × 10); 40: 四十 (4 × 10); 111: 一百一十一; 200: 二百 oder 兩百 (2 × 100); 4000: 四千 (4 × 1000); 60.000: 六萬 (6 × 10.000) und so weiter.
  • Bei Zahlen zwischen 10 und 19 ist die Quantitätsangabe für die Zehnerstelle nicht nötig:
11﹕ 十一 (10 + 1)﹔ 12﹕ 十二 (10 + 2); 19: 十九 (10 + 9) und so weiter.
  • Die Zwischenstufen werden additiv gebildet. So wird z. B. die Zahl 97.375 wie folgt gebildet:
9 × 10.000 + 7 × 1.000 + 3 × 100 + 7 × 10 + 5, oder in Zeichen:
九萬七千三百七十五 (Pinyin: jiǔwàn qīqiān sānbǎi qīshíwǔ).
  • Es ist möglich – wenn auch selten –, das letzte in seinem Wert 9 übersteigende Zeichen auszulassen, wenn ihm bereits ein Zeichen mit einem höheren Wert vorausging, z. B. kann die Zahl 350 um den eingeklammerten Ausdruck verkürzt werden:
3 × 100 + 5 (× 10); in Zeichen:
三百五十 oder kurz 三百五.
  • Für fehlende Stellen muss daher eine Null eingefügt werden (abschließende Nullen werden nicht genannt), z. B. für die Zahl 8.734.072:
(8 × 100 + 7 × 10 + 3) × 10.000 + 4 × 1.000 + 0 + 7 × 10 + 2
oder in Zeichen:
八百七十三萬四千〇七十二.
  • Fehlen zwei oder mehr Stellen, so wird trotzdem nur eine Null eingefügt, z. B. die Zahl 10.020:
1 × 10.000 + 0 + 2 × 10
in Zeichen:
一萬〇二十.
  • Für 20 wird auch oft das Zeichen 廿 geschrieben. Es wird eigentlich niàn, meistens jedoch regulär èrshí ausgesprochen. 廿 besitzt eine seltenere orthographische Variante .
  • Für 30 sieht man auch häufiger das Zeichen . Es wird eigentlich , meistens jedoch regulär sānshí gesprochen.
  • Für 40 wird manchmal das Zeichen geschrieben. Es wird eigentlich , meistens jedoch regulär sìshí gesprochen.
  • Sehr selten wird für 200 das Zeichen geschrieben. Es wird eigentlich , meistens jedoch regulär èrbǎi oder liǎngbǎi gesprochen.

Zählen[Bearbeiten]

In der chinesischen Sprache wird unter der Verwendung von Zählwörtern gezählt. Für jede Gruppe von Elementen gibt es ein eigenes Zählwort; ein allgemeines Zählwort ist . So bezeichnet 五个人 wǔgèrén fünf Personen.

Durch das Voranstellen des Zeichens werden Ordinalzahlen gebildet. So bezeichnet 第五个人 dìwǔgèrén eine fünfte Person.

Siehe auch: Zählwort (Chinesisch) für eine Erklärung der chinesischen Zählwörter.

Handzeichen zum Ausdruck chinesischer Zahlen[Bearbeiten]

Zahlen können in China durch Gestik mit einer Hand angedeutet werden. Die folgenden Bilder zeigen die Zahlen von Eins bis Zehn:

Anmerkung: Die obigen Handzeichen für Sieben, Acht und Neun unterscheiden sich deutlich von den in Taiwan und Hongkong benutzten. Die Sieben wird mit Daumen und Zeigefinger, die Acht mit Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger, die Neun mit Daumen und drei weiteren Fingern gezeigt. In Singapur wird z. B. das hier gezeigte Zeichen für 7 als 5 benutzt. In Hong Kong gilt die geballte Faust auch als „5“.

Zahlensymbolik[Bearbeiten]

Ungerade Zahlen gelten in aller Regel als „männlich“ (Yang; eine Ausnahme ist die 7), gerade dagegen als „weiblich“ (Yin). Daneben haben die Zahlen in der traditionellen chinesischen Numerologie folgende Bedeutungen:

Zahl Bedeutung
1 Symbol für das am Anfang der Welt bestehende Allerhöchste Größte (太极Tai Chi) sowie das hieraus entstandene Allerhöchste Eine (太一Tai yi), die Ursprung aller Dinge sind; für das Ungeschiedene und Vollkommene; für den Himmel (Tian)
2 Symbol für Yin und Yang; allgemein für alle Gegensätze; für die Erde (Di)
3 Symbol für die Triade Himmel/Erde/Mensch; den Menschen; drei Lehren Konfuzianismus, Daoismus und Buddhismus; verschiedene Buddha-Triaden (z. B. Bhaisajya/Shakyamuni/ Amitabha); die Drei Reinen des Daoismus (darunter Laozi und der Jadekaiser); Drei „Körbe“ des buddhistischen Kanons; die drei Freunde Bambus/Kiefer/Pflaume stehen für langes Leben; die drei Unterdrückten Tiere Hund/Wildente/Aal dürfen nicht gegessen werden; der Drei-Zeichen-Klassiker war früher das erste Lehrbuch chinesischer Schüler.
4 Symbol für Unheil; Grund ist die Lautähnlichkeit mit () für „Tod“. In manchen Hochhäusern fehlt die 4. Etage (häufiger die 14.), und in Taiwan gibt es keine Autokennzeichen, die auf 4 enden.
Vier Ecken der Erde, vier Meere, vier Barbarenvölker, vier Jahreszeiten; die vier Tore stehen für Reisen des Siddharta Gautama; die vier Künste der Gelehrten werden durch Gitarre, Schachbrett, Buch und Gemälde symbolisiert; die vier Schätze des Studierzimmers sind Tusche, Papier, Pinsel und Reibstein; die vier Bücher die Gespräche des Konfuzius, das Buch Menzius, die Große Lehre (Taxue) sowie das Innehalten der Mitte (Zhongyong). Die vier Seile stehen für die Moralprinzipien des Konfuzianismus: Rituelles Verhalten, Pflichtbewusstsein, Scham und Unbestechlichkeit. Der Maoismus hat schließlich die vier Alten geschmäht, nämlich alte Kultur, alte Gewohnheiten, alte Gebräuche und altes Gedankengut.
5 Symbol für die fünf Weltrichtungen (einschließlich Mitte); fünf Elemente (Holz, Feuer, Wasser, Erde und Metall); fünf Farben, Gerüche, Geschmacksrichtungen und Töne; fünf Sitten (Trauer-, Gast-, Fest-, Heeres-, und Glückwunschsitten), fünf Tierarten (Haar-, Feder-, Schalen-, Schuppen- und Nackttiere), fünf Gifttiere (Schlange, Skorpion, Tausendfüßler, Kröte und Gecko), fünf astrologische Wandlungszustände; das Buch der Riten unterscheidet fünf menschliche Beziehungen: Fürst-Diener, Vater-Sohn, Mann-Frau, Älterer Bruder-Jüngerer Bruder und Freund-Freund. Die fünf Verbote des Buddhismus sind „nicht töten“, „nicht stehlen“, „nicht lügen“, „nicht wollüstig sein“, „nicht Alkohol trinken“, die fünf moralischen Qualitäten des Konfuzianismus dagegen Humanität, Pflichtgefühl, Weisheit, Zuverlässigkeit und Teilnahme an gemeinschaftlichen Zeremonien. Als Fünf Reine werden Mond, Wasser, Bambus, Kiefer und Pflaume bezeichnet, als Fünf Klassiker das Buch der Urkunden, das der Lieder, das der Wandlungen, das der Riten und das der Zeremonien. Die Fünf Glücksgüter sind Reichtum, Langes Leben, Frieden, Tugend und Gesundheit. Im 3. Jahrhundert n. Chr. gab es eine daoistische Fünf-Scheffel-Reis-Sekte. Am „Doppel-Fünften“ (5. Tag des 5. Mondmonats) wird das Drachenbootfest gefeiert.
6 Sechs Körperteile (Kopf, Rumpf, Arme, Beine); sechs Richtungen (Nord, Süd, Ost, West, oben, unten; alternativ zur bekannteren Fünferteilung); sechs Gefühlsregungen (Zorn und Freude, Schmerz und Lust, Liebe und Hass).
7 Sieben Gestirne (Sonne, Mond, Planeten Merkur-Jupiter); Am Doppelsiebten (7. Tag des 7. Monats) wird das Fest der Liebenden gefeiert; Weiter wird der Sieben eine zentrale Bedeutung für die Entwicklung der Frau zugeschrieben (mit 7 Monaten Milchzähne, mit 7 Jahren deren Verlust, mit 2×7 Jahren geschlechtsreif, mit 7×7 Jahren unfruchtbar); die Zeit nach dem Tod eines Menschen wird in sieben siebentägige Trauerperioden unterteilt.
8 Acht Unsterbliche; Acht Symbole des Gelehrten (Perle, Klangstein, Münze, Rhombus, Bücher, Gemälde, Rhinozeroshorn, Schafgarbenblatt); Acht Trigramme; Achtfältiger Pfad des Buddhismus; Acht Symbole des Buddhismus (Meeresschnecke, Schirm, Baldachin, Lotus, Vase, Fisch, endloser Knoten, Rad der Lehre); Weiter wird der Acht eine zentrale Bedeutung für die Entwicklung des Mannes zugeschrieben (mit 8 Monaten Milchzähne, mit 8 Jahren deren Verlust, mit 2×8 Jahren geschlechtsreif, mit 8×8 Jahren zeugungsunfähig); acht Pfeiler des Himmels der alten Kosmologie und dementsprechend 8 Himmelsrichtungen, Berge, Winde und Pforten der Regenwolken.
9 Symbol für den Drachen; 9 Riten (Männerweihe, Hochzeit, Audienz, Gesandtschaft, Beerdigung, Opfer, Gastverhältnis, Gautrinken, Heeresbräuche); Das Buch Lu Buwe schreibt dem Himmel 9 Felder, der Erde 9 Bezirke, dem Land 9 Berge, den Gebirgen 9 Pässe, den Seen 9 Inseln zu. Die Neun Quellen stehen für das Totenreich. Am Doppel-Neunten (9. Tag des 9. Monats) wird das Doppel-Yang-Fest gefeiert.
10 Im Altertum ursprüngliche Zahl des chinesischen Tierkreises; zehn Himmelsstämme (in Kombination mit 12 Erdzweigen Teil des 60-Jahre-Zyklus’)
12 Zwölf Doppelstunden des Tages; zwölf Monate des Mondkalenders; zwölf chinesische Tierkreiszeichen (Ratte, Rind, Tiger, Hase, Drache, Schlange, Pferd, Schaf, Affe, Hahn, Hund, Schwein); zwölf Erdzweigen (die in Kombination mit zehn Himmelsstämmen Teil des 60-Jahre-Zyklus’).
13 Symbol für Störung und Unvollkommenheit; hängt mit dem Schaltmonat, dem 13. des Mondkalenders zusammen. Schimpfwörter „Dreizehn Punkte“, „Dreizehn Schurken“
14 Da sie auf 4, () für „Tod“, endet, zählt sie zu den Unglückszahlen. In Hochhäusern fehlt diese Etage sehr häufig, sodass auf die 12. meist die 15. Etage folgt.
36 Sechsunddreißig Provinzen des alten China
60 60-Jahre-Zyklus, der der Nummerierung insbesondere von Regierungsjahren dient und aus einer Kombination der zehn Himmelsstämmen mit den zwölf Erdzweigen entsteht.
10.000 Zehntausend Dinge, die aus dem Ur-Einen, dem Dao, entstehen; Bestandteil zahlreicher Glückwunschformeln („Zehntausend Jahre“ (leben); „Zehntausendfaches Glück“); Symbol für Unsterblichkeit

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Georges Ifrah: Universalgeschichte der Zahlen. 2. Auflage. Campus-Verlag, Frankfurt am Main u. a. 1991, ISBN 3-88059-956-4.
  • Wolfram Eberhard: Lexikon chinesischer Symbole. Die Bildsprache der Chinesen (= Diederichs gelbe Reihe 68 China). 4. Auflage. Diederichs, Köln 1994, ISBN 3-424-00878-8.