Chinguetti

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Chinguetti
شنقيط
Chinguetti old town.jpg
Staat: MauretanienMauretanien Mauretanien
Region: Adrar
Koordinaten: 20° 27′ N, 12° 22′ W20.457413888889-12.362322222222Koordinaten: 20° 27′ N, 12° 22′ W
 
Einwohner: 4.370
Zeitzone: GMT (UTC±0)
Chinguetti (Mauretanien)
Chinguetti
Chinguetti

Chinguetti (arabisch ‏شنقيط ‎, DMG Šinqīṭ), auch Changuit, Schinguete, Singuyty, ist ein historischer Handelsposten und heute ein Ort mit 4370 Einwohnern (Stand: 2013)[1] in der Region Adrar im Nordwesten von Mauretanien. Er befindet sich auf dem Adrar-Plateau etwa 70 km östlich von Atar. Chinguetti ist Hauptort des gleichnamigen Départements.

Überblick[Bearbeiten]

Die gut erhaltenen Ruinen des Handelspostens (arabisch Ksar) sind seit 1996 zusammen mit Ouadane, Tichitt and Oualata eine Stätte des UNESCO-Weltkulturerbes. Das einstige Zentrum mehrerer durch die Sahara verlaufender Handelsrouten zieht Touristen und weiterhin Islamgelehrte an, die ihre Architektur und die alten Bibliotheken bewundern.

Die ortsübliche Architektur der älteren Stadtteile besteht aus Häusern aus Stein und Lehm mit Patios, die sich an schmalen Gassen jeweils um eine Moschee mit Minarett drängen.

Sehenswert sind unter anderem die Freitagsmoschee, eine ehemalige Festung der französischen Fremdenlegion – ein nationales Symbol Mauretaniens – und ein Wasserturm. In der Altstadt befinden sich fünf alte Bibliotheken mit wissenschaftlichen und Korantexten, viele von ihnen aus dem Spätmittelalter.

Geschichte[Bearbeiten]

Altstadt mit dem Minarett der Freitagsmoschee, das von fünf Straußeneiern bekrönt wird

Die Region Chinguetti ist bereits seit Jahrtausenden bewohnt. Früher war sie Savanne. Höhlenmalereien am nahe gelegenen Amoghar-Pass zeigen Bilder von Giraffen, Kühen und Menschen in einer grünen Landschaft, die sich stark von der heutigen Wüstenlandschaft unterscheidet.

Die Stadt wurde möglicherweise im 11. Jahrhundert von einer berberischen Stammesgruppe der Sanhadscha gegründet.[2] Bald nach der Besiedelung von Chinguetti traten nach der Legende die Sanhadscha mit den Almorawiden in Verbindung und verschmolzen schließlich mit ihnen. Die Almorawiden waren Gründer des Maurenreiches, das sich vom heutigen Senegal bis Spanien erstreckte. Die nüchterne, schnörkellose Architektur der Stadt reflektiert den strengen, malikitischen Islam der Almorawiden.

Nach zwei Jahrhunderten des Niedergangs wurde die Stadt faktisch neu gegründet, dieses Mal als befestigtes Handelszentrum an Trans-Sahara-Handelsrouten, die das Mittelmeer mit dem Inneren Afrikas verbanden. Gehandelt wurde u.a. mit in der Nähe gewonnenem Salz. Obwohl die Festungsmauern bereits seit Jahrhunderten verschwunden sind, datieren viele Gebäude noch aus dieser Zeit.

Chinguetti wird manchmal als die siebtheiligste Stadt des Islams bezeichnet. In jedem Fall ist die Stadt eine der bedeutendsten Städte der Geschichte des Islams wie auch Westafrikas. Über Jahrhunderte war die Stadt der wichtigste Sammelplatz der Mekka-Pilger aus dem Maghreb und wurde mit der Zeit selbst eine heilige Stadt, besonders für diejenigen, die den langen Weg zur arabischen Halbinsel selbst nicht antreten konnten. Auch wurde sie ein Zentrum der islamischen, religiösen und wissenschaftlichen Gelehrsamkeit. Zusätzlich zur religiösen Ausbildung wurde an den Schulen Rhetorik, Recht, Astronomie, Mathematik und Medizin gelehrt. Für viele Jahrhunderte war ganz Mauretanien in der arabischen Welt als „Bilad Shinqit“, „Das Land von Chinguetti“ bekannt.

In einer alten Koranbibliothek

Die Entvölkerung der Stadt beschleunigte sich durch Abwanderung in die Bergbauregion ZouératF'dérik sowie durch den Westsaharakonflikt in den 1970er Jahren . Seit den 1980er Jahren begannen erste Restaurierungsarbeiten. Heute weitgehend der Wüste überlassen, besitzt die Stadt einige der wichtigsten mittelalterlichen Manuskriptbüchereien Westafrikas, die sich überwiegend in Privatbeseitz befinden.[3][4] Das Gebiet um die Rue des Savants war einstmals bekannt als Versammlungsplatz der Gelehrten, die die feineren Details des islamischen Rechts diskutierten. Heute zeigen die verlassenen Straßen die städtische und religiöse Architektur des Mittelalters.

Das neu entdeckte Offshore-Ölfeld Mauretaniens wurde zu Ehren der Stadt Chinguetti genannt.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/bevoelkerungsstatistik.de[3] World Gazetteer
  2. Chinguetti. ArchNet
  3. Stefan Ehlert Wüstensand bedroht Jahrhunderte alte Schriften. (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[4] [5] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung tagesschau.de, 4. Juli 2010.
  4. Ulrich Rebstock, Rainer Osswald, A. Wuld ‘Abdalqadir, Katalog der arabischen Handschriften in Mauretanien, Beiruter Texte und Studien, Bd. 30, Beirut (in Kommission bei Franz Steiner Verlag Wiesbaden–Stuttgart), 1988.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Chinguetti – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien