Chiquita Brands International

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Chiquita ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Siehe auch: Chiquita (Begriffsklärung).
Chiquita Brands International Inc.
Logo der Chiquita Brands LLC
Rechtsform Corporation
Aktiengesellschaft (USA)
ISIN US1700328099
Gründung 30. März 1899[1]
Sitz Cincinnati (Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten)
Leitung Edward F. Lonergan
Mitarbeiter 20.000[2]
Umsatz 4,5 Mrd. USD[2]
Branche Obst und Gemüse
Produkte Bananen, AnanasVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.chiquita.de

Chiquita Brands International, Inc. ist eine Fruchtgesellschaft und einer der größten Bananenproduzenten der Welt. Chiquita vermarktet auch verschiedene andere Obst- und Gemüsesorten und ist in über 70 Ländern aktiv. „Chiquita“ ist spanisch und bedeutet „kleines Mädchen“ (auch als liebevolle Anrede für eine Frau üblich). Das 1899 als United Fruit Company (UFC, auch UFCO) gegründete Unternehmen wurde groß durch den Verkauf tropischer Früchte in Europa und den USA (hauptsächlich Bananen), die auf Plantagen in Ländern der Dritten Welt angebaut wurden.

Neben der berühmten Marke Chiquita verkauft Chiquita Brands International auch Bananen unter dem Namen Chiquita Jr., Consul, Amigo, Frupac, Chico sowie Bananos. Das Produktsortiment umfasst neben Bananen auch Ananas, Früchtesnacks, getrocknete Früchte, Fertigfruchtsalate und Getränke.

Anfang des Jahrtausends tauchte das Unternehmen in den Medien im Zusammenhang mit dem sogenannten Greenwashing, einer PR-Methode zum Kaschieren der unverantwortlichen Behandlungsweise von Mitarbeitern und Ressourcen, auf.[3][4]

Das Unternehmen ist wegen seiner Mitarbeiter- und Umweltpolitik bereits mehrfach in die Kritik geraten. Zudem wurde in den USA eine Sammelklage wegen Unterstützung kolumbianischer Paramilitärs eingebracht.[5]

Das Firmenlogo wurde von Dik Browne entworfen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Chiquita Scandinavia beim Bananenumschlag in Bremerhaven
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Chiquita Center In Cincinnati

Das Unternehmen wurde am 30. März 1899 in Boston unter dem Namen „United Fruit Company“ (UFC, auch UFCO) gegründet. Die Firma entstand aus dem Zusammenschluss der Firma Boston Fruit, gegründet von Lorenzo Dow Baker und Andrew W. Preston, und der von Minor C. Keith gegründeten Firma Tropical Trading and Transport Company. Preston hatte Eisenbahnen in Costa Rica gebaut und war darüber ins Früchtegeschäft eingestiegen.[6]

Im Juni 1970 schloss sich die United Fruit Company mit der AMK Corporation zusammen und wurde zur United Brands Company. Im August 1984 übernahm Carl H. Lindner Jr. die Kontrolle über die Firma, die im folgenden Jahr ihren Sitz nach Cincinnati, verlegte. 1990 erfolgte die Umbenennung in Chiquita Brands International, 1991 kaufte der Konzern Frutas Dominicanas auf und stieg somit in die Ananas-Produktion ein.

Um ihre weitreichenden Geschäftsfelder zu erweitern, wurde United Fruit ein Hauptentwickler der Radiotechnologie. Die Firma kooperierte später mit anderen Firmen, um die Radio Corporation of America zu gründen. Außerdem revolutionierte der Konzern die Handelsschifffahrt, indem er die Entwicklung von Kühlschiffen vorantrieb. Die klimatisierten Hapagschiffe der Prinzen-Klasse mit hervorragend ausgestatteten Passagiereinrichtungen für 100 Passagiere der 1. Klasse wurden das Vorbild der 12 Schiffe der „5000 Ton Class“ (ebenfalls für 100 Passagiere) der United Fruit Company, die von Workman, Clark Belfast ab 1908 gebaut wurden. Weitere Schiffsserien mit der Kombination Bananen und Passagiere entstanden und Ende der 1930er Jahre verfügte die UFC über die größte private Schiffsflotte der Welt, genannt die „Great White Fleet“.

Seit 1992 arbeitet das Unternehmen eng mit der Umweltschutzorganisation Rainforest Alliance zusammen und beteiligt sich aktiv am Zertifizierungsprogramm. So sind seit dem Jahr 2000 alle Chiquita-Farmen und 93 % der unabhängigen lateinamerikanischen Farmen, die an die Chiquita liefern, den 200 Umwelt- und Sozialstandards der Rainforest Alliance gerecht geworden.[7]

Haupteingang des alten United Fruit Building (1920) in der St. Charles Avenue, New Orleans, Louisiana

Am 10. März 2014 wurde bekannt, dass das Unternehmen eine Fusion mit dem irischen Konkurrenzunternehmen Fyffes plant.[8] Von dieser Fusion, geplant durch Aktientausch, hätte sich das Unternehmen Steuervorteile durch eine Verlegung des Firmensitzes nach Irland erwarten können. Eine Aktionärsversammlung hat dieses laufende Vorhaben der Geschäftsführung zum 24. Oktober 2014 gestoppt, indem eine Mehrheit dafür stimmte, stattdessen mit dem brasilianischen Safthersteller Cutrale-Safra zu verhandeln. Dies vor dem Hintergrund, dass Washington gegen solche "Steuerinversion" erklärterweise vorgehen will und die Fairtrade Foundation in London den Preiskampf gegen die Produzenten beklagte. [9]

Lateinamerika[Bearbeiten]

Am 6. Dezember 1928 wurden zwischen 47 und bis zu 2000 streikende Arbeiter der Firma von Militärtruppen in Ciénaga (Kolumbien) ermordet. Die Arbeiter demonstrierten gegen die schlechten Arbeitsbedingungen. Dieses Ereignis ist als Masacre de las Bananeras (Bananenarbeitermassaker) in der Geschichte Kolumbiens bekannt.

Im Roman Hundert Jahre Einsamkeit beschreibt Gabriel García Márquez den unmenschlichen Einfluss der UFC in Kolumbien.

Pablo Neruda bearbeitet das Wirken der UFC in seinem Gedicht La United Fruit Co., das Teil des Gedichtzyklus Canto General ist. Dieses Gedicht findet auch Eingang in die partielle Vertonung des Canto General durch Mikis Theodorakis.

Die United Fruit Company besaß große Landflächen in Mittelamerika. Viele sahen sie deshalb als die eigentliche Macht in diesen Ländern an, da United Fruit durch seine Wirtschaftskraft die Geschicke der kleinen Staaten dominierte. Die wirtschaftlichen Interessen der Firma waren mehrfach Anlass für das politische Eingreifen der USA in Mittelamerika. Der Monroe-Doktrin folgend spielten die Interessen der UFC z. B. eine Rolle dafür, dass die US-Regierung 1954 einen Regierungssturz in Guatemala finanziell und logistisch unterstützte.

Bis 1985 befand sich der Hauptsitz der UFC in Guatemala. Der Konzern betrieb Plantagen, die Post, die Eisenbahn sowie den einzigen Karibikhafen.[10] Diese Infrastruktur wurde fast ausschließlich für wirtschaftliche Zwecke benutzt, die Gebühren waren für die Zivilbevölkerung meist unbezahlbar. Der bis 1944 regierende Diktator Jorge Ubico gewährte der UFC zollfreie Importe auf Baumaterialien und geringe Ausfuhrzölle auf Bananen. 1944 wurde jedoch die Diktatur in Guatemala gestürzt und daraufhin Juan José Arévalo als neuer demokratischer Präsident gewählt, 1951 wurde Jacobo Arbenz sein Nachfolger. Die neue Regierung enteignete gegen eine Entschädigung etwa 530 km² Land von der UFC und verteilte es an Kleinbauern. Außerdem forderte sie bessere Arbeitsbedingungen, Mindestlöhne und Sozialleistungen.[11] Die UFC protestierte daraufhin beim amerikanischen Außenministerium und forderte unter dem Vorwand, die neue Regierung sei kommunistisch, deren Sturz. Der damalige Außenminister der USA, John Foster Dulles (der früher als Anwalt bei UFC arbeitete), sowie sein Bruder Allen Dulles, Chef der CIA, leiteten dann am 16. Juni 1954 mittels einer Söldnertruppe von nur 400 Mann um den Exil-Guatemalteken Castillo Armas den Sturz der guatemaltekischen Regierung ein (Operation PBSUCCESS).[12] Als Präsident Arbenz endgültig die Kontrolle über sein Land verlor, trat er am 27. Juni 1954 zurück und überließ Castillo Armas das Amt. Als eine der ersten Amtshandlungen gab er der UFC das enteignete Land zurück und strich sämtliche Arbeitnehmerschutzgesetze. Es folgte eine fast 40 Jahre andauernde, von der CIA unterstützte Militärdiktatur, die vermutlich über 100.000 Todesopfer forderte, von denen viele zu den sogenannten „Verschwundenen“ zählen. Die Ereignisse um die Operation PBSUCCESS und die Beteiligung der United Fruit Company wurden in Deutschland frühzeitig literarisch verarbeitet: 1959 veröffentlichte Wolfgang Schreyer in Berlin-Ost Das grüne Ungeheuer (Fernsehverfilmung 1962), 1960 Karl Heinz Poppe in Reinbek Bananenkrieg.

Chiquita-Bananen auf einem Marktstand in Bonn, 1988

Ähnliche Geschichten spielten sich auch in anderen mittelamerikanischen Ländern ab, so wurde z. B. 1910 ein Schiff mit angeheuerten Söldnern (die meisten waren ehemalige Sträflinge) von New Orleans nach Honduras geschickt, um den Präsidenten zu stürzen. Grund für die Aktion war, dass der Präsident sich geweigert hatte, United Fruit Steuererleichterung zu gewähren. Nach dem Putsch befreite Honduras die UFC für 25 Jahre von der Zahlung jeglicher Steuern. Alleine von 1912 bis 1924 gab es in Honduras vier US-Interventionen. 1975 kam heraus, dass Eli Black, der Chef der damals in United Brands umbenannten Firma, vom Präsidenten von Honduras mit 2,5 Millionen Dollar Zollvorteile erkaufen wollte. Eli Black beging daraufhin Selbstmord.

Heutiger Einfluss[Bearbeiten]

Nach wie vor werden gewerkschaftlich organisierte Arbeiter benachteiligt und vor allem der massive Pestizideinsatz gerät immer wieder in die Kritik. 1992 erregte der Konzern die Aufmerksamkeit von Umweltschützern, als er in Costa Rica mehrere Waldflächen aufkaufte, rodete und in Plantagen umwandelte.

Ab 1992 versuchte Chiquita mit viel Öffentlichkeitsarbeit den schlechten Ruf, vor allem wegen des Pestizideinsatzes, loszuwerden. Verhandlungen mit Umweltorganisationen sowie Gewerkschaften gestalten sich jedoch schwierig und langsam.

Der politische Einfluss ist nach wie vor vorhanden, so überwies das Unternehmen beispielsweise 1998, als sich USA und EU um Themen rund um den internationalen Bananenhandel stritten (siehe Bananenkrieg), 1,4 Millionen Dollar als Parteispenden nach Washington.

Gegen Medienberichte über Missstände im Unternehmen geht Chiquita teils sehr aggressiv vor. Dies zeigte sich besonders deutlich, als im Mai 1998 die Zeitung The Cincinnati Enquirer die umfangreiche Reportage des investigativen Journalisten Michael Gallagher veröffentlichte, in der dem Konzern unter anderem ausbeuterische Praktiken auf seinen lateinamerikanischen Plantagen, bewusste Inkaufnahme von Umweltzerstörungen und die Tolerierung von Kokainschmuggel bei Warentransporten vorgeworfen wurde. Als sich herausstellte, dass Gallagher einen Teil seiner Informationen über Aufzeichnungen aus dem Voicemail-Systems des Unternehmens illegal erhalten hatte, setzte Chiquita die Zeitung mit rechtlichen Schritten unter massiven Druck. Der Cincinnati Enquirer musste Schadensersatzzahlungen in Höhe von mindestens 10 Millionen US-Dollar an Chiquita leisten und eine Entschuldigung auf der Titelseite veröffentlichen. Gallagher wurde gefeuert und von Chiquita mit Klagen überzogen. Obwohl das Unternehmen alle in Gallaghers Reportage erhobenen Vorwürfe zurückwies, hat es diese jedoch inhaltlich zu keiner Zeit juristisch angefochten.

Die Plantagen des Konzerns befinden sich heute noch hauptsächlich in Costa Rica, Guatemala, Honduras sowie Panama und teilweise noch Kolumbien. In all diesen Ländern gehören Bananen zu den wichtigsten Exportgütern, wodurch Chiquita einfach Druck auf die jeweiligen Regierungen ausüben kann – ein Rückzug aus einem dieser Länder würde in diesem zu einem wirtschaftlichen Fiasko führen.

Am 15. März 2007 erzielte Chiquita einen Vergleich mit dem US-Justizministerium, in dem der Konzern zur Zahlung einer Geldbuße in Höhe von 25 Millionen US-Dollar verpflichtet wurde, nachdem das Ministerium ein Verfahren gegen Chiquita eingeleitet hatte, wegen der Finanzierung einer terroristischen Vereinigung. In diesem Fall hatte Chiquita zwischen 1997 und 2004 etwa 1,7 Millionen US-Dollar an die Autodefensas Unidas de Colombia (kurz AUC) gezahlt.[13] Das Unternehmen erklärte dazu, selbst Opfer der „Paras“ zu sein, und aus Not, sich und seine Beschäftigten zu schützen, den Erpressungen der AUC nachgegeben zu haben.

Kritik[Bearbeiten]

Die Autoren des Standardwerkes Schwarzbuch Markenfirmen werfen dem Konzern „Ausbeutung in Bananenplantagen, Kinderarbeit, sexuelle Belästigung, Einsatz von gefährlichen Pflanzengiften“ vor. Es gibt Vorwürfe bezüglich verschmutzten Trinkwassers, fehlenden Arbeitsschutzes und sexuellen Missbrauchs. Wegen der Pestizide und des mangelnden Schutzes kam es Ende der 1990er zu tödlichen Vergiftungen.[14]

Außerdem belegt ein Dokument eine Verstrickung des Unternehmens Chiquita mit den rechten Paramilitärs in Kolumbien, was von dem Unternehmen 2007 auch vor Gericht zugegeben wurde.[15][16] Den kolumbianischen Paramilitärs werden schwere Menschenrechtsverletzungen, Folter und hunderttausende Morde zur Last gelegt.[17]

Literatur[Bearbeiten]

  • Chapman, Peter: Bananas: How The United Fruit Company Shaped the World. Canongate, Edinburgh (u.a.) 2007, ISBN 1-8419-5881-6.
  • Schlesinger, Stephen & Stephen Kinzer: Bananenkrieg: CIA-Putsch in Guatemala. 3. Aufl., Rotpunktverl., Zürich 1992, ISBN 3-85869-079-1.
  • Jason M. Colby: The business of empire. United fruit, race, and U.S. expansion in Central America. Ithaca u.a. (Cornell University Press) 2011. ISBN 978-0-8014-4915-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: United Fruit Company – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Unternehmensgeschichte (www.chiquita.de)
  2. a b Pressemeldung zum Jahresabschluss 2006
  3. Michael Jessen: Chiquita-Going Green or Greenwashing Corporate Crime?, Organic Consumers Association, 6. Februar 2001
  4. Rachael Jackson: Green bananas? Chiquita teams up with the Rainforest Alliance, Earth Action Network, 1. Januar 2007
  5. Chiquita rechtfertigt Schutzgeldzahlungen: "Wollten Leben schützen", Kleine Zeitung, 16. November 2007
  6. Stephen Schlesinger, Stephen Kinzer: Bananen-Krieg - CIA-Putsch in Guatemala, Ernst Kabel Verlag GmbH, Hamburg 1984, ISBN 3-921909-52-X, S. 72 ff.
  7. Chiquita's Rainforest Alliance Zertifizierung
  8. Chiquita und Fyffes fusionieren zum größten Bananenhändler. Süddeutsche.de, 10. März 2014, abgerufen am 10. März 2014 (deutsch).
  9. http://orf.at/stories/2251029/2251028/ Fusion der Bananenriesen geplatzt, Nun weitere Gespräche, ORF.at 24. Oktober 2014
  10. Stephen Schlesinger, Stephen Kinzer: Bananen-Krieg - CIA-Putsch in Guatemala, Ernst Kabel Verlag GmbH, Hamburg 1984, ISBN 3-921909-52-X. S. 72 ff.
  11. Stephen Schlesinger, Stephen Kinzer: Bananen-Krieg - CIA-Putsch in Guatemala, Ernst Kabel Verlag GmbH, Hamburg 1984, ISBN 3-921909-52-X, S. 44–71.
  12. Stephen Schlesinger, Stephen Kinzer: Bananen-Krieg - CIA-Putsch in Guatemala, Ernst Kabel Verlag GmbH, Hamburg 1984, ISBN 3-921909-52-X, S. 14 ff.
  13. Chiquita finanzierte Kolumbiens Todesschwadronen, Netzeitung, 15. März 2007
  14. Common Dreams 25. April 2002:Ecuador: Widespread Labor Abuse on Banana Plantations Abgerufen am 17. April 2011.
  15. The national security archive 7. April 2011: The Chiquita Papers Abgerufen am 17. April 2011
  16. Telepolis 14. April 2011: Terror für Bananen Abgerufen am 17. April 2011
  17. Die Wahrheit über die Todesschwadronen, Süddeutsche Zeitung vom 25. Juli 2013