Chiropsalmus quadrigatus

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Chiropsalmus quadrigatus
Chiropsalmus quadrigatus.jpg

Chiropsalmus quadrigatus

Systematik
Stamm: Nesseltiere (Cnidaria)
Klasse: Würfelquallen (Cubozoa)
Ordnung: Chirodropida
Familie: Chirodropidae
Gattung: Chiropsoides
Art: Chiropsalmus quadrigatus
Wissenschaftlicher Name
Chiropsalmus quadrigatus
Haeckel, 1880

Chiropsalmus quadrigatus ist eine Art der Würfelquallen und gehört zur Familie der Chiropsalmidae (Seewespen). Sie zählt zu den giftigsten Meeresorganismen; ihre Nesseln können Schwellungen der Haut und Krampfzustände hervorrufen. 1880 wurde diese Art von Haeckel entdeckt und beschrieben, basierend auf einer schwer beschädigten juvenilen Qualle, die er bei Rangoon, Burma, gefunden hatte.

Merkmale[Bearbeiten]

Mayr (1910, 1915 und 1917) hat die Art erneut beschrieben, basierend auf Beobachtungen an adulten und juvenilen Quallen aus den Philippinen. Diese Beschreibung wurde weitgehend angenommen. Dennoch sind die philippinischen und die burmesischen Funde keine Artgenossen.

Darüber hinaus liefert die im Westindischen Ozean gefundene Meduse (1937 by Stiasny) eine bessere Beschreibung der Chiropsalmus quadrigatus, die wiederum weder Mayrs noch Haeckels Holotyp entspricht.

Chiropsalmus quadrigatus wurde später in Chiropsoides quadrigatus umbenannt, da es sich bei der Art Chiropsoides buitendijki von Java, und Chiropsalmus quadrigatus von Rangoon, Burma, um Artgenossen handelt.

Barnes (1965 und 1966) beobachtete, dass zwei sehr verschiedene Chiropsalmus nebeneinander in den Gewässern bei North Queensland existierten. Eine dieser beiden Arten konnte er als Chiropsalmus quadrigatus identifizieren und beschreiben. Diese Beschreibung wurde auch von anderen Wissenschaftlern angenommen.

Die Beschreibung von Chiropsalmus quadrigatus ist nach wie vor fragwürdig und benötigt dringende Aufklärung. [1]

Die bläulich transparent erscheinende Meduse hat eine Schirmhöhe von etwa zehn Zentimetern und jeweils einen Tentakel pro Pedalium. Die Nesselfäden können eine Länge von bis zu drei Metern erreichen. Das Gastrovaskularsystem der Qualle hat keine Blindsäcke ausgebildet. Ihr Cnidom besteht aus Haplonemen, Eurytelen und Stenotelen und ihr Mund wird von einem Ring aus stechenden Tentakeln umgeben. [2]

Holotypus[Bearbeiten]

Der Holotyp befindet sich im Zoologischen Museum der Universität von Kopenhagen. Er wurde im Indischen Ozean gefunden, rund zehn Meilen vor Rangoon (Burma). Das Tier ist unausgewachsen und zudem in einem schlechten Zustand: die Nematocysten auf der Oberfläche der Exumbrella fehlen. An den Enden der Pedalien entspringen drei Tentakel, sie sind jedoch unilateral ausgebildet. Die Tentakel sind flach, bandförmig und an der Basis leicht ausgestellt. Das Rhopalium ist kuppelförmig und leicht angehoben und das Ostium ist an der Unterseite flach und an der Spitze w-förmig. Das Tier weist entweder keine Gastraltaschen auf oder sie hatten sich noch nicht ausgebildet. Eine kleine gelartige Noppe ist jedoch vorhanden. Die Gonaden fehlen. Weiteren Exemplare sind nicht bekannt. Aufgrund von diesem einzigen, nicht ausgewachsenen Exemplar, das zudem in schlechtem Zustand ist, sowie aufgrund fehlender Bilder, fällt es Forschern nach wie vor schwer, diese Art mit Gewissheit zu bestimmen. Diese Ungewissheit führte dazu, dass viele im Indopazifik vorkommende Formen (fälschlicherweise) zu der Art C. quadrigatus gezählt wurden.[1]

Fortpflanzung[Bearbeiten]

Die Fortpflanzung dieser Quallenart schließt sowohl sexuelle als auch asexuelle Phasen ein. Bei der sexuellen Phase erfolgt die Freisetzung der Eier durch die weibliche Qualle, die dann von der männlichen Qualle befruchtet werden. Die befruchteten Eier entwickeln sich zu Larven und schließlich weiter zu Polypen. Die Polypen pflanzen sich asexuell durch Knospung fort. Dabei wachsen junge Quallen auf den Polypen, die dann freigesetzt werden. [3]

Verhalten und Vorkommen[Bearbeiten]

Diese Quallenart kommt im Indopazifik rund um Australien, den Philippinen und Japan vor. Man findet sie vor allem in Küstennähe sowie an den Mündungen von Flüssen und Bächen. Chiropsalmus quadrigatus wird durch schwache Lichtquellen unwillkürlich angezogen, starkes und grelles Licht meiden sie jedoch. Mit dem Einsetzen der Regenzeit beginnt die Quallensaison in Nordaustralien; in der Regel beginnt sie im Oktober und endet im April. Im südlichen Australien kommt C. quadrigatus von November bis März vermehrt vor. Wegen des zeitweise massenhaften Auftretens dieser Quallenart müssen oft ganze Badestrände abgesperrt werden. In der Winterzeit verschwinden sie vollkommen vor den australischen Küsten. [3]

Nahrung[Bearbeiten]

C. quadrigatus ernährt sich von kleinen Fischen und Krebstieren. Sie sind nicht aggressiv und jagen nicht aktiv nach Beute. Es wird vermutet, dass sich Chiropsalmus quadrigatus an Mündungen von Gewässern aufhält, um vom Regen angeschwemmte Nahrung aufzunehmen. [3]

Giftwirkung und Behandlung[Bearbeiten]

Ihr Nesselgift ist ein Cardiotoxin, das schmerzhafte Hautreaktionen hervorruft. Die Symptome sind unter anderem Krämpfe, Fieber und in schwerwiegenden Fällen Lähmungen des Atemzentrums oder Tod durch Herz- und Kreislaufversagen. Durch Einreiben der Haut mit Alkohol denaturiert ein Teil des Cardiotoxins und das Gift wird neutralisiert. [2]

Des Weiteren stehen zur Behandlung an manchen Badestränden im Indopazifik Behälter mit Essig zur Verfügung, wodurch die schlimmsten Folgen verhindert werden können. Nach dem Kontakt mit den Nesselkapseln der Seewespen kann innerhalb von Minuten der Tod eintreten; falls es nicht innerhalb von 20 Minuten zum Tod kommt, ist eine Gesundung wahrscheinlich. [4]

Feinde[Bearbeiten]

Trotz ihrer tödlichen Nesselzellen haben Seewespen Fressfeinde wie manche Schildkröten oder Meeresschnecken. Manche Meeresschnecken nutzen das Nesselgift zum eigenen Schutz.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Lisa- Ann Gershwin, School of Marine Biology and Aquaculture, James Cook University, Magnolia Press 2006, ISSN 1175-5334 (online Edition)
  2. a b Wilfried Westheide, Reinhard Rieger: Spezielle Zoologie, Teil 1, Einzeller und wirbellose Tiere, Verlag: Spektrum Akademischer Verlag; Auflage: 2. Aufl., ISBN 3827415756
  3. a b c d http://animaldiversity.ummz.umich.edu/site/accounts/information/Chiropsalmus_quadrigatus.html (Stand 10. Januar 2012)
  4. Cleveland P. Hickman et al.: Zoologie. Verlag Pearson Studium, 2008, ISBN 978-3827372659

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilfried Westheide, Reinhard Rieger: Spezielle Zoologie, Teil 1, Einzeller und wirbellose Tiere, Verlag: Spektrum Akademischer Verlag; Auflage: 2. Aufl., ISBN 3827415756
  • Cleveland P. Hickman et al.: Zoologie. Verlag Pearson Studium, 2008, ISBN 978-3827372659
  • Volker Storch, Ulrich Welsch: Kurzes Lehrbuch der Zoologie. Jena, New York, Gustav Fischer Verlag, 1994, ISBN 3-437-20507-2
  • Grzimek, Bernhard: Grzimeks Tierleben 1. Niedere Tiere. Zürich: Kindler Verlag, 1971
  • Lisa- Ann Gershwin, School of Marine Biology and Aquaculture, James Cook University, Magnolia Press 2006, ISSN 1175-5334 (online Edition)

Weblinks[Bearbeiten]

Bildnachweis[Bearbeiten]

Mit freundlicher Unterstützung von Michael N. Dawson / University California

Mit freundlicher Unterstützung von Maurice Dudley, Okinawa, Japan