Chirotherapie

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Chirotherapie oder Manuelle Medizin (von griech. χειρ~ = Hand~) ist eine medizinische Schule, die sich mit der Wiederherstellung der Beweglichkeit von Gelenken befasst, die in Form und Zusammensetzung intakt sind, deren Funktion jedoch gestört ist. Die Behauptung, mit der manipulativen Behebung von „Fehlstellungen“ der Wirbelgelenke verschiedenste von diesen „Fehlstellungen“ verursachte Krankheiten heilen zu können, widerspricht allen im 20. und 21. Jahrhundert erkannten Fakten über die Anatomie, Physiologie und Pathologie des menschlichen Organismus.[1]

Inhaltsverzeichnis

Methodik[Bearbeiten]

Grundsätzlich hat man in der Manuellen Medizin die Möglichkeit, eingeschränkt bewegliche (hypomobile) Gelenke mobilisierend oder manipulativ zu behandeln. Bei der „mobilisierenden“ Behandlung wird die Beweglichkeit durch sanft und häufig wiederholte Dehnungsbewegungen wiederhergestellt. Die „manipulierende“ Behandlung beruht auf der Erkenntnis, dass eine sehr schnell durchgeführte und kurze Bewegung mit viel weniger Kraft oft zu einer sofort einsetzenden und oft vollständigeren Wiederherstellung der Beweglichkeit führen kann. Diese Techniken sind an der Wirbelsäule dem Arzt (in der Chirotherapie) und dem Heilpraktiker (in der Chiropraktik) vorbehalten. Manipulative Techniken an Extremitätengelenken sowie mobilisierende Wirbelsäulentechniken können auch von entsprechend ausgebildeten nichtärztlichen Personen durchgeführt werden (z. B. Physiotherapeuten). Sie wird dann nicht als „Manuelle Medizin“ sondern als „Manuelle Therapie“ bezeichnet.

Einordnung im Medizinwesen[Bearbeiten]

Chirotherapie gilt in der evidenzbasierten Medizin wie die Osteopathie häufig als eine komplementärmedizinische, manuelle Behandlungsweise. Die Methoden der Chirotherapie werden, soweit es geht, sowohl durch Empirie als auch mit Ursache-Wirkungs-Modellen begründet. Wie die Osteopathie arbeitet die Chirotherapie ergänzend zur evidenzbasierten Medizin.

Der Begriff Chirotherapie beschreibt zugleich eine Zusatzbezeichnung, die an Ärzte von den Ärztekammern vergeben wird, die über ihre schulmedizinische Ausbildung hinaus eine Ausbildung in Chirotherapie abgeleistet haben. Nur Ärzte, die entsprechende Nachweise erbracht haben, dürfen auf Ihrem Praxisschild und in ihrem Briefkopf das Wort „Chirotherapie“ führen. Wer einen Chirotherapeuten sucht, kann über die zuständige Ärztekammer einen entsprechenden Arzt in seiner Umgebung finden. 2011 wurde erstmals in Deutschland eine Professur im Fachgebiet der Chirotherapie an Dietmar Daichendt, den Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Chirotherapie und Osteopathie, verliehen.

Heilpraktiker bezeichnen sich meist als Chiropraktiker (oder Chiropraktoren), eine in Deutschland viel geläufigere aber nicht geschützte Bezeichnung, hinter der im Einzelfall eine fundierte Ausbildung oder auch nur wenig Wissen stehen kann. Direkte Verwandtschaft in den Methoden besteht außer zur Chiropraktik auch zur Dorn-Therapie und zur Osteopathie.

Die Blockierung als funktionelle Erkrankung[Bearbeiten]

Man weiß heute, dass die mechanistische Vorstellung von „ausgerenkten“ Gelenken einem neuen „nozizeptiven“ Gedankenmodell weichen muss. Indem man eine Blockierung mit einem Hochgeschwindigkeitsimpuls behandelt, setzt der Therapeut einen gezielten nervalen Reiz an sogenannten Nozizeptoren, die dadurch ein „Reset“ erfahren und den das Gelenk blockierenden verspannten Muskel wieder entspannen - der Weg für das Gelenk wird dadurch wieder freigegeben. Im Falle der Wirbelbogengelenke beispielsweise spielen die segmentalen Musculi rotatores breves eine dementsprechende Rolle. Um diesen feinen Effekt zu erreichen ist weder eine große Kraft, noch ein großer Weg erforderlich (sanfte Manipulation), es gilt daher die Regel der „Drei K“ - kleine Kraft, kurzer Weg, kurze Zeit. Die Wirksamkeit der Chirotherapie ist nach wie vor umstritten.[2]

Voraussetzung[Bearbeiten]

Allgemein ist eine Abklärung bestimmter Wirbelsäulenschäden (beispielsweise Metastasen, Tumoren) mittels Röntgenaufnahme oder besser CT/MRT vor jeglicher Manipulation der Wirbelsäule unabdingbar!

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Max Geiser in: Schweizerische Ärztezeitung 2007, Seite 758, aufgerufen am 21. August 2007
  2. Hancock et al. doi:10.1007/s00586-008-0679-9.

Weblinks[Bearbeiten]

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