Chlorethan

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Strukturformel
Struktur von Chlorethan
Allgemeines
Name Chlorethan
Andere Namen
  • Ethylchlorid
  • Monochlorethan
  • R160
Summenformel C2H5Cl
CAS-Nummer 75-00-3
Kurzbeschreibung

farbloses Gas mit etherischem, stechenden Geruch[1]

Eigenschaften
Molare Masse 64,51 g·mol−1
Aggregatzustand

gasförmig

Dichte

2,804 kg·m−3 (15 °C)[1]

Schmelzpunkt

−138,3 °C[1]

Siedepunkt

12,28 °C[1]

Dampfdruck

134,3 kPa (20 °C)[1]

Löslichkeit
  • mäßig löslich in Wasser (5,74 g·l−1 bei 20 °C)[1]
  • löslich in Chloroform[2]
Dipolmoment

2,05 D[3] (6,8 · 10−30 C · m)

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) [4]
02 – Leicht-/Hochentzündlich 04 – Gasflasche 08 – Gesundheitsgefährdend

Gefahr

H- und P-Sätze H: 220​‐​351​‐​412
P: 210​‐​273​‐​281 [5]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [6] aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) [4]
Hochentzündlich Gesundheitsschädlich
Hoch-
entzündlich
Gesundheits-
schädlich
(F+) (Xn)
R- und S-Sätze R: 12​‐​40​‐​52/53
S: (2)​‐​9​‐​16​‐​33​‐​36/37​‐​61Vorlage:S-Sätze/Wartung/mehr als 5 Sätze
MAK

keine MAK, da cancerogen-verdächtig[1]

Thermodynamische Eigenschaften
ΔHf0

−112,1 kJ/mol[7]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Chlorethan ist eine chemische Verbindung, die synthetisch als Ethylierungsreagenz eingesetzt werden kann. Weitere Namen sind Aethylchlorid, Chloräthyl, Monochloräthan, Chlorwasserstoffäther, leichter Salzäther, Kelen und Chelen.

Gewinnung und Darstellung[Bearbeiten]

Chlorethan kann bei erhöhten Temperaturen unter Aluminiumchlorid-Katalyse durch Chlorwasserstoff-Addition an Ethen hergestellt werden. Der Prozess ist exotherm.

\mathrm{C_2H_4 \ + \ HCl \ \xrightarrow{Kat.} \ C_2H_5Cl}

Eigenschaften[Bearbeiten]

Physikalische Eigenschaften[Bearbeiten]

Chlorethandämpfe sind schwerer als Luft und reichern sich am Boden an ("Schwergas"). Es besitzt eine kritische Temperatur von 187,2 °C, einen kritischen Druck von 52,7 bar, eine kritische Dichte von 0,331 kg/l und eine Tripelpunkt-Temperatur von −138,3 °C (Schmelztemperatur).[1]

Chemische Eigenschaften[Bearbeiten]

Chlorethan ist unter Normalbedingungen gasförmig, sehr reaktionsfreudig und lichtempfindlich. Bei der thermischen Zersetzung unter Sauerstoffausschluss entsteht Chlorwasserstoff und Ethylen. An Luft und unter Lichteinwirkung zersetzt es sich langsam unter Bildung von Chlorwasserstoff und Phosgen.[1]

Verwendung[Bearbeiten]

Chlorethan wird wegen der schwierigen Handhabung praktisch nur industriell genutzt, etwa als Ethylierungs-, Löse- und Extraktionsmittel.[1] In der Medizin dient es zur Lokalanästhesie (Vereisung).[8] Industriell war Chlorethan ein wichtiger Ausgangsstoff zur Herstellung des Antiklopf-Additivs Tetraethylblei für Kraftstoffe.

Sicherheitshinweise[Bearbeiten]

Chlorethan ist hochentzündlich und gesundheitsschädlich, möglicherweise sogar krebserregend.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j Eintrag zu Chlorethan in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 20.10.2007 (JavaScript erforderlich)
  2. Datenblatt Chlorethan bei Merck, abgerufen am 2. April 2010.
  3. David R. Lide (Ed.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90th Edition (Internet Version: 2010), CRC Press/Taylor and Francis, Boca Raton, FL, Permittivity (Dielectric Constant) of Gases, S. 6-188.
  4. a b Eintrag aus der CLP-Verordnung zu CAS-Nr. 75-00-3 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA (JavaScript erforderlich)
  5. Datenblatt Chloroethane bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 17. März 2011 (PDF).
  6. Seit 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Gemischen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  7. David R. Lide (Ed.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90th Edition (Internet Version: 2010), CRC Press/Taylor and Francis, Boca Raton, FL, Standard Thermodynamic Properties of Chemical Substances, S. 5-22.
  8. Johannes Petres, Rainer Rompel: Operative Dermatologie: Lehrbuch und Atlas. 2. Auflage, Springer-Verlag, Heidelberg 2006, ISBN 978-3-540-34086-7, S. 44.