Chlortoluron

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Strukturformel
Strukturformel von Chlortoluron
Allgemeines
Name Chlortoluron
Andere Namen
  • 3-(3-Chlor-4-methylphenyl)-1,1-dimethylharnstoff
  • 3-(3-Chlor-p-tolyl)-1,1-dimethylharnstoff
  • CTU
  • Dicuran
Summenformel C10H13ClN2O
CAS-Nummer 15545-48-9
PubChem 27375
Kurzbeschreibung

weißes, kristallines Pulver[1]

Eigenschaften
Molare Masse 212,68 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

1,4 g·cm−3[1]

Schmelzpunkt

148,1 °C[2]

Dampfdruck

0,005 mPa (25 °C)[3]

Löslichkeit

praktisch unlöslich in Wasser: 0,074 g·l−1 (20 °C)[3]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) [4]
08 – Gesundheitsgefährdend 09 – Umweltgefährlich

Achtung

H- und P-Sätze H: 351​‐​361d​‐​410
P: 273​‐​281​‐​501 [5]
EU-Gefahrstoffkennzeichnung [6] aus EU-Verordnung (EG) 1272/2008 (CLP) [4]
Gesundheitsschädlich Umweltgefährlich
Gesundheits-
schädlich
Umwelt-
gefährlich
(Xn) (N)
R- und S-Sätze R: 40​‐​63​‐​50/53
S: (2)​‐​36/37​‐​26​‐​46​‐​60​‐​61Vorlage:S-Sätze/Wartung/mehr als 5 Sätze
Toxikologische Daten

5800 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)[2]

Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Chlortoluron ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der Phenylharnstoffe. Sie liegt in Form eines weißes bis gelblichen Pulvers vor.

Gewinnung und Darstellung[Bearbeiten]

Chlortoluron kann ausgehend von Toluol dargestellt werden. Dieses wird erst zu p-Nitrotoluol (PNT) nitriert und anschließend zu 2-Chlor-4-nitrotoluol (2C4NT) chloriert, welches zu 2-Chlor-4-aminotoluol (2C4AT) hydriert wird. Das 2-Chlor-4-aminotoluol reagiert nun mit Phosgen zu Chlormethylphenylisocyanat (CMPI), welches mit Dimethylamin zu Chlortoluron reagiert.[7]

Verwendung[Bearbeiten]

Chlortoluron wurde als Pflanzenschutzmittel (Harnstoffherbizid) unter anderem in Winterweizen und Wintergerste verwendet. Der Wirkmechanismus nach Aufnahme über die Wurzeln beruht auf der Hemmung der Photosynthese am Photosystem II.

Vorkommen im Trinkwasser[Bearbeiten]

Im Zeitraum 2001–2002 haben die niederländischen Wasserwerke mehrfach die Entnahme von Rheinwasser zur Trinkwassergewinnung aufgrund zu hoher Konzentrationen der Herbizide Isoproturon und Chlortoluron unterbrochen. Vom 1. Juli 2001 bis 2008 war die Anwendung von Chlortoluron in Deutschland verboten. In den Niederlanden endete die Zulassung am 1. Mai 2000; seit dem 1. Mai 2002 gilt dort ein Anwendungsverbot. In Belgien, Frankreich und Luxemburg ist Chlortoluron zugelassen.[8][9] Aktuell sind in Deutschland und der Schweiz, jedoch nicht in Österreich, Chlortoluron-haltige Präparate zugelassen.[10]

Sicherheitshinweise[Bearbeiten]

Bei Chlortoluron besteht der Verdacht auf eine krebserzeugende Wirkung.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b NIOSH: International Chemical Safety Cards.
  2. a b Eintrag zu CAS-Nr. 15545-48-9 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 4. Januar 2009 (JavaScript erforderlich).
  3. a b Datenblatt Chlortoluron in der Pesticide Properties DataBase (PPDB) der University of Hertfordshire, abgerufen am 4. Mai 2014.
  4. a b Eintrag aus der CLP-Verordnung zu CAS-Nr. 15545-48-9 in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA (JavaScript erforderlich).
  5. Datenblatt Chlortoluron bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 22. März 2011 (PDF).
  6. Seit 1. Dezember 2012 ist für Stoffe ausschließlich die GHS-Gefahrstoffkennzeichnung zulässig. Bis zum 1. Juni 2015 dürfen noch die R-Sätze dieses Stoffes für die Einstufung von Gemischen herangezogen werden, anschließend ist die EU-Gefahrstoffkennzeichnung von rein historischem Interesse.
  7.  Thomas A. Unger: Pesticide Synthesis Handbook. William Andrew, 1996, ISBN 0-81551853-6, S. 220 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  8. Internationale Kommission zum Schutz des Rheins: Synthesebericht zu Isoproturon und Chlortoluron (PDF; 329 kB).
  9. Richtlinie 2005/53/EG der Kommission vom 16. September 2005 zur Änderung der Richtlinie 91/414/EWG.
  10. Nationale Pflanzenschutzmittelverzeichnisse: Schweiz, Österreich, Deutschland; abgerufen am 8. Juli 2014 2009.