Chojnice

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Chojnice (Stadt)
Wappen von Chojnice
Chojnice (Stadt) (Polen)
Chojnice (Stadt)
Chojnice (Stadt)
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Pommern
Landkreis: Chojnice
Fläche: 21,05 km²
Geographische Lage: 53° 42′ N, 17° 33′ O53.717.55Koordinaten: 53° 42′ 0″ N, 17° 33′ 0″ O
Einwohner: 40.226
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 89-600 bis 89-620
Telefonvorwahl: (+48) 52
Kfz-Kennzeichen: GCH
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 22: Kostrzyn nad Odrą/DeutschlandOkonekTczew–Grzechotki/Russland
DW 212: Osowo Lęborskie–Kamionka
DW 235: Korne–Chojnice
DW 240: Świecie–Chojnice
Schienenweg: PKP-Linie 203: Kostrzyn nad Odrą/DeutschlandTczew
PKP-Linie 208: Działdowo–Chojnice
Linie 210: Chojnice–Runowo Pomorskie
Linie 211: Chojnice–Kościerzyna
Nächster int. Flughafen: Lech-Wałęsa-Flughafen Danzig
Gemeinde
Gemeindeart: Stadtgemeinde
Einwohner: 40.226
(31. Dez. 2013)[1]
Gemeindenummer (GUS): 2202011
Verwaltung (Stand: 2009)
Bürgermeister: Arseniusz Finster
Adresse: Stary Rynek 1
89-600 Chojnice
Webpräsenz: www.miasto.chojnice.pl

Chojnice [xɔɪ̯ˈɲiʦɛ]?/i (deutsch Konitz oder Conitz, kaschubisch Chònice) ist eine Kleinstadt im Norden Polens in der Wojewodschaft Pommern. Sie ist Amtssitz einer Landgemeinde.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Chojnice liegt etwa 100 Kilometer südwestlich von Danzig (Gdańsk) und nördlich von Tuchola (Tuchel) am westlichen Rand der Puszcza Tucholska (Tucheler Heide), 70 Kilometer nordwestlich von Bydgoszcz. Chojnice liegt wie Danzig in der Kaschubei. Durch die Stadt führt die polnische Landesstraße 22 (die frühere deutsche Reichsstraße 1 von Aachen nach Königsberg (Preußen)) und die Linie 203 der Polnischen Staatsbahn (ehemalige Preußische Ostbahn Berlin - Königsberg (Preußen)).

Geschichte[Bearbeiten]

1205 wurde Conitz (Chojnice) im ostpommerschen Herzogtum der Samboriden gegründet.[2] [3] 1308 eroberte der Deutsche Orden das Herztogtum der Samboriden. 1410 besetzten polnische Truppen nach der Schlacht bei Tannenberg für kurze Zeit die Stadt. 1440 wurde die Stadt Mitglied im Preußischen Bund gegen Gewalt. 1446 brach Konitz die Verbindungen zu den Preußischen Ständen ab.

Um die Mitte des 15. Jahrhunderts entbrannte in Konitz ein langanhaltender Rechtsstreit zwischen dem Magistrat der Stadt und drei ihrer Bürger, denen er Mordbrennerei bzw. Hehlerei vorgeworfen hatte, ohne jedoch die Anschuldigungen beweisen zu können. Die drei Angeklagten verlangten schließlich Genugtuung vor einem westfälischen Freigericht, und auch der Deutsche Orden in Marienburg wurde eingeschaltet.[4]

1454 schlug in der Schlacht von Konitz das Heer des Ordens das größere Heer des polnischen Königs.[5] Die Truppe des Ordens bestand großenteils aus im deutsch-römischen Reich angeworbenen Söldnern. Der König von Polen hatte Schwierigkeiten gehabt, sein Heer zusammenzubekommen. Im 2. Thorner Frieden von 1466 trat der Deutschordensstaat Preußen die Stadt an die polnische Krone ab. Sie kam zur Woiwodschaft Pommer(elle)n in Königlich-Preußen (Polnisch-Preußen).

Konitz war die größte Siedlung des Heidegebiets westlich der Weichsel. 1772 kam die Stadt mit der Ersten Teilung Polens zum Königreich Preußen und gehörte nun bis 1919 zur preußischen Provinz Westpreußen, zwischenzeitlich zur (vereinigten) Provinz Preußen. Sie war als Kreisstadt dem Regierungsbezirk Marienwerder angegliedert und war Eisenbahnknotenpunkt der Staatsbahnlinien Berlin - Schneidemühl - Dirschau und Graudenz- Neustettin - Ruhnow.

Seit 1815 verfügte Konitz über ein Gymnasium.[6]

Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert gehörte etwa die Hälfte der Bevölkerung der evangelischen Kirche an, die andere Hälfte der katholischen. Konitz hatte zwei evangelische Kirchen, zwei katholische Kirchen und eine Synagoge. Zwischen den beiden großen Religionsgruppen kam es hin und wieder zu rechtlichen Konflikten.[7]

Die Kreisstadt Konitz war Sitz eines Landgerichts. Zum Landgerichtsbezirk Konitz gehörten in der preußischen Neuzeit insgesamt neun Amtsgerichte: Baldenburg, Flatow, Preußisch-Friedland, Hammerstein, Könitz, Schlochau, Tuchel, Vandsburg und Zempelburg.[8]

1900 kam es in Konitz zur Konitzer Mordaffäre infolge des Mordes an dem Gymnasiasten Ernst Winter, der von dem Verleger und Politiker Wilhelm Bruhn als jüdischer Ritualmord bezeichnet worden war. Bei einem Pogrom wird die Synagoge niedergebrannt.[9][10] [11]

1919 kam Konitz/Chojnice infolge des Versailler Vertrags zusammen mit 62 % der Fläche Westpreußens an die Zweite Republik Polen und wurde nun Teil der erneuerten Woiwodschaft Pommerellen. 1939–1945 wurde die Stadt vom Deutschen Reich annektiert und in den Reichsgau Danzig-Westpreußen eingegliedert, 1945 kam sie wieder zu Polen.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Um 1900 gab es am Ort zwei Eisengießereien, eine Dampfmahl- und eine Dampfsägemühle, eine Dampfziegelei, eine Molkerei und ein Elektrizitätswerk. Bis heute ist die Stadt ein Markt- und Verarbeitungsort für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse des Umlands. Konitz hat heute eine Nahrungsmittelindustrie.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1900: 10.697 Einwohner, davon 4.974 Katholiken und 364 Juden.[12]
  • 1921: 10.500 Einwohner, davon 3.500 Deutsche.[13]
  • 1969: 24.000 Einwohner.[14]
  • 2004: 40.000 Einwohner (Landgemeinde: 16.000 Einwohner).

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Sport[Bearbeiten]

Mit Chojniczanka Chojnice verfügt die Stadt über einen 1. Liga Fußballverein. In der Saison 2012/2013 gelang der historische Aufstieg. Ein weiterer Erfolg der Mannschaft war die Teilnahme am Achtelfinale des polnischen Pokals im Jahr 1971. In diesem Spiel verlor Chojniczanka gegen GKS Katowice mit 0:1. Mit Kolejarz Chojnice existiert in Chojnice ein zweiter Fußballverein.

Die Red Devils Chojnice sind ein weiterer hochklassiger Sportverein der Stadt. Der Verein ist Mitglied der polnischen Ekstraklasa (höchste Spielklasse) im Futsal und aktueller Vizemeister.

Kultur[Bearbeiten]

Seit einigen Jahren findet im Juli das Festiwal Folkloru statt. Internationale Gruppen treten mit Volksmusik auf. Aus Polen nehmen Kaschuben aus verschiedenen Städten und Dörfern teil, auch aus Chojnice. Das Festival findet nicht nur in Chojnice statt, sondern jeweils einen Tag in den teilnehmenden kaschubischen Städten und Dörfern. Die Stadt hat ein Museum.

Gmina Chojnice[Bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten]

Die Gmina Chojnice ist eine Landgemeinde, und die Stadt Chojnice gehört nicht dazu. In ihr allerdings hat die Gmina ihren Amtssitz. Das Gemeindegebiet umfasst 458,34 km², was 33,6 % der Gesamtfläche des Powiat Chojnicki (Kreis Konitz) entspricht, zu dem die Gemeinde innerhalb der Woiwodschaft Pommern gehört. Die Gmina Chojnice zählt 17074 Einwohner.[15]

Die südliche und südöstliche Gemeindegrenze ist gleichzeitig die Grenze zur Woiwodschaft Kujawien-Pommern und zum Powiat Sępoleński (Kreis Zempelburg) und zum Powiat Tucholski (Kreis Tuchel). Die westliche Gemeindegrenze war die zwischen 1919 und 1939 bestehende Grenze des Deutschen Reichs zu Polen ("Polnischer Korridor"). Im Nordwesten ragt das Gemeindegebiet in den Landschaftsschutzpark Zaborskie Park Krajobrazowy mit dem Jezioro Charzykowskie (Müskendorfer See) und dem Nationalpark Park Narodowy Bory Tucholskie hinein, während es im Nordosten an den Landschaftsschutzpark Tucholski Park Krajobrazowy grenzt.

Nachbargemeinden der Gmina Chojnice sind neben der Stadt Chojnice die Gemeinden:

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Gmina Chojnice gehören 81 Ortschaften, die 31 Ortsteilen ("Schulzenämtern") zugeordnet sind.

  • Ortsteile:
  • Angowice (Hennigsdorf)
  • Charzykowy (Müskendorf)
  • Chojniczki (Klein Konitz)
  • Ciechocin (Deutsch Cekzin)
  • Czartołomie-Jarcewo (Sawüst-Zandersdorf)
  • Doręgowice (Döringsdorf)
  • Gockowice-Objezierze (Götzendorf-Butzendorf)
  • Granowo (Granau)
  • Klawkowo (Grunsberg)
  • Kłodowa (Groß Kladau)
  • Kopernica (Kupfermühle)
  • Krojanty (Krojanten)
  • Kruszka (Kruschke)
  • Lichnowy (Lichnau)
  • Lotyń (Sternau)
  • Moszczenica (Mosnitz)
  • Nieżychowice (Schönfeld)
  • Nowa Cerkiew (Neukirch)
  • Nowy Dwór-Cołdanki (Neuhof-Zoldan)
  • Ogorzeliny (Görsdorf)
  • Ostrowite (Osterwick)
  • Ostrowite ZR
  • Pawłowko (Klein Paglau)
  • Pawłowo (Groß Paglau)
  • Powałki (Powalken)
  • Racławki (Rakelwitz)
  • Silno (Frankenhagen)
  • Sławęcin (Schlagenthin)
  • Swornegacie (Schwornigatz)
  • Topole (Stendersdorf)
  • Zbeniny (Zbenin)

.

  • Übrige Ortschaften:
  • Babilon
  • Bachorze (Bachhorst)
  • Białe Błota
  • Borne
  • Chiny
  • Chociński Młyn (Chotzenmühl)
  • Chojnati (Ackerhof)
  • Chojniczki-Wybudowanie
  • Drzewicz (Drewitz)
  • Dębowo Góra
  • Funka (Funkeremühle)
  • Grzampki
  • Jabł
  • Jakubowo
  • Jasnowo
  • Jeziorki (Jesiorken)
  • Józefowo
  • Kamionka
  • Kamionka (Steinberg)
  • Karolewo
  • Klosnowo (Klausenau)
  • Kłodawka (Klein Kladau)
  • Kluczka
  • Kokoszka (Kokoschka)
  • Kulki
  • Lipienice (Liepnitz)
  • Łukomie
  • Małe Swornegacie (Neu Schwornigatz)
  • Małe Zanie
  • Melanówek (Melanenhof)
  • Melanowo
  • Nicponie (Nicponia)
  • Nieżychowice-Wybudowanie
  • Nowa Czerkiew Szlachetna (Gut Neukirch)
  • Osiedle Słoneczke
  • Owink
  • Pawłowo-Wybudowanie
  • Płęsno (Plensno)
  • Pomoc
  • Sepiot
  • Śluza
  • Stary Młn
  • Sternowo (Sternau)
  • Strużka
  • Styporc (Styports)
  • Wączos (Wonczos)
  • Wielkie Zanie (Sania)
  • Władysławek (Bonhausen)
  • Wolność (Buschmühle)
  • Zbrzyca (Spritza)

.

Verkehr[Bearbeiten]

Straßen[Bearbeiten]

Die Gmina Chojnice wird von zwei Landesstraßen (Droga krajowa) und vier Woiwodschaftsstraßen (Droga wojewódzka) durchzogen, was verkehrstechnisch sehr bedeutsam ist:

Schienen[Bearbeiten]

Auch bahntechnisch ist die Gmina Chojnice günstig mit der Region vernetzt, wobei sie insgesamt über fünf Bahnstationen verfügt:

Die PKP-Linie 210 von Runowo nach Chojnice führt ohne Halt durch das Gemeindegebiet, während die Bahnstation Ogorzeliny (Görsdorf) erst mit Schließung der PKP-Linie 281 (Chojnice - Oleśnica (Oels)) stillliegt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Sonstige mit der Stadt verbundene Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Elisabeth Koß: Das Bürgerbuch der Stadt Konitz von 1550 bis 1850. Nicolaus-Copernicus-Verlag, Münster 2004, ISBN 3-924238-32-4, 110 Seiten (= Quellen und Darstellungen der Geschichte Westpreußens; 13)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Chojnice – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 10. Juli 2014.
  2. Heinrich Gottfried Philipp Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 633-636.
  3. August Uppenkamp: Geschichte der Stadt Konitz. 1839, 86 Seiten.
  4. Johannes Voigt: Geschichte Marienburgs, der Stadt und des Haupthauses des Deutschen Ritterordens in Preußen. Königsberg 1824, S. 367, Fußnote 45 und S. 561-565
  5. Vgl. zum Beispiel Otto von Rutenberg: Geschichte der Ostseeprovinzen Liv- , Est- und Kurland von den ältesten Zeiten bis zum Untergange der Selbständigkeit. 2. Band, Leipzig 1861, S. 178.
  6. L. Wiese: Das höhere Schulwesen in Preußen. Historisch-statistische Darstellung. Berlin 1864, S. 82-84
  7. N. G. Benwitz: Kirchengeschichte der Stadt Konitz. Preußische Provinzialblätter. Band 18 (Königsberg 1837), Dezember-Heft, S. 552 ff.; Band 19 (Königsberg 1838), Januar-Heft, S. 22-39, Februar-Heft, S. 145-151, März-Heft, S. 233-251, April-Heft, S. 346-359 und Mai-Heft, S. 417-431.
  8. Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 11, Leipzig und Wien 1908, S. 395.
  9. Max Kreutzberger (Hrsg.): Leo Baeck Institut New York - Bibliothek und Archiv. Band I, Verlag J. C. B. Mohr, Tübingen 1970, S. 165.
  10. Christoph Nonn: Eine Stadt sucht einen Mörder. Gerücht, Gewalt und Antisemitismus im Kaiserreich. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2002, ISBN 3-525-36267-6, 248 Seiten, (eingeschränkte Vorschau).
  11. Helmut Walser Smith: Die Geschichte des Schlachters. Mord und Antisemitismus in einer deutschen Kleinstadt. Wallstein Verlag, Göttingen 2002, ISBN 3-89244-612-1, 301 Seiten (eingeschränkte Vorschau).
  12. Meyers Großes Konversationsa-Lexikon, 6. Auflage, 11. Band, Leipzig und Wien 1908, S. 395.
  13. Der Große Brockhaus, 15. Auflage, 10. Band. Leipzig 1931, S. 389.
  14. Meyers Enzyklopädisches Lexikon, 9. Auflage, Band 5. Mannheim Wien Zürch 1978, S. 646.
  15. Główny Urząd Statystyczny, „LUDNOŚĆ – STAN I STRUKTURA W PRZEKROJU TERYTORIALNYM“, Stand vom 30. Juni 2010 (WebCite)
  16. DBE, 2. Ausgabe
  17. DBE, 2. Ausgabe
  18. DBE, 2. Ausgabe
  19. DBE, 2. Ausgabe
  20. DBE, 2. Ausgabe
  21. DBE, 2. Ausgabe
  22. DEB, 2. Ausgabe
  23. DBE, 2. Ausgabe