Choljambus

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Der Choljambus (auch: Hinkjambus, von griechisch: cholos = lahm + Jambus; auch Skazon) als Versmaß ist ein antiker jambischer Trimeter, bei dem der letzte, sechste Versfuß durch einen Trochäus oder einen Spondeus ersetzt wird:

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Der Vers ist eher disharmonisch, um den Hörer „stutzig“ zu machen. Der Hinkjambus (bzw. Choljambus) wurde angeblich von dem griechischen Dichter Hipponax für seine Spottgedichte erfunden, weshalb er auch Hipponakteus genannt wird. Der Choljambus wurde bei den lateinischen Dichter von Catull[1] und Martial[2] verwendet, zum Beispiel[3]:

Quid ergo in illa petitur et placet? Tussit.
Was sucht an ihr und liebt er denn? Sie muss husten.

Im Deutschen wurde der Choljambus erstmals von Philipp von Zesen verwendet, außerdem satirisch von Friedrich Rückert und August Wilhelm Schlegel nachgebildet, letzterer dichtet für die Kunstrichter[4]:

Der Choliambe oder Skazon

Der Choliambe scheint ein Vers für Kunstrichter,
Die immerfort voll Naseweisheit mitsprechen,
Und eins nur wißen sollten, daß sie nichts wißen.
Wo die Kritik hinkt, muß ja auch der Vers lahm sein.
Wer sein Gemüth labt am Gesang der Nachteulen,
Und wenn die Nachtigall beginnt, das Ohr zustopft,
Dem sollte man's mit scharfer Dissonanz abhaun.

Literatur[Bearbeiten]

  • Otto Knörrich: Lexikon lyrischer Formen. Kröner, Stuttgart 1992, ISBN 3-520-47901-X, S. 36.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Beispiele: Catull Carminae 8; 22; 37; 39; 44; 59; 60.
  2. Beispiele: Martial Epigramme 1,10; 12,10
  3. Martial Epigramme 1,10,v.4
  4. August Wilhelm von Schlegel: Sämtliche Werke. Band 2, Leipzig 1846, S. 34, online.