Chondrites

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Chondrites im Posidonienschiefer (Zeichnung, relativ stark vergrößerte Darstellung), von Fraas noch als Alge angesehen. Aus E. Fraas: Der Petrefaktensammler, 1910.

Chondrites [kɔnˈdritɛs] ist der Gattungsname einer fossilen Lebensspur, die in feinkörnigen, marinen Sedimentgesteinen auftritt. Die Benennung geht auf Kaspar Maria von Sternberg (1833) zurück.

Die mehrfachverzweigten (dendritischen) Gänge sind mehr oder weniger Schichtparallel angelegt, weshalb sie nur auf Schichtflächen in typischer Ausprägung auftreten. Die einzelnen Gänge sind sehr klein, selten breiter als einen Millimeter. Oft treten sie massenhaft auf und äußern sich auf Bruchflächen senkrecht zur Schichtung in einem unregelmäßigen Muster aus Punkten und Strichen.

Das verzweigte, buschige Aussehen, dieser Spurenfossilien erinnert an Pflanzen. Daher hat noch Eberhard Fraas (1910) sie zu den Farnen gestellt, allerdings schon Zweifel an dieser systematischen Stellung geäußert. Ebenfalls einer Fehlinterpretation entstammt der Gattungsname Fucoides, ein mitunter noch in späterer Literatur verwendetes Synonym von Chondrites, das von Alexandre Brongniart im Jahre 1823 in Anlehnung an die Seetang-Gattung Fucus geprägt wurde. Auch die Bezeichnung Chondrites geht auf eine Seetang-Gattung (Chondrus = Knorpeltange) zurück.

Welche Organismen diese Spuren verursacht haben, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Klar ist, dass sie nur in marinen Ablagerungen auftreten. In rezenten, küstennahen Meeresböden werden Spuren, die mit dem Spurenfossil Chondrites übereinstimmen oder ihm sehr ähnlich sind, von sedimentfressenden Borstenwürmern erzeugt. Da Chondrites aber ab dem Kambrium nachgewiesen ist, kann nicht ausgeschlossen werden, dass auch Vertreter anderer Gruppen wirbelloser Tiere im Laufe der Erdgeschichte solche Spuren im Sediment hinterlassen haben.

Der Begriff „Chondrites“ [ˈkɔndraɪ̯t͡s] bezeichnet im Englischen auch spezielle Meteoriten (Chondrite), die mit diesem biologischen Taxon nichts zu tun haben.

Literatur[Bearbeiten]

  • R. G. Bromley (1999): Spurenfossilien: Biologie, Taphonomie und Anwendungen. Springer, Berlin/Heidelberg. 347 S. ISBN 978-3-540-62944-3
  • Eberhard Fraas: Der Petrefaktensammler. Stuttgart 1910.
  • Günther Hertweck, Achim Wehrmann, Gerd Liebezeit: Bioturbation structures of polychaetes in modern shallow marine environments and their analogues to Chondrites group traces. Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology, Bd. 245, 2007, Nr. 3-4, S. 382-389, doi:10.1016/j.palaeo.2006.09.001
  • Ulrich Lehmann: Paläontologisches Wörterbuch. Stuttgart 1977, ISBN 3-432-83572-8.
  • Kaspar von Sternberg: Versuch einer geognostisch-botanischen Darstellung der Flora der Vorwelt. Heft 5 und 6. Prag 1833

Weblinks[Bearbeiten]

  • Lothar H. Vallon: Chondrites. Datenblatt zur Spurengattung mit Synonymliste

Siehe auch[Bearbeiten]