Chrétien-Guillaume de Lamoignon de Malesherbes

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Chrétien-Guillaume de Lamoignon de Malesherbes

Chrétien-Guillaume de Lamoignon de Malesherbes (* 6. Dezember 1721 in Paris; † 23. April 1794 ebenda) war ein französischer Staatsmann, Minister und später Verteidiger Ludwigs XVI..[1]

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Er wurde in eine Juristenfamilie hineingeboren, sein Vater war der Guillaume de Lamoignon de Malesherbes (1683-1772) seines Zeichen Präsident des Parlement Président à mortier au Parlement de Paris in der Zeit von 1723 bis 1736. Seine Mutter war die Anne Elisabeth Roujault (1692-1734) und das Paar hatte noch zwei weitere Kinder Barbe Nicole de Lamoignon de Malesherbes († 1794) und Marie Elisabeth de Lamoignon de Malesherbes (* 1715). Es war die zweite Ehe, beide heirateten sie 1715. Seine erste Ehe mit Madeleine Louise d´Aligre (1697-1714), sie heirateten 1711, blieb kinderlos.[2][3]

Chrétien-Guillaume studierte Rechtswissenschaften. Nach kurzer Zeit als Anwalt wurde er aufgrund seiner Leistungen im Jahre 1750 zum Präsidenten des cour des aides des Pariser Parlaments ernannt, nachdem sein Vater, Guillaume de Lamoignon de Blancmesnil, zum Kanzler, chancelier de France befördert worden war. Die Aufgaben eines Kanzlers war die Kontrolle der Presse, und diese Pflicht wurde Malesherbes von seinem Vater während seiner achtzehn Amtsjahre anvertraut und brachte ihn viel mehr als seine richterlichen Aufgaben in Kontakt mit der Öffentlichkeit.

Chrétien-Guillaume de Lamoignon de Malesherbes

1741 wurde er zum stellvertretenden Generalstaatsanwalt des Parlaments von Paris, procureur général du parlement de Paris bestallt. Hiernach diente er im Jahre 1744 als Berater, conseiller und war dann erster Präsident der Cour des Aides, cour des aides de Paris. Er heiratete im Jahre 1749 Françoise Thérèse Grimod de la Reynière (1732-1771). Sie hatten zwei Töchter, Marguerite Thérèse de Lamoignon de Malesherbes (1756-1794) und Françoise Pauline de Lamoignon de Malesherbes (1758-1827).[4]

Um sie effizient auszuüben, hielt er die Verbindung mit den literarischen Führern in Paris – insbesondere mit Denis Diderot, Friedrich Melchior Grimm – man geht sogar so weit zu sagen, dass die Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers ohne Malesherbes' Hilfe wahrscheinlich nie veröffentlicht worden wäre, da Malesherbes als Oberzensor, Censure royale 1751 der Encyclopédie das königliche Privileg verliehen hatte. Diesen Vorzug hätte Malesherbes durchaus nicht gewähren müssen, da er das Werk auch stillschweigend hätte passieren lassen können.

Schloss Malesherbes (Loiret), château de Malesherbes

1771 wurde er aufgefordert, sich in die Politik einzumischen; die Parlements in Frankreich waren aufgelöst worden, und ein neues Verfahren für die Justizverwaltung war von Maupeou entworfen worden. Es war an sich lobenswert, da es auf eine bessere und schnellere Justizverwaltung abzielte, war aber schädlich, da es eine Tendenz zur Überzentralisierung aufwies und den erblichen Amtsadel abschaffte, der – trotz aller seiner Mängel – von seiner Wesensart her Unabhängigkeit behalten hatte und eine Kontrolle der Macht des Königs ausübte. Malesherbes legte eine energische Remonstranz gegen das neue System vor und wurde sogleich zu seinem Landsitz in Schloss Malesherbes verbannt. Nach der Thronbesteigung Ludwigs XVI. wurde er allerdings zusammen mit dem alten Parlament zurückberufen und 1775 zum Minister des maison du roi gemacht.

Er bekleidete nur neun Monate dieses Amt, während derer er jedoch seine Aufmerksamkeit der Polizei des Königreichs widmete, die zu seinem Bereich hinzugeschlagen wurde, und er tat viel, um die verhasste Praxis der Ausstellung von lettres de cachet einzudämmen. Der Protest des cour des aides 1775 ist eines der wichtigsten Dokumente des alten Regimes in Frankreich. Es enthält eine Bestandsaufnahme der korrupten und ineffizienten Verwaltung und konfrontierte den König mit völlig unverblümter Kritik.

Malesherbes-Denkmal im Schlosspark von Rheinsberg, gestiftet vom Prinzen Heinrich

Nach seinem Rückzug aus dem Kabinett mit Turgot im Jahr 1776 begab sich Malesherbes gänzlich in ein zufriedenes Land- und Hausleben und reiste durch die Schweiz, Deutschland und die Niederlande. Ein Aufsatz über protestantische Heiraten (1787) trug sehr zu deren staatlicher Anerkennung in Frankreich bei.

Malesherbes war ein leidenschaftlicher Botaniker. Im Alter von 24 Jahren studierte er Botanik bei Bernard de Jussieu. Seine bepflanzte Allee am Château de Malesherbes war außergewöhnlich; er hatte im Namen der Botaniker gegen Buffon geschrieben, der sie angegriffen hatte, und war schon 1750 zum Mitglied der Académie des sciences gewählt worden. Malesherbes wurde in die Académie française aufgenommen und beschäftigte sich auf seinem Alterssitz weiter und intensiver mit wissenschaftlichen und literarischen Themen. Der König in zunehmenden politischen Schwierigkeiten wollte jedoch seine Unterstützung und berief ihn 1787 zurück ins Kabinett, Conseil du roi de France. Malesherbes behielt sein Amt aber nur für kurze Zeit – von 1787 bis 1788 – und kehrte als die Probleme nicht lösbar wurden wieder auf seinem Landsitz zurück.

Büste des Chrétien-Guillaume de Lamoignon de Malesherbes geschaffen von Antoine-Denis Chaudet (1763–1810)

Im Jahre 1792 verließ er sein Asyl, in das er sich aus Altersgründen zurückgezogen hatte. Mit François Tronchet und Raymond de Sèze übernahm er die Verteidigung des Königs vor dem Konvent, convention nationale, er überbrachte schließlich auch dem König die Nachricht von seiner Verurteilung. Nach diesem Unternehmen kehrte er abermals zurück aufs Land, aber im Dezember 1793 wurde er mit seiner Tochter Antoinette de Lamoignon de Malesherbes, seinem Schwiegersohn Louis Le Peletier de Rosambô (1747-1794) und seinen Enkeln verhaftet. Am Mittwoch, den 23. April 1794, wurde er guillotiniert, nachdem er hatte mit ansehen müssen, wie alle, die er in der Welt geliebt hatte, vor seinen Augen für ihre Beziehung zu ihm hingerichtet worden waren.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Malesherbes à Louis XVI ou les avertissements de Cassandre : mémoires inédits (1787-1788) édités par Valérie André, Tallandier 2011, ISBN 978-2847347081.
  • Sur la nécessité de diminuer les dépenses
  • Mémoire sur les moyens d’accélérer les progrès de l’économie rurale en France, [lu à la Société royale d’agriculture]. Impr. de Ph.-D. Pierres, Paris 1790, in-8°, 88 p. Disponible dans Gallica
  • Idées d’un agriculteur patriote sur le défrichement des terres incultes, sèches et maigres, connues sous le nom de landes, garrigues, gatines, friches... Impr. de Ve Hérissant, Paris 1791, in-8°, 18 p.

Literatur[Bearbeiten]

  • John M. Allison: Lamoignon de Malesherbes. 1938
  • Christian Bazin: Malesherbes: la sagesse des Lumières. 1995
  • Élisabeth Badinter: Les Remontrances de Malesherbes (1771-1775). 1985
  • David Feuerwerker: L'Émancipation des Juifs en France. De l'Ancien Régime à la fin du Second Empire. Albin Michel, Paris 1976, ISBN 2-226-00316-9
  • Paul et Pierrette Girault de Coursac: La Défense de Louis XVI par Melesherbes. Tronchet et Desèze précédée du procès-verbal de l'interrogation du roi, en collaboration avec Jean-Marc Varaut, F.X.de Guibert, 1993
  • Pierre Grosclaude: Malesherbes, témoin et interprète de son temps. Paris 1961
  • Jean Tulard; Jean-François Fayard; Alfred Fierro: Histoire et dictionnaire de la Révolution française 1789-1799.
  • André Keil: Zensur und Aufklärung: Zum Verhältnis literarischer Freiheit und staatlicher Repression im Frankreich des 18. Jahrhunderts. Grin Verlag 2013, ISBN 3-6407-9028-6

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Chretien-Guillaume de Lamoignon de Malesherbes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Encyclopædia Britannica. Kurzbiographie in englischer Sprache
  2. Genealogie der ersten Ehefrau seines Vaters
  3. Genealogie der Familie
  4. Genealogie von Chrétien-Guillaume de Lamoignon de Malesherbes
Vorgänger Amt Nachfolger
Nicolas-François Dupré de Saint-Maur (1695-1774) 38. Vorsitzender der Académie française, Fauteuil 38 de l’Académie française
1775 - 1794
François Andrieuxl (1759-1833)