Chris Hani

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Chris Hani (Geburtsname Martin Thembisile Hani; * 28. Juni 1942 in Sabalele bei Cofimvaba, Transkei, Südafrika; † 10. April 1993 in Boksburg, Südafrika) war Generalsekretär der South African Communist Party (SACP), hochrangiges Mitglied des African National Congress (ANC) sowie Stabschef von dessen bewaffnetem Arm Umkhonto we Sizwe (MK).

Leben[Bearbeiten]

Hani wurde als Fünftes von sechs Kindern geboren. Er besuchte eine katholische Schule und wollte Priester werden. Sein kommunistisch eingestellter Vater Gilbert Hani schickte ihn jedoch auf die nichtchristliche Matanzima Secondary School in Cala.[1] 1954 erlebte er, wie einige Lehrer, die dem Non European Unity Movement angehörten und gegen die Einführung der Bantu Education protestiert hatten, entlassen wurden.[1] 1958 erwarb er einen Abschluss am Lovedale Missionary Institute in Alice. Er studierte 1959 bis 1961 an der Universität Fort Hare und erwarb 1962 einen Bachelor of Arts-Abschluss in Latein und Englisch von der Universität Fort Hare.[1] Er zog nach Kapstadt, wo er in einem Rechtsanwaltsbüro arbeitete, ohne die Ausbildung zu beenden.[1]

1957 war Hani der ANC Youth League beigetreten, 1961 der gebannten SACP. Den Namen „Chris“, eigentlich der Vorname seines verstorbenen Bruders, nahm er als Kampfnamen an. 1963 wurde er Mitglied des MK, wo er in der westlichen Kapprovinz dem führenden Comitee of Seven angehörte. Bei einer Straßensperre der Polizei wurden bei ihm Flugblätter gefunden, so dass er unter dem Suppression of Communism Act angeklagt wurde. Während er auf Kaution freigelassen worden war, nahm er illegal an einer ANC-Konferenz im botswanischen Lobatse teil. Er kehrte nach Südafrika zurück, wurde erneut verhaftet und zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Erneut konnte er untertauchen und lebte im Untergrund in Johannesburg und Kapstadt.[1] Schließlich verließ er Südafrika. In der Sowjetunion wurde er militärisch ausgebildet; anschließend nahm er auf der Seite von Joshua Nkomos Zimbabwe People’s Revolutionary Army (ZIPRA) am „Buschkrieg“ in Rhodesien teil. 1967 floh er nach Botswana, wo er wegen illegalen Waffenbesitzes zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Ende 1968 gelangte er erneut zur ZIPRA und lebte in verschiedenen afrikanischen Ländern. 1974 kehrte er nach Südafrika zurück, um die illegalen Strukturen in der Kapregion zu stärken. Fortan war er Mitglied des National Executive Committee des African National Congress. Wenige Monate später gelangte er nach Lesotho, wo er sieben Jahre lebte und Operationen des MK in Südafrika organisierte.[1]

Bis 1982 wurden mehrere Attentaten auf ihn verübt, und Südafrika übte Druck auf die Regierung Lesothos aus, ihn und andere Oppositionelle auszuweisen. 1982 floh er in das sambische Lusaka, wo er zum Mitglied des nationalen Exekutivkomitees des ANC gewählt wurde. 1983 wurde er zum „Politkommissar“ des MK ernannt. Dort bildete er Kämpfer gegen das Apartheidregime aus. Hani spielte eine Schlüsselrolle in der Niederschlagung einer Revolte von ANC-Dissidenten, die in angolanischen Internierungslagern festgehalten wurden. Er stritt jedoch eine Beteiligung an Folter und Morden ab.[1] 1987 wurde er Chief of Staff (Stabschef) des MK.[1]

1990 konnte er nach Südafrika zurückkehren. Er wurde im Dezember 1991 als Nachfolger des erkrankten Joe Slovo Generalsekretär der SACP und leitete bis 1992 weiterhin den MK. Als sich in den frühen 1990er-Jahren das Ende der Apartheid abzeichnete, war er im African National Congress nach Nelson Mandela eine der beliebtesten Führungsfiguren. Hani hatte einen guten Draht zu den Massen in den Townships und den radikalen Schwarzen; ihm wurde zugetraut, ihnen die in den laufenden Verhandlungen zwischen der Regierung und dem ANC zu erreichenden Kompromisse „vermitteln“ zu können.[1]

Ermordung[Bearbeiten]

Hani wurde im April 1993 von dem polnischen Einwanderer Janusz Waluś ermordet. Dahinter stand ein Komplott, dessen Drahtzieher der ehemalige Parlamentsabgeordnete Clive Derby-Lewis von der Konservativen Partei war. Ziel war es, den Verhandlungsprozess, der zur Beendigung der Apartheid führen sollte, zu zerstören. Tatsächlich brachte Hanis Ermordung Südafrika an den Rand eines Bürgerkriegs. Es war vor allem Mandelas rhetorisches Geschick, das Schlimmeres verhinderte. Ihm wurde die Gelegenheit zu einer Fernsehansprache gegeben:

„Tonight I am reaching out to every single South African, black and white […]. A white man, full of prejudice and hate, came to our country and committed a deed so foul that our whole nation now teeters on the brink of disaster. A white woman, of Afrikaner origin, risked her life so that we may know, and bring to justice, this assassin. The cold-blooded murder of Chris Hani has sent shock waves throughout the country and the world. […] Now is the time for all South Africans to stand together against those who, from any quarter, wish to destroy what Chris Hani gave his life for – the freedom of all of us.
Heute wende ich mich an jeden einzelnen Südafrikaner, egal ob schwarz oder weiß […] Ein weißer Mann, voller Hass und Vorurteile, kam in unser Land und verübte eine so schlimme Tat, dass unsere ganze Nation jetzt am Rand eines Abgrunds steht. Eine weiße Frau, burischer Herkunft, riskierte ihr Leben, indem sie mit ihrem Hinweis an die Polizei die Ergreifung des Täters ermöglichte. Der kaltblütige Mord an Chris Hani hat Schockwellen durch das Land und die Welt gesandt. […] Jetzt ist der Zeitpunkt für alle Südafrikaner, zusammen gegen diejenigen zu stehen, die, egal aus welcher Richtung, zerstören wollen, wofür Chris Hani sein Leben gab – unser aller Freiheit.“

Nelson Mandela: Long Walk to Freedom. Little, Brown and Company, New York/Boston/London 1994, ISBN 978-0-316-03478-4, S. 836.

Waluś und Derby-Lewis verbüßen wegen des Mordes eine lebenslange Haftstrafe.

Ehrungen[Bearbeiten]

Nach Hani wurde das Chris Hani Baragwanath Hospital in Soweto benannt, das als größtes Krankenhaus der Südhalbkugel gilt. Ebenfalls ist der Distrikt Chris Hani im Ostkap nach ihm benannt.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i Biografie bei sahistory.org.za (englisch), abgerufen am 8. August 2013