Chris Marker
Chris Marker (eigentlich Christian-François Bouche-Villeneuve; * 29. Juli 1921 in Neuilly-sur-Seine, Île-de-France; † 29. Juli 2012 in Paris[1]) war ein französischer Schriftsteller, Fotograf und Dokumentarfilmer. Seine bekanntesten Filme sind der aus Fotos montierte Film Am Rande des Rollfelds und Sans Soleil – Unsichtbare Sonne.
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Leben [Bearbeiten]
Chris Marker studierte Philosophie bei Jean-Paul Sartre. Während des Zweiten Weltkriegs beteiligte er sich an der französischen Résistance. Nach dem Krieg begann er, Filme zu schreiben und zu drehen, zuvor veröffentliche er einen Roman sowie einen Gedichtband. Er reiste in viele sozialistische Länder und dokumentierte, was er sah, in Filmen und Büchern. Les statues meurent aussi (1953), ein Film über den Kunstraub der Europäer in Afrika, den er gemeinsam mit Alain Resnais drehte, war einer der ersten antikolonialistischen Filme.
Sein 1962 gedrehter Kurzfilm Am Rande des Rollfelds ist die Vorlage für den 1995 von Terry Gilliam inszenierten Science-Fiction-Film Twelve Monkeys. Auch durch dessen Erfolg erlangte Markers Film einen größeren Bekanntheitsgrad.
In seinem Reise- und Essayfilm Sans soleil (1983), der fiktive Elemente mit essayistisch-philosophischen Kommentaren verbindet, verwendet Marker eigene und fremde dokumentarische Aufnahmen, beispielsweise aus Japan und Afrika, die durch den Kommentar des fiktiven Autors und die Montage teils poetische Bedeutungsverschiebungen erfahren und so vom Betrachter neu oder anders gesehen werden. Er reflektiert dabei das Medium Film selbst, seine Bedingungen, aber auch Zeit und Rhythmus, Melancholie und Erinnerung. Der Ton findet eine Mittellage zwischen ernsthafter Analyse und detailverliebter Neugier und Verspieltheit.
Seit den 1980er Jahren zeigte Marker großes Interesse an elektronischen Medien (von digitaler Bildbearbeitung bis zu Videospielen), das den Essayfilm Level Five (1996) mit der Schauspielerin Catherine Belkhodja, eine Art Fortsetzung von Silent Movie, prägt und in der Multimedia-CD-Rom Immemory (1996, produziert für das Centre Pompidou) kulminiert. Ein weiteres Werk, die Videoreportage Chats Perchés, beschäftigte sich mit dem öffentlichen Raum von Paris in der Zeit zwischen September 2001 und Herbst 2003: Einerseits ist es eine Suche nach den Katzen, die als Graffiti-Figuren in Paris plötzlich überall auftauchen, andererseits folgt Chris Marker den politischen Ereignissen der Zeit, die in Demonstrationen ihren Ausdruck finden.
Als Filmemacher fühlte sich Chris Marker mit Andrei Tarkowski und Akira Kurosawa verbunden, die er beide in Filmen porträtiert hat. Chris Marker lebte in Paris und gab keine Interviews. Es gibt kaum Fotos von Marker, da er sich ungern fotografieren ließ. Chris Marker bestand darauf, seinen Namen „Chris.Marker“ zu schreiben, was sich aber in Filmpublikationen und -lexika kaum durchgesetzt hat.
Für seinen Film Berliner Balladen erhielt er 1990 den Deutsch-Französischen Journalistenpreis.
Filmografie (als Regisseur, Auswahl) [Bearbeiten]
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Literatur [Bearbeiten]
- Liem, Ronco Y., Chris Marker and “La Jetee”, Columbia Univ. Teachers College, Diss., 1983
- Versuche über den Essayfilm: Filme von Chris Marker, Alexander Kluge, Hartmut Bitomsky, Harun Farocki, Ioris Ivens, Derek Jarman, Johan van der Keuken, hrsg. von Hanno Möbius, Marburg: Inst. für Neuere Dt. Literatur, 1991
- Marker, Chris, La Jetee. Cine-roman, Zweisprachige Ausgabe (englisch, französisch), New York, Zone Books, 1996
- Chris Marker, Filmessayist, hg. von Birgit Kämper und Thomas Tode, München: Institut Français/ CICIM, 1997, Nr. 45-47, 379 S.
- Laurent Roth, Raymond Bellour, A propos du CD-ROM Immemory de Chris Marker, Paris: Gevaert [u.a.], 1997
- „… sie wollen eben sein, was sie sind, nämlich Bilder …“: Anschlüsse an Chris Marker, hg. von Natalie Binczek und Martin Rass, Würzburg: Königshausen und Neumann, 1999
- Scherer, Christina, Ivens, Marker, Godard, Jarman - Erinnerung im Essayfilm, München: Fink, 2001
- Recherches sur Chris Marker, sous la direction de Philippe Dubois, Paris: Pr. Sorbonne Nouvelle, 2002
- Lupton, Catherine, Chris Marker: memories of the future, London: Reaktion Books, 2005
- Leconte, Bernard, Approche d’un film mythique: La jetée, Chris Marker, 1963; quarante ans après, Paris: L’Harmattan, 2005
- Alter, Nora M., Chris Marker, Urbana, Ill.: Univ. of Illinois Press, 2006
Weblinks [Bearbeiten]
- Chris Marker in der Internet Movie Database (englisch)
- Literatur von und über Chris Marker im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Englischsprachiger Essay über die Arbeit von Chris Marker
- Artikel der Neuen Zürcher Zeitung über die Retrospektive zum Gesamtwerk von Chris Marker
- Chris Marker Blog Notes from the Era of Imperfect Memory
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Décès du cinéaste Chris Marker, 30. Juli 2012
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Marker, Chris |
| ALTERNATIVNAMEN | Bouche-Villeneuve, Christian-François (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Schriftsteller, Fotograf und Dokumentarfilmer |
| GEBURTSDATUM | 29. Juli 1921 |
| GEBURTSORT | Neuilly-sur-Seine, Île-de-France, Frankreich |
| STERBEDATUM | 29. Juli 2012 |
| STERBEORT | Paris |