Chris Squire

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Chris Squire bei einem Yes-Konzert 1977

Chris Squire (* 4. März 1948 in London) ist ein englischer Rockmusiker. Einem weltweiten Publikum bekannt wurde er als Bassist der englischen Progressive-Rock-Formation Yes.

Karriere[Bearbeiten]

Jugend (1948 – 1965)[Bearbeiten]

Christopher Russell Edward Squire wuchs im englischen Haberdashers' Aske' auf, besuchte die public school in Elstree und trat bald dem Kirchenchor von St. Andrew's in Kingsbury bei. Er sang auch in der Guildford Cathedral und in der St. Paul's Cathedral.

1964 wurde er wegen zu langer Haare der Schule verwiesen. Kurz darauf erwarb er seinen ersten Bass, einen Futurama. Im Januar 1965 trat er eine Stelle in dem Musikalienladen Boosey & Hawkes LTD im Londoner West End an. Noch im gleichen Jahr ersetzte er seinen Futurama durch einen Rickenbacker 1999 (das war die Bezeichnung des englischen Importeurs Rose Morris für den Rickenbacker 4001S, bei dem es sich um eine optisch schlichtere Version des bekannten Modells 4001 handelt) - den vierten, der in England verkauft wurde.

Mit The Syn und Mabel Greer's Toyshop (1965 – 1968)[Bearbeiten]

Seine Musikerkarriere startete Squire als Mitglied zahlreicher lokaler Bands im London der 60er Jahre. Am bekanntesten wurde die Psychedelic-Band The Syn (1966/67, mit Gunner Hakanarsson (Schlagzeug), Andrew Jackman (Keyboards), Steve Nardelli (Gesang), Chris Squire (Bass), Peter Banks (Gitarre), Chris Allen (Schlagzeug), Ray Steele (Schlagzeug)). Die Band produziert einige recht erfolgreiche Singles, darunter die Titel „14 Hour Technicolour Dream“ und „Created By Clive“ (beide 1967), größere Erfolge blieben jedoch aus.

1967 gründeten Squire und der spätere Yes-Gitarrist Banks die Band Mabel Greer's Toyshop (Peter Banks (Gitarre), Clive Bailey (Gitarre, Gesang), Chris Squire (Bass), Bob Hagger (Schlagzeug)). Noch in diesem Jahr traf Squire im Londoner La Chasse-Club den Sänger Jon Anderson, der sich dort mit einem Nebenjob über Wasser hielt, die beiden entdeckten, dass sie ähnliche Vorlieben hatten (The fifth Dimension, Simon & Garfunkel) und begannen, Songs zu schreiben (darunter „Sweetness“, das später auf dem ersten Yes-Album, Yes zu hören sein würde). Anderson trat Mabel Greer's Toyshop bei, und die Besetzung Squire, Anderson (Gesang), Banks, Tony Kaye (Orgel) und Bill Bruford (Schlagzeug) änderte auf Vorschlag von Peter Banks ihren Namen in „Yes“.

Eigene Projekte während der Zeit mit Yes (1968 – 1990), XYZ[Bearbeiten]

Squire sollte daraufhin der einzige Yes-Musiker werden, der auf jedem Album zu hören ist. Als einziger hat er die Band nie verlassen. Neben seinem innovativen, außergewöhnlich melodiösen Bassspiel ist auch sein Gesang bei vielen Yes-Stücken zu hören. Bereits in den späten siebziger Jahren, verstärkt aber seit 90125 ist er für den starken Pop-Rock-Einschlag verantwortlich, der Yes' Musik seit den achtziger Jahren stark prägt. Die Fangemeinde hat daher ein gespaltenes Verhältnis zu ihm: Einerseits gilt er als „Keeper of the flame“, als derjenige, der die Fahne der Band über die Jahre hochgehalten hat, andererseits sind gerade die Anhänger der klassischen Progressive Rock-Phase immer wieder enttäuscht über den Mainstream-Charakter, der diese späten Alben prägt und werfen Squire vor, er habe sich von dem großen Erfolg der singleorientierten Rabin-Alben zu sehr anstecken lassen und zugelassen, dass der eigentliche Stil der Band verwässert wurde.

Bis heute ist Squire Mitglied der Band, die nachfolgend genannten Projekte wurde in den vielen Pausen verwirklicht, die Yes nach 1975 und vor allem nach 1984 einlegten.

1975 veröffentlichte Squire sein bisher einziges Soloalbum Fish Out Of Water, in Zusammenarbeit mit einigen anderen Yes-Musikern, Bill Bruford und Patrick Moraz (Keyboards). Das Album griff den Yes-Stil auf, war im Vergleich zu Alben wie „Tales from Topographic Oceans“ oder „Relayer“ aber konziser, weniger ausufernd und stärker durch Jazz und Klassik beeinflusst. Es gilt neben Jon Andersons gleichzeitigem „Olias of Sunhillow“ als das beste Solo-Album eines Yes-Musikers.

Nach der Auflösung von Yes 1980 rief Squire zusammen mit Yes-Schlagzeuger Alan White und ex-Led Zeppelin-Gitarrist Jimmy Page das kurzlebige Bandprojekt XYZ (eX-Yes-&-Zeppelin) ins Leben. Man traf sich im April 1981 in Squires Studio und probierte einige Ideen aus, doch Robert Plant, der nach einiger Zeit dazustieß, weil Page der Meinung war, dass die neue Band einen starken Sänger brauchte, hielt das Material für zu verkopft und entschloss sich nach nur einer Probe, XYZ nicht beizutreten. Da auch persönliche Probleme Pages eine Rolle gespielt zu haben scheinen, fiel das kurzlebige Projekt schnell auseinander. Seit Mitte der 1990er sind einige der XYZ-Ideen auf Alben von Yes ('Mind Drive', auf „Keys to Ascension 2“ von 1997, „Can You Imagine“ auf „Magnification“) und The Firm („Fortune Hunter“) sowie als Bootleg erschienen.

Squire and White nahmen danach, im Dezember 1981, eine Weihnachtssingle namens „Run With the Fox“ auf und formierten dann mit dem Gitarristen Trevor Rabin und dem ehemaligen Yes-Keyboarder Tony Kaye die Band Cinema, die auf Betreiben von Jon Anderson, der einige Zeit darauf dazustieß, in „Yes“ umbenannt wurde.

1987 erschien „Esquire“, das Debüt der gleichnamigen Pop-Rock-Band um Squires damalige Frau Nikki. Er ist als Hintergrundsänger zu hören und produzierte einige der Stücke.

1989 verhinderte Squire, der die Rechte an dem Bandnamen „Yes“ innehat, durch einen Prozess, dass sich ein von Jon Anderson, Bill Bruford, Rick Wakeman und Steve Howe gegründeter Yes-Ableger „Yes“ nennen konnte. Die Band firmierte in der Folge als Anderson, Bruford, Wakeman, Howe, bis sie sich 1990 mit den verbliebenen Yes-Mitgliedern um Squire zu der 8-köpfigen „Union“-Besetzung zusammentat.

Zusammenarbeit mit Billy Sherwood: Das Chris Squire Experiment und Conspiracy (1992 – 2003)[Bearbeiten]

Im August 1992 trat Squire in Kalifornien mit einer neuen Band namens „The Chris Squire Experiment“ auf, an der auch Yes-Schlagzeuger Alan White und das spätere Yes-Mitglied Billy Sherwood beteiligt waren (weitere beteiligte Musiker waren Jimmy Haun, der zuvor auf dem Yes-Album „Union“ Gitarre gespielt hatte und Steve Porcaro, Keyboards). Das Experiment spielte Songs von „Union“ und neue Stücke, die in Zusammenarbeit mit Sherwood entstanden waren und später teilweise auf dem ersten „Conspiracy“-Album sowie auf Yes' „Open Your Eyes“ zu hören sein würden. Die Set-Liste für das Konzert vom 25. August 1992 in San Jose, Kalifornien lautete: „Open Your Eyes“ (später auf dem gleichnamigen Yes-Album, 1997), „The Lonesome Trail“, „You're the Reason“, „One World Going Round“, „Days of Wonder“, „Follow Our Dreams“. Bisweilen wurde auch der Yes-Klassiker „Long Distance Runaround“ (vom Album „Fragile“) gespielt.

1995 arbeitete er mit Sherwood an zwei Songs für das Neoprog-Album „Euphoria“, den Zweitling der Sherwood-Band „World Trade“. In den neunziger und nuller Jahren betrieb er zudem zusammen mit Sherwood das Melodic-Rock-Projekt Conspiracy, das zwei Alben veröffentlichte: „Conspiracy“ (2000) und „The Unknown“ (2003), dazu eine live-DVD namens „Conspiracy live“. Auf „Conspiracy“, eigentlich einer Compilation, sind verschiedene Stücke, die im Laufe der Neunziger entstanden waren, darunter auch Alternativ-Versionen von Yes-Songs (vor allem von „Union“ und „Open Your Eyes“), aber auch bis dahin Unbekanntes. Erst der Nachfolger kann als geschlossenes, eigenständiges Album gelten. Conspiracy führten den Yes-Stil der 80er Jahre („90125“, „Big Generator“ (v. a. der gleichnamige Song), „Union“, (v. a. „The More we live - Let Go“)) weiter.

Mittlerweile ist Squire nicht mehr an Conspiracy beteiligt. Billy Sherwood, seit 2006 mit anderen Yes-Musikern im Projekt Circa: engagiert, führt Conspiracy aber alleine weiter, für ein neues Album sind u. a. Gastauftritte von Tony Kaye, Peter Banks, und Gitarrist Gary Green (ex-Gentle Giant) angekündigt.

Weiterhin ist Chris Squire auf diversen Alben anderer Künstler als Gastmusiker zu hören.

Wiedervereinigung von The Syn und zweites Solo-Album (2004 – 2007)[Bearbeiten]

Im Frühjahr 2004 reformierte Squire mit Stephen Nardelli, Martyn Adelman, Gerard Johnson und Peter Banks seine 60er-Jahre Band The Syn, verließ diese aber 2006 wieder. Er arbeitet seither zusammen mit Gerard Johnson (Funky Monkey, St. Etienne, ex-Peter Banks) und Paul Stacey (Oasis, The Black Crowes, ex-The Lemon Trees) an einem zweiten Solo-Album, während The Syn mit neuer Besetzung weiterarbeiten. Squires zweites Soloalbum wird in Staceys Strangeways Studio aufgenommen und war ursprünglich für eine Veröffentlichung im Dezember 2007 vorgesehen, seitdem aber mehrfach verschoben. Bei Stone Ghost Records erschien im August 2007 auch eine CD/DVD-Special-Deluxe-Edition (5.1-Mix mit Bonustracks) seines bisher einzigen Soloalbums Fish Out of Water. Die DVD enthält die Promo-Videos der Songs Hold Out Your Hand und You By My Side, ein Interview mit Squire und einen Audiokommentar Squires. Im November 2007 erschien ein Weihnachtsalbum namens Chris Squire's Swiss Choir, auf dem Squire mit choraler Unterstützung mehrere traditionelle britische Weihnachtschoräle in einem moderneren Rock-/Popgewand neu interpretierte. Neben den Syn-Musikern Gerard Johnson, Jeremy Stacey und Paul Stacey war auch der ehemalige Genesis-Gitarrist Steve Hackett an diesem Album beteiligt.

Spieltechnik und Stil[Bearbeiten]

Besonders prägnant ist sein kraftvoller, scharfer Bassklang, der durch seinen mit Plektrum gespielten Rickenbacker-Bass zustande kommt. Squire spielt meist einen Rickenbacker 4001, welchen er seit 1965 besitzt. Es handelt sich um das vierte Modell dieses Typs, welches aus den USA nach Großbritannien eingeführt wurde. Squire erreicht seinen einzigartigen Bass-Sound durch das so genannte Bi-Amping. Er trennt das Stereo-Signal seines Basses in zwei Teile auf. Die tieferen Frequenzen verstärkt er mit einem herkömmlichen Bass-Verstärker, die höheren jedoch mit einem Verstärker für Leadgitarren. Dadurch erreicht er einen für den E-Bass ungewöhnlichen Sound, der zwischen Gitarre und Bass angesiedelt ist. Daneben verwendet der Autodidakt Squire auch einige E-Gitarren-Effekte wie Tremolo, Phasing oder ein Wah-Wah-Pedal.

Chris Squires Spiel ist durch einen für Bassisten ungewöhnlich melodischen Stil geprägt, der dadurch zustande kommt, dass er nicht einfach die Grundtöne der jeweiligen Akkorde spielt, sondern nachvollziehbare Melodien zu spielen bemüht ist. Als Einflüsse gibt er Paul McCartney und John Entwistle an.

Squire wurde in den 1970er und 1980er Jahren mehrfach von der Musikfachpresse zum Bassisten des Jahres gekürt.

Diskografie[Bearbeiten]

Mit Yes[Bearbeiten]

siehe Yes

Solo[Bearbeiten]

  • 1975 Fish Out Of Water
  • 2007 Chris Squire's Swiss Choir

Mit Alan White[Bearbeiten]

  • 1981 Run with the Fox [single]

Mit Conspiracy[Bearbeiten]

  • 2000 Conspiracy
    • Dieses Album enthält drei versteckte Tracks: Open Your Eyes (Wish I Knew), Man In The Moon & Say Goodbye. Die ersten beiden sind die Basisversionen der gleichnamigen Songs welche 1997 auf dem Yes-Album Open Your Eyes veröffentlicht wurden.
  • 2003 The Unknown

Mit The Syn[Bearbeiten]

  • Created by Clive, 1967 [single]
  • 14 Hour Technicolor Dream, 1967 [single]
  • various artists: The Psychedelic Scene
  • various artists: The Freakbeat Scene
  • various artists: Rubble Collection 3
  • various artists: Nuggets II, 2001
  • Original Syn, 2004/Original Syn 1965-2004, 2005
  • Cathedral of Love, 2005 [promo]
  • Cathedral of Love, 2005 [single]
  • Syndestructible, 2005

Squackett (mit Steve Hackett)[Bearbeiten]

  • 2012 A Life Within a Day

Gastauftritte[Bearbeiten]

  • Rick Wakeman: The Six Wives of Henry VIII, 1973
  • Eddie Harris: E.H. in the U.K., 1974
  • Rick Wakeman: Criminal Record, 1977
  • The Buggles: Adventures in Modern Recording, 1981
  • Esquire: Esquire, 1987
  • World Trade: World Trade, 1989
  • Rock Aid Armenia: The Earthquale Album, 1990
  • Various artists: Pop Dreams and Rock Track, 1992
  • Rick Wakeman: The Classical Connection II, 1992
  • World Trade: Euphoria, 1995
  • Peter Banks: Can I Play You Something?, 1999
  • Various artists: Pigs & Pyramids—An All Star Lineup Performing the Songs of Pink Floyd, 2002
  • Gov't Mule: The Deep End Volume 2, 2002

Compilations[Bearbeiten]

  • various artists: Affirmative: The Yes Solo Family Album, 1993
  • Rick Wakeman: Voyage—The Very Best of Rick Wakeman, 1996
  • Eddie Harris: In the U.K./Is It In, 1999
  • Rick Wakeman: Recollections The Very Best of Rick Wakeman (1973-1979), 2000
  • Gov't Mule: The Deep End Volume 1 & Volume 2, 2002
  • Produced by Trevor Horn, 2004
  • Various artists: Back Against the Wall, 2005
  • The Syn/White/Steve Howe: The More Drama Tour Special Limited Edition CD, 2005

Covers[Bearbeiten]

  • Brenda Carol & ClaireVoyance: Live at HotHouse Cafe, 2005?

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Chris Squire – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien