Chrisso (Fokida)

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Ortsgemeinschaft Chrisso
Τοπική Κοινότητα Χρισσού (Χρισσό)
Chrisso (Fokida) (Griechenland)
Bluedot.svg
Basisdaten
Staat Griechenland
Region Mittelgriechenland
Regionalbezirk Fokida
Gemeinde Delfi
Geographische Koordinaten 38° 28′ N, 22° 28′ O38.47083333333322.468333333333Koordinaten: 38° 28′ N, 22° 28′ O
Höhe ü. d. M. 203 m
(Durchschnitt)
Fläche 35,234 km²[1]
Einwohner 743 (2011[2])
Bevölkerungsdichte 21,09 Ew./km²
LAU-1-Code-Nr. 070502

Das Dorf Chrisso (griechisch Χρισσό (n. sg.); alternative Schreibweise Chriso Χρισό) ist eine Ortsgemeinschaft in der Gemeinde (dimos δήμος) Delfi in der ehemaligen Präfektur Fokida, Region Mittelgriechenland.

Lage und Geographie[Bearbeiten]

Blick von Galaxidi auf Chrisso und Delfi

Chrisso liegt an den süd-südwestlichen Ausläufern des Parnassos-Gebirges in geringer Entfernung westlich des antiken Delphi, südöstlich der Stadt Amfissa und nordöstlich der Hafenstädte Itea und Galaxidi. Süd-südöstlich von Chrisso befindet sich die Ortschaft Desfina. Chrisso befindet sich am Beginn des ostwärts gerichteten Ausläufers der Ebene von Krissa (heute Ebene von Amfissa-Itea) in Richtung Delphi bzw. am Ostrand der Ebene von Krissa bzw. Amfissa-Itea. Südlich von Chrisso verläuft ein kleiner Fluss namens Plistos oder Krissa, welcher von Osten aus Delphi und Arachova kommend das Dorf passiert und anschließend sich in den Golf von Itea (früher: Golf von Krissa) nahe der antiken Stadt Kirra (oder Kira) entleert (östlich des heutigen Itea).[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name Chrisso leitet sich aus der antiken Stadt Krissa (griechisch Κρίσσα) ab, welche zwischen dem 14. und 15. Jahrhundert v. Chr. nach Homer von den Kretern gegründet worden sein soll[4]. Sie wurde von den Phokern bewohnt. Krissa übte bis zu seiner Zerstörung 590 vor Christus die Herrschaft über Delphi aus, wobei sich mit zunehmender Bedeutung von Delphi dieses immer weiter verselbständigte.[5] Im Stadtgebiet von Krissa befand sich auch das Hippodrom für die Reiterei-Wettbewerbe der phythischen Spiele. Die an der Küste gelegene Stadt Kirra wurde von Krissa vor dem 6. Jahrhundert vor Christus erobert.[6] Im Ersten Heiligen Krieg zwischen 600 und 590 vor Christus wurde Krissa, welches von den Pilgern von Delphi Wegezoll verlangt haben soll, durch die amphiktyonische Liga zerstört. Der Athener Solon soll bei der Belagerung von Krissa Stinkende Nieswurz zur Verunreinigung des Trinkwassers von Krissa benutzt haben.[7] Sowohl der Zweite als auch der Dritte Heilige Krieg wurden mit der nun nicht mehr bewohnten Stadt Krissa in Verbindung gebracht, da den Phokern eine widerrechtliche Nutzung der Umgebung von Krissa vorgeworfen wurde. Krissa (oder Kirra) dienten Delphi als Hafen. Überreste der antiken Stadt Krissa finden sich heute noch auf dem Hügel Stefani südlich des heutigen Dorfes Chrisso.

Im 19. Jahrhundert war Chrisso der Sitz eines Bischofs mit einer Einwohnerzahl zwischen 1.200 und 1.500.[8]

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinrich Nikolaus Ulrichs: Über die Städte Crissa und Cirrha. München 1840 (Digitalisat)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Volkszählung 2001, Nationale Statistikbehörde Griechenlands (EYSE).
  2. Ergebnisse der Volkszählung 2011 beim Nationalen Statistischen Dienst Griechenlands (ΕΛ.ΣΤΑΤ) (Excel-Dokument, 2,6 MB)
  3. Johann Gottfried Sommer (Hrsg.). Taschenbuch zur Verbreitung geographischer Kenntnisse. Eine Übersicht des neuesten und Wissenswürdigsten im Gebiete der gesammten Länder- und Völkerkunde. J. G. Calve'sche Buchhandlung, Prag, 1830. S. 268.
  4. s. dazu auch: Johannes Baptista Friedrich. Die Realien in der Iliade und der Odyssee. Ferdinand Enke, Stuttgart, 1856. S. 74
  5. George Friedrich Schömann. Griechische Alterthümer. Weidmann'sche Buchhandlung, Berlin, 1856. S. 48.
  6. Johann Heinrich Krause. Die Pythien, Nemeen und Isthmien, aus den Schrift- und Bildwerken des Alterthums. Verlag Johann Ambrosius Barth, Leipzig, 1841. S. 14-15.
  7. Nicholas Hobbes. Essential Militaria: Facts, Legends, and Curiosities about Warfare Through the Ages Grove Press, New York City, New York, 2004. S. 1. ISBN 0-8021-1772-4
  8. Johann Gottfried Sommer (Hrsg.). Taschenbuch zur Verbreitung geographischer Kenntnisse. Eine Übersicht des neuesten und Wissenswürdigsten im Gebiete der gesammten Länder- und Völkerkunde. J. G. Calve'sche Buchhandlung, Prag, 1830. S. 267.