Christian Brandstätter Verlag

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Christian Brandstätter Verlag
Logo Christian Brandstätter Verlag
Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 1982
Sitz Wien, OsterreichÖsterreich

Leitung

  • Christian Brandstätter (Verleger)
  • Nikolaus Brandstätter (Verlagsleitung & Geschäftsführung)
  • Heinrich Kratochwill (Kaufmännische Geschäftsführung)
Branche Buchverlag
Produkte Kunstbücher, Bildbände, Sachbücher
Kulinarik- & Kochbücher
Lifestyle-Bücher, ReiseführerVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website www.cbv.at

Der Christian Brandstätter Verlag ist ein österreichischer Buchverlag mit Sitz in Wien.

Geschichte[Bearbeiten]

Christian Brandstätter
Nikolaus Brandstätter

Der Brandstätter Verlag wurde 1982 von Christian Brandstätter in Wien gegründet und zählt zu den „führenden Bildband- und Kunstbuchverlage[n] Österreichs”[1]

Der Verlagsgründer Christian Brandstätter (* 21. September 1943; Jurist) war ab 1968 zunächst als leitender Mitarbeiter im Verlag Fritz Molden in verschiedenen Abteilungen tätig, bis er dort 1973 eine eigene Bildband-Abteilung, die Molden Edition Grafische Kunst etablierte. Im Anschluss an den überraschenden Konkurs Moldens im Mai 1982 folgte der Entschluss zur Gründung des Brandstätter Verlags.[2][3]

Das ursprünglich geplante Herbstprogramm der Molden Edition wurde adaptiert und im neuen Brandstätter Verlag publiziert. Als Verlagskonzept definiert Christian Brandstätter im ersten Programmkatalog: „Im Mittelpunkt unserer Bestrebungen steht das schöne, werkgerechte Buch ... ein Produkt, bei dem die Form dem Inhalt entspricht [...]”[4]

Nach einem fehlgeschlagenen Großprojekt musste der Brandstätter Verlag nach neun Geschäftsjahren 1991 die Insolvenz anmelden und wurde vom Österreichischen Bundesverlag (ÖBV) übernommen, dem bereits die Verlage Residenz und Deuticke in Form einer Holding angeschlossen waren. Christian Brandstätter blieb als verlegerischer Geschäftsführer des Verlags tätig.[3]

Der Österreichische Bundesverlag (ÖBV) wurde Anfang 2003 von der Klett-Gruppe aufgekauft.[5] Auf Betreiben des damaligen österreichischen Kulturstaatssekretärs Franz Morak verpflichtete sich der Verleger Michael Klett beim Kauf den Bildungsauftrag des ÖBV auch durch die „Weiterführung der verstaatlichten ÖBV-Töchter Residenz, Deuticke und Christian Brandstätter für fünf Jahre abzusichern.”[6]

2005 wurde der Brandstätter Verlag durch Klett zum Verkauf angeboten und der Verlagsgründer konnte 50 % des Unternehmens im Management-Buy-out zurückerwerben.[3] Weitere 50 % wurden von Grasl Druck & Neue Medien, einem seit 1905 als Druckerei bestehenden Familienunternehmen mit Sitz in Bad Vöslau, übernommen.[5][2][7]

Seit 2007 ist der Christian Brandstätter Verlag zu 51 % am neu gegründeten Münchner Thiele Verlag beteiligt. Einer laut Eigendefinition “unabhängige[n], feine[n] Bücherwerkstatt mit einem besonderen Anspruch an intelligente Unterhaltung und sinnliche Ästhetik”.[8][9][10]

2011 zog Christian Brandstätter sich aus den geschäftlichen Belangen des Verlags zurück und sein Sohn Nikolaus Brandstätter übernahm die operative Geschäftsführung.[2][11]

Verlagsprogramm[Bearbeiten]

Im Brandstätter Verlag wurden laut eigenen Angaben seit der Gründung über 1.500 Titel[12][13] inklusive internationaler Koproduktionslizenzen verlegt.[9] Pro Jahr werden zwischen 60-70 Titel veröffentlicht [2], die zu 85 Prozent über den vertreibenden Buchhandel verkauft werden.[1] Insgesamt sind rund 600 Titel lieferbar (Stand November 2012).[14]

Mit Publikationen zur Wiener Werkstätte und Thonet setzte der Verlag schon in seinem ersten Programm im Herbst 1982 thematisch auf die „Wiederentdeckung” von Wien und die Kunst und Kultur der Jahrhundertwende und des frühen 20.Jahrhunderts. Ein Themenbereich der in den folgenden Jahren mit Publikationen zu Gustav Klimt, Egon Schiele, Kolo Moser und Oskar Kokoschka weiter ausgebaut wurde. Weitere Segmente im Programm bildeten seit der Verlagsgründung Sachbücher und Bildbände aus verschiedenen Bereichen der Kunst, Kultur und Geschichte.[3][4]

Historische und zeitgenössische Fotografie wurden mit Veröffentlichungen zur österreichischen Fotografiegeschichte und Monografien von Franz Hubmann, Erich Lessing, Harry Weber, Barbara Pflaum, u.a. im Laufe der 1980er Jahre als zusätzliche thematische Schwerpunkte des Verlages etabliert.[2][3] Trotz gegenteiliger Bemühungen und vielversprechender Entdeckungen, wie etwa Christoph Ransmayr, konnte der Verlag im Belletristikbereich nicht nachhaltig Fuß fassen.[2]

Weitere Tätigkeitsbereiche des Verlages umfassen Corporate-Publishing-Projekte und die Publikation von Ausstellungskatalogen, die in Kooperation mit Museen und Institutionen, wie dem Kunsthistorischen Museum, dem Leopold Museum, der Österreichischen Galerie Belvedere, dem Liechtenstein Museum, dem Wiener Theater Museum, dem Wien Museum, der Albertina und der Österreichischen Nationalbibliothek verlegt werden. [11][15]

Mit einer Ausweitung des Verlagsprogramms auf Kochbücher und Kulinaria, Wohnen, Garten- und Lifestyle-Titel reagierte der Verlag im Laufe der 2000er Jahre auf rückläufige Absatzzahlen im Kunstbuchbereich. Nach der Jahrtausendwende erschienen so etwa die ersten Bücher des österreichischen Gourmet-Kritikers Christoph Wagner und des Gastronomen Ewald Plachutta, von denen Letztere über 114.000-mal verkauft wurden.[16]

Autoren (Auswahl, alphabetisch)[Bearbeiten]

Preise und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Auswahl:

Bildagentur[Bearbeiten]

Um Kosten für Bildrechte zu reduzieren wurde im Verlag eine eigene Fotosammlung aufgebaut. Das Archiv umfasst die private Fotosammlung des Verlagsgründers, das 1982 übernommene Bildarchiv des Molden-Verlags, sowie Bestände der Wiener Pressebildagentur Schostal, des Viktor Frankl Archivs, der Sigmund Freud Privatstiftung, dem Schloss Schönbrunn, der Handschriftensammlung der Wienbibliothek im Rathaus, u.a.[17] Für die digitale Vermarktung wurde 2002 IMAGNO brandstätter images, eine Agentur für historische Bildrechte, gegründet. Die Bestände des Archivs belaufen sich nach Verlagsangaben auf rund 1,5 Millionen Bilder, von denen zwischen 80.000[2] und 250.000 Bilder digitalisiert sind.[1]

Verlagsreihen[Bearbeiten]

  • Die Welt von gestern in Farbe (seit 2008)

In der Reihe Die Welt von gestern in Farbe erscheinen seit 2008 Bildbände mit Reproduktionen kolorierter Glas-Diapositive und Stereobilder der sogenannten Kaiserpanoramen aus den Beständen des Österreichischen Volkshochschularchivs, sowie dem Münchner Stadtmuseum und dem Deutschen Historischen Museum in Berlin. Bisher sind die Bände Wien & Postkarten Wien, Mythos Alpen, Steiermark, Niederösterreich, Bayern, Berlin, Salzkammergut und Venedig erschienen.[18]

  • Belle Époque (seit 2005)

Die Reihe wurde 2005 mit dem Band Wien um 1900 gestartet.[19] Bis dato sind historische Bildbiografien über Berlin, Paris, London, München, Moskau & St. Petersburg erschienen. Die Bände fokussieren auf die jeweilige “Belle Époque” dieser europäischen Städte. Der inhaltliche Bogen spannt sich von Kunst über Architektur bis zum Film.[13]

  • Nur in / Only in (seit 2006)

In der zweisprachig publizierten Reihe Nur in / Only in des britischen Reiseschriftstellers, Photographen und Historikers Duncan J. D. Smith erscheinen seit 2006 Reiseführer zu skurrilen und ungewöhnlichen Sehenswürdigkeiten europäischer Metropolen.[20]

  • Italien genießen (seit 2009) von Gerd Wolfgang Sievers
  • Wie wir Wohnen (seit 2006) von Stafford Cliff und Gilles de Chabaneix
  • Wege zur Natur (1998-2002) von Friederun Pleterski, Renate Habinger, u.a.
  • Bibliothek des Orients (1994-2000) von Walter M. Weiss und Kurt-Michael Westermann

Publikationen (Auswahl, chronologisch)[Bearbeiten]

  • Fotografie
    • Inge Morath: Russisches Tagebuch (1991)
    • Franz Hubmann: Wien – Metamorphosen einer Stadt (1992)
    • Walter Vogel: Espresso – Cafè Bars in Italien (1993)
    • Alain Sayag: Brassai (2003)
    • Gerhard Roth: Atlas der Stille (2007)
    • Philipp Blom, Veronica Buckley: Das russische Zarenreich - Eine photographische Reise 1855–1918 (2012)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Christian Brandstätter Verlag – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Impulse setzen für illustrierte Bücher – der Brandstätter Verlag, Hochschule der Medien Stuttgart, Mai 2010, (Abgerufen am 19. November 2012)
  2. a b c d e f g Hauptverband des österreichischen Buchhandels: Die schönen Seiten des Lebens (Interview mit Christian & Nikolaus Brandstätter), 8. Oktober 2012, (Abgerufen am 19. November 2012)
  3. a b c d e Brandstätter Verlag: Geschichte (Abgerufen am 19. November 2012)
  4. a b Verlagsprogramm Herbst 1982, Christian Brandstätter Verlag & Edition GmbH, Wien
  5. a b BuchMarkt: Christian Brandstätter Verlag geht durch Management Buyout an Familien Brandstätter und Grasl, 21.Dezember 2004, (Abgerufen am 19. November 2012)
  6. BuchMarkt: Österreichischer Bundesverlag: Klett kauft - und zahlt später: Der Verkauf von Österreichs größtem Verlagskonzern ist beschlossen, 20. Dezember 2002, (Abgerufen am 19. November 2012)
  7. Grasl Druck & Neue Medien: Christian Brandstätter Verlag GmbH: MBO durch die Familien Brandstätter und Grasl, 21. Dezember 2004, (Abgerufen am 19. November 2012)
  8. “Thiele Verlag”: Christian Brandstätter hat neuen Verlag gegründet, derstandard.at, 16. April 2007, (Abgerufen am 19. November 2012)
  9. a b BuchMarkt: Christian Brandstätter, 21. September 2008, (Abgerufen am 19. November 2012)
  10. Thiele Verlag: Impressum & Kontakt (Abgerufen am 19. November 2012)
  11. a b Börsenblatt: Standbein, Spielbein, Stabübergabe. Nr. 18, 2012
  12. Brandstätter Verlag: Lizenzen (Abgerufen am 19. November 2012)
  13. a b Helga König im Gespräch mit Nikolaus Brandstätter (Abgerufen am 19. November 2012)
  14. buchhandel.de (Abgerufen am 19. November 2012)
  15. Brandstätter Verlag: Das Verlagsservice für Museen, Unternehmen und öffentliche Stellen (Abgerufen am 19. November 2012)
  16. HVÖB: Zwei Mal Platin für Plachutta, 5. November 2008, (Abgerufen am 19. November 2012)
  17. IMAGNO brandstätter images: Archive & Sammlungen, 17. November 2008, (Abgerufen am 19. November 2012)
  18. Brandstätter Verlag: Wien | Die Welt von gestern in Farbe (Abgerufen am 19. November 2012)
  19. Brandstätter Verlag: Wien um 1900 | Kunst und Kultur – Fokus der europäischen Moderne (Abgerufen am 19. November 2012)
  20. 'ONLY IN' GUIDES - Unique, hidden and unusual Europe, (Abgerufen am 19. November 2012)