Christian Frei

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Christian Frei (* 1959 in Schönenwerd, Kanton Solothurn) ist ein Schweizer Filmautor, Filmregisseur und Filmproduzent. Er gehört zu den international erfolgreichsten Dokumentarfilmern. 1984 gründete er seine eigene Firma «Christian Frei Filmproduktionen GmbH». Seit 2006 ist Christian Frei Lehrbeauftragter für Reflexionskompetenz an der Universität St. Gallen. Von 2006 bis 2009 war er Präsident des Begutachtungsausschusses «Dokumentarfilm» des Bundesamtes für Kultur. Seit August 2010 ist er Präsident der Schweizer Filmakademie. Christian Frei lebt und arbeitet in Zürich.

Christian Frei, 2012

Leben und Werk[Bearbeiten]

Christian Frei hat sich einen Namen gemacht als anspruchsvoller Dokumentarfilmer, der seine Themen gekonnt umreisst. Er bleibt nahe bei den porträtierten Menschen, stets auf der Suche nach authentischen Momenten[1], öffnet aber immer auch den Blick aufs Ganze. Seine Filme gelten als humanistisch und universell, als ebenso subtil wie eindringlich[2]. «Was macht diese Filme so außergewöhnlich? Es sind Momentaufnahmen, die überdauern. Im Einzelnen Menschen erzählt Christian Frei von der Menschheit – von dem, was uns trennt und verbindet: von der Tektonik des Menschlichen.»[3]

Christian Frei hat an der Universität Freiburg (Schweiz) audiovisuelle Medien studiert. 1981 realisiert er mit Die Stellvertreterin seinen ersten Dokumentarfilm. Nach der Co-Regie mit Ivo Kummer bei Fortfahren arbeitet er seit 1984 als freischaffender Filmemacher und Produzent. Mit Der Radwechsel folgt ein weiterer Kurzfilm, bevor 1997 sein erster langer Dokumentarfilm entsteht: Ricardo, Miriam y Fidel ist das Porträt eines Vaters und dessen Tochter in Kuba, die zwischen der Loyalität zu den Idealen der Revolution und dem Wunsch nach Auswanderung in die USA hin- und hergerissen sind. Eine präzise und wertungsfreie Darstellung eines politischen Konflikts.[4]

War Photographer markiert 2001 einen Wendepunkt in der Karriere des Regisseurs und verhilft ihm mit einer Oscar-Nominierung und zahlreichen Preisen zu seinem internationalen Durchbruch. Zwei Jahre lang begleitet Frei den Fotografen James Nachtwey an unterschiedlichen Konfliktschauplätzen und zeigt ihn dabei als eher schüchternen, zurückhaltenden Menschen, der so gar nicht dem verbreiteten Bild eines zynischen Draufgängers entspricht. Intelligent spielt Frei mit der Rolle des Zuschauers, konfrontiert ihn mit der Ambivalenz der Kriegsfotografie und mit der Frage nach der Rolle der Medien. Der Film appelliert an unser Mitgefühl[5] und versucht eine dokumentarische Annäherung an den Krieg selber.[6] War Photographer ist der erste Schweizer Dokumentarfilm, der eine Oscar-Nominierung erhalten hat. Er stösst bei Publikum und Kritik weltweit auf grosses Echo und gilt heute als ein Klassiker. Frei erhielt 2003 für diesen Film einen Sonderpreis bei der Verleihung des Grimme-Preises, bei Dokumentarfilmfestivals in Südafrika und Gent wurde der Film gleichfalls mit Preisen ausgezeichnet. Der Kameramann Peter Indergand wurde für seine Arbeit für einen Emmy nominiert. Der Film erhielt den begehrten Peabody Award, gewann Preise an zwölf internationalen Filmfestivals, wurde in acht Ländern der Welt im Kino und in zweiundfünfzig Ländern im Fernsehen gezeigt.

2004 wird Christian Frei von Lars von Trier angefragt, eine Dokumentation für dessen Inszenierung des Ring des Nibelungen an den Bayreuther Festspielen zu machen. Trier wollte Frei für dieses Projekt engagieren, weil er ein «Minenspezialist» sei.[7] Die Inszenierung platzte aber und damit kam auch das Projekt nicht zustande

Mit The Giant Buddhas (Im Tal der grossen Buddhas) folgt 2005 erneut ein Werk von brisantem politischem Inhalt und globalem Kontext: Der Film über die Zerstörung der berühmten Buddha-Statuen von Bamiyan in Afghanistan ist auch ein Essay über «Glauben und Fanatismus, Toleranz und Terror, Identität und Ignoranz, über die Vergänglichkeit und unsere armseligen Versuche, uns ihr zu widersetzen»[8]. Entstanden ist ein Reisedokumentarfilm, der eine Leerstelle füllt. Eine Spurensuche entlang jener facettenreichen Linie, die Menschen und Kulturen trennt und verbindet.[9] Mit diesem Film gewann Christian Frei einen Preis beim Leipziger Dokumentarfilmfestival und trat beim Sundance Film Festival an. Sowohl mit War Photographer als auch mit The Giant Buddhas war er für den Schweizer Filmpreis nominiert.

2010 gewinnt Christian Frei am renommierten Sundance Film Festival für Space Tourists (2009) den Regiepreis beim Sundance Film Festival. Der Film kontrastiert die Welt schwerreicher Weltraumtouristen mit jener von kasachischen Raketenschrottsammlern, die sich unter gefährlichen Bedingungen auf die Suche nach den hochwertigen Raketenstufen machen. Entstanden ist eine bildgewaltige, humorvolle und poetische Liebeserklärung an die Erde. Kritiker sprechen von einem atemberaubenden Film[10] voller sensationeller Einblicke[11] der Freis Ruf als einem der originellsten und innovativsten Reporter der Gegenwart festige.[12]

Aktuell arbeitet Christian Frei an einem neuen Projekt mit dem Titel Sleepless in New York, eine Annäherung an den Schmerz und die Dynamik von Liebeskummer.

Zitat[Bearbeiten]

«Ob bei Höhlenbewohnern im afghanischen Tal der gesprengten Buddha-Statuen, bei kubanischen Revolutionären oder bei Kriegsfotografen: Mich interessiert die ‘Tektonik des Menschlichen’, das was uns Menschen trennt und verbindet. Orte und Situationen, in denen sich das Furchtbare und das Grossartige des Menschen realisieren und visualisieren.»

Christian Frei [13]

«Auf globalem Level hat das Scheitern des Sozialismus als Alternative zur Konsum-gesellschaft eine klaffende Leerstelle hinterlassen, die eine ganze Generation betrifft. (…) Das Scheitern der Suche nach dem Glück scheint unvermeidlich. Falls es eine Botschaft des Films Ricardo, Miriam y Fidel gibt, dann liegt sie bei der Ambivalenz der Gefühle.»

Christian Frei [14]

«Die Realität ist viel reicher, vielschichtiger, ambivalenter und paradoxer, einfach spannender als das, was uns das Stereotyp des Spielsfilms oft erzählt. (…) Ich mute in meinen Filmen den ZuschauerInnen diese Ambivalenzen und Komplexitäten zu. Und gleichzeitig möchte ich grosses Gefühlskino machen.»

Christian Frei [15]

Filmografie[Bearbeiten]

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Ricardo, Miriam y Fidel

  • Basic Trust International Human Rights Film Festival Ramallah-Tel Aviv 2000: Gewinner Publikumspreis

War Photographer

  • Oscar Academy Awards 2002 2002: Nominated Best Documentary Feature
  • Gregory Foster Peabody Award 2003
  • Emmy 2004: Nomination Award for Cinematographer Peter Indergaand
  • Adolf Grimme-Preis 2003: Sonderpreis des Ministeriums für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport des Landes NRW
  • Durban International Film Festival 2002: Bester Dokumentarfilm
  • Cologne Conference Internationales Fernseh- und Filmfest Köln 2002: Phoenix Preis Best Non-Fiction
  • Rehoboth Beach Independant Film Festival 2002: Publikumspreis
  • Viewpoint Filmfestival Gent 2002: Bester Film
  • European Documentary Film Festival Oslo 2003: Eurodok Award
  • Dokufest Prizren Documentary and Short Film Festival 2003: Bester Film
  • British Documentary Awards 2002: Shortlisted The Grierson Award Category International Documentary
  • Schweizer Filmpreis 2002: Nominiert für den Schweizer Filmpreis Quartz in der Kategorie «Bester Dokumentarfilm»
  • Docaviv Tel Aviv International Documentary Film Festival: Bester Film
  • Sichuan TV Festival: Gold Panda Award Best Long Documentary
  • Mountainfilm in Telluride 2003: Voice of Humanity Award

The Giant Buddhas

  • DOK Leipzig 2005: Silberne Taube
  • Dokufest Prizren 2006: 1. Preis ex aequo
  • Trento Film Festival 2006: Silberner Enzian
  • Tahoe/Reno International Film Festival 2006: Best of the Fest - Documentary
  • Sundance Film Festival 2006: Nominiert für den Großen Preis der Jury für Kinodokumentationen
  • Schweizer Filmpreis 2006: Nominiert für den Schweizer Filmpreis Quartz in der Kategorie «Bester Dokumentarfilm»

Space Tourists

  • DOC: The Documentary Channel 2012: Jury-Preis «Best of Doc»
  • Cervino Cine Mountain International Mountain Film Festival 2011: Miglior Grand Prix dei Festival 2011
  • Beldocs Belgrad 2010: Best Photography Award
  • Berg- und Abenteuerfilmfestival Graz 2010: Grand Prix Documentary Feature
  • Regio Fun Film Festival Katowice 2010: 2nd Award Documentary Film Competition
  • European Documentary Film Festival Oslo 2010: Eurodok Award
  • Sundance Film Festival Park City 2010: Regiepreis
  • EBS International Documentary Film Festival Seoul 2010: Spezialpreis der Jury
  • Schweizer Filmpreis 2010: Nominiert für den Schweizer Filmpreis Quartz in der Kategorie «Bester Dokumentarfilm»

Literatur[Bearbeiten]

  • Norbert Creutz: Director’s Portrait Christian Frei, Hg. v. SwissFilms Mai 2006, http://www.swissfilms.ch/de/film_search/filmdetails/-/id_person/855106512.
  • Tilmann P. Gangloff: «Du sollst nicht langweilen». Titelstory über Christian Frei. In: CUT, das Broadcast-Magazin, Jg. 10, Nr. 9/2006 (September 2006), S. 16-23.
  • Die Tektonik des Menschlichen, GEO Edition Dokumentarfilme Christian Frei Collection, Hg. v. Warner Home Video Schweiz 2007.
  • Walt R. Vian: «Regie führen heisst beim Dokumentarfilm antizipieren und den Kameramann vorbereiten». Gespräch mit Christian Frei zu Space Tourists. In: Filmbulletin, Kino in Augenhöhe, Jg. 51, Nr. 6.09 (2009), S. 33-39 (Auszug: http://www.filmbulletin.ch/_ih/301ih.html)
  • Andrea Seiler: Christian Frei. In: Dies.: Schweizer Filmregisseure in Nahaufnahme. Von «Höhenfeuer» bis «Herbstzeitlosen», Rüffer & Rub Sachbuchverlag, Zürich 2011, S. 112-119.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. «Das Einzige, was bedeutsam ist, ist die Suche nach authentischen Momenten, der Versuch, mich selber unsichtbar zu machen.» Christian Frei zitiert in: Norbert Creutz: Director’s Portrait Christian Frei, Hg. v. SwissFilms Mai 2006, http://www.swissfilms.ch/de/film_search/filmdetails/-/id_person/855106512, S. 1.2.
  2. Peter-Matthias Gaede: Editorial. In: Die Tektonik des Menschlichen, GEO Edition Dokumentarfilme Christian Frei Collection, Hg. v. Warner Home Video Schweiz 2007, S. 3.
  3. Kulturzeit, zit in: Tilmann P. Gangloff: «Du sollst nicht langweilen». Titelstory über Christian Frei. In: CUT, das Broadcast-Magazin, Jg. 10, Nr. 9/2006 (September 2006), S. 1.
  4. Norbert Creutz: Director’s Portrait Christian Frei, Hg. v. SwissFilms Mai 2006, http://www.swissfilms.ch/de/film_search/filmdetails/-/id_person/855106512, S. 1.4.
  5. Edward Guthmann in San Francisco Chronicle: «(…) this film is an act of spiritual faith -- an eloquent, deeply felt meditation on the nature of compassion.» (http://www.sfgate.com/cgi-bin/article.cgi?f=/c/a/2002/12/06/DD164809.DTL), 6. Dezember 2002.
  6. Werkstattgespräch: Christian Frei im Gespräch mit Thomas Bodmer, 22. November 2006, Filmpodium Zürich. Bonusmaterial auf DVD The Giant Buddhas, Christian Frei Collection 2007.
  7. Tilmann P. Gangloff: «Du sollst nicht langweilen». Titelstory über Christian Frei. In: CUT, das Broadcast-Magazin, Jg. 10, Nr. 9/2006 (September 2006), S. 19.
  8. Norbert Creutz über The Giant Buddhas, in: Die Tektonik des Menschlichen, GEO Edition Dokumentarfilme Christian Frei Collection, Hg. v. Warner Home Video Schweiz 2007, S. 48.
  9. «The Giant Buddhas is a stirring example of the power of cinema to enlighten as it defies the boundaries of culture and time.» David Courier, http://history.sundance.org/films/3633.
  10. «Was ist uns die Erfüllung eines Traumes wert? Freis Essay begibt sich in einen faszinierenden Kosmos von Träumern und Phantasten, wirft einen Blick auf die zwischen technischer Archaik und Kommerz stehende russische Raumfahrt und wartet mit spektakulären Aufnahmen auf.» Neue Zürcher Zeitung, 2009.
  11. «Die geradezu sensationellen Einblicke, die sich bescheiden in den Gesamtfilm einfügen, machen die Dokumentation nicht nur humorvoll erkenntnisreich sondern auch sympathisch.» Günter H. Jekubzik in Filmtabs (http://www.filmtabs.de/ft/2010/07/26/space-tourists), 26. Juli 2010.
  12. Arte-Programmvorschau (http://programm.ard.de/TV/arte/space-tourists/eid_287246171200781?list=now), 21. Januar 2011.
  13. NZZ am Sonntag, 20. September 2009
  14. Norbert Creutz: Director’s Portrait Christian Frei, Hg. v. SwissFilms Mai 2006, http://www.swissfilms.ch/de/film_search/filmdetails/-/id_person/855106512, S. 1.3-1.4.
  15. Werkstattgespräch: Christian Frei im Gespräch mit Thomas Bodmer, 22. November 2006, Filmpodium Zürich. Bonusmaterial auf DVD The Giant Buddhas, Christian Frei Colletion 2007.

Weblinks[Bearbeiten]