Christian Weber (NSDAP)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Christian Weber, 1934

Christian Weber (* 25. August 1883 in Polsingen; † 11. Mai 1945 auf der Schwäbischen Alb) war ein NSDAP-Funktionär, SS-Brigadeführer und MdR.

Leben[Bearbeiten]

Nach dem Besuch der Volksschule arbeitete Weber, der aus armen Verhältnissen stammte, als Knecht auf einem Gut. Zwischen 1901 und 1904 und zuletzt 1906 tat er Dienst im Militär und musste dennoch wegen zu geringen Einkommens wieder als Pferdeknecht, zuletzt in München, arbeiten. Ab August 1914 diente er im Ersten Weltkrieg und wurde im Januar 1919 im Rang eines Sergeanten[1] entlassen. Mit dem ersparten Geld und dem Sold konnte sich Weber zunächst einen eigenen Pferdeverleih aufbauen, ab 1925 betrieb er eine eigene Tankstelle. Bereits 1920 lernte Weber Adolf Hitler und Dietrich Eckart kennen, die ihn schließlich ermutigten, im August 1921 der NSDAP beizutreten. Zwischen 1921 und 1922 agierte Weber als Sicherheitsbegleiter Hitlers, der ihn im Herbst 1921 auch noch zum Leiter des Fuhrparks der Partei ernannte. Nach der Neugründung der Partei im Februar 1925 stieg Weber in die Münchner Lokalpolitik ein. 1926 wurde er Mitglied des Stadtrats und 1934 Wirtschaftsdezernent[2] in der nunmehr gleichgeschalteten Stadtverwaltung. Gleichzeitig war er Vorsitzender der NSDAP-Stadtratsfraktion.

Christian Weber war neben Ernst Röhm, Julius Streicher, Hermann Esser und Dietrich Eckart einer der nur fünf Gefolgsleute Hitlers, die ihn duzen durften.[3][4]

Im März 1933 ernannte Hitler Weber zum Präsidenten des Kreistags von Oberbayern und zum Präsidenten des „Wirtschaftsbundes Deutscher Rennstallbesitzer und Vollblutzüchter“. Ein weiteres Amt, das Weber ausübte, war jenes des Präsidenten des „Kuratoriums für das Braune Band von Deutschland“. Am 26. Juli 1936 ernannte ihn Heinrich Himmler zum SS-Brigadeführer und am 1. November 1937 zum Inspekteur der SS-Reitschulen. Weber wurde damit für die Belange der Reiter-SS zuständig, eine Aufgabe, die er sich mit der Inspektion der SS-Reiterei im SS-Hauptamt teilte. Als er in den Endtagen des Zweiten Weltkriegs wegen der Zerstörung seiner Diensträume im Rathaus am Marienplatz wohnte, wurde er im Rahmen der „Freiheitsaktion Bayern“ festgenommen und nach Erding gebracht. Nach seiner Freilassung verlangte er das Todesurteil für den Rathausinspektor Hans Scharrer, der dem Stoßtrupp der Freiheitsaktion das Tor zum Rathaus geöffnet hatte. Am 1. Mai 1945 wurde Weber von der United States Army bei Berlin verhaftet und zunächst nach Ulm gebracht. Als er von dort für weitere Verhöre nach Heilbronn überstellt werden sollte, kippte auf der Fahrt der Armee-Lastwagen, auf dessen offener Ladefläche die Gefangenen transportiert wurden, um und Weber wurde tödlich verletzt.[5] Er wurde in Heilbronn in einem Massengrab beerdigt.[2]

Christian Weber war der für die NSDAP nicht gerade uncharakteristische Typ des „Kriegsgewinnlers“ und reichlich primitiven Neureichen, der seine Macht schamlos zum eigenen Vorteil ausnützte. Überaus geschäftstüchtig und bedenkenlos in seinen Mitteln, setzte er sich fast immer durch, auch wenn er sich in München durch sein rüpelhaftes Auftreten auch in Parteikreisen viele Feinde machte. Bereits der Parteigründer Anton Drexler beklagte sich 1923 über das Bonzentum in der Partei und meinte damit Christian Weber; der angesehene und einflussreiche Parteischatzmeister Franz Xaver Schwarz legte sich 1939 quer, als Weber sich an der „Arisierungjüdischer Immobilien bereichern wollte. Enthüllte sich Weber im praktischen Alltagsgeschäft wie in der Politik oft als primitiver, brutaler Machtmensch, so zeigte er sich andererseits aus Anlass des von ihm kreierten Pferderennens um das Braune Band von Deutschland von seiner operettenhaften Seite, wenn er als Initiator historischer Umzüge und Sommerfeste auf den Teichen des Nymphenburger Schlossparks von kaum bekleideten Darstellerinnen „lebende Bilder“ mehr oder weniger mythologischen Inhalts gestalten ließ, die vom Publikum teils belächelt, teils als anstößig kritisiert wurden. Himmler sammelte Unterlagen aus den zahlreichen Parteigerichtsverfahren, in die Weber verwickelt war, wagte aber trotz sich bietender Möglichkeiten nicht, gegen ihn in irgendeiner Weise vorzugehen.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ZBLG 57 (1994) S.437
  2. a b  Dös Viech g'fallt mir. In: Der Spiegel. Nr. 8/1951, 21. Februar 1951, S. 23 ff. (online, abgerufen am 5. November 2013).
  3. Andreas Dornheim: Röhms Mann fürs Ausland, 1998, S. 65f.
  4.  Eugene K. Bird: Stehen Sie auf, Nummer 7. Rudolf Heß im Spandauer Kriegsverbrecher-Gefängnis. In: Der Spiegel. Nr. 17/1974, 22. April 1974 (online, abgerufen am 25. Dezember 2013).
  5.  Martin: Der Fall Christian Weber. In: ZBLG. Nr. 57, S. 479.