Christian Zell

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Cembalo von 1728 (Hamburg)
Cembalo von 1737 (Barcelona)
Cembalo von 1741 (Weener)

Christian Zell (auch Zelle; * um 1683 in Hamburg; † 13. April 1763 ebenda) war ein deutscher Cembalobauer.

Leben[Bearbeiten]

Zell war vermutlich Schüler des Cembalobauers Michael Mietke. Erstmals wird er im Jahr 1722 in Hamburg erwähnt, wo er am 14. August das Bürgerrecht erwarb und sein ganzes Leben verbringen sollte. Am 1. September 1722 heiratete er Florentina, die Witwe des Instrumentenbauers Carl Conrad Fleischer, und übernahm dessen Werkstatt in der Nähe der Oper am Gänsemarkt.[1] Zusammen hatten sie drei Kinder, die alle Paten aus Hamburger Musikerfamilien hatten. Angesehen starb er im 80. Lebensjahr in Hamburg. Ein Eintrag im Sterberegister der Hamburger Jacobikirche besagt, dass er neunundsiebzigeinhalb Jahre alt war, als er starb. Zells genaues Geburtsdatum ist unbekannt; das Geburtsjahr wird aus der Altersangabe abgeleitet.

Werk[Bearbeiten]

Von Christian Zells Cembali sind drei Instrumente erhalten: Ein zweimanualiges Cembalo aus dem Jahr 1728 befindet sich im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg.[2] Es verfügt über einen internationalen Tastaturumfang von F1–d3 und drei Register (8′, 8′, 4′) mit Lautenzug und wurde im Jahr 1972 von Martin Skowroneck restauriert. Durch dieses prächtige Instrument ist Zell weltberühmt geworden. Es ist häufig für Einspielungen barocker Cembalomusik verwendet worden und dient bis heute vielen Cembalobauern als Vorbild. Auf einem Nachbau dieses spielte Tori Amos in ihren Alben Boys For Pele und Dew Drop Inn Tour.

Ein Instrument von 1737 mit einem Manual (C–d3; 8′, 8′, 4′, Lautenzug) befindet sich im Museu de la música in Barcelona. Ein drittes Zell-Cembalo mit originalem Gestell gehört der Ostfriesischen Landschaft und ist im Organeum in Weener zu besichtigen. Dieses Instrument (C–d3; 8′, 8′, 4′, Lautenzug) gilt als eines der am besten erhaltenen Cembali des Hochbarock. Das einmanualige Instrument wurde 1741 für den letzten ostfriesischen Fürsten Carl Edzard gebaut. Nachdem dieser 1744 gestorben war, blieb das Werk für 220 Jahre in unverändertem Zustand in Aurich. 1964/1965 erfolgte eine sorgfältige Restaurierung durch Klaus Ahrend. Eine nur noch silhouettenhaft erkennbare farbliche Fassung mit einer Winterlandschaft und Schlittschuhläufern ist vermutlich original angebracht, wurde aber nicht rekonstruiert.[3] Der Resonanzboden konnte im ursprünglichen Zustand verbleiben und wurde noch nie herausgenommen. Auch die Springer, Springerleisten, Stimmwirbel, Tasten und Registermechanik sind original.[4] Die Springer des 4-Fuß-Registers sind zwischen beiden 8-Füßen angebracht. Ungewöhnlich ist, dass der Resonanzboden bei diesem Instrument lackiert ist. Möglicherweise hatte Zell das raue Klima Ostfrieslands im Blick. Das große handwerkliche Geschick zeigt sich an der doppelt gebogenen Seitenwand mit ihren durch kleine Keile fixierten Schwalbenschwanzverbindungen und an einer neu entwickelten Tastenführung mit trichterförmigen Bohrungen, die ein Verschieben der Taste gegenüber dem Springer verhindert.[3]

Zells Werke sind für ihren unverwechselbaren Klang und ihre reiche Dekoration mit lackierten Chinoiserien im Hamburger Stil bekannt. Der charakteristische „blühende“ Klang ist in den Bässen dunkel und gravitätisch, im Diskant brillant und kurz, in der Mittellage farbig und etwas weniger kräftig.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Donald H. Boalch: Makers of the Harpsichord and Clavichord 1440–1840. 3. Auflage. Clarendon Press, Oxford 1995, ISBN 0-19-318429-X, S. 61, 212.
  • Armin Conradt: Hamburger Musikinstrumente des 18. Jahrhunderts mit Lackmalerei. In: Jahrbuch der Hamburger Kunstsammlungen. Bd. 9, 1964, S. 30–35.
  • Winfried Dahlke: Französische Suiten und Sonaten von Marais, Leclair, Boismortier und Philidor (CD-Booklet). Lunaris CD, B0030ZIJAK, 2010.
  • Dieter Krickeberg, Horst Rase: Beiträge zur Kenntnis des mittel- und norddeutschen Cembalobaus um 1700. In: Friedemann Hellwig (Hrsg.): Studia organologica. Schneider, Tutzing 1987, ISBN 3-7952-0486-0, S. 285–310.
  • Alexander Pilipczuk: Zell [Zelle], Christian. In: L. Macy (Hrsg.): Grove Music Online (online) – kostenpflichtige Online-Version der Ausgabe 2001.
  • Martin Skowroneck: Das Cembalo von Christian Zell, Hamburg 1728, und seine Restaurierung. In: Organ Yearbook. Bd. 5, 1974, S. 79–87.
  • Harald Vogel: Das Cembalo von Christian Zell aus dem Besitz der ostfriesischen Landschaft. In: Ostfriesland. Zeitschrift für Kultur, Wirtschaft und Verkehr. Nr. 2, 1978, S. 27–29.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Christian Zell, Hamburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Stef Tuinstra: Georg Böhm, Booklet zur CD-Gesamteinspielung (PDF-Datei; 7,2 MB), gesehen 6. März 2014.
  2. Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg: Zweimanualiges Cembalo
  3. a b Winfried Dahlke im CD-Booklet von Französische Suiten und Sonaten von Marais, Leclair, Boismortier und Philidor. 2010, Lunaris CD, B0030ZIJAK.
  4. Harald Vogel: Das Cembalo von Christian Zell aus dem Besitz der ostfriesischen Landschaft. In: Ostfriesland. Zeitschrift für Kultur, Wirtschaft und Verkehr. Nr. 2, 1978, S. 27f.
  5. Harald Vogel: Das Cembalo von Christian Zell aus dem Besitz der ostfriesischen Landschaft. In: Ostfriesland. Zeitschrift für Kultur, Wirtschaft und Verkehr. Nr. 2, 1978, S. 29.