Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt den Film, für das Buch siehe Wir Kinder vom Bahnhof Zoo.
Filmdaten
Deutscher Titel Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo
Originaltitel Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1981
Länge 138 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Ulrich Edel
Drehbuch Herman Weigel,
Kai Hermann,
Horst Rieck
Produktion Bernd Eichinger,
Hans H. Kaden,
Hans Weth
Musik Jürgen Knieper
Kamera Jürgen Jürges,
Justus Pankau
Schnitt Jane Seitz
Besetzung

Der Film Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo ist ein deutscher Spielfilm aus dem Jahr 1981. Das Filmdrama, zugleich eine Filmbiografie, erzählt aus dem Leben der drogenabhängigen Jugendlichen Christiane Felscherinow. Der Film entstand nach dem Buch Wir Kinder vom Bahnhof Zoo, das mit Hilfe von Christiane F. nach Tonbandprotokollen und Recherchen von Kai Hermann und Horst Rieck 1978 veröffentlicht worden war.

Handlung[Bearbeiten]

Der Film erzählt das Leben von Christiane Felscherinow aus Berlin-Gropiusstadt. Um 1974 kam sie über Freunde erstmals mit Drogen in Berührung. Sie erzählte ihrer Mutter, dass sie bei ihrer Freundin Kessi übernachten würde, geht aber fast jeden Abend in die Discothek „Sound“. Dort beginnt sie erstmals, Drogen einzunehmen – zunächst nur LSD und Cannabis, bis sie auf Heroin umsteigt. Die beginnende Sucht ist schon bald nicht mehr zu kontrollieren, sodass Christiane, um ihren Drogenkonsum finanzieren zu können, schließlich im Alter von 14 Jahren beginnt, am Bahnhof Zoo der Prostitution nachzugehen. Ihr Freund Detlef, ebenfalls Strichjunge und wie sie heroinabhängig, kann sie davon nicht abhalten.

Christianes Mutter weiß nichts von der Sucht der Tochter, bis es beinahe zu spät ist. Sie veranlasst, dass Christiane und Detlef zu Hause einen Entzug von der Droge machen. Allerdings verfallen beide bereits am ersten „cleanen“ Tag wieder ihrer Sucht. In der Folge wird es für Christiane immer schwerer, diese zu finanzieren, und sie prostituiert sich erneut. Detlef zieht, nachdem sich sein Mitbewohner den „Goldenen Schuss“ gesetzt hat, bei seinem Freier ein und trennt sich von Christiane. Als Christiane in der Zeitung liest, dass ihre beste Freundin Babsi, die einen Entzug machen wollte, im Alter von 14 Jahren an ihrer Drogensucht gestorben ist, ist sie entsetzt und beschließt, sich auch den „Goldenen Schuss“ zu setzen. Ihren Selbstmordversuch überlebt sie und wird von ihrer Mutter in ein Dorf in der Nähe von Hamburg zu ihrer Oma und Tante gebracht. Der Film endet mit ihrer Aussage, dass sie nun seit eineinhalb Jahren clean sei. Atze und Axel sind noch im selben Jahr an ihrer Drogensucht gestorben. Christiane macht sich Sorgen um Detlef und möchte ihm gerne etwas von ihrer Kraft abgeben.

Hintergrund[Bearbeiten]

Der Film war ursprünglich ein Projekt des Regisseurs Roland Klick, der nach langer Vorbereitungszeit zwei Wochen vor Drehbeginn mit Produzent Bernd Eichinger so sehr in Streit geriet, dass die Produktionsfirma Constantin Film den Film dann von Uli Edel inszenieren ließ.

Der an Originalschauplätzen und zum Teil mit Laiendarstellern gedrehte Film ist eine Studie des Drogen- und Prostitutions-Milieus.

Regisseur Uli Edel bekam Unterstützung von David Bowie, dessen Konzert in Berlin Christiane F. besucht hatte. Diese Szenen wurden extra für den Film nachgedreht und mit Archivaufnahmen gemischt. Bowies Lied „Heroes“ ist, obwohl es nicht speziell für den Film geschrieben wurde, eng mit der „Christiane F.“-Thematik verknüpft.

Vorlage für den Film war die Biografie Wir Kinder vom Bahnhof Zoo, die mit Hilfe von Christiane F. nach Tonbandprotokollen und Recherchen der Stern-Mitarbeiter Kai Hermann und Horst Rieck 1977/78 entstanden war. Die Dreharbeiten für den Film fanden von August bis November 1980 statt, die Uraufführung war am 2. April 1981.

Die realistischen Darstellungen des „Fixens“, Christianes ungeschönt inszenierte Erlebnisse mit ihren Freiern und die in aller Offenheit gezeigten Szenen eines Cold Turkeys – in einer Szene muss Natja Brunckhorst als Christiane F. beispielsweise minutenlang an eine Wand erbrechen, in einer anderen fällt sie mit dem Kopf in eine von den Requisiteuren als völlig verdreckt hergerichtete Toilettenschüssel – „waren so noch nie im deutschen Kino gezeigt worden und schockierten eine ganze Elterngeneration“.[1]

In Großbritannien und den USA wurde der Film für die alte VHS-Fassung sowie auch für sonstige öffentliche Vorführungen stark geschnitten (um rund vier Minuten), da einige Szenen jugendgefährdend seien. Auch die komplett ungekürzte DVD-Fassung wurde in diesen beiden Staaten erst ab 18 Jahren freigegeben, während sie in Deutschland ab 16 Jahren erhältlich ist.

Kritiken[Bearbeiten]

„Der Film – nach den Tonbandprotokollen einer 15jährigen – unterscheidet sich durch Ernsthaftigkeit und das Bemühen um Verständnis durchaus positiv von den spekulativen Produkten ähnlicher Thematik, dennoch weiß er sich nicht so recht aus den Klischees über Jugendliche, Drogenkonsum und Prostitution zu befreien. Auch verfällt er hin und wieder der grellen Faszination des Milieus.“

Lexikon des internationalen Films

„Ich will nicht ungerecht sein. Niemand wird sich einen Film wünschen, der noch mehr Kinder zum Rauschgift und zur Prostitution treibt. Die heimliche Idolisierung der Figur Christiane F., die das Schloßtheater von Moers im letzten Herbst bewog, die von ihm selbst bestellte Bühnenbearbeitung dann doch nicht aufzuführen, findet in Ulrich Edels Film immerhin nicht statt. Aber das allein ist zu wenig für 132 Minuten.“

Hans-Christoph Blumenberg[2]

„Der Film ‚Christiane F.‘ umgeht nahezu alle Fakten, die zu wissen nötig sind, um die Genese drogenabhängigen Verhaltens zu verstehen. Wo das Drehbuch Präventionspädagogik vorgibt, verfolgt die szenische Realisierung eine fragwürdige, weil unglaubwürdige Abschreckungsstrategie, die sowohl in der Drogenprävention als auch in der allgemeinen Erziehung längst als wirkungslos erwiesen ist. Schlimmer noch: unter Umständen kann sie sogar stimulierend wirken.
Diese Tendenz wird nicht zuletzt durch eine unkritische Ästhetisierung der Drogenabhängigkeit unterstützt, die in einigen Szenen fast zur Heroisierung der Hauptfiguren wird.“

Friedrich Koch[3]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

1981 gewann der Film die Goldene Leinwand. Im selben Jahr wurde Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo beim World Film Festival in Montreal in der Kategorie Most Popular Film ausgezeichnet.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stern Nr. 51/1989
  2. Hans-Christoph Blumenberg: Kino: „Christiane F. – Wir Kinder vomBahnhof Zoo“: Besonders wertvoll; in: Die Zeit, Ausgabe 15/1981, 3. April 1981
  3. Friedrich Koch: „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ ein Film für die Drogenerziehung? In: Johannes Bastian (Hrsg.): Drogenprävention und Schule. Grundlagen, Erfahrungsberichte, Unterrichtsbeispiele. Hamburg 1992, Seite 157 ff.