Christianisierung Polens

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Christianisierung von Polen)
Wechseln zu: Navigation, Suche
„Die Christianisierung Polens 966“ (Ölgemälde des Historienmalers Jan Matejko, 1889)

Die Christianisierung Polens (polnisch Chrzest Polski) zählt zu den entscheidenden Ereignissen der frühen Geschichte Polens.

Taufe Mieszkos I.[Bearbeiten]

Vom 14. April 966 wird die Taufe von Mieszko I., dem Fürsten aus dem Geschlecht der Piasten, einem Vorfahren der Herzöge von Polen überliefert.[1]

Wichtig für diese Entscheidung war offenbar seine Frau, die böhmische Prinzessin Dubrawa, die er ein Jahr zuvor geheiratet hatte, und die selbst Christin war.[2][3]

Über die Gründe Mieszkos, zum Christentum überzutreten, ist keine schriftliche Quelle überliefert. Für Mieszko I. war es vermutlich ein wichtiger Schritt zur Stabilisierung seines Machtbereiches: Die hierarchische Struktur der christlichen Kirche ermöglichte ihm, seinen Einfluss in der Gesellschaft zu stärken. Die bisherigen heidnischen Religionen konnten dies nicht leisten.[4] Aber die Abkehr von den alten Göttern konnte auch Legitimationsprobleme mit sich bringen, da die Verbindung zu den Ahnen damit abgeschnitten wurde.[3] Der Übertritt zum Christentum brachte dem polnischen Herrscher auch die Gleichstellung mit den anderen westlichen Herrschern und ermöglichte damit bessere staatliche Beziehungen.[3]

Der genaue Ort der Taufe von Mieszko I. wird diskutiert: Die Historiker haben abwechselnd argumentiert, dass Ostrów Lednicki, Gnesen, Posen, Regensburg,[5][1][4] Köln oder sogar Rom der Taufort von Mieszko I. gewesen sein könnte.

Bistum Posen[Bearbeiten]

968 wurde das Bistum Posen gegründet. Es wurde formell dem Erzbistum Magdeburg unterstellt[6]. Wie weit diese Unterordnung tatsächlich bestand, ist besonders in der polnischen Forschung umstritten. Es existiert die Position, die Kirche sei eigenständig, dem Papst direkt unterstellt und nicht von der Reichskirche abhängig gewesen.[3] In der deutschen Forschung zweifelt man hingegen nicht an dem grundsätzlichen Tatbestand der Unterstellung unter Magdeburg. Wie weit diese in der Realität tatsächlich ging, ist Gegenstand einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung.

Erster Bischof von Polen wurde Jordan, der vermutlich schon zuvor dem Hof Mieszkos angehörte[3][4] Die Herkunft Jordans ist nicht gesichert. Er kam mit der böhmischen Prinzessin Dubrawka entweder aus Italien oder aus dem Rheinland[7] nach Polen. Dass er tschechischer Herkunft war ist ebenfalls umstritten.[3]

Die ältesten Amtsträger der polnischen Kirche waren böhmischer Herkunft.

Aus dieser Zeit stammen die ersten Kirchen Polens. Es sind teilweise vorromanische Bauten wie Kapelle und Kirche in der Burg von Ostrów Lednicki, die ältesten Kirchen von Posen, Kruszwica und andere.

Erzbistum Gnesen[Bearbeiten]

Im Jahr 1000 wurde eine neue Organisationsform für die noch junge polnische Kirche geschaffen. Auf einem Treffen des deutschen Kaisers Ottos III. mit dem polnischen Herzog Bolesław I. (Polen) wurde durch den Akt von Gnesen bei der Heiligsprechung Adalberts von Prag das Erzbistum Gnesen geschaffen.
Es folgte damit eine faktische Unabhängigkeit vom Erzbistum Magdeburg, dem die polnische Kirche bis dahin formell untergeordnet war.

Kirchenprovinz Gnesen[Bearbeiten]

Ausbreitung des Christentums[Bearbeiten]

Die durch Mieszko I. begonnene Christianisierung, durch seine Nachfahren fortgeführt, war erfolgreich: Bis zum 13. Jahrhundert war das römisch-katholische Christentum überall in Polen verbreitet und wurde zur dominierenden Religion Polens. Norman Davies bewertet die Annahme des römisch-katholischen Christentums als "das bedeutendste Ereignis der polnischen Geschichte".[8]

Tausendjahrfeier 1966[Bearbeiten]

Die polnische Kirche feierte 1966 das „Sacrum Poloniae Millenium“ (Heiliges Jahrtausend für Polen), die damalige Volksrepublik Polen feierte dagegen „Tysiąclecie Państwa Polskiego“ (1000 Jahre Polen).[5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Joseph Hergenröther, Joseph Kardinal Hergenröthers Handbuch der allgemeinen Kirchengeschichte, Band 2, 1913, „Die Christianisierung Polens“, Seite 288

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Jerzy Łojek: Kalendarz Historyczny. Warschau 1994, ISBN 83-7001-856-4, S. 12.
  2. Chronik des Thietmar von Merseburg
  3. a b c d e f Manfred Alexander: Kleine Geschichte Polens. Stuttgart 2008, ISBN 978-3-15-017060-1, S. 19–25.
  4. a b c Maria Bugucka: Dawan Polska. Warschau 1998, ISBN 83-85660-60-7, S. 30–32.
  5. a b Andrea Schmidt-Rösler: Polen. München/Regensburg 1996, ISBN 3-7917-1521-6, S. 15.
  6. Chronik des Thietmar von Merseburg
  7. Karl Völker: Kirchengeschichte Polens. Berlin/Leipzig 1930, S. 8.
  8. Norman Davies, Geschichte Polens, Beck-Verlag, München 2006, S. 163. ISBN 3-406-46709-1

Weblinks[Bearbeiten]