Christina O

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Christina O
Christina O.jpg
p1
Schiffsdaten
Flagge MaltaMalta (Handels- und Dienstflagge zur See) Malta
PanamaPanama Panama
KanadaKanada (Seekriegsflagge) Kanada
andere Schiffsnamen
  • Argo
  • Christina
  • HMCS Stormont (K327)
Schiffstyp Motoryacht
Rufzeichen 9HA2344
Heimathafen Valletta
Eigner The Christina Limited Partnership
Bauwerft Canadian Vickers
Baunummer 167
Kiellegung 23. Dezember 1942
Stapellauf 14. Juli 1943
Indienststellung 27. November 1943
Außerdienststellung 9. November 1945
Verbleib In Fahrt
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
99,15 m (Lüa)
86,867 m (Lpp)
Breite 11,125 m
Seitenhöhe 5,334 m
Tiefgang max. 4,27 m
Verdrängung 2.250 t
Vermessung 1802 BRZ / 540 NRZ
Maschine
Maschine 2 Dieselmotoren
Maschinen-
leistung
5.500 PS (4.045 kW)
Geschwindigkeit max. 16 kn (30 km/h)
Transportkapazitäten
Zugelassene Passagierzahl 36
Sonstiges
Klassifizierungen

American Bureau of Shipping

Registrier-
nummern

IMO-Nr. 8963818

Die Christina O ist eine Mega-Yacht, die für Aristoteles Onassis gebaut wurde; sie steht heute noch auf Platz 27 der Liste der längsten Motoryachten.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Yacht wurde 1942/43 bei der Werft Canadian Vickers als River-Klasse-Fregatte HMCS Stormont (K327) der kanadischen Marine gebaut und nahm auch an der Landung der Alliierten in der Normandie teil. 1948 wurde das Schiff von Aristoteles Onassis für nur 34.000 US-Dollar gekauft und bei den Howaldtswerken von Ende 1952 bis Mitte 1954 für mehrere Millionen US-Dollar[1] zur Privatyacht umgebaut.

Kapitän der Yacht war von 1953 bis 1960 der Hamburger Willy Schlatermund. Er drehte auch einen Film, in dem Maria Callas und Onassis auf dem Deck miteinander tanzen und in dem die Kabinen und Salons gezeigt werden.[2]

Zahlreiche Persönlichkeiten waren auf der Christina O zu Gast oder nahmen an deren Fahrten teil. Winston Churchill nahm insgesamt an acht Fahrten teil.[3] Auf einer dieser Fahrten traf er den noch jungen John F. Kennedy, auf einer anderen feierte er mit Clementine die Goldene Hochzeit.[4] Churchill empfing den jugoslawischen Präsidenten Tito[5] und den griechischen Ministerpräsidenten Konstantinos Karamanlis auf der Yacht.[6] Onassis machte sich nie die Prominenz oder Kontakte seines Freundes zunutze, er kümmerte sich auch persönlich um ihn.[7] Als die königliche Familie Englands auf einer Kreuzfahrt teilnehmen wollte, Churchill dies jedoch nicht wünschte, wurde diese ausgeladen.[8]

Jackie Kennedy wurde 1963 erstmals eingeladen, nachdem ihre Schwester Lee Radziwill sie Onassis vorgestellt hatte.[9] Auf der Yacht wurden auch die Hochzeitsfeierlichkeiten von Grace Kelly und Rainier III. (Monaco) abgehalten. Fast jede Kabine hat prominente Nutzer gehabt, darunter Maria Callas, Frank Sinatra, Richard Burton mit Elizabeth Taylor, Greta Garbo, John Wayne, König Faruk von Ägypten, Aga Khan, Marilyn Monroe, Eva Peron, John D. Rockefeller und J. Paul Getty.[10] Die Yacht wurde auch für geschäftliche Verhandlungen genutzt, so wurden hier wichtige Abschlüsse unterzeichnet, so mit J. Paul Getty.

Nach Onassis' Tod schenkte seine Erbin Christina Onassis die Yacht dem griechischen Staat, der sie in den 1980er-Jahren als Staatsyacht Argo einsetzte. 1990 entschied sich der Staat aus Kostengründen, sich von der Yacht zu trennen; es dauerte jedoch viele Jahre, bis der Staat einen Käufer fand, da der Kaufpreis zu hoch war und hohe Investitionen in die Substanz zu tätigen waren.

Refit[Bearbeiten]

Der Reeder Ioannis Pavlos Papanikolaou, der als Kind mit seinen Eltern auf der Christina O. zu Gast gewesen war, kaufte 1998 die Yacht, ließ sie bis 2003 restaurieren und zu einer Charteryacht umbauen. Die Arbeiten wurden durch die kroatische Werft Viktor Lenac ausgeführt. Entgegen den Erwartungen musste ein großer Teil des Rumpfs ausgetauscht werden. Ging das erste Bestandsgutachten noch von 65 Tonnen Stahl aus, die ersetzt werden müssten, waren es am Ende 650. Die Elektrik wurde komplett erneuert, die originalen Dampfmaschinen von 1943 durch zwei MAN Dieselmaschinen und drei MAN Generatoren ersetzt. Der Umtausch des Dampfantriebs zu einem Dieselantrieb ermöglichte den Bau zusätzlicher Kabinen sowie eines Speisesaals. Die Innenausstattung wurde um zahlreiche Memorabilia ergänzt, so etwa der Maria Callas-Raum durch die einzige goldene Schallplatte der Diva.

Seither wurde die Yacht für ca. 450.000 Euro pro Woche verchartert und unter anderem von Anna Nicole Smith, Paul McCartney, Puff Daddy, Donatella Versace, Tommy Hilfiger, Prinz Andrew mit Ex-Ehefrau Sarah Ferguson, Madonna, Johnny Depp und Tommy Lee (Mötley Crüe) genutzt.

Die Yacht steht derzeit für 25 Millionen Euro zum Verkauf.[11]

Gestaltung und Ausstattung[Bearbeiten]

Der Architekt Cäsar Pinnau wählte eine für diese Zeit typische Stromlinienform, der Bug wurde in Kanuform neu aufgebaut. Die Gesamtlänge beträgt seit diesem Umbau etwas über 99 Meter (325 yards, 6 inch). Das Kinderzimmer der Yacht wurde von Ludwig Bemelmans ausgestaltet und gemalt. Auf dem vorderen Bereich befindet sich ein Hubschrauberlandeplatz, im Bug ein Swimmingpool, dessen Becken mit einem minoischen Mosaik belegt ist. Dieser Boden lässt sich hydraulisch anheben, um als Tanzfläche zu dienen. Pat Nixon sagte über die Ausstattung der Yacht:

“Ari has more gold in his bathroom than most governments have in their national treasuries.”

„Ari hat mehr Gold in seinem Badezimmer als die meisten Regierungen in ihrem Staatsschatz.“

Pat Nixon: New York Magazine[12]

„Ari’s Bar“[Bearbeiten]

Ari's Bar ist der bekannteste Raum in der Yacht. Verwendet wurde beim Bau Holz aus einer ehemaligen spanischen Gallone. Die Barhocker waren mit dem Leder aus der Vorhaut von Walen (heute Rindsleder) bespannt, Fußtritte und Armstützen bestehen aus polierten Walzähnen. Diese Accessoires stammen von Onassis früheren Walfangaktivitäten. Ein Satz von Onassis über die Barhocker soll gewesen sein: „Excuse me, Madam, did you know you are sitting on the worlds largest …" Ausgestattet ist die Bar mit nautischen Sammlerstücken, wie Schiffsmodellen, Harpunen und Seekisten.

Die Yacht hat eine Reichweite von über 5000 Seemeilen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Luxury Yachts of the World 1/2008, hrsg. von Peter J. Bryant, European Seas Limited, Ringwood, Hampshire, UK, S. 354-359.
  • Horstman Ari's >>Christina<< ist jetzt Passagierschiff, Schiffahrt international, 10/2001, Schiffahrts-Verlag „Hansa“, Hamburg, S. 23.

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Anm. Die Umbaukosten differieren, je nach Quelle, zwischen vier und zehn Millionen US-Dollar
  2. http://www.welt.de/print-welt/article154900/Maria_Callas_ganz_privat.html
  3. Paul Addison: Churchill: the unexpected hero, S. 244
  4. Mary Soames: Winston and Clementine: The Personal Letters of the Churchills, S. XX
  5. Chris Wrigley: Winston Churchill: a biographical companion, S. 326
  6. Peter Alter: Winston Churchill (1874–1965): Leben und Überleben, S. 278
  7. Peter Alter: Winston Churchill (1874–1965): Leben und Überleben, S. 278
  8. Peter Alter: Winston Churchill (1874–1965): Leben und Überleben, S. 276
  9. Mike Donaldson, Scott Poynting: Ruling Class Men: Money, Sex, Power, S. 221
  10. Griechenland Zeitung vom 10. Juli 2013, S. 6: "Onassis-Jacht "Christina O" zu verkaufen"
  11. Griechenland Zeitung vom 10. Juli 2013, S. 6: "Onassis-Jacht "Christina O" zu verkaufen"
  12. New York Magazine 2. Dez. 1991, S. 130

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Christina O (ship, 1943) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien