Christine Keeler

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Christine Keeler während eines Fernsehauftritts 1988.

Christine Keeler (* 22. Februar 1942 in Uxbridge, Middlesex) ist ein ehemaliges britisches Model und Callgirl. Keeler unterhielt eine Affäre mit dem britischen Kriegsminister John Profumo und gleichzeitig eine Beziehung zum sowjetischen Marineattaché und GRU-Agenten Jewgenij Iwanow. Diese Dreiecksbeziehung wurde später als Profumo-Affäre bekannt und war 1963 einer der Gründe für den Fall der Regierung Harold Macmillans.

Leben[Bearbeiten]

1942 in Uxbridge, Middlesex, England geboren, wurde sie von ihrer Mutter und ihrem Stiefvater großgezogen. Sie wohnten damals in zwei umgebauten Eisenbahnwaggons in Wraysbury, Berkshire. Als Christine 15 wurde, fand sie Arbeit als Vorführmodel in einem Kleidungsgeschäft in London. Im Alter von siebzehn Jahren brachte sie am 17. April 1959 einen Jungen zur Welt. Dieser kam vorzeitig zur Welt und überlebte die Geburt nur um sechs Tage. Über den Vater des Kindes ist nur bekannt, dass es sich dabei um einen amerikanischen Feldwebel namens Jim handelt.

1959 kehrte sie Wraysbury den Rücken. Sie blieb eine kurze Zeit bei einer Freundin in Slough, bevor sie nach London ging. Dort arbeitete sie kurz als Bedienung in der Baker Street, wo sie schließlich Maureen O’Connor traf. Diese arbeitete in Murray’s Cabaret Club in Soho und stellte sie dem Clubbesitzer Percy Murray vor. Murray stellte sie praktisch auf der Stelle als Oben-ohne-Tänzerin an. Dort lernte sie den Arzt Stephen Ward kennen, und die beiden zogen zusammen. Nach Keelers Angaben handelte es sich bei dem Verhältnis um eine platonische Beziehung wie zwischen Bruder und Schwester, obwohl es nach außen aussah, als seien sie ein Paar.

Profumo-Affäre[Bearbeiten]

Im Juli 1961 stellte ihr Ward den damaligen britischen Kriegsminister John Profumo vor. Dies geschah anlässlich einer Gartenparty auf dem Landsitz von Lord Astor in Cliveden, Buckinghamshire. Profumo begann eine Affäre mit Keeler, ohne zu wissen, dass Keeler auch mit Jewgenij Iwanow ging. Dieser war Marineattaché an der Botschaft der Sowjetunion.

Die Liebesaffäre beendete Profumo auf Geheiß von Kabinettsminister Sir Norman Brook. Dieser hatte sich Profumo vorgenommen, nachdem ihn MI5-Direktor Sir Roger Hollis informiert hatte. Am 9. August 1961 informierte Profumo Christine Keeler brieflich darüber, dass sie sich nicht länger sehen könnten.

Beziehung zu Gordon und Edgecombe[Bearbeiten]

Unter Christine Keelers Liebhabern waren auch zwei Männer aus der Karibik, Aloysius ‚Lucky‘ Gordon und Johnny Edgecombe. Gordon war hingerissen von Keeler, die später behauptete, er habe sie auf der Straße entführt und zwei Tage festgehalten. Gordons Bruder überredete sie, die erstattete Anzeige zurückzunehmen.

Keeler wies Gordons Avancen schließlich zurück und kaufte einen Revolver, um sich vor ihm zu schützen, wobei Edgecombe als Vermittler diente. Am 27. Oktober 1962 gerieten Edgecombe und Gordon im Flamingo Club in Soho in ein Handgemenge, wobei Edgecombe Gordon mit einem Messer das Gesicht aufschlitzte. Die Wunde musste mit 17 Stichen genäht werden und Edgecombe tauchte unter. Aus Angst vor Gordon zog Keeler um. Edgecombe kontaktierte sie, weil er darauf hoffte, Keeler würde ihm helfen, einen Strafverteidiger zu finden. Keeler erklärte ihm allerdings, sie würde vor Gericht gegen ihn aussagen.

Am 14. Dezember 1962 erschien Edgecombe vor der Wohnung Wards in Wimple Mews, wo sich Keeler bei ihrer Freundin Mandy Rice-Davies aufhielt, die mit Stephen Ward zusammenlebte. Keeler weigerte sich, Edgecombe einzulassen, und dieser begann vor der Türe zu schießen. Als es kurz darauf vor Polizei und Reportern wimmelte, ergriff er die Flucht, wurde aber später in seiner Wohnung verhaftet.

Keeler saß daraufhin neun Monate wegen Meineids in einem Verfahren gegen Gordon in Haft. In der Zwischenzeit wurde Anklage gegen Stephen Ward wegen Zuhälterei erhoben, u. a. wegen der Aussagen von Christine Keeler und Mandy Rice-Davies. Ward vergiftete sich am letzten Tag des Verfahrens mit unbekannten Substanzen und erlangte zur Urteilsverkündung nicht wieder das Bewusstsein. Er starb an den Folgen.

Das Porträt[Bearbeiten]

Auf dem Höhepunkt der Profumo-Affäre 1963 stand Keeler dem Fotografen Lewis Morley Modell. Die Bilder der Fotosession, die einen dann jedoch nicht verbreiteten Film mit dem Namen The Keeler Affair promoten sollten, wurden weltbekannt. Keeler hatte sich ursprünglich vertraglich verpflichtet, für Nacktfotos zu posieren, um dem Film eine größere Publizität zu verschaffen, war davon inzwischen aber nicht mehr begeistert. Der Fotograf Morley überzeugte sie schließlich davon, rittlings auf einem Sperrholzstuhl Platz zu nehmen. So war sie zwar nackt und der Vertrag damit erfüllt, der größte Teil ihres Körpers wurde jedoch durch die Rückenlehne verdeckt.

Morley und Keeler waren schon bekannt, aber das Foto katapultierte den schon damals international anerkannten Designer Arne Jacobsen und den von ihm entworfenen Stuhl Modell 3107 zur Berühmtheit. Der tatsächlich verwendete Stuhl stammte jedoch nicht von Jacobsen, sondern war eine Kopie, die Morley zuvor billig erstanden hatte.[1]

Keeler in der populären Kultur[Bearbeiten]

Christine Keeler war mehrfach Gegenstand der populären Kultur. Im 1963 produzierten Film Ich, Christine Keeler übernahm Yvonne Buckingham ihre Rolle.

Im Jahr 1989 wurde der Film Scandal mit John Hurt, Ian McKellen und Bridget Fonda gedreht. Die Rolle von Keeler übernahm in diesem Film Joanne Whalley.

Sowohl Phil Ochs als auch die Glaxo Babies und die Skatalites haben Songs mit dem Titel Christine Keeler aufgenommen. Ihr Name wird auch in Piano Lessons von Porcupine Tree, in Street Songs von Hamish Imlach, in Post World War II Blues von Al Stewart, in Margootje von Wim Sonneveld und in Where Are They Now? von den Kinks genannt.

Sie selbst wirkte 1987 gemeinsam mit Mandy Smith im Video für Bryan Ferrys Single Kiss and Tell mit.

Literatur[Bearbeiten]

  • Christine Keeler und Robert Meadley: Sex Scandals. Xanadu Publications. 1985. ISBN 0-947761-03-9
  • Christine Keeler: Scandal. Xanadu Publications. 1989 ISBN 0-947761-75-6
  • Richard Basini und Christine Keeler: The Businessperson's Guide to Intelligent Social Drinking. Congdon & Weed. 1989. ISBN 0-312-92070-9
  • Christine Keeler, Ivanov Yevgeny und Sokolov Gennady: The Naked Spy. Blake Publishing. 1992. ISBN 1-85782-092-4
  • Christine Keeler mit Douglas Thompson: The Truth At Last: My Story. Sidgwick & Jackson Ltd. 2001. ISBN 0-283-07291-1
  • Tara Hanks: Wicked Baby. PADB. 2004 ISBN 1-904929-45-1
  • Paul Nicholas, Alex Holt, Gill Adams: Keeler. Stage Production. 2007
  • Christine Keeler mit Douglas Thompson: Secrets and Lies.[2] Blake Publishing 2012, ISBN 978-1843587552

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Victoria and Albert Museum: Christine Keeler photograph: a modern icon. Abgerufen am 13. August 2008.
  2. Nina Merli: «Jeder Mann, der sie traf, wollte sie haben». In: Tages-Anzeiger vom 22. Februar 2012