Christine Lieberknecht
Christine Lieberknecht (geborene Determann, * 7. Mai 1958 in Weimar) ist eine deutsche Politikerin (CDU) und seit dem 30. Oktober 2009 Ministerpräsidentin des Freistaates Thüringen. Zudem ist sie seit dem 25. Oktober 2009 Landesvorsitzende der CDU Thüringen.
Sie ist die erste Ministerpräsidentin der CDU, außerdem ist sie die erste Ministerpräsidentin in einem der neuen Bundesländer.
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Werdegang [Bearbeiten]
Jugend und Ausbildung [Bearbeiten]
Christine Lieberknecht wuchs als ältestes von vier Geschwistern im Pfarrhaus von Leutenthal auf, wo ihr Vater evangelisch-lutherischer Pfarrer war. Der Vater stieg später zum Superintendenten auf. Ihre Mutter war Krankenschwester. Lieberknecht war kein Mitglied der Pionierorganisation Ernst Thälmann und nahm nicht an der Jugendweihe teil, trat aber später der FDJ bei.
Nach dem Abitur 1976 an der Erweiterte Oberschule „Geschwister Scholl“ in Bad Berka studierte sie Evangelische Theologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und war gesellschaftlich als ehrenamtliche FDJ-Sekretärin der Theologiestudent(inn)en tätig. Sie legte 1982 das erste theologische Examen ab, trat 1982 ihr Vikariat in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen an und absolvierte 1984 das zweite theologische Examen. Anschließend war sie bis 1990 als Pastorin für die nördlich von Weimar gelegenen Dörfer Ottmannshausen, Hottelstedt und Stedten am Ettersberg zuständig.
Frühe politische Arbeit [Bearbeiten]
Lieberknecht trat 1981 in die CDU der DDR ein und arbeitete in ihr nach den Regeln des Demokratischen Blocks mit. Während ihrer Zeit als Pastorin im Kirchenkreis Weimar von 1984 bis 1990 beteiligte sie sich an Veranstaltungen und Aktionen der Christlichen Friedenskonferenz (CFK).
Sie gehörte zu den vier Unterzeichnern des „Briefes aus Weimar“ vom 10. September 1989, der sich an den Parteivorstand sowie an alle Bezirks- und Kreisvorstände der CDU der DDR richtete und in welchem die Aufkündigung des Bündnisses mit der SED gefordert wurde. Im Spätherbst 1989 wurde sie in den Parteivorstand der CDU unter dem späteren ersten demokratisch gewählten Ministerpräsidenten der DDR, Lothar de Maizière, gewählt. In der Wendezeit wurde sie Gründungsmitglied der ersten Gruppe der Jungen Europäischen Föderalisten in der DDR. Von Mai bis August 1990 arbeitete Lieberknecht im "Politisch-Beratenden Ausschuss" zur Vorbereitung des Landes Thüringen mit.
Ministerin in der Thüringer Landesregierung [Bearbeiten]
Nach der Wende und noch vor der Wiederherstellung des Landes Thüringen mit dem Ländereinführungsgesetz, wurde Christine Lieberknecht am 20. Januar 1990 zur stellvertretenden Landesvorsitzenden der CDU Thüringen gewählt. Nach dem CDU-Sieg bei der ersten freien Landtagswahl in Thüringen im selben Jahr wurde Lieberknecht zur Kultusministerin der neu gebildeten CDU/FDP-Landesregierung ernannt. Dabei war sie mit einer ihrer ersten Aufgaben für die Umgestaltung des Bildungssystems verantwortlich. In Thüringen wurde ein in Deutschland neues zweigliedriges System mit Gymnasium und Regelschule eingeführt. Thüringen hielt am zentralen Abitur nach 12 Schuljahren fest.
Seit dem 19. März 1991 gehörte Lieberknecht schließlich auch dem Thüringer Landtag an. Sie rückte für Michael Krapp nach, der zum Staatssekretär als Chef der Thüringer Staatskanzlei ernannt wurde und deshalb sein Mandat niederlegte. Als gegen Ministerpräsident Josef Duchač Vorwürfe laut wurden, er habe während der Zeit der DDR für das Ministerium für Staatssicherheit gearbeitet, trat Lieberknecht aus Protest von ihrem Ministeramt zurück und löste so Duchačs Rücktritt am 23. Januar 1992 aus.[1] Am 20. Juni 1992 gab Lieberknecht auch den stellvertretenden CDU-Landesvorsitz ab. Seither war sie, zum Teil kooptiertes, Mitglied im CDU-Landesvorstand. Seit dem 25. Oktober 2009 ist sie Landesvorsitzende der CDU Thüringen.
Von 1992 bis 1994 war Lieberknecht unter dem neuen Ministerpräsidenten Bernhard Vogel Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten. In der Legislaturperiode von 1990 bis 1994 war Lieberknecht das einzige weibliche Mitglied im Kabinett. Nach der Landtagswahl in Thüringen 1994 bildete Vogel eine Große Koalition aus CDU und SPD und ernannte sie zur Ministerin für Bundesangelegenheiten in der Staatskanzlei. Dieses Amt hatte sie bis 1999 inne.
Landtagspräsidentin und CDU-Fraktionsvorsitzende [Bearbeiten]
Bei der Landtagswahl 1999 erreichte die CDU unter Vogel die Absolute Mehrheit. Dem Kabinett gehörte Lieberknecht allerdings nicht mehr an. Während der 3. Legislaturperiode fungierte sie als Präsidentin des Thüringer Landtags und erwarb sich dabei großen Respekt seitens der Oppositionsparteien SPD und PDS. In ihrer Funktion vereidigte sie 2003 nach dem Rücktritt von Bernhard Vogel auch dessen Nachfolger Dieter Althaus im Amt des Ministerpräsidenten. Nach der Landtagswahl 2004 trat Lieberknecht die Nachfolge des bisherigen CDU-Fraktionschefs Frank-Michael Pietzsch an, der zum neuen Präsidenten des Landtages gewählt wurde und damit wiederum Lieberknechts Nachfolge antrat.
Am 8. Mai 2008 wurde sie als Ministerin für Soziales, Familie und Gesundheit im Kabinett von Dieter Althaus vereidigt, wobei sie Klaus Zeh nachfolgte. Ihr Nachfolger als CDU-Fraktionsvorsitzender wurde Mike Mohring.
Landesvorsitzende und Ministerpräsidentin [Bearbeiten]
Nach dem Verlust der absoluten CDU-Mehrheit im Landtag bei der Landtagswahl in Thüringen 2009 trat Dieter Althaus als Ministerpräsident und CDU-Landesvorsitzender zurück. Infolge der Neuformierung der CDU nominierte das Präsidium der Landespartei am 8. September 2009 auf Empfehlung von Finanzministerin Birgit Diezel Christine Lieberknecht einstimmig zur Kandidatin für das Ministerpräsidentenamt im Falle einer möglichen Koalition aus CDU und SPD.[2] Diezel selbst verzichtete zugunsten Lieberknechts auch auf jegliche Ansprüche auf den CDU-Landesvorsitz. Am 29. September 2009 entschied die Thüringer SPD, Verhandlungen mit der CDU über die Bildung einer Großen Koalition aufzunehmen, und wandte sich gegen eine ebenfalls mögliche Regierungskoalition mit Linken und Grünen. Eine Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht werde von den Sozialdemokraten wegen ihrer ausgleichenden Art voll akzeptiert.[3]
Am 25. Oktober 2009 wurde Lieberknecht auf einem Parteitag der CDU mit 83,3 Prozent zur neuen Landesvorsitzenden gewählt. Am selben Tag stimmten sowohl CDU als auch SPD dem zwischen beiden Parteien ausgehandelten Koalitionsvertrag mit großen Mehrheiten zu.[4]
Am 30. Oktober 2009 stellte sich Lieberknecht schließlich im Thüringer Landtag zur Wahl der Ministerpräsidentin und fiel im ersten und zweiten Wahlgang überraschend durch. Sie verpasste die notwendige absolute Mehrheit von 45 Stimmen jeweils um eine Stimme.[5] Für den dritten Wahlgang, in dem die einfache Mehrheit zur Wahl reichte, kandidierte auch der Spitzenkandidat der Linken bei der Landtagswahl 2009, Bodo Ramelow. In diesem Wahlgang erhielt Lieberknecht 55 Stimmen und wurde damit zur Ministerpräsidentin gewählt.[6] Nach Heide Simonis war sie bundesweit die zweite Frau und des Weiteren die erste CDU-Politikerin, die in das Ministerpräsidentenamt gewählt wurde.
Am 4. November 2009 wurden die Minister des Kabinetts Lieberknecht ernannt und vereidigt.
Ein Jahr nach ihrer Wahl zur Ministerpräsidentin wurde Lieberknecht am 13. November 2010 auf dem CDU-Landesparteitag in Sömmerda mit 79,6 Prozent als Landesvorsitzende im Amt bestätigt.[7]. Am 10. November 2012 erhielt Lieberknecht auf dem Parteitag der CDU in Seebach mit 75,8 Prozent etwas weniger Zustimmung, wurde damit dennoch als Landesvorsitzende wiedergewählt.[8].
Weitere Funktionen [Bearbeiten]
Christine Lieberknecht ist u. a.
- Stellv. Bundesvorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises (EAK) der CDU/CSU,
- Vorsitzende des Kuratoriums Deutsche Einheit e. V.,
- Vorstandsmitglied im Verein zur Förderung der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland e. V. - KiBa,
- Präsidentin des Landesverbandes Thüringen im Verband Deutscher Gebirgs- und Wandervereine e.V.,
- Mitglied im Kuratorium der EKD zur Vorbereitung des Reformationsjubiläums 2017.
- Mitglied im Kuratorium des evangelikalen Vereins ProChrist e.V.[9]
Familie [Bearbeiten]
Christine Lieberknecht lebt mit ihrem Ehemann, Pfarrer Martin Lieberknecht, in Ramsla bei Weimar. Sie hat zwei Kinder sowie vier Enkel.
Auszeichnungen [Bearbeiten]
- 2006: Faustorden des Handwerker Carnevalsverein Weimar
Siehe auch [Bearbeiten]
Literatur [Bearbeiten]
- Reinhold Andert: Unsere Besten. Die VIPs der Wendezeit, Berlin 1993, ISBN 3-88520-464-9
- Gunnar Hinck: Eliten in Ostdeutschland. Warum den Managern der Aufbruch nicht gelingt, Berlin 2007, ISBN 978-3-86153-426-6
- Manfred Agethen, Helmut Müller-Enbergs: Lieberknecht, Christine. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 1. Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.
Weblinks [Bearbeiten]
- Literatur von und über Christine Lieberknecht im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Abgeordnetenseite beim Thüringer Landtag
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ mdr.de: Porträt Christine Lieberknechts
- ↑ Rückkehr von Althaus forciert CDU-Votum für Lieberknecht, Reuters, 8. September 2009
- ↑ http://www.tlz.de/tlz/tlz.politik.volltext.nachrichten.php?zulieferer=afp&redaktion=afp&dateiname=Z779A18061366.csv&kategorie=&catchline=%2Fjournal%2Ftopthemen&other=&dbserver=1
- ↑ http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/4/0,3672,7918884,00.html
- ↑ http://www.focus.de/politik/deutschland/wahlen-2009/landtagswahl-thueringen/thueringen-lieberknecht-faellt-bei-ministerpraesidentenwahl-durch_aid_449460.html
- ↑ http://www.welt.de/politik/article5025620/Lieberknecht-faellt-durch-Linker-Ramelow-tritt-an.html
- ↑ Frankfurter Rundschau: CDU-Landesparteitage: Müller und Lieberknecht im Amt bestätigt
- ↑ In Südthüringen: Lieberknecht als Thüringer CDU-Vorsitzende wiedergewählt
- ↑ Kuratorium von ProChrist e.V., abgerufen am 14. März 2013.
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| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Lieberknecht, Christine |
| ALTERNATIVNAMEN | Determann, Christine (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Politikerin (CDU), MdL, Landesministerin in Thüringen |
| GEBURTSDATUM | 7. Mai 1958 |
| GEBURTSORT | Weimar |