Christliche Mitte

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Christliche Mitte
RTEmagicC cmitte.jpg.jpg
Partei­vorsitzende Adelgunde Mertensacker
Stell­vertretende Vorsitzende Josef Happel
Bundes­schatz­meister Karlheinz Schmidt
Gründung 27. August 1988
Gründungs­ort Köln
Haupt­sitz Lippstädter Str. 42
59329 Liesborn
Mitglieder­zahl 4700[1]
Website www.christliche-mitte.de

Die Christliche Mitte – für ein Deutschland nach Gottes Geboten (Kurzbezeichnung: CM) ist eine national-konservative Kleinpartei, die nach ihrem Selbstverständnis christliche Werte vertritt.

Inhaltsverzeichnis

Inhaltliches Profil und Parteiprogramm[Bearbeiten]

Die christlich-fundamentalistische Partei fordert eine Ausrichtung aller gesellschaftlichen Bereiche „unter dem christlichen Sittengesetz nach Gottes Geboten“. Die Partei stellt sich als überkonfessionell dar, hat aber katholische Bezüge insbesondere in ihren Publikationen[2], so unterstützt sie beispielsweise die Abhaltung von Messfeiern nach dem klassischen Tridentinischen Ritus (CM-Kurier 3/2009).

Im Oktober 2005 verabschiedete die Partei auf ihrem ordentlichen Bundesparteitag in Fulda ein überarbeitetes Grundsatzprogramm, das sich nach ihrem eigenen Verständnis auf die wesentlichen Punkte einer christlichen und sozialen Politik konzentriert. Insbesondere nehmen die Zehn Gebote eine besondere Stellung ein, die „gottgewolltes Naturrecht und christliches Sittengesetz“ seien. „Christliche Ehe“ und Familie seien „wichtigste Lebens- und Erziehungsgemeinschaft im Staat“. „Ungeordnete Sexualität“ und Homosexualität werden dagegen verurteilt und abgelehnt. Eine „Wiederherstellung der christlichen Gesinnung“ wird angestrebt.

Aus Angst vor einer „Islamisierung Europas“ werden interreligiöser Unterricht oder Islamunterricht abgelehnt. Stattdessen sollen Muslime, „die freiwillig in ihre Heimat zurückkehren wollen, unterstützt“ werden. Grundsätzlich unterstellt die CM Muslimen, ihren Glauben entweder über im Koran angeblich gebotene Verschleierung ihrer Absichten oder mittels Gewalt bzw. Terror verbreiten zu wollen.[3] Weiterhin spricht sich die CM eindeutig für die Judenmission aus.[4] Die Vorsitzende Mertensacker prangert ferner eine angebliche „andauernde Christenverfolgung in Israel“ an (CM-Kurier 9/2012) und schreibt von „täglichen Angriffen von Juden auf Christen“. Frauen sollen zur „bewussten Gestaltung ihres Lebens als Frau und Mutter“ ermutigt werden. Weitere Ziele der Partei sind unter anderem die strafrechtliche Verfolgung von Schwangerschaftsabbrüchen als „kriminelle Tat“, der „Schutz der Jugendlichen vor kommerzieller und sexueller Ausbeutung sowie sittlicher und gesundheitlicher Gefährdung“, das Verbot von Pornographie und der „Strafrechtsschutz vor der Homosexualität“. Ebenso wird ein Verbot des Sexualkundeunterrichts sowie das „Elternrecht, Kinder selbst zu unterrichten“ befürwortet und sich gegen „antidemokratische Maßnahmen zur Esoterik, zur Verführung durch falsche Lehren, Ideologien und Manipulation“ sowie „Gotteslästerung“ ausgesprochen.[5] Auch nationalistische Tendenzen sind erkennbar, z. B. sprach die CM im Zusammenhang mit der Wehrmachtsausstellung über die Verbrechen der Wehrmacht im Osten von einer „Schandausstellung“ und „Fälschungen“ und forderte zur Strafanzeige auf.[6]

Struktur und politische Betätigung[Bearbeiten]

Parteivorsitzende ist Adelgunde Mertensacker aus Liesborn, die von 1986 bis 1987 bereits Bundesvorsitzende der Zentrumspartei war. Zusammen mit dem katholischen Priester Winfried Pietrek aus Lippstadt, der Präses der CM-Jugendorganisation Junge Mitte ist, veröffentlicht sie seit den 1970er Jahren vor allem antiislamische Schriften und Flugblätter. Auch im Internet verbreiten Sympathisanten und Mitglieder der Partei antiislamische Schriften. Die monatlich erscheinende Zeitung der Partei, der „KURIER der Christlichen Mitte“, hat eigenen Angaben zufolge 19.000 Abonnenten. Landesverbände der Partei existieren in Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hamburg, Hessen und Niedersachsen.[7]

Geschichte[Bearbeiten]

Entstehung[Bearbeiten]

Die CM wurde am 27. August 1988 gegründet. Sie war eine Abspaltung der Deutschen Zentrumspartei. Der Name „Christliche Mitte“ wurde gewählt, weil sich die CM als Nachfolgerin der Zentrumspartei betrachtet und diese sich nach ihrem im Grundsatzprogramm zum Ausdruck kommenden Selbstverständnis ausdrücklich als „die Partei der christlichen Mitte“ bezeichnete.

Die Gründerin der CM, Adelgunde Mertensacker, war zuvor ein Jahr lang Vorsitzende der Deutschen Zentrumspartei. Nachdem sie 1987 nach starken Auseinandersetzungen als Parteivorsitzende abgewählt worden war, gründete Mertensacker mit ihren Anhängern – darunter die meisten Lebensrechtler und die „katholische Fraktion“ des damaligen Zentrums – die CM. Der größte Teil der abgewählten Führungsriege des Zentrums um Günter Stiff und Felizitas Küble[8] hingegen gründete 1988 die Partei Demokratie 2000 – Allianz für Freiheit und Grundgesetz. Dieser schlossen sich dann auch etliche Mitglieder der Christlichen Mitte an, nachdem deutlich geworden war, dass Mertensacker niemanden neben sich bestehen lassen würde, und sich überdies herausgestellt hatte, dass die CM-Vorsitzende tatsächlich keine politische Partei, sondern eher eine religiöse Gruppe aufbauen wollte.[9]

Wahlergebnisse[Bearbeiten]

Bei Wahlen konnte sie bisher keine Erfolge erzielen. Soweit bekannt, verfügte sie auch auf kommunaler Ebene nie über Mandate. Den geringen Zuspruch bei Wählern erklärt die Partei mit dem Sittenverfall in Europa und damit, dass ihr Programm sehr anspruchsvoll sei.

Bundestagswahlen[Bearbeiten]

Bundestagswahlergebnisse[10]
Jahr Stimmenanzahl Stimmenanteil
1990 36.446 0,08 %
1994 19.887 0,04 %
1998 23.619 0,05 %
2002 15.440 0,03 %
2005* n.a. n.a.
2009 6.826 0,02 %

*) nur Direktkandidaten (1.011 Stimmen; 0,0 %)

Europawahlen[Bearbeiten]

Europawahlergebnisse[11]
Jahr Stimmenanzahl Stimmenanteil
1989 43.580 0,2 %
1994 66.766 0,2 %
1999 30.746 0,1 %
2004 46.037 0,2 %
2009 39.953 0,2 %

Landtagswahlen[Bearbeiten]

Wahljahr Baden-Württemberg Hamburg Saarland
1991   0,1 %  
1992 0,0 %    
1996 0,0 %    
1999     0,1 %
2001 0,1 %    

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas Schirrmacher: Feindbild Islam - Am Beispiel der Partei „Christliche Mitte“. Verlag für Theologie und Religionswissenschaft, 2003, ISBN 3-933372-58-5.
  • Kai Oliver Thielking: Zwischen Bibel und Grundgesetz – Christliche Kleinparteien in der Bundesrepublik Deutschland. Tectum Verlag, 1999, ISBN 3-8288-8007-X.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ausschusssitzung des Bundeswahlausschusses 2009 am 17. Juli abgerufen am 28. Juli 2009
  2. Benjamin Höhne, Universität Trier auf der Internetseite der Bundeszentrale für politische Bildung
  3. Kurier der CM 5/2009; 10/2010
  4. Kurier d. CM 7/09; 1/12
  5. Grundsatzprogramm der CM
  6. Die Partei „Christliche Mitte“, www.religion-online.info
  7. http://www.bundeswahlleiter.de/de/parteien/downloads/parteien/CHRISTLICHE_MITTE.pdf
  8. Vgl. zu Felizitas Küble Kathpedia: Felizitas Küble
  9. REMID-Dokumentation, Punkt B (Entstehungshintergrund der CM) http://www.remid.de/remid_publikationen_partei.htm
  10. Ergebnisse der Bundestagswahlen
  11. Ergebnisse der Europawahlen