Christliche Werte

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.
Anleitung: Neutraler Standpunkt Die Neutralität dieses Artikels oder Abschnitts ist umstritten. Eine Begründung steht auf der Diskussionsseite. Weitere Informationen erhältst du hier.
Allegorie der Tugend von Raffael in der Stanza della Segnatura des Vatikan

Christliche Werte wird als Begriff auf Wertvorstellungen angewendet, denen ein Bezug zum Christentum unterstellt werden soll. Dies kann im Rahmen der theologischen Ethik zu begründen versucht werden (damit ist auch die Forderung verbunden, dass der christliche Glaube die Grundlage für soziales Handeln und soziale Normen bilden sollte), aber es wird auch in der politischen Rhetorik als Schlagwort gebraucht, oftmals ohne tiefergehende theologische Analyse. Wie auch im Christentum selbst unterschiedliche theologische, ethische und exegetische Schwerpunktsetzungen vorhanden sind, so gibt es auch unterschiedliche ethische, moralische und religiöse Aspekte eines im christlichen Glauben verankerten oder in diesen integrierbaren Werteverständnisses. Darüber hinaus unterliegen auch die Werte der Kirchen selbst dem Wertewandel. Ein allgemein akzeptiertes, in heutiger Terminologie genau konkretisiertes Verzeichnis christlicher Werte ist daher kaum realisierbar.

Biblische Wertvorstellungen und Normen[Bearbeiten]

Mose mit den Zehn Geboten, Rembrandt, 1659

Maßgebliche Grundlage für die theologische Ethik ist der Text der Bibel, insbesondere das Neue Testament. Im Zusammenhang mit „christlichen Werten“ werden insbesondere die folgenden biblischen Gebote und Textstellen genannt:

Gegenstand der theologischen Ethik ist es, im Rahmen der biblischen Exegese aus dem Bibeltext Wertvorstellungen abzuleiten bzw. bestimmte Wertvorstellungen anhand des Bibeltextes zu begründen. Manche christliche Fundamentalisten und Evangelikale halten diesen Schritt für evident und beanspruchen für sich sogenannte Bibeltreue. Die Bibel sei als Anleitung für moralisches Handeln wörtlich zu nehmen, christliche Werte seien biblische Werte. Andere betrachten Jesus als persönliches Vorbild und fragen sich bei ethischen Konflikten „Was würde Jesus tun?“ Dazwischen gibt es eine Vielzahl unterschiedlichster Interpretationen, welche Werte sich aus dem christlichen Glauben ergeben.

Beispielsweise werden mit dem fünften Gebot (Du sollst nicht morden) unterschiedlichste Wertvorstellungen begründet, vom Pazifismus bis zum Lebensrecht oder dem Verbot der Todesstrafe. Inwiefern es sich dabei um allgemein verbindliche christliche Werte handelt, oder ob Ausnahmen zulässig sind, ist Gegenstand zahlreicher Wertediskussionen.

Verzeichnisse christlicher Werte[Bearbeiten]

Julius Schnorr von Carolsfeld: Glaube, Liebe, Hoffnung

Christliche Werte im Sinne eines Verzeichnisses von moralischen und religiösen Vorschriften existieren etwa in Form der Katechismen der christlichen Kirchen.

Häufig genannte und als christliche Werte bezeichnete Tugendbegriffe sind etwa:

Gottesbezug[Bearbeiten]

Kruzifix im Ratssaal der Stadt Biberach an der Riß

In zahlreichen Diskussionen über die Bedeutung des Christentums für Staat und Gesellschaft wird mit dem Schlagwort christliche Werte ein Gottesbezug gefordert. In diesem Sinne ist der wichtigste christliche Wert der Glaube, von dem aus alle weiteren Werte abgeleitet werden.

Mit der Begründung ihres Menschenbildes im Gottesglauben unterscheidet sich das christliche Wertesystem wesentlich von anderen Wertesystemen. So steht etwa bei Humanismus und Buddhismus der einzelne leidensfähige und mitfühlende Mensch im Zentrum des Wertesystems, der zur Autonomie befähigt ist. Diözesanbischof Dr. Kurt Krenn: „Die sogenannten autonomen Werte, die wir aus unserem Menschsein deduzieren, sind keine christlichen Werte.“[1]

Aus dem christlichen Menschenbild ergibt sich die politische Forderung, den Glauben an Gott und Christus auch in Gesetzen als zentralen Wert der Gesellschaftsordnung zu verankern. So bewertete Papst Benedikt XVI. etwa den fehlenden Gottesbezug in der EU-Verfassung als „einmalige Form der Apostasie“, Europa scheine „mehr und mehr die Existenz universeller und absoluter Werte in Frage zu stellen“,[2] doch „Christliche Werte sind grundlegend für das Überleben unserer Nationen und Gesellschaften“.[3] Aber auch bei den Diskussionen um Schulgebet, Kruzifix-Beschluss und Religionsunterricht wird das Schlagwort christliche Werte in diesem Sinne verwendet, oder wenn die Bundeskanzlerin Angela Merkel betont, ihre Partei werde „keinen Gedanken daran verschwenden, das C aus unserem Namen zu streichen.“[4]

Die Gegenposition findet sich in den Werten der Aufklärung, die eine Trennung von Religion und Staat anstreben, und den Werten des Liberalismus, insbesondere der Religionsfreiheit, wobei die Trennung von Staat und Kirche und das Prinzip der Glaubensfreiheit auch schon zu den Grundforderungen der reformatorischen Täuferbewegung zählte und auch heute noch konstituierendes Prinzip vieler evangelischer Freikirchen wie der Mennoniten und Baptisten ist.

Christdemokratie[Bearbeiten]

Gedenkmünze: Ludwig Erhard Die Soziale Marktwirtschaft

Die deutsche Christdemokratie vereint christliche, wertkonservative und liberale Wertvorstellungen. So beziehen sich CDU und CSU auf ein „christliches Menschenbild“ als Orientierungsmaßstab.[5] Christliche Werte beinhalten für die CDU die Wertschätzung der Familie als Grundlage der Gesellschaft sowie die soziale Verantwortung des Einzelnen für die Gesellschaft (christliche Soziallehre), die sich wirtschaftspolitisch im Modell der Sozialen Marktwirtschaft manifestiert.

In einem Diskussionspapier[6] gibt die CDU-Wertekommission eine ausführliche religiöse Begründung ihres christlichen Menschenbildes, die eine Verbindung zwischen den liberalen Menschenrechten und dem christlichen Glauben herstellt.

Manche Christdemokraten verknüpfen mit christlichen Werten "ein klares Bekenntnis zum Vorrang des privaten Unternehmertums vor der Übernahme von Aufgaben durch die Stadt" (bzw. den Staat).[7] Diese Haltung kommt auch im Diskussionspapier der Wertekommission der CDU zum Ausdruck: "in erster Linie sind es in einer Sozialen Marktwirtschaft die Unternehmer, die die neuen Arbeitsplätze schaffen. [...] Von staatlicher Seite sollte die Regulierungsdichte abgebaut, Überregulierung vermieden werden."[8]

Häufig werden christliche Werte von der CDU in Verbindung zum Abendland gesetzt. Dies geschieht meist in einem Kontext der Abgrenzung, entweder von kommunistischen Wertvorstellungen (als zum Zeitpunkt des Kalten Kriegs Osteuropa kommunistisch dominiert war) oder in jüngerer Zeit von „islamischen Wertvorstellungen“ des Morgenlands.

Familienwerte[Bearbeiten]

W.H. Shumard family, circa 1955.jpg

In manchen Diskussionen steht das politische Schlagwort christliche Werte weniger für spezifisch christliche Glaubensinhalte, sondern allgemeiner für konservative Wertvorstellungen, insbesondere für ein traditionelles Verständnis von Familie und Geschlechterrollen. In den USA ist dafür der Begriff „Familienwerte“ (engl. family values) gebräuchlich, der fast deckungsgleich mit christlichen Werten verwendet wird.

In diesem Sinne kann sich etwa der Muslim Bülent Arslan mit den christlichen Werten seiner Partei einverstanden erklären: „Und wenn man sich die Werte ansieht, die im CDU-Grundsatzprogramm enthalten sind, dann sind das alles Werte, die man als aufgeklärter Muslim auch im Islam wieder finden kann: Gerechtigkeit, Freiheit, die Bedeutung der Familie beispielsweise, …“[9]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Diözesanbischof Dr. Kurt Krenn: Der Liberalismus ist das politische Übel unserer Zeit in: Michaela Schlögl (Hg.) Woran glaubt, wer glaubt? 16 Gespräche über Gott und die Welt, Wien 1999,S. 117–129, Paul Zsolnay Verlag, ISBN 3-552-04937-1 (online)
  2. Süddeutsche Zeitung, 24. März 2007, Papst: EU vergisst christliche Wurzeln
  3. Die Welt, 13. September 2008 Papst stellt sich hinter Sarkozys „positiven Laizismus“
  4. Artikel in der Hamburger Morgenpost von 11. Juni 2005
  5. Grundsatzprogramm der CDU http://www.grundsatzprogramm.cdu.de/
  6. Wertekommission der CDU Deutschlands: Christliche Werte – Die neue Aktualität des christlichen Menschenbildes. 11. Dezember 2001 (PDF)
  7. So der CDU-Vorsitzender von Mainz-Neustadt, Karsten Lange, zitiert nach "Abendländisches Menschenbild: Chef der Neustadt-CDU Lange fordert ein stärkeres konservatives Profil" in Mainzer Rhein-Zeitung von 12. Januar 2009, S. 16.
  8. Christliche Werte:Die neue Aktualität des christlichen Menschenbildes (PDF-Datei; 162 kB), S. 15.
  9. Interview mit Bülent Arslan in Quantara, am 20. Oktober 2004

Siehe auch[Bearbeiten]

Kulturkampf Leitkultur Mission

Literatur[Bearbeiten]

Zur systematischen und historischen allgemeinen Axiologie und Tugendsystematik, sowie zu den sog. christlichen Tugenden siehe dort.
Vgl. auch die allgemeine Literatur zur theologischen Ethik.
  • Concilium. Internationale Zeitschrift für Theologie, Jg. 23 (1987), ISSN 0588-9804, Heft 3: Werte und Tugenden im Wandel.
  • Georg Fohrer, Ernst Ludwig Dietrich, Werner Georg Kümmel, Wolfgang Trillhaas: Artikel Sittlichkeit, III.-VI. In: Religion in Geschichte und Gegenwart, Bd. 6. 3. A., S. 66–92 (Überblicke zu alttestamentlichen, jüdischen, neutestamentlichen und christlichen sittlichen Auffassungen im historischen Wandel).
  • Franz Furger: Christliche Sozialethik in pluraler Gesellschaft (Schriften des Instituts für christliche Sozialwissenschaften; Bd. 38). LIT Verlag, Münster 1997, ISBN 3-8258-3527-8, S. 165ff.
  • Eberhard Jüngel: Wertlose Wahrheit. Christliche Wahrheitserfahrung im Streit gegen die „Tyrannei der Werte“. In: Ders.: Wertlose Wahrheit. Zur Identität und Relevanz des christlichen Glaubens (Theologische Erörterungen; Bd. 3). Chr. Kaiser, München 1990, ISBN 3-459-01866-6, S. 90–109.
  • Wolfgang Kluxen: Christliche Werte in einer pluralistischen Gesellschaft. In: Hermann Flothkötter, Bernhard Nacke (Hrsg.): Zeichen der Zeit (Wissenschaftliche Orientierungslinien und christlicher Glaube in heutiger Zeit; Bd. 3). Verlag Regensberg, Münster 1990, ISBN 3-7923-0594-1, S. 153–166.
  • Christof Mandry, Dietmar Mieth: Europa als Wertegemeinschaft. In: Walter Fürst, Joachim Drumm, Wolfgang M. Schröder (Hrsg.): Ideen für Europa. Christliche Perspektiven der Europapolitik. Lit Verlag, Münster 2004, ISBN 3-8258-7609-8, S. 121–145.
  • Michael Mertes: Haben christliche Werte in Deutschland noch eine Zukunft? In: Zeitschrift für Betriebswirtschaft, Jg. 76 (2006), Heft 1, S. 21–32 ISSN 0044-2372 (Bericht demoskopischer Befunde und Erklärung des zugrundegelegten Begriffs von „Werten“).
  • G. R. Schmidt: Was sind „christliche Werte“? In: Reinhold Mokrosch (Hrsg.): Christliche Werterziehung angesichts des Wertwandels. Symposion des Fachgebietes Evangelische Theologie. Universität, Osnabrück 1987, ISBN 3-923486-05-6 (formal falsche ISBN), S. 75–106.
  • Christoph Stückelberger, Frank Mathwig: Grundwerte. Eine theologisch-ethische Orientierung. TVZ, Zürich 2007, ISBN 978-3-290-17378-4.
  • Folke Werner: Vom Wert der Werte. Die Tauglichkeit des Wertbegriffs als Orientierung gebende Kategorie menschlicher Lebensführung; eine Studie aus evangelischer Perspektive (Entwürfe zur christlichen Gesellschaftswissenschaft; Bd. 13). Lit Verlag, Münster 2002, ISBN 3-8258-5594-5 (zugl. Dissertation, Universität Münster 2001).