Christo und Jeanne-Claude

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Künstlerpaar. Für weitere Bedeutungen siehe Christo (Begriffsklärung).
Christo und Jeanne-Claude bei der Verleihung des Ellis Island Family Heritage Awards

Christo (* 13. Juni 1935 in Gabrowo, Bulgarien, als bulgarisch Христо Владимиров Явашев, Transkriptionen: deutsch Christo Wladimirow Jawaschew, englisch Christo Vladimirov Javacheff) und Jeanne-Claude (* 13. Juni 1935 in Casablanca, Französisch-Marokko, als Jeanne-Claude Denat de Guillebon; † 18. November 2009 in New York City)[1] waren ein Künstlerehepaar.

Christo wurde bekannt, nachdem er sich dem „Nouveau Réalisme“ (französische Künstlerbewegung) angeschlossen hatte, obwohl er nie offizielles Mitglied der Gruppe war. Wie bei den meisten Protagonisten der aus dem Nouveau Réalisme hervorgegangenen, soziologisch inspirierten Kunstauffassung, entwickelte sich seine Kunst ursprünglich aus der Assemblage (siehe auch: Objektkunst). Später realisierte Christo zusammen mit seiner Frau Jeanne-Claude Verhüllungsaktionen an Gebäuden und Großprojekte in Landschaftsräumen, Industrieobjekten oder bekannten Bauwerken. Dabei wird er als der Künstler beschrieben, sie als die Organisatorin.[2] In Deutschland wurden sie insbesondere durch die Verhüllung des Berliner Reichstags im Jahre 1995 populär.

Christo[Bearbeiten]

Christo wurde am 13. Juni 1935 als Christo Wladimirow Jawaschew in Gabrowo (Bulgarien) geboren. Er ist der Enkel des Pädagogen, Botanikers und Archäologen Anani Jawaschow und jüngerer Bruder des Schauspielers Anani Jawaschew. Mit sechs Jahren erhielt Christo seine ersten Zeichen- und Malstunden. Häufig besuchten Künstler der Akademie die Jawaschews und unterrichteten Christo, dessen künstlerisches Talent früh bemerkt wurde. Seine Leidenschaft im Umgang mit großen Stoffbahnen entdeckte er während seiner Jugendzeit in der Textilfabrik seines Vaters. Hier fertigte er erstmals Zeichnungen von großen Stoffballen an.[3]

Christo hegte eine Vorliebe für das Theater und inszenierte in seiner Jugend Stücke von William Shakespeare. Hierbei wurde sein organisatorisches Talent deutlich. Christo wünschte sich, an der Akademie der schönen Künste aufgenommen zu werden. Dies gelang ihm 1953, doch er war enttäuscht, da von der kommunistischen Partei ein sozialistischer Lehrplan vorgegeben wurde und er sich nicht entfalten konnte. Anfang 1957 beschloss Christo zu fliehen. In Wien wurde er bei Freunden seines Vaters aufgenommen. Nach einem Semester an der Akademie der bildenden Künste Wien und einem Aufenthalt in Genf ging Christo schließlich nach Paris.

Christo lebte in ständiger finanzieller Not und verdiente sein Geld durch Porträtmalerei. Er besuchte viele Ausstellungen und Museen, wurde inspiriert von Joan Miró und vor allem von Jean Dubuffet. Im Januar 1958 verhüllte Christo seine erste Farbdose, indem er sie mit harzgetränkter Leinwand umgab, verschnürte und mit Leim, Firnis, Sand und Autolack behandelte. Christo kennt den Grund für seine ersten Verhüllungen nicht. In gewisser Hinsicht spiegeln sie sein Selbstbild wider: Das Gefühl kultureller Isolierung, Traurigkeit und Armut. Christo war fasziniert von Paris und genoss seine Freiheit. Er mietete sich ein kleines Atelier und setzte das Arbeiten an seinen Verhüllungen fort.

Christo verdiente weiterhin nur wenig Geld mit seinen Porträtmalereien, die er als Prostitution bezeichnete. Später lernte er den deutschen Unternehmer und Kunstsammler Dieter Rosenkranz kennen, der einige seiner Verhüllungen kaufte. Als Christo Dieter Rosenkranz in Deutschland besuchte, schloss er Bekanntschaften mit einigen Künstlern, unter anderem Yves Klein. Außerdem lernte Christo den Kunsthistoriker Pierre Restany kennen. Seine Verhüllungen waren in dieser Zeit wenig anerkannt. Christo lebte noch immer in finanzieller Not und gesellschaftlicher Isolierung und hatte zudem Schwierigkeiten mit der französischen Sprache.

Jeanne-Claude[Bearbeiten]

Jeanne-Claude wurde am selben Tag wie Christo, dem 13. Juni 1935, in Casablanca geboren. Sie wuchs zunächst bei der Familie ihres Vaters auf. Nach dem Kriegsende 1945 kam sie wieder in die Obhut ihrer Mutter Précilda. 1946 heiratete ihre Mutter den einflussreichen General Jacques de Guillebon. Zwischen 1945 und 1952 wohnte die Familie in Paris, zwischen 1952 und 1957, bedingt durch berufliche Verpflichtungen Jacques de Guillebons, in Tunesien und ab 1957 wieder in Paris. Jeanne-Claude lebte in einer privilegierten Gesellschaft, ging auf viele Feiern und wurde von vielen Männern umworben. Sie erhielt einen Schulabschluss mit Auszeichnung und begann eine Ausbildung als Flugbegleiterin bei Air France.

Sie starb am 18. November 2009 im Alter von 74 Jahren in New York[1][4] an einer Hirnblutung.[5]

Das Künstlerpaar[Bearbeiten]

Das Künstlerehepaar 2006 in Rostock

Im Oktober 1958 erhielt Christo einen Auftrag für ein Porträt von Précilda de Guillebon. Christo und Jeanne-Claude sahen sich dadurch zum ersten Mal. Jeanne-Claude war im Gegensatz zu ihrer Mutter am Anfang nicht sehr begeistert von Christo. Doch ihrer Mutter gefielen die Porträts und sie erteilte Christo weitere Aufträge. Bald lernten sich Christo und Jeanne-Claude näher kennen und er erteilte ihr Lehrstunden in Kunstgeschichte, sie dagegen lehrte ihn, ein besseres Französisch zu sprechen. Christo arbeitete indessen an seinen Verhüllungen weiter. Christo freundete sich mit Jeanne-Claudes Halbschwester Joyce an und verliebte sich in sie. Jeanne-Claude verlobte sich unterdessen mit ihrem Freund Philippe Planchon. Einen Monat vor der Heirat, nachdem sich Christo und Joyce trennten, verliebten sich Christo und Jeanne-Claude ineinander, doch die Heirat mit Philippe fand statt. Nach den Flitterwochen trennte sich die von Christo schwangere Jeanne-Claude von ihrem Ehemann. Zunächst verheimlichte sie ihre Schwangerschaft.

1959 widmete sich Christo mehr denn je seinen Verhüllungen, aber er änderte seinen Stil. Er beließ das Material so wie es war und behandelte es nicht mehr mit Leim, Firnis, Sand und ein wenig schwarzem Autolack. 1960 ließ er dann jegliche Bemalung weg und beendete somit seine Inventory-Reihe. Seine Verhüllungen waren eine „Offenbarung durch Verbergen“ (David Bourdon). Während sich die meisten Künstler die Unsterblichkeit erhofften, betonte Christo die Sterblichkeit durch seine vergänglichen Werke. Im Herbst besuchten Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely das Atelier von Christo. Christo schloss immer mehr Bekanntschaften mit anderen Künstlern. Die Liebe zwischen Christo und Jeanne-Claude war noch immer nicht öffentlich; am 11. Mai 1960 wurde ihr Sohn Cyril geboren. Als Jeanne-Claudes Eltern die Liebesaffäre bemerkten, waren sie entrüstet, da Christo aus niederen Verhältnissen stammte und versagten dem Paar jegliche finanzielle Unterstützung, so dass sie in Armut leben mussten, was für Christo allerdings kein neuer Umstand war.

1961 realisierten Christo und Jeanne-Claude ihr erstes gemeinsames Projekt, indem sie im Kölner Hafen zahlreiche vorgefundene Fässerstapel verhüllten. Die Eltern von Jeanne-Claude begannen sich langsam mit ihrer Tochter auszusöhnen und interessierten sich für ihr Enkelkind. Das Paar nahm 1962 das erste monumentale Projekt, den „Eisernen Vorhang – Mauer aus Ölfässern“, in Angriff. Hierbei wurde die Rue Visconti, eine Seitenstraße der Rue de Seine, durch hoch aufgestapelte Ölfässer versperrt. Sie kommentierten damit den Bau der Berliner Mauer, überließen die Interpretation allerdings dem Betrachter. Trotz einiger Probleme mit den Behörden stapelte das Paar ohne eine Genehmigung am 27. Juni die Ölfässer aufeinander. Jeanne-Claude konnte die heranrückenden Polizisten hinhalten und davon überzeugen, die Fässer für einige Stunden stehen zu lassen. Anwohner und Verkehrsteilnehmer waren empört und verärgert. Am 28. November 1962 heirateten Christo und Jeanne-Claude. Sie waren immer noch sehr arm, aber sparten Geld für eine Fahrt nach New York, weil sich das Zentrum der Kunst zunehmend von Paris nach New York verlagerte.

Umzug nach New York City[Bearbeiten]

Im Februar 1964 kamen Christo und Jeanne-Claude in New York an. Nach einer kurzen Rückkehr nach Europa verlagerten sie ihren Wohnsitz im September endgültig in die USA. Sie hatten nur ein Touristenvisum, so dass sie als Illegale in der Stadt lebten, bis sie 1967 eine Greencard erhalten konnten.[2] Christo stellte in einigen bekannten Galerien aus, unter anderem bei Castelli in New York und Schmela in Düsseldorf. Christo und Jeanne-Claude hatten anfängliche Schwierigkeiten, sich im neuen Land einzuleben. Es bestanden Sprachbarrieren, sie waren verschuldet und hatten noch keine Wohnung. Nach langer Suche fanden sie eine heruntergekommene Bleibe, die sie zwei Monate lang renovieren mussten, was dazu führte, dass der Schuldenberg weiter anwuchs. Christo begann im selben Jahr, maßstabsgetreue Ladenfronten herzustellen, deren Fenster er mit Stoffen oder Papieren verhängte und somit den Blick ins Innere versperrte. Das nächste größere Projekt war ein riesiges 1200 Kubikmeter fassendes Luftpaket, das 1966 mit Hilfe von Studenten realisiert wurde.

Projekte[Bearbeiten]

Christo und Jeanne-Claude entwerfen ihre Projekte selbst und setzen sie auch unabhängig um. Sie nehmen keine Aufträge an und akzeptieren keine Subventionen. Auch die Finanzierung aller Werke leisten sie aus eigenen Mitteln. Dazu schafft Christo in der Entwurfsphase kontinuierlich neue Zeichnungen, die den jeweiligen Planungsstand darstellen. Aus dem Verkauf der Zeichnungen, davon gefertigter Drucke und den Rechten an Fotos der Werke erwirtschaften die Künstler die Finanzen für ihre Projekte.[2]

5600 cubicmeter package[Bearbeiten]

Christo, documenta IV, Kassel 1968

1968 bekamen Christo und Jeanne-Claude die Möglichkeit zu einer Teilnahme an der documenta IV in Kassel. Ihr Beitrag bestand aus einem länglichen Ballon, im Kasseler Volksmund "Wurst" genannt, mit einem Volumen von 5600 Kubikmetern. Der erste Versuch, den großen Ballon, der aus einer weißen, semi-transparenten Hülle bestand, mit Hilfe eines im Inneren des großen Ballons sich befindenden kleineren Ballons, der mit Helium gefüllt war, aufzurichten, schlug fehl: Die Haut aus Polyethylen platzte beim Versuch, den Ballon steigen zu lassen infolge einer starken Windböe, die ihn wieder niederdrückte. Nach mehrfachen Reparaturen und schließlich dem vollständigen Austausch der Hülle (die neue bestand aus dickerem grauem Trevira), konnte das Projekt verwirklicht werden. Das „package“ stand zwei Monate lang und kostete Christo und Jeanne-Claude 70.000 Dollar, die sie mit viel Mühe selbst aufbrachten. Dokumentiert ist der gesamte Prozess des Aufbaus, des Scheiterns und endgültigen Aufbaus in einem Fotoband (siehe Literaturverzeichnis).

Verhüllte Küste[Bearbeiten]

Ende des Jahres 1969 verhüllten Jeanne-Claude und Christo mit Hilfe von 130 Helfern, die insgesamt 17.000 Arbeitsstunden investierten, einen Küstenstreifen in Australien. Es wurden 93.000 m² Synthetikgewebe und 56 km Seil verlegt. Nach anfänglichen Widerständen der Behörden und der Öffentlichkeit waren die Reaktionen nach der Fertigstellung des Projekts weitgehend positiv. Christo und Jeanne-Claude ergänzten sich bei der Arbeit: Christo brachte künstlerische Fertigkeiten ein, Jeanne-Claude organisatorisches Talent; allerdings trafen sie alle Entscheidungen gemeinsam. Diese ursprünglich so behauptete Arbeitsteilung war beabsichtigt, doch 1995 verriet Jeanne-Claude die Wahrheit:

Das Künstlerehepaar im Interview

„Bis vor zwei Jahren“ – so Jeanne-Claude am 4. September 1995 auf einer Pressekonferenz anlässlich einer Christo-Werkausstellung im Schwarzwald-Städtchen Bonndorf – „haben wir in der Öffentlichkeit den Eindruck erweckt, wir hätten eine strenge Arbeitsteilung – wir fühlten, so sind wir stärker“:

„He is the wounderful angel artist and she is the adminstrator, dealer, be careful with her! And now we are 60 years old and we feel strong enough to tell the truth ..."“

Jeanne-Claude im TV Eichberg

Christo kommentierte: „No, no there was no division – we did everything togehter, even the ideas ...“[6]

Valley Curtain[Bearbeiten]

Curtain Rifle Gap

Ende des Jahres 1970 begannen Christo und Jeanne-Claude mit den Vorbereitungen für das Projekt „Valley Curtain“. Dabei sollte ein Vorhang durch ein 400 m breites Tal der Rocky Mountains in Colorado gespannt werden. Der Vorhang erreichte eine Höhe von bis zu 111 Metern. Es gab einige Probleme mit der Beschaffung der Genehmigung für das Projekt, mit Umweltschützern und der Finanzierung des geplanten Budgets von 230.000 Dollar. Das 13.000 m² große orangefarbene Nylongewebe sollte an einem Stahlseil aufgehängt werden, das mit Hilfe von Betonfundamenten an den Hängen verankert werden sollte.

Jeweils 200 Tonnen Beton mussten manuell in Eimern auf jeden Hang getragen werden. Der Etat erhöhte sich auf 400.000 Dollar und die Christos bekamen wieder einmal Probleme mit der Finanzierung. Sie konnten schließlich genug Kunstwerke verkaufen, um das Geld aufzubringen. Am 10. Oktober 1971 konnte der orange gefärbte Vorhang aufgehängt werden. Doch der Versuch misslang, da der Vorhang von Wind und Felsen zerfetzt wurde (der deutsche Fotograf Wolfgang Volz hatte gerade noch ein Bild machen können). Voller Enttäuschung entschloss sich das Künstlerpaar, einen neuen Vorhang herstellen zu lassen und es nochmals zu versuchen. Währenddessen erhielt Christo eine Postkarte eines Berliner Architekten mit dem Vorschlag, das Berliner Reichstagsgebäude zu verhüllen. Bereits 1961 hatte Christo die Idee zur Verhüllung eines öffentlichen Gebäudes, namentlich eines Parlaments. Christo gefiel die Idee, und er setzte sich damit auseinander. Am 10. August 1972 gelang dann der zweite Versuch, den Vorhang zu installieren, doch nur 28 Stunden später musste er aufgrund eines Sturms, der sich mit einer Geschwindigkeit von 100 km/h näherte, wieder abgebaut werden. Christo und Jeanne-Claude waren dennoch sehr zufrieden.

Running Fence[Bearbeiten]

1973 erhielt Christo nach 17-jähriger Staatenlosigkeit die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Außerdem begannen im selben Jahr die Vorbereitungen für „Running Fence“, einem von Stahlpfosten und Stahlseilen getragenen 5,5 m hohen Zaun aus Stoffbahnen, der 39,5 km durch die kalifornische Landschaft verlaufen und schließlich im Meer münden sollte. Für das Projekt mussten Landarbeiter überzeugt und Genehmigungen von den Behörden eingeholt werden. Dafür engagierten Christo und Jeanne-Claude neun Anwälte. Ende 1974 steckte Christo den Verlauf des Zauns mit Holzpfählen ab.

Erst am 29. April 1976 begannen die Arbeiten nach einem langen Kampf gegen die Bürokratie. Es wurden 160.000 m² Nylongewebe, 2050 Stahlpfähle und 145 km Stahlkabel benötigt. Am 10. September war das Werk fertiggestellt. Christo und Jeanne-Claude mussten 60.000 US-Dollar Bußgeld zahlen, da ihnen eine Genehmigung für die Küstenregion fehlte.

Verhüllte Parkwege[Bearbeiten]

1977 beschäftigten sich Christo und Jeanne-Claude mit der Rückfinanzierung der Kredite und dem Sparen von Geld. Außerdem planten sie zukünftige Projekte, wie die Verhüllung des Reichstags, die Verhüllung des Pont Neuf in Paris, sowie das Projekt „Wrapped Walk Ways“, eine Verhüllung von Fußwegen im Loose Park in Kansas City.

Im November traf Christo seine Mutter zum ersten Mal nach 20 Jahren wieder. Bei „Wrapped Walk Ways“ verhüllten Christo und Jeanne-Claude 4,5 km der Fußwege des Parks. Insgesamt wurden dafür 12.500 m² safrangelb schimmerndes Nylongewebe benötigt. Die Fußgänger erfreuten sich im Oktober 1977 zwei Wochen lang an dem Kunstwerk. Die Kosten beliefen sich auf 130.000 Dollar.

Surrounded Islands[Bearbeiten]

Hauptartikel: Surrounded Islands

Seit 1980 planten die Christos ein Projekt nach Jeanne-Claudes Idee, bei dem elf Inseln in der Biscayne Bay zwischen Miami, North Miami und Miami Beach von schwimmendem, pinkfarbenem Polypropylengewebe umsäumt werden. Es wurden dafür 603.850 m² Polypropylen benötigt, welches mit Ankern befestigt wurde. Während der Arbeiten im Jahr 1983 verstarb Christos Vater. Das Kunstwerk wurde am 7. Mai mit Hilfe von 500 Helfern fertiggestellt und war zwei Wochen lang zu sehen.

Verhüllter Pont Neuf[Bearbeiten]

Am 14. März 1984 erhielt auch Jeanne-Claude die US-amerikanische Staatsbürgerschaft, durfte ihren französischen Pass aber behalten. Im August erhielt das Künstlerpaar die Genehmigung für die Verhüllung des Pont Neuf nach neunjährigen Verhandlungen mit dem Bürgermeister von Paris, Jacques Chirac. Für die Verhüllung der ältesten Brücke in Paris wurden 40.000 m² sandfarbenes Polyamidgewebe benötigt. Die Verhüllung begann am 25. August 1985 und wurde am 22. September beendet. In den nächsten zwei Wochen besuchten rund drei Millionen Menschen das Projekt.

The Umbrellas, Japan – USA[Bearbeiten]

Projekt „The Umbrellas“ in Japan
Stoffmuster vom Projekt „The Umbrellas, Japan – USA“

Christo und Jeanne-Claude bereiteten sich 1986 auf das Projekt „The Umbrellas, Japan – USA“ vor, bei dem zeitgleich in Kalifornien und Japan gelbe und blaue Schirme aufgestellt werden sollten.

Im Dezember 1990 wurden nach langer Vorbereitungszeit die ersten Sockel für die Schirme verlegt. An den Sockeln waren 80 cm lange Anker befestigt, die im Boden verankert wurden und Zugkräften von 1500 kg standhalten sollten. Die Sockel wurden mit Helikoptern transportiert, um das Land nicht zu zerstören. Die Kosten für das Projekt beliefen sich auf 26 Millionen Dollar. Im September 1991 wurden die Schirme von insgesamt 1.880 Helfern auf ihre Plätze gebracht.

Am 7. September wurden 1.340 blaue Schirme in Ibaraki und die 1.760 gelben Schirme in Kalifornien aufgestellt und am 9. September geöffnet. Insgesamt besichtigten drei Millionen Besucher die 6 m hohen und im Durchmesser 8,66 m messenden Schirme.

Verhüllter Reichstag[Bearbeiten]

Hauptartikel: Verhüllter Reichstag
Jeanne-Claude und Christo am Reichstag, 1995

23 Jahre lang mussten Jeanne-Claude und Christo beharrlich arbeiten, bis es zur Verhüllung des Reichstags in Berlin kam. Mit der Unterstützung der damaligen Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth leisteten die Christos Überzeugungsarbeit bei den Mitgliedern des Deutschen Bundestages, gingen von Büro zu Büro und schrieben an alle 662 Abgeordneten briefliche Erläuterungen. Außerdem führten sie unzählige Telefonate und Verhandlungen. Prominenteste Gegner der Verhüllung waren Helmut Kohl und Wolfgang Schäuble. Sie waren der Überzeugung, dass der deutsche Reichstag keiner Aufwertung durch eine Verhüllung bedürfe und empfanden das Angebot als Kränkung.

Am 25. Februar 1994 stimmte der Deutsche Bundestag nach längerer und teils sehr emotional geführter Debatte in namentlicher Abstimmung über das Projekt ab und befürwortete es mit 292 Ja-Stimmen (bei 223 Nein-Stimmen, 9 Enthaltungen und einer ungültigen Stimme). Das Künstlerpaar begann nun mit der Arbeit. Es wurden über 100.000 m² feuerfestes Polypropylengewebe, das mit einer Aluminiumschicht überzogen wurde, und 15.600 m Seil benötigt. Das Gewebe wurde, wie auch später für die Verhüllten Bäume und The Gates, von der Firma Schilgen im münsterländischen Emsdetten hergestellt. Ein Großteil der Stoffbahnen wurden in der Firma „Bieri-Zeltaplan“ in Taucha bei Leipzig zusammengenäht. Die Verhüllung begann am 17. Juni 1995 und wurde am 24. Juni abgeschlossen. Bei der Montage beteiligen sich 90 professionelle Kletterer und viele weitere Helfer. Der Abbau fand am 7. Juli statt. Während der Aktion wohnten fünf Millionen Besucher dem Spektakel bei.

Galerie[Bearbeiten]

Die exklusiven Bildrechte am verhüllten Reichstag wurden von dem Künstlerpaar an den Fotografen Wolfgang Volz vergeben, sodass hier nur Bilder von den Verhüllungsarbeiten gezeigt werden dürfen. Bilder der fertigen Installation sind auf der Homepage von Wolfgang Volz zu finden.

Verhüllte Bäume[Bearbeiten]

Nach 32 Jahren Vorarbeit verhüllten Christo und Jeanne-Claude zwischen dem 13. November und 14. Dezember 1998 in Riehen nordöstlich von Basel im Berower Park der Fondation Beyeler 178 Bäume.

Als Verhüllungsmaterial verwendete das Künstlerehepaar 55.000 m² silber-grau schimmerndes Polyestergewebe und 23 km Seil. Für jeden einzelnen Baum wurde hierfür ein extra Schnittmuster angefertigt. Die natürliche Form der Äste drückte dabei das Gewebe nach außen und zauberte so individuelle Formen in den Himmel. Die Höhe der Konstruktionen variierte dabei zwischen 2,0 m und 25,0 m, die Breite zwischen 1,0 m und knapp 15,0 m.

Wie auch bei ihren anderen Projekten finanzierten Christo und Jeanne-Claude ihr Werk nur durch den Verkauf von Originalwerken. Alle Materialien wurden nach dem Abbau wiederverwertet.

The Gates[Bearbeiten]

Stoffmuster vom Projekt „The Gates“
Christo und Jeanne-Claude beim Spaziergang durch „The Gates“ im Februar 2005

Vom 12. bis 28. Februar 2005 wurden auf den Wegen des Central Park in New York City insgesamt 7503 Tore aufgestellt, von denen safrangelbe Stoffbahnen herabhingen. Insgesamt wurden knapp über 100.000 m² Stoff speziell produziert und verwendet. Die Tore waren jeweils fünf Meter hoch und verteilen sich auf eine Gesamtstrecke von 37 Kilometern.

Die Kosten für das Projekt beliefen sich auf 21 Millionen US-Dollar, die vollständig von Christo und Jeanne-Claude durch den Verkauf von Studien, Zeichnungen, Collagen, Werken aus den 1950er- und 60er-Jahren sowie Originallithographien anderer Werke bezahlt wurden.

Sie akzeptierten wie bei allen Projekten keinerlei Sponsorengelder und auch die Stadt New York musste kein Geld für das Projekt beitragen. Zudem haben Christo und Jeanne-Claude sämtliche Einnahmen aus dem Verkauf von Souvenirs wie Postkarten, T-Shirts, Poster etc. an die Naturschutzorganisation „Nurture New York's Nature Inc.“ abgetreten. Um Vandalismus zu vermeiden, verteilten rund 600 bezahlte Helfer 1.000.000 7 cm × 7 cm große Stücke des für das Projekt verwendeten Stoffes der Emsdetter Firma Schilgen kostenlos an die Besucher. Auch bei diesem Projekt wurde ein Großteil der Stoffbahnen in der Firma „Bieri-Zeltaplan“ in Taucha bei Leipzig zusammengenäht.

Das Genehmigungsverfahren für dieses Kunstwerk lief seit 1979. Erst durch den neuen Bürgermeister New Yorks, Michael Bloomberg, konnte es realisiert werden.

Big Air Package[Bearbeiten]

Außenansicht von Christos Big Air Package im Gasometer Oberhausen

Christo füllte vom 16. März bis 30. Dezember 2013 den Gasometer Oberhausen mit der Installation „Big Air Package“. Nach der Abschlussinstallation „The Wall“ (1999) für die Internationale Bauausstellung Emscher Park war es sein zweites Kunstwerk im Gasometer. Das „Big Air Package – Project for Gasometer Oberhausen, Germany“ wurde im Jahre 2010 von Christo konzipiert (erstmals ohne seine Frau Jeanne-Claude).

Die Skulptur im Inneren der höchsten Ausstellungshalle Europas wurde aus 20.350 Quadratmetern lichtdurchlässigem Gewebe und 4.500 Metern Seil in Lübeck vom Unternehmen geo · die Luftwerker gefertigt. Im aufgeblasenen Zustand erreichte die über fünf Tonnen schwere Skulptur eine Höhe von 90 Metern, einen Durchmesser von 50 Metern und ein Volumen von 177.000 Kubikmetern. Damit sollte die Stoffhülle zeitweilig die größte freitragende Skulptur der Welt sein. Im begehbaren Inneren des Big Air Package erzeugte der Künstler ein einzigartiges Erlebnis von Raum, Größe und Licht.[7][8][9][10]

Projekte in Planung[Bearbeiten]

Over the River[Bearbeiten]

Geplant ist eine Überspannung des Arkansas River im US-Bundesstaat Colorado mit frei schwebenden Gewebebahnen. Der betroffene Flussabschnitt zwischen Canon City und Salida wird immer wieder durch Brücken, Felsen und Bäume unterbrochen, so dass von den insgesamt über 60 km lediglich ca. 11 km vom Stoff überspannt werden. Die Gewebebahnen werden an zwischen den Flussufern gespannten Seilen befestigt und hängen mehrere Meter über der Wasseroberfläche, so dass Besucher weiterhin auf dem Fluss raften können. Das Projekt befindet sich seit 1992 in Vorbereitung.

Nach einem jahrelangen, komplizierten Genehmigungsverfahren (Environmental Impact Statement) erhielt Christo im November 2011 vom Innenministerium der Vereinigten Staaten die Genehmigung zur Realisierung des Projektes. Im Juli 2012 gab Christo bekannt, das Projekt aufgrund laufender Gerichtsverfahren auf unbestimmte Zeit verschieben zu müssen. Die Gegner des Projektes hatten zuvor die US-Regierung für die Erteilung der Genehmigung verklagt. Christo selbst ist nicht angeklagt. Das Genehmigungsverfahren wird nun vom Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten überprüft.

Die Gesamtkosten des Projektes (Genehmigungsverfahren, Materialien, Arbeit, etc.) werden auf ca. 50 Millionen US-Dollar geschätzt, die vollständig von den Künstlern getragen werden.

Die Mastaba[Bearbeiten]

410.000 liegend gestapelte Ölfässer in Form einer ägyptischen Mastaba in der Wüste östlich der Liwa-Oase in Abu Dhabi, 300 m breit, 225 m tief und 150 m hoch. Damit ist diese Mastaba aus dieser Zahl von Ölfässern nicht „massiv“ zu stapeln. Es sind somit nur die Außenflächen, die aus den Fässern gebildet und auf einen Traggerüst montiert werden sollen. Die Planungen laufen seit 1977, ruhten jedoch bis vor kurzem aufgrund der schwierigen politischen Lage. Zurzeit laufen wieder Verhandlungen über die Realisierung des Projektes. Es wäre das erste Vorhaben von Christo und Jeanne-Claude, das nicht zeitlich begrenzt wäre und aufgrund seiner immensen Kosten von schätzungsweise einer halben Milliarde US-Dollar nicht wie üblich von den Künstlern selbst bezahlt werden könnte. Das Volumen beträgt etwa 10.250.000.000 Kubikmeter.

Vorläufer[Bearbeiten]

Bereits 1920 verhüllte und verschnürte der Surrealist, Maler, Fotograf und Objektkünstler Man Ray eine Nähmaschine und nannte das Kunstwerk „Das Rätsel des Isidore Ducasse“. Das verhüllte Objekt blieb im Werk Man Rays kein Einzelfall, er beschäftigte sich – wenn auch nicht kontinuierlich – immer wieder mit dem Thema Verpackung, Verhüllung und Verborgenes.[11] Auch Henry Moore stellte 1942 das Thema der Verhüllung in seiner Zeichnung „Menschenmenge, die ein verschnürtes Objekt betrachtet“ dar.

Ökologische Ästhetik[Bearbeiten]

Die monumentalen Werke von Christo und Jean-Claude hinterlassen nur „Nachbilder“ in Form von Film, Fotografie, Skizzen und Collagen. Ihre Werke, so der Kunsthistoriker Werner Spies, haben ihren Speicherplatz allein in der Erinnerung. Es handele sich um eine ökologische Ästhetik, die dem Flüchtigen und Vergänglichen ihren Tribut zolle, indem sie einer bereits vollgestopften Welt nicht noch weitere Monumente hinfügen will.[12]

Die wichtigsten Kunstwerke und -projekte in deutscher Übersetzung[Bearbeiten]

Werkverzeichnis[Bearbeiten]

Matthias Koddenberg und Jörg Schellmann haben ein Werkverzeichnis der Arbeiten Christos und Jeanne-Claudes von 1963 bis 2013 erarbeitet: Christo and Jeanne-Claude: Prints and Objects 1963-2013.[13]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

2014 erhielt Christo den 49. Theodor Heuss Preis der Theodor Heuss Stiftung. In der Begründung heißt es: "Mit der subtilen Provokation am monumentalen Objekt bricht er Denk- und Sichtweisen auf und entspricht damit in herausragender Weise dem diesjährigen Jahresthema der Theodor Heuss Stiftung Kunst bricht auf."[14]

Literatur[Bearbeiten]

Für Informationen über das Frühwerk von Christo und Jeanne-Claude siehe:

  • Ute Seiderer: Wrapped Portraits, Wrapped Women. Christos Frühwerk zwischen Verpackung und Verschleierung. In: Dies. u. Michael Fisch (Hrsg.): Haut und Hülle - Umschlag und Verpackung. Techniken des Umschließens und Verkleidens. Rotbuch Verlag, Berlin, 2014, S. 73-89.
  • Matthias Koddenberg: Christo: The Paris Sculptures 1961. Kettler Verlag, Bönen 2011.
  • Matthias Koddenberg: Christo and Jeanne-Claude: Early Works 1958–1964. Kettler Verlag, Bönen 2009.
  • Matthias Koddenberg: Christo und Jeanne-Claude: Des Realismus neu enthülltes Antlitz. In: Nouveau Réalisme. Ausstellungskatalog Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, Wien 2005.
  • Christo and Jeanne-Claude: Early Works 1958–1969. Taschen Verlag, Köln 2001.
  • Lawrence Alloway: Christo. Verlag Harry N. Abrams, New York 1971.
  • David Bourdon: Christo. Verlag Harry N. Abrams, New York 1971.

Für Informationen über Leben und Werk von Christo und Jeanne-Claude siehe:

  • Christo and Jeanne-Claude: 40 Years - 12 Exhibitions. Ausstellungskatalog Annely Juda Fine Art, London 2011.
  • Jacob Baal-Teshuva: Christo und Jeanne-Claude. Taschen Verlag, Köln 2005.
  • Christo und Jeanne Claude: Internationale Projekte – Sammlung Würth. Swiridoff Verlag, Künzelsau 2004.
  • Burt Chernow: Christo und Jeanne-Claude: Eine Biografie. Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln 2000.

Für Informationen über einzelne Projekte von Christo und Jeanne-Claude siehe:

  • Werner Spies: Christo und Jeanne Claude. Grenzverlegung der Utopie. Berlin University Press, Berlin 2010, ISBN 978-3-940432-94-0.
  • Anne L. Strauss: Christo and Jeanne-Claude: The Gates, Central Park, New York City, 1979–2005. Taschen Verlag, Köln 2005.
  • Christo and Jeanne-Claude: Wrapped Reichstag, Berlin, 1971–1995. Taschen Verlag, Köln 1995.
  • Jakob Baal-Teshuva: Christo und Jean-Claude. Der Reichstag und urbane Projekte (Katalog zur Ausstellung, Suemondt Ludwig Museum Aachen, 1995) Prestel, München ISBN 3-7913-1307-X
  • Christo und Jeanne-Claude: Swiss Projects 1968–1998. Ausstellungskatalog CentrePasquArt, Biel 2004.
  • Christo: 5.600 Cubicmeter Package. Verlag Wort und Bild, Baierbrunn 1968.

Film[Bearbeiten]

  • 2005 „On the way to over the River”, über Christo und Jeanne-Claude, von Wolfram Hissen und Jörg Daniel Hissen

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Christo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b SPIEGEL Online: Christo-Weggefährtin − Künstlerin Jeanne-Claude ist tot, vom 19. November 2009, abgerufen am 19. November 2009
  2. a b c interview: Barbara Rose Interview mit Christo, März 2014
  3. Biografie Christo und Jeanne-Claude (PDF; 32 kB)
  4. Hoelterhoff, Manuela: Jeanne-Claude -- Christo’s Dynamic Muse, Bloomberg. 20. November 2009. 
  5. Jok Church: Christo and Jeanne-Claude. Abgerufen am 21. November 2009.
  6. Sendebeitrag des TV Eichberg, ehemaliger Lokalsender im Landkreis Waldshut-Tiengen, in der Sendung Oktober 1995. Ausschnitt aus dem Interview: [1] (25. April 2014)
  7. http://www1.wdr.de/themen/kultur/christogasometer100.html
  8. http://www.christojeanneclaude.net/projects/big-air-package?view=info
  9. http://www.geo-dieluftwerker.de/presse-airpackage.php
  10. http://www.hamburg.1730sat1.de/video-hh/article/luebecker-luftwerker-produzieren-neues-christo-kunstwerk-103346.html
  11. Zwei weitere Beispiele aus dem Smithsonian American Art Museum in Washington, D.C.: „Autoportrait“ (1933) – das teilweise mit Zeitungen verhüllte, in einer Holzkiste gestellte Selbstbildnis aus Bronze; „Le Voyeur“ (1965) – eine Zigarrenkiste mit einem Guckloch.
  12. Werner Spies: An der Grenze zum Weltwunder. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 9. Januar 2010.
  13. http://www.christojeanneclaude.net/blog-posts/new-catalogue-raisonn-about-christo-and-jeanne-claudes-prints-and-objects#.Un1pqifgbX0
  14. theodor heuss stiftung Theodor Heuss Preis, abgerufen am 6. Februar 2014