Christoph Martin Wieland

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Christoph Martin Wieland, Gemälde von Anna Gerhardt (1941) nach Ferdinand Jagemann (1805), Gleimhaus Halberstadt

Christoph Martin Wieland (* 5. September 1733 in Oberholzheim bei Biberach an der Riß; † 20. Januar 1813 in Weimar, Sachsen-Weimar-Eisenach) war ein deutscher Dichter, Übersetzer und Herausgeber zur Zeit der Aufklärung.

Wieland war einer der bedeutendsten Schriftsteller der Aufklärung im deutschen Sprachgebiet und der Älteste des klassischen Viergestirns von Weimar, zu dem er neben Johann Gottfried Herder, Johann Wolfgang Goethe und Friedrich Schiller gezählt wurde.

Leben[Bearbeiten]

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Wielands Geburtshaus in Oberholzheim
Historische Ansicht
Stammhaus der Familie Wieland in Biberach an der Riß
Wielands Elternhaus in Biberach

Geboren wurde Christoph Martin Wieland im Pfarrhaus von Oberholzheim, einem Dorf, das damals eine Pfründe des Hospitals zum Heiligen Geist der freien und paritätischen Reichsstadt Biberach war; seine Eltern waren Thomas Adam Wieland (1704–1772), lutherischer Pfarrer, und dessen Ehefrau Regina Katharina, geborene Kick (1715–1789).

Nach der Versetzung des Vaters wurde er von diesem, von Privatlehrern und später in der Biberacher Stadtschule unterrichtet. Schon mit zwölf Jahren versuchte er sich in lateinischen und deutschen Versen, mit 16 hatte er bereits fast alle römischen Klassiker gelesen; unter den damals modernen Schriftstellern zogen ihn die Aufklärer Voltaire, Bernard le Bovier de Fontenelle und Pierre Bayle und unter den deutschen Poeten insbesondere Barthold Heinrich Brockes an.

An dem pietistischen Internat zu Kloster Berge bei Magdeburg (1747–49) entwickelte sich der Junge zu einem großen Verehrer Friedrich Gottlieb Klopstocks. Bei einem Verwandten zu Erfurt – an der Universität Erfurt hatte er das Studium der Philosophie begonnen – lernte er den Don Quijote kennen und schätzen. Im Sommer 1750 traf er im väterlichen Haus mit seiner Cousine Sophie Gutermann (später Sophie von La Roche) zusammen, in die er sich rasch verliebte. Diese Verbindung löste ihn aus seiner inneren Vereinsamung; Sophie (deren Roman Geschichte des Fräuleins von Sternheim er später veröffentlichte) regte ihn zu seinem ersten größeren Gedicht an, das 1752 anonym veröffentlicht wurde: Die Natur der Dinge. Ein Lehrgedicht in 6 Büchern.

Studium, Schweiz (1750–1759)[Bearbeiten]

Im Herbst 1750 hatte Wieland an der Universität Tübingen ein Jurastudium begonnen, das er jedoch bald zugunsten der Literatur und eigener poetischer Produktion vernachlässigte. Ein Heldengedicht Hermann in fünf Gesängen sandte er an Johann Jakob Bodmer – den Grand old man der Zürcher Literatur. Dies führte zu einem sehr persönlichen Briefwechsel. Bald gab er das ungeliebte Studium ganz auf und widmete sich seiner Bildung und der Literatur.

Seine übrigen Erstlingsdichtungen kennzeichneten ihn als leidenschaftlichen Klopstockianer und strebten auf eine spezifisch christliche Dichtung hin. Im Sommer 1752 folgte er einer Einladung Bodmers nach Zürich. Der folgende Aufenthalt in der Schweiz sollte acht Jahre währen. Auf das herzlichste empfangen, wohnte er eine Weile bei Bodmer als dessen Schüler und wirkte mit an der neuen Herausgabe der 1741 erschienenen „Züricherischen Streitschriften“ (gegen Johann Christoph Gottsched gerichtet). In anregendem Verkehr mit Johann Jakob Breitinger, Hans Caspar Hirzel, Salomon Gessner, Johann Heinrich Füssli, David Heß u. a. schrieb Wieland in Zürich um jene Zeit die Briefe von Verstorbenen an hinterlassene Freunde (Zürich 1753).

Die plötzliche Nachricht, dass seine Verlobte Sophie einen Ministerialbeamten – Georg Michael Franck von La Roche – geheiratet hatte, sowie ein längerer Aufenthalt in dem pietistisch gestimmten Haus der Familie Grebel in Zürich hielten ihn noch eine Weile bei der frommen Richtung. In seinen Hymnen (Zürich 1754) und den Empfindungen eines Christen (Zürich 1755) sprach er zum letzten Mal die Sprache, die er seit Kloster Berge geredet hatte, und wandte sich besonders deutlich gegen jede erotische Poesie. Neben Friedrich Nicolai (der schon damals Wielands Muse mit einer jungen Schönen verglich, welche die Betschwester spielen will und sich ehestens in eine Kokette verwandeln könne) durchschaute auch Lessing die Hohlheit der seraphischen Schwärmerei Wielands.

Bald jedoch vollzog sich in Wieland, besonders unter dem Einfluss der Schriften von Lukian, Horaz, Cervantes, Shaftesbury, d'Alembert, Voltaire, eine vollständige Umkehr. 1754 trennte er sich von Bodmer und machte sich selbständig. Gleichzeitig wandelte er sich zum klassischen Vertreter der Aufklärung. Schon das Trauerspiel Lady Johanna Gray (Zürich 1758) – es war dies das erste deutsche Drama in Blankversen – konnte Lessing mit der Bemerkung begrüßen, Wieland habe „die ätherischen Sphären verlassen und wandle wieder unter Menschen“. In demselben Jahr entstand das epische Fragment Cyrus (Zürich 1759), zu dem ihn Friedrich II. von Preußen angeregt hatte. Inzwischen hatte er in Bern eine Hauslehrerstelle angetreten. Dort trat der Dichter in sehr nahe Beziehungen zu der Freundin Jean-Jacques Rousseaus, Julie Bondeli. Pläne, eine Zeitschrift herauszugeben, musste er aus finanziellen Gründen bald aufgeben.

Ehemaliges Komödienhaus in der Schlachtmetzig in Biberach an der Riß. 1762 wurde hier erstmals in Deutschland ein Shakespeare-Stück in deutscher Sprache aufgeführt, die Komödie Der Sturm (Shakespeare) in der Übersetzung Christoph Martin Wielands

Biberach, Erfurt (1760–1772)[Bearbeiten]

Das Wieland-Gartenhaus in Biberach an der Riß
Christoph Martin Wieland in seiner Zeit als Biberacher Kanzleiverwalter. Gemälde von Oswald May im Braith-Mali-Museum in Biberach

1760 nach Biberach zurückgekehrt, bewarb er sich dort als Senator und Kanzleiverwalter. Er begann ein Verhältnis mit Christine Hagel, einer Katholikin. Als diese von ihm ein Kind bekam, durften die beiden nicht heiraten; das Kind starb bald. Auf Drängen seiner Familie heiratete er 1765 eine Augsburger Kaufmannstochter, Anna Dorothea von Hillenbrand, mit der er 13 Kinder hatte. Einer seiner Söhne, Ludwig Wieland, wirkte später wie sein Vater als politischer Publizist und gab unter anderem ab 1817 die Zeitschrift Der Patriot in Weimar heraus.

Die kleinbürgerlichen Verhältnisse seiner Vaterstadt bedrückten Christoph Martin Wieland; doch fand er auf dem Schloss Warthausen des Grafen Stadion eine Stätte weltmännischer Bildung, persönliche Anregung und eine ausgezeichnete Bibliothek. In Warthausen traf Wieland auch seine ehemalige Verlobte, die mit ihrem Gatten bei Stadion lebte, wieder. Der Verkehr mit diesen und anderen Personen jenes hochgebildeten Kreises vollendete Wielands „Bekehrung“ ins Weltliche. Aus dieser Zeit stammt der bezeichnende Satz „Nicht Liebe und Geist, sondern Geld und Verstand herrschen in der Welt, ja wer mit den Idealen wirklich Ernst macht, ist sicher, elend zu werden“.

Nun begann die Epoche seiner schriftstellerischen Tätigkeit, die seinen Ruhm und seine Bedeutung für die nationale Literatur begründete. Um 1761 wurde der Roman Agathon begonnen, der ein großer Erfolg wurde. Es folgte 1764 Don Silvio von Rosalva, oder der Sieg der Natur über die Schwärmerey. In beiden Werken lassen sich zahlreiche Einflüsse von Miguel de Cervantes, Laurence Sterne und Henry Fielding nachweisen. Daneben hatte er 1762 seine Übersetzung des William Shakespeare (Zürich 1762–66, 8 Bde.), begonnen. Mit dieser Übersetzung sollte Wieland das Theaterleben in Deutschland nachhaltig beeinflussen. Mit den beiden oben genannten Romanen und den Dichtungen Musarion, oder die Philosophie der Grazien (1768) und Idris (1768), in den nächsten Jahren den Erzählungen Nadine (1769), Combabus (1770), Die Grazien (1770) und Der neue Amadis (1771) betrat Wieland seinen neuen Weg und verkündete eine Philosophie der heiteren Sinnlichkeit, der Weltfreude, der leichten Anmut, die im vollen Gegensatz zu den Anschauungen seiner Jugend stand.

1769 war Wieland einem Ruf an die Universität Erfurt gefolgt. Seine Lehrtätigkeit tat seiner dichterischen Produktivität wenig Abbruch. In Erfurt verfasste er, außer einigen der oben genannten Schriften, noch das Singspiel Aurora, die Dialoge des Diogenes und den Staatsroman Der goldene Spiegel, oder Die Könige von Scheschian (1772). Letzterer war es, der ihm den Weg nach Weimar bahnte. In Erfurt wohnte Wieland im Haus „Zum Alten Schwan“ hinter der Krämerbrücke[1].

Weimar (1772–1798)[Bearbeiten]

Stadtplan von Weimar (1784), auf dem etwas links oberhalb der Mitte „H[er]r[n] HofR[at] Wieland[s] Garten“ eingetragen ist
Christoph Martin Wieland; Gemälde von Anton Graff, 1794

1772 berief ihn die verwitwete Herzogin und hervorragende Komponistin Anna Amalia von Sachsen-Weimar zur Erziehung ihrer beiden Söhne nach Weimar.[2] Wieland war kein Freund des Absolutismus, jedoch reizte ihn die Möglichkeit, auf den künftigen Herzog Einfluss nehmen zu können, und er sagte zu. Hier trat Wieland in den geistig bedeutendsten Lebenskreis des damaligen Deutschlands, der sich um die Herzogin als maßgebliche Schaffenskraft gruppierte[3], und der schon bei seiner Ankunft Männer wie Johann Karl August Musäus, Karl Ludwig von Knebel, Friedrich Hildebrand von Einsiedel und Friedrich Justin Bertuch in seinen Bann zog und in sich schloss, und bald darauf durch Johann Wolfgang Goethe und Johann Gottfried Herder weitere Belebung und Anregung erhielt. Wieland bezog unter dem Titel eines herzoglichen Hofrats ein gesichertes Gehalt (das ihm auch nach Karl Augusts Regierungsantritt als Pension verblieb).

In verlässlichen, ihn beglückenden Lebensverhältnissen entfaltete er eine frische und sich immer liebenswürdiger gestaltende poetische und allgemein literarische Tätigkeit. Mit dem Singspiel Die Wahl des Herkules und dem lyrischen Drama Alceste (1773) errang er breite Anerkennung. Endlich konnte er – nach französischem Vorbild – die Idee einer eigenen literarischen Zeitschrift verwirklichen. In „Der Teutsche Merkur“, dessen Redaktion er von 1773 bis 1789 führte, ließ er die eigenen dichterischen Arbeiten erscheinen, neben denen er auch eine ausgebreitete literaturkritische Tätigkeit übte, die sich lange Zeit hindurch auf fast alles erstreckte, was für die literarische Welt von Bedeutung war. Seine Kritik war gelegentlich sehr spöttisch, nie aber hämisch, eher nachsichtig und konstruktiv. Des ungeachtet wandten sich die Dichter des „Göttinger Hains“ heftig gegen ihn. Ihnen – namentlich auch den Homer-Übersetzungen von Johann Heinrich Voß – wie auch den Frühromantikern mit ihren Theorien stand er allerdings skeptisch gegenüber.

Seine 1773 im Teutschen Merkur veröffentlichten Briefe über Alceste gaben Goethe Anlass zu der Farce Götter, Helden und Wieland. Wieland hatte die Figur des Herkules in der Tragödie des Euripides – nicht zu Unrecht – als unpassend und grobschlächtig kritisiert. Goethe, im vollen Saft seiner Sturm- und Drang-Periode, ließ seinen Herkules als Kraftprotz auftreten, der den Literaten Wieland lächerlich machte. Auf diesen Angriff antwortete Wieland mit viel Verständnis für die jungen Rabauken. (Schon im Titel von Goethes Text ist wahrscheinlich eine zweite Lesemöglichkeit angelegt: Götter, Helden und Wieland). Als Goethe bald darauf dem Ruf des Herzogs Karl-August nach Weimar folgte, bildete sich zwischen ihm und Wieland ein dauerndes Verhältnis der Anerkennung, dem der überlebende Altmeister nach Wielands Tod in seiner schönen Denkrede auf Wieland ein unvergängliches Denkmal gesetzt hat[4].

Nach dem Amtsantritt des jungen Herzogs zog er sich von öffentlichen Ämtern zurück und widmete sich ganz seiner schriftstellerischen Arbeit als Kritiker, Aufklärer und Übersetzer. Die Gesellschaftssatire Geschichte der Abderiten, das romantische Gedicht Oberon (Weimar 1780), die poetischen Erzählungen Das Wintermärchen, Geron der Adlige, Schach Lolo, Pervonte u. a., gesammelt in den Auserlesenen Gedichten (Jena 1784–87), sowie die populäre Märchensammlung Dschinnistan (Winterthur 1786–1789) entstanden in Weimar und geben Zeugnis für seine schöpferische Vielfalt. Dazu gesellten sich die geistreiche Übersetzung der Briefe und Satiren des Horaz (Leipzig 1782 und 1786) sowie die Bearbeitung von Lukians sämtlichen Werken (Leipzig 1788 bis 1789) und zahlreiche kleinere Schriften.

Oßmannstedt (1798–1803) und wieder Weimar (1803–1813)[Bearbeiten]

Christoph Martin Wieland, Gemälde von Gerhard von Kügelgen, 1808, Universitätsbibliothek Tartu

Eine Gesamtausgabe der bis 1802 erschienenen Werke (von 1794 an bei Göschen in Leipzig), hatte Wieland erlaubt, das Gut Oßmannstedt bei Weimar anzukaufen. Hier wollte er sich „eine Insel des Friedens und des Glücks“ aufbauen – inmitten der sich anbahnenden napoleonischen Kriege. Er wollte sich – im Alter von 65 Jahren – als Landwirt betätigen. Hier verlebte der Dichter seit 1798 im Kreise der großen Familie (seine Gattin hatte in 20 Jahren sieben überlebende Kinder geboren) einige glückliche und produktive Jahre. Seine frühere Verlobte, Sophie von La Roche, besuchte ihn mit ihrer Enkelin Sophie Brentano, mit der sich eine enge Freundschaft entwickelte. Hier besuchte ihn auch Heinrich von Kleist und las ihm den Robert Guiscard aus dem Manuskript vor.

Der Tod seiner Gattin 1800 und die finanzielle Belastung durch das Gut bewogen ihn, das Gut 1803 zu veräußern und wieder in Weimar zu wohnen. Dort gehörte er dem Kreis der Herzogin Anna Amalia bis zu deren Tod an. Die Zeitschrift Attisches Museum, die Wieland allein 1796–1801, und das Neue attische Museum, das er mit Johann Jakob Hottinger und Friedrich Jacobs 1802–1810 herausgab, dienten dem Zweck, die deutsche Nation mit den Meisterwerken der griechischen Poesie, Philosophie und Redekunst vertraut zu machen. Im Attischen Museum veröffentlichte er unter anderem vier von ihm übersetzte Komödien von Aristophanes und zwei Tragödien von Euripides. 1806 war Wieland in Weimar Gastgeber von Adam Oehlenschläger. 1808 lud ihn Kaiser Napoleon zu einer Unterredung am Rande des Fürstenkongresses nach Erfurt ein. Im Alter von 76 Jahren trat er der Weimarer Freimaurerloge Anna Amalia zu den drei Rosen bei und hielt dort zahlreiche Vorträge[5][6][7].

Wie andere hochbejahrte Menschen musste Wieland den Verlust vieler Freunde durch deren Tod erleben, trotzdem blieb er bis zu seinem Tod außergewöhnlich lebensfroh. Am 20. Januar 1813 starb er an den Folgen einer Erkältung.

Seinem Wunsch gemäß wurde er im Schlossgarten von Oßmannstedt neben seiner Frau und Sophie Brentano begraben. Das Grab befindet sich unter einem dreiseitigem Obelisken in einer Schleife der Ilm. Die Inschrift des Grabsteines ist ein Distichon und lautet:

LIEBE UND FREUNDSCHAFT UMSCHLANG DIE VERWANDTEN SEELEN IM LEBEN
UND IHR STERBLICHES DECKT DIESER GEMEINSAME STEIN.

Zur Wirkung[Bearbeiten]

Biberacher Notgeld von 1923 mit Wielandporträt

Wieland war mit seinem Werk Geschichte des Agathon der Begründer der Tradition des deutschen Bildungsromans. Nach einer pietistischen Phase der Schwärmerei entwickelte er sich zu einem der einflussreichsten Schriftsteller der Aufklärung. Seine Verserzählungen sind gekennzeichnet durch meisterhafte Stilistik. Er beherrschte die Satire ebenso wie die Literaturkritik. Auch als Übersetzer leistete er Bedeutendes: seine in Weimar entstandenen Horaz- und Lukian-Übersetzungen sind „bis heute nicht veraltet“[8].

Stilsicher geschmeidige Wortkunst und abgewogene denkerische Klugheit – ein Muster an reflexiver Aufklärung (vgl. Moderne) – machten Wieland zunächst zu einem der wirksamsten deutschen Dichter, zogen ihm aber auch die anhaltende Feindseligkeit der Nachfolgegenerationen mit deren Programmen der „Ächtheit“ bzw. der Gefühlskultur zu (vgl. Sturm und Drang, Romantik), denen seine Toleranz und freie Erotik missfielen. So wurde er schon im 19. Jahrhundert unter den deutschen Klassikern der am wenigsten Gelesene. Im deutschsprachigen Raum gewann Wieland erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch die begeisterte Ehrenrettung Arno Schmidts wieder eine neue Leserschaft.

Wielands Aufklärungskonzept wurde im Roman Wieland or The Transformation: an American Tale (Wieland oder die Verwandlung: eine amerikanische Erzählung; 1798) des amerikanischen Schriftstellers Charles Brockden Brown verarbeitet. Protagonist des Romans ist Theodore Wieland, ein fiktiver Verwandter des Dichters, der im religiösen Wahn seine Familie tötet[9].

Würdigungen[Bearbeiten]

Wieland-Denkmal in Biberach
  • Zar Alexander I. verlieh ihm (ebenfalls zugleich mit Goethe) am Rande des Fürstenkongresses 1808 den Annenorden[11].
  • Mehrere Institutionen sind dem Leben und Werk Wielands gewidmet. In seinem Geburtshaus in Oberholzheim ist ein kleines Gedenkzimmer eingerichtet.
  • In seiner Vaterstadt Biberach gibt es ein Wieland-Archiv und ein Wieland-Museum. Wielands Gartenhaus in Biberach beherbergte bis 2008 die ständige Ausstellung „Gärten in Wielands Welt“. Heute befindet sich dort ein modernes Museum zum Leben und Wirken des Literaten.
  • Das Wielandgut in Oßmannstedt wurde am 25. Juni 2005 als Museum und Forschungsstätte der Öffentlichkeit neu übergeben. In Biberach und Weimar erinnern außerdem Denkmäler an den Dichter.
  • Der seit 1979 verliehene Christoph-Martin-Wieland-Preis ist ein deutscher Literaturpreis, der ihn als ersten Übersetzer von Shakespeare-Dramen würdigt und alle zwei Jahre (im September) in der Wielandstadt Biberach an der Riß für herausragende Übersetzungen verliehen wird.
  • In Weimar trägt eine staatliche Grundschule, in der nach dem Jena-Plan unterrichtet wird, den Namen „Christoph Martin Wieland“, und in Biberach an der Riß gibt es ein Wieland-Gymnasium.

Werke[Bearbeiten]

Wieland-Denkmal in Weimar
Titelblatt der Musarion
  • Die Natur der Dinge. Lehrgedicht, 1752.
  • Lobgesang auf die Liebe. 1751.
  • Hermann. Epenfragment, 1751, Erstdruck 1882.
  • Zwölf moralische Briefe in Versen. Heilbronn 1752.
  • Der Frühling. 1752.
  • Anti-Ovid oder die Kunst zu lieben. 1752.
  • Erzählungen. 1752.
  • Briefe von Verstorbenen an hinterlassene Freunde. 1753.
  • Der geprüfte Abraham. 1753.
  • Erinnerungen an eine Freundin. 1754.
  • Hymnen. 1754.
  • Ode auf die Geburt des Erlösers. 1754.
  • Ankündigung einer Dunciade für die Deutschen. 1755.
  • Gespräch des Socrates mit Timoclea, von der scheinbaren und wahren Schönheit. 1756.
  • Sympathien. 1756.
  • Empfindungen eines Christen. 1757.
  • Lady Johanna Gray. Ein Trauerspiel. 1758.
  • Theages oder Unterredungen von Schönheit und Liebe. 1758.
  • Cyrus. 1759.
  • Araspes und Panthea. Eine moralische Geschichte in einer Reihe von Unterredungen. 1760.
  • Clementina von Porretta. Ein Trauerspiel. 1760.
  • Der Sieg der Natur über die Schwärmerei oder die Abenteuer des Don Sylvio von Rosalva. Roman, Ulm 1764.
  • Comische Erzählungen. 1765.
  • Geschichte des Agathon. Roman, 1. Teil u. 2. Teil, Frankfurt und Leipzig, d.i.Zürich, 1766 und 1767, Urfassung.
  • Musarion, oder die Philosophie der Grazien. Versdichtung, Leipzig 1768.
  • Idris und Zenide. Leipzig 1768.
  • Nadine. Leipzig 1769.
  • Die Geschichte des (Prinzen) Biribinker(s). Ulm 1769 (aus: Don Sylvio 1764, erstes Kunstmärchen in deutscher Sprache)[12]
  • Combabus. Leipzig 1770.
  • Die Grazien. Leipzig 1770.
  • Sokrates mainomenos oder die Dialoge des Diogenes von Sinope. 1770.
  • Beiträge zur geheimen Geschichte des menschlichen Verstandes und Herzens. 1770.
  • Der neue Amadis. Leipzig 1771.
  • Der goldne Spiegel oder die Könige von Scheschian, eine wahre Geschichte. Roman, Leipzig 1772.
  • Alceste. Deutsches Singspiel, Leipzig 1773, Uraufführung: Weimar, 25. Mai 1773.
  • Die Wahl des Herkules. Eine dramatische Cantate. 1773.
  • Der verklagte Amor. Ein Gedicht. 1774.
  • Stilpon oder die Wahl eines Oberzunftmeisters von Megara. 1774.
  • Die Geschichte der Abderiten. Roman, Leipzig 1774–1780.
  • Das Urteil des Midas. Ein komisches Singspiel. 1775 (nach Ovids Musikwettstreit zwischen Pan und Apollo).
  • Geschichte des Philosophen Danischmende. 1775.
  • Der Mönch und die Nonne auf dem Mittelstein. Ein Gedicht in drei Gesängen. 1775.
  • Titanomachia oder das neue Heldenbuch. Ein burleskes Gedicht. 1775.
  • Ein Wintermärchen. 1776.
  • Liebe um Liebe. 1776.
  • Ein Fragment über den Charakter des Erasmus von Rotterdam. 1776.
  • Geron, der Adlige. Eine Erzählung aus König Artus Zeit. 1777.
  • Das Sommer-Märchen oder des Maultiers Zaum. 1777.
  • Gedanken über die Ideale der Alten. 1777.
  • An Olympia. 1777.
  • Hann und Gulpenheh. Verserzählung, Weimar 1778.
  • Der Vogelsang oder die drei Lehren. 1778.
  • Fragmente von Beiträgen zum Gebrauch derer, die sie brauchen können oder wollen. 1778.
  • Schach Lolo. Verserzählung, Weimar 1778.
  • Pervonte oder die Wünsche. Ein neapolitanisches Märchen. 1778–1796.
  • Rosamund. Ein Singspiel. 1778.
  • Briefe an einen jungen Dichter. 1782/84.
  • Clelia und Sinibald. Eine Legende aus dem zwölften Jahrhundert. 1783/84.
  • Oberon. Verserzählung, Weimar 1780 (Digitalisat und Volltext im Deutschen Textarchiv); gekürzte Fassung: Leipzig 1784.
  • Dschinnistan. 3 Bände, Winterthur 1786–1789.
  • Das Geheimnis des Kosmopolitenordens. 1788.
  • Geheime Geschichte des Philosophen Peregrinus Proteus. Roman, Vorabdruck: Weimar 1788/89; Leipzig 1791.
  • Göttergespräche. 1790–1793.
  • Die Wasserkufe oder der Einsiedler und die Seneschallin von Aquilegia. 1795.
  • Agathodämon. Roman, Leipzig 1796–1797.
  • Aristipp und einige seiner Zeitgenossen. Briefroman, 4 Bände, Göschen, Leipzig 1800–1802.
  • Das Hexameron von Rosenhain. 1803–1805.
  • Menander und Glycerion. Ein Liebesroman in Briefen, Göschen, Leipzig 1804.
  • Krates und Hipparchia. 1805.

Übersetzungen[Bearbeiten]

Titelseite von Band 1 der Übersetzung der Satiren von Horaz
  • Marcus Tullius Cicero: Sämtliche Briefe, 7 Bände, Zürich 1808–1821 (vollendet von Friedrich David Gräter).
  • Lukian von Samosata: Sämtliche Werke, 6 Bände, Leipzig 1788/89.
  • Horaz: Briefe, Leipzig 1782; Satiren, Leipzig 1786.
  • Stabat Mater: Übertragung ins Deutsche, In Der Teutsche Merkur, Weimar/Oßmannstedt Februar 1781.
  • William Shakespeare, 8 Bände, Zürich 1762–66. 1995 neu herausgegeben von Hans und Johanna Radspieler
  • William Shakespeare, Zürich 1766, Hamlet, Prinz von Dännemark. 2006 neu herausgegeben von Herbert Fritsch und Sabrina Zwach, Verlag Theater der Zeit, „hamlet_X // Interpolierte Fressen

Wieland als Herausgeber[Bearbeiten]

  • Sophie von La Roche: Geschichte des Fräuleins von Sternheim. Von einer Freundin derselben aus Original-Papieren und andern zuverläßigen Quellen gezogen. Hrsg. v. Christoph Martin Wieland. Zwei Bände, Weidmanns Erben und Reich, Leipzig 1771 (anonym erschienen).
  • Die deutschen Volksmährchen von Johann August Musäus. Herausgegeben von C. M. Wieland. Erster–Fünfter Theil. Gotha, in der Ettingerschen Buchhandlung, 1804f [1. Theil 1804; 2.–5. Theil 1805].

Ausgaben[Bearbeiten]

  • Gesammelte Schriften, Abt. I: Werke. Abt. II: Übersetzungen, hg. von der Deutschen Kommission der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften [seit 1945 hg. von der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin; seit 1969 hg. von der Akademie der Wissenschaften der DDR durch Hans Werner Seiffert], Berlin 1909–1975.

Abgeschlossen, d. h. mit Apparatbänden, liegen vor Bde. I/6, I/9, I/12-15, I/18, I/20-23, II/1-3; ohne Apparatbände liegen vor Bde. I/1, I/2, I/3, I/4, I/7, I/10, I/17, II/4, II/9-10; es fehlen die Bde. I/5, I/16, I/19, II/5-8.

  • Wielands Briefwechsel, 20. Bde., hg. von der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Institut für deutsche Sprache und Literatur [ab Bd. 2, 1968 durch Hans Werner Seiffert; ab Bd. 3, 1975 hg. von der Akademie der Wissenschaften der DDR, Zentralinstitut für Literaturgeschichte durch Hans Werner Seiffert; ab Bd. 7, 1992 hg. von der Akademie der Wissenschaften Berlin durch Siegfried Scheibe; ab 1993 von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften durch Siegfried Scheibe], Berlin, 1963–2007.

Literatur[Bearbeiten]

  • Max Koch: Wieland, Christoph Martin. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 42, Duncker & Humblot, Leipzig 1897, S. 400–419.
  • Wolfdietrich von Kloeden: WIELAND, Christoph Martin. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 13, Bautz, Herzberg 1998, ISBN 3-88309-072-7, Sp. 1062–1083.
  • Wieland, Christoph Martin. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 16, Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1892, S. 597.
  • Carl August Böttiger: Literarische Zustände und Zeitgenossen. Begegnungen und Gespräche im Klassischen Weimar. Hgg. von Klaus Gerlach und René Sternke, Aufbau Verlag, Berlin ³1989 und Aufbau Taschenbuch Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-7466-1779-0
  • Irmela Brender: Christoph Martin Wieland. 3. Aufl. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2003, ISBN 3-499-50475-8
  • Peter Brugger: Graziöse Gebärde, Studien zum Rokokostil Christoph Martin Wielands. Phil. Diss., München 1972
  • Karl August Hugo Burkhardt: Repertorium zu Wieland’s deutschem Merkur. Weimar 1872
  • Gerhard Dünnhaupt: Die Metamorphose der Zauberin. Tasso-Rezeption bei Wieland. Arcadia. Jg. 14, 1979
  • Walter Erhart: Entzweiung und Selbstaufklärung. Christoph Martin Wielands „Agathon“-Projekt. Niemeyer, Tübingen 1991, ISBN 3-484-18115-X
  • Walter Erhart, Lothar van Laak (Hrsg.): Wissen-Erzählen-Tradition. Wielands Spätwerk, Berlin, New York: de Gruyter 2010. ISBN 978-3-11-024036-8
  • Bernd Feicke: Wielands Beziehungen zu Eisleben, in: Zs. f. Heimatforschung, H. 14, Halle 2005, S. 52-56.
  • Johann Gottfried Gruber: C. M. Wielands Leben. Neu bearbeitet von Johann Gottfried Gruber. Leipzig: Georg Joachim Göschen, 1827/28. PDF-Reprint in der Arno-Schmidt-Referenzbibliothek. (35,77 MB)
  • Jutta Hecker: Wieland. Die Geschichte eines Menschen in der Zeit. Verl. d. Nation, Berlin 1992, ISBN 3-373-00376-8
  • Jutta Heinz (Hgn.): Wieland-Handbuch. Leben, Werk, Wirkung. Metzler, Stuttgart, Weimar 2008, ISBN 978-3-476-02222-6
  • Sven-Aage Jørgensen / Herbert Jaumann / John A. McCarthy (Hrsg.): Christoph Martin Wieland. Epoche - Werk - Wirkung, München 1994.
  • Wolfgang Lederhaas: Wieland. Vorbemerkungen zur,Novelle ohne Titel'. Kovac, Hamburg 2005. ISBN 3-8300-1687-5
  • Klaus Manger: Klassizismus und Aufklärung. Das Beispiel des späten Wieland, Frankfurt am Main 1991, ISBN 978-3-465-02510-8
  • Nicki Peter Petrikowski: Stellenkommentar zu Christoph Martin Wielands „Die Abenteuer Don Sylvio von Rosalva“. Frankfurt a.M. 2012. ISBN 978-3-631-62439-5
  • Jan Philipp Reemtsma: „Das Buch vom Ich“. Christoph Martin Wielands „Aristipp und einige seiner Zeitgenossen“. 1993, ISBN 3-251-20131-X.
  • Jan Philipp Reemtsma: „Der Liebe Maskentanz“. Aufsätze zum Werk Christoph Martin Wielands, 1999, ISBN 3-251-00453-0
  • Klaus Schaefer: Christoph Martin Wieland, Sammlung Metzler, Stuttgart/Weimar 1996
  • Arno Schmidt: Wieland oder die Prosaformen, in: Ders., Nachrichten von Büchern und Menschen, 1971
  • Andreas Seidler: Der Reiz der Lektüre. Wielands Don Sylvio und die Autonomisierung der Literatur. Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2008, ISBN 978-3-8253-5442-8
  • Heide Schulz: Olympia und ihr Poet. In: Weimars schönster Stern. Anna Amalia von Sachsen-Weimar und Eisenach. Quellentexte zum Entstehen einer Ikone. Heidelberg 2011, ISBN 978-3-8253-5887-7, www.weimars-schoenster-stern.de
  • Friedrich Sengle: Wieland, Stuttgart 1949
  • Thomas C. Starnes: Christoph Martin Wieland - Leben und Werk, Sigmaringen 1987, Bd. 1-3
  • Rainer Strzolka: Roman als Geschichte – Geschichte als Roman. Die Geschichte des Agathon von Christoph Martin Wieland, Koechert, Hannover ²2002
  • Michael Zaremba: Christoph Martin Wieland – Aufklärer und Poet. Eine Biografie, Böhlau, Köln 2007, ISBN 978-3-412-22006-8
  • Michael Zaremba: Zur Geschichte des Wielandgrabes, hrsg. von: Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Oßmannstedt, 2007, ISBN 978-3-9811574-0-6
  • Hildegund Berger: Christoph Martin Wielands philosophische Romane unter besonderer Berücksichtigung des Aristipp. München 1944 (Diss.)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Christoph Martin Wieland – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Christoph Martin Wieland – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1]. Thüringer Allgemeine, 20. Oktober 2012.
  2. Auserlesene Bibliothek der neuesten deutschen Litteratur, Band 3. Lemgo 1773, abgerufen am 10. Januar 2014
  3. Sie schrieb u.a. das Singspiel Erwin und Elmire auf den dazu bekannten Goethe-Text sowie für den Hofgebrauch ansprechende kammermusikalische Werke.
  4. Goethe: Zu brüderlichem Andenken Wieland's. In: Handbuch deutscher Beredsamkeit in der Google-Buchsuche
  5. Lennhoff, Posner, Binder: Internationales Freimaurer-Lexikon, 2000, S. 903.
  6. http://www.anna-amalia.de/vom-logenleben/66-menschen-brueder-persoenlichkeiten-
  7. William R. Denslow, Harry S. Truman: 10,000 Famous Freemasons from K to Z, Part Two, Seite 322.
  8. Klaus Manger: Wieland, Christoph Martin. In: Literaturlexikon. Autoren und Werke deutscher Sprache. Hrsg. von Walther Killy, Bertelsmann Lexikon Verlag, Gütersloh/München 1988, Bd. 12, S. 312.
  9. Elizabeth Barnes: Loving with a Vengeance: Wieland, Familicide and the Crisis of Masculinity in the Early Nation, in: Milette Shamir und Jennifer Travis: Boys don’t Cry? Columbia University Press, New York 2002, S. 44–63, hier S. 52.
  10. Beleg in der Datenbank des französischen Kulturministeriums, abgerufen am 20. Februar 2014
  11. Vgl. Augsburgische Ordinari Postzeitung, Nro. 266, Samstag, den 5. Nov., Anno 1808, S. 3, als Digitalisat, Nachrichten zum Kulturleben dieser Zeit zusammengetragen von Susanne Wosnitzka (unveröfftl).
  12. siehe Vorrede der Erstausgabe@books.google.de; Michael Scheffel: Formen selbstreflexiven Erzählens. 1997, S. 101
  13. wieland-edition.uni-jena.de