Christophorikirche (Breslau)

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Die evangelische Christophorikirche in Breslau
Christophorikirche im 19. Jahrhundert auf einer Zeichnung von Otto Ferdinand Probst (1866–1923)
Innenansicht Richtung Orgelempore

Die Christophorikirche (auch Christophori-Kirche, poln. Kościół św. Krzysztofa) ist eine evangelische Kirche am südöstlichen Rand der Breslauer Altstadt.

Die Kirche steht am Christophoriplatz (pl. św. Krzysztofa) neben der in den 1970er Jahren fertiggestellten Ost-West-Straße (Trasa W-Z). Diente sie in früheren Zeiten als evangelisches Gotteshaus mit polnisch- und tschechischsprachigen Gottesdiensten, so finden hier seit 1958 jeden Sonntag deutschsprachige evangelische Gottesdienste statt. Seit 1993 ist sie Pfarrkirche der Kirchengemeinde St. Christophori in Breslau (deutschsprachig).[1]

Geschichte[Bearbeiten]

13. bis 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Seit 1267 stand an der Stelle der heutigen Christophorikirche eine der Maria von Ägypten geweihte Friedhofskapelle der Magdalenenkirche, als deren Bauherr Wladislaw von Schlesien genannt wird. Ab 1343 feierte hier die Breslauer Zunft der Kürschner ihre Gottesdienste.

Um 1410 wurde die Kapelle im gotischen Stil zu einer Kirche ausgebaut. Der einschiffige, dreijochige Backsteinbau auf einer Grundfläche von 32 mal 16 Metern geht auf den Architekten Heinrich Frankenstein zurück. Das Kirchenschiff wurde mit einem Netzgewölbe und das einjochige fünfeckige Presbyterium mit einem Kreuzrippengewölbe versehen, das steile Dach mit Dachziegeln gedeckt. Das neue Kirchengebäude wurde dem heiligen Christophorus geweiht. 1461 wurde ein viereckiger Turm mit einem pyramidenförmigen bleigedeckten Helmdach errichtet. 1539 erhielt der Kirchturm eine Uhr, und 1575 erfolgte eine Umgestaltung des Turms im Renaissancestil. 1602 wurde die Sakristei hinzugefügt.

Im Zuge der Reformation wurde die Kirche 1523 evangelisch. Ab 1619 wurde der lutherische Katechismus auf Polnisch gelehrt, und 1646 veröffentlichte der Leiter der Schule Michał Kusz ein Lehrbuch der polnischen Sprache.

Im achtzehnten und Anfang des neunzehnten Jahrhunderts wurden in der Kirche sowohl polnische als auch deutsche Gottesdienste abgehalten. Ab 1829 waren es nur noch deutsche Gottesdienste.

Nach 1945[Bearbeiten]

Auf Grund der sowjetischen Bombenangriffe während der Belagerung Breslaus brannte die Kirche aus, wobei unter anderem das Netzgewölbe und die Fenster zerstört wurden.

Nach der Übertragung der Elisabethkirche am 2. Juli 1946 und anderer Kirchengebäude an die katholische Kirche waren die Christophorikirche und die vormals evangelisch-reformierte Hofkirche, die auch Sitz der evangelischen Diözese Breslau ist, die beiden einzigen evangelischen Gotteshäuser in Breslau.

In den Jahren 1947–1949 sowie 1957–1958 wurde sie unter Mitwirkung des Architekten Edmund Małachowicz saniert. Bei der Rekonstruktion wurden auch Teile der Innenausstattung zerstörter bzw. aufgegebener Kirchen in Schlesien verwendet.

1958 überließ die evangelische Gemeinde in Breslau die Christophorikirche den nach der Vertreibung zurückgebliebenen evangelischen Breslauer Deutschen, aber ohne eigene Gemeindeinstitutionen.

1966 wurde die Fassade renoviert und 1969–1970 die barocke Kuppel erneuert. In den 1970er Jahren fielen dem Bau der Ost-West-Straße (Trasa W-Z) einige alte Gebäude der Umgebung zum Opfer.

Heutige Gemeinde[Bearbeiten]

1993 wurde in Polen erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg wieder eine deutschsprachige evangelische Kirchengemeinde gegründet, die Christophorigemeinde in Breslau und Niederschlesien, deren Sitz die Christophorikirche ist. Pfarrer der Gemeinde ist der aus Cieszyn (Teschen) stammende Andrzej Fober.[2][3]

Filialgemeinden, die ein- bis zweimal monatlich deutschsprachige Gottesdienste in den Kirchen der jeweiligen polnischen evangelischen Gemeinden feiern, befinden sich in Hirschberg-Bad Warmbrunn (Erlöserkirche), Liegnitz (Liebfrauenkirche), Lauban (Frauenkirche), Schweidnitz (Friedenskirche) und Waldenburg (Erlöserkirche).

Wie zuvor finden in der Breslauer Christophorikirche jeden Sonntag um 10 Uhr deutschsprachige Gottesdienste statt. Die meisten Gottesdienstbesucher sind inzwischen Deutsche, die nach 1990 nach Breslau gezogen sind.

Darüber hinaus gibt es zu anderen Zeiten methodistische Gottesdienste in koreanischer und anglikanische Gottesdienste in englischer Sprache, außerdem evangelisch-reformierte Gottesdienste in polnischer Sprache.

Die Christophorikirche ist heute neben der Hofkirche und Gustav-Adolf-Kirche eines von drei Gotteshäusern der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Breslau und das einzige mit deutschsprachigen Gottesdiensten.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Übersetzung des offiziellen polnischen Namens Parafia św. Krzysztofa we Wrocławiu (niemieckojęzyczna).
  2. Papieski Wydział Teologiczny we Wrocławiu, PWT, Archidiecezja Wrocławska (Päpstliche Theologische Fakultät in Breslau): Ks. Andrzej Fober.
  3. Proboszcz parafii, „Pfarrer der Gemeinde“, wird auf der Seite des Deutschen Generalkonsulats Breslau ungenau mit „Probst [sic]“ wiedergegeben.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Christophorikirche (Breslau) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

51.10735166666717.0369625Koordinaten: 51° 6′ 26,5″ N, 17° 2′ 13,1″ O