Chronogramm

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Chronogramm am Goldenen Dachl in Innsbruck. Die dargestellte Jahreszahl 1671 erinnert an die Restaurierungsarbeiten nach einem schweren Erdbeben.

Ein Chronogramm (oder Eteostichon) ist ein Satzteil, ein Satz, ein Sinnspruch oder eine Inschrift, meist ein Vers in lateinischer Sprache, bei der die Summe aller darin vorkommenden Buchstaben, die zugleich römische Zahlensymbole sind (I, V, X, L, C, D, M), die Jahreszahl des Ereignisses ergeben, auf das sich der Text bezieht. Entscheidend ist allein die Summe der Zahlenwertbuchstaben, die sonst bei römischen Zahlen übliche Subtraktion kleinerer Zahlenwerte von folgenden größeren erfolgt nicht.

Die Zahlbuchstaben sind meist hervorgehoben, etwa durch Großschreibung oder Verdickung der Buchstaben bzw. durch farbliche Abhebung mittels Rötung oder Vergoldung. Eine Besonderheit bilden Krypto(chrono)gramme, bei denen die Zahlbuchstaben nicht gekennzeichnet sind und „verborgen“ bleiben.

Der Buchstabe Y kann als I + I = 2 gezählt werden, ähnlich W als V + V = 10.

Arten von Chronogrammen[Bearbeiten]

Chronodistichon an der Heiliggeistkirche in Požega in Kroatien (1831)

Im „reinen Chronogramm“ enthält jedes Wort ein Zahlzeichen (unter Vermeidung von „Blindwörtern“); im „natürlichen Chronogramm“ stehen die Zahlzeichen darüber hinaus in der richtigen Reihenfolge, z. B. AMORE MATVRITAS = MMVI = 2006. Bleiben mögliche Zahlbuchstaben unberücksichtigt, spricht man von einem „unsauberen Chronogramm“. Als „Pseudo-Chronogramm“ wird ein überlieferter, meist religiöser Text bezeichnet, aus dem ein Chronogramm herausgelesen wird. Ein Chronogramm, dessen Text dem Versmaß des Hexameter folgt, heißt Chronostichon, ein solches aus Hexameter und Pentameter Chronodistichon. Chronogramme werden überwiegend zum Zeitpunkt des Ereignisses angefertigt; sie können aber auch retrospektiv als Merkspruch oder Memorialzahl entstehen. Doppel- und Mehrfachchronogramme stellen keine Besonderheit dar, Chroniken und Devotionsschriften können sogar durchgängig aus Chronogrammen gestaltet sein. Ein Chronogramm besteht aus zwei Textebenen, indem im Basistext ein Intext mit zeitlicher Aussage verborgen ist. Als okkasionelle und artifizielle Poesie repräsentieren Chronogramme eine literarische Kleinkunstform. Außerdem bilden sie einen Bestandteil der Erinnerungskultur.

Als Verschlüsselungstechnik steht die Chronogrammatik in Verbindung mit Gematrie bzw. Isopsephie. Darüber hinaus hat es nach griechisch-hebräischem Vorbild auch noch Versuche zur „vollalphabetischen Verschlüsselung“ gegeben, die aber keine grundsätzliche Verbreitung gefunden haben.

In der Antike waren Chronogramme noch nicht bekannt. Sie kamen im Mittelalter auf und waren besonders in der Barockzeit beliebt. Ihre Blütezeit erlebte die Chronogrammatik in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die Anwendung dieser Verschlüsselungstechnik breitete sich in ganz Europa aus und wirkt bis in die Gegenwart nach. Chronogramme werden an Bau- und Kunstdenkmälern (an sakralen und profanen Bauwerken, Gedenksäulen, Epitaphen, Kirchenglocken, Orgeln, Sonnenuhren), auf Münzen und Medaillen sowie in Hand- und Druckschriften angebracht. Je nach zugrundegelegtem Kalendersystem kann sich die angedeutete Jahreszahl auch auf die Erschaffung der Welt (3761 vor Christus) nach dem jüdischen Kalender beziehen.

Beispiele in aufsteigender Reihenfolge[Bearbeiten]

„Centuria Chronostichorum“ aus der Flora sinensis von Michał Boym mit etwa 100 Chronogrammen zum Jahr 1655
  • 810: Merkspruch anlässlich der Anwendung der „theodisca lingua“: KarL Der grosse Vnserer teVtsChen spraChe pfLeger (= DCCLLVV).
  • 1155: im Chorraum der Wallfahrtskirche Maria Weinberg in Eberau (Südburgenland): SaLVe sanCta Mater (= MCLV = Sei gegrüßt, heilige Mutter).
  • 1282: Memorialzahl: franCorVM tVrbIs sICVLVS fert fVnera Vesper (= MCCLVVVVVVII = Die sizilianische Vesper bringt Unglück über die Scharen der Franken).
  • 1307: templis exilium dant C bis LILIVM (= CC+MLLVII = Die Templer werden in die Verbannung geschickt).
  • 1315: ut lateat nullum tempus famis, ecce CVCVLLVM (= MCCLLVVV); zur schlimmen Hungersnot in diesem Jahr.
  • 1345: auf einer Votivtafel im Beginenhof in Amsterdam: ChrIstVs saLVator noster est, fVIt, erItqVe, fortIs, pIIs pIVs et Vere MIrabILIs In sIgnIs saCratI panIs (= MCCLLVVVVVVIIIIIIIIIIIIIII).
  • 1432: Widmungsinschrift am Altarwerk der Gebrüder van Eyck in der Kirche St. Bavo in Gent: VERSV SEXTA MAI VOS COLLOCAT ACTA TVERI (= MCCCLLXVVVVII = Durch den Vers ermöglicht euch der 6. Mai das Vollendete zu betrachten). Es gilt als der älteste bekannte Beleg im europäischen Raum.
  • 1466: Inschrift in gotischer Textura über der Eingangstür zum Kapitelsaal des ehemaligen Kreuzherrenklosters in Bentlage (bei Rheine): Flecte cor et genua veniam deposcere cura (= LCCVVIMCCV = d gilt noch nicht als Zahlwert! = Kryptochronogramm = Beuge Knie und Herz, bitte eifrig um Vergebung)
  • 1527: auf den „Sacco di Roma“: ALtera post Captos GaLLos popVLIqVe fVrores, aestas te Capta RoMa CrVenta fVIt (= MCCCLLLLVVVVVII = Das zweite Jahr nach der Gefangennahme der Franzosen und der Raserei des Volkes war ein ein blutig-grausames für dich, Rom, durch deine Eroberung).
  • 1531: Reversinschrift auf einer Medaille zum Tode des Schweizer Reformators Huldrych Zwingli: HeLVetIae Zv[sic!]IngLI DoCtor pastorqVe CeLebrIs VnDena oCtobrIs passVs In aethra VoLas (= DDCCCLLLLVVVVVIIIIII = Zwingli, als Doktor und Pastor in der Schweiz berühmt, der du am 11. Oktober den Tod erlitten hast und im Himmelsglanz fliegst).
  • 1532: Merkspruch für das Jahr des Nürnberger Religionsfriedens ist die Kreuzesinschrift: IesVs nazarenVs reX IVDaeorVM (MDXVVVVII = Jesus von Nazaret, König der Juden).
Pestsäule in Wien (1679), Chronogramm in den letzten vier Zeilen
  • 1572: Merkspruch für das Jahr der Pariser Bluthochzeit: LVtetIa Mater natos sVos DeVoraVIt (MDLVVVVII = Mutter Lutetia hat ihre Kinder verschlungen).
  • 1594: am Taufstein in der St.-Martins-Kirche in Stolberg: hIC ILLe fons noXa et sorDe graVatos CVIVs eLVta DeI VoCe repVrgat aqVa (= DDCCCCLLLXVVVVVVVIIII = Dies ist der Brunnen, dessen Wasser, durch Gottes Wort entsühnt, alle mit Schuld und Schmutz Beladenen reinigt.)
  • 1603: am Rathaus von Hannoversch Münden: IVstItIae fIgat Leges MVDae IpsVs IesVs faXIt et natos IoVe IVra beent (= MDLXVVVVVVVIIIIIIII = Jesus selbst möge für Münden die Gerechtigkeit festlegen und bewirken, dass die Rechte die unter Jupiter Geborenen beglücken).
  • 1603: My Day Closed Is In Immortality (=MDCIII, erinnert an den Tod von Königin Elisabeth I.)[1]
  • 1619: FrIDerICVs I. reX hyeMI (= MDCXVIIII). Bezeichnung Kurfürst Friedrichs V. von der Pfalz als Winterkönig von Böhmen auf einem kaiserlichen Flugblatt.
  • 1623: IrVs et est sVbIto, qVI MoDo CroesVs erat (= MDCVVVVIII = Bettler ist plötzlich, wer eben noch ein Kroesus war). Pseudochronogramm zu den Nachwehen der Kipper- und Wipperzeit aus Ovid (Tristia III 7, 42); zugleich als typographische Datierung der Schrift von Fabianus Natus: Vermahnungspredigt zur christlichen Beständigkeit.
  • 1642 : TV DeVs IaM propItIVs sIs regI regnoqVe hVIC VnIVerso (= MDCVVVVVVVIIIIIII) / O goD noVV sheVV faVoVr to the kIng and thIs VVhoLe LanD (= DDDLLVVVVVVVVII). Lateinisch-englisches Doppelchronogramm zum Beginn des englischen Bürgerkrieges (1642–1649).
  • 1655: „Centuria Chronostichorum“ aus der Flora sinensis von Michał Boym mit etwa 100 Chronogrammen, die alle das Jahr 1655 ergeben, in dem Kaiser Leopold I. zum König von Ungarn gekrönt wurde. Die ersten beiden lauten: MVCeLeres aDeste, LeopoLDo LaVDes Date (Herbei, flinke Musen, preiset Leopold).
  • 1666: LorD haVe MerCI Vpon Vs (=MDCLVVVI, zum Großen Brand von London)[1]
  • 1671: unterhalb des Goldenen Dachls in Innsbruck wurde eine Inschrift angebracht, die an die Restaurierungsarbeiten nach den heftigen Erdbeben von 1671 erinnern soll: restaVror post horrenDos ContInVo anno et VLtra perpessos terrae MotVs (= MDCLVVVVI = Ich werde nach den schrecklichen Erdbeben, die ununterbrochen in diesem Jahr und darüber hinaus erlitten worden sind, wiederhergestellt.)
  • 1674: Im Jahre EI fLVCh fLeVCh fLVChs hIn nVs ChrIsten MensChen sInn! (= MCCCCCLLLVVVVIIII) als Erscheinungsjahr des Apostolischen Fluch-Spiegels von Johann Georg Mestwert.
  • 1679: Ita VoVI: Anno DoMInI saLVatorIs NostrI IesU ChrIstI (= MDCLVVVVIIIIIIIII = So habe ich gelobt im Jahre [1679] des Herrn, unseres Erlösers Jesu Christi). Inschrift an der Wiener Pestsäule.
  • 1682: Inschrift an der neuen Orgel von Maria Plain: ALPHONSVS ABBAS MONASTERII WEINGARTENSIS DEIPARÆ VIRGINIS HONORI FIERI FECIT (= LVMIIVVIIDIVIIIIIICI = Alfons, Abt des Klosters Weingarten, ließ [das] zur Ehre der jungfräulichen Gottesgebärerin errichten).
  • 1685: Im Jahr, barsten VVIL Van nIIeD De kater, bLIVT Int graV Der VLen hater (= DDDLLLVVVVVVIIIII). Niederdeutsche Druckangabe zum Buch Musa Nocturnia Murnerana von Nikolaus Baer (1639–1714).
Koblenz (1702)
  • 1702: unter einer Marienstatue an der Fassade der Liebfrauenkirche zu Koblenz: sanCta MarIa De paCe ora pro nobIs (= MDCCII = Heilige Maria vom Frieden bitte für uns)
  • 1706: an der Kanzel in der Pfarrkirche in Malschwitz: Ebenezer bIs hIerher hat Vnser gott seIne hVLfe Vns erVVIesen, er seY aVCh In IesV nahMen IeDerzeIt Von Vns geprIeßen (= MDLVVVVVVVVVY[=II]IIIIIIIII)
  • 1709: LILICIDIVM (= MDCLLVIIII = Tod der Lilie/Lilientötung), zum Sieg der britischen Truppen über die Französischen in der Schlacht bei Malplaquet, eine Anspielung auf das damalige französische Nationalsymbol, die Bourbonenlilie
  • 1710: am Pfarrhaus in Marktbreit am Main: AeDes hVC posItae perstent In noMIne ChrIstI (= MDCCVIIIII = Das hierher gestellte Haus möge in Christi Namen Bestand haben)
  • 1715: an der ehemaligen Klosterkirche St. Joseph in Gronau (Leine): DeVs CertVs aspeCtor MeVs (= MDCCVVV = Gott schaut mich an mit sicherem Blick)
  • 1717: Portal der Namen-Jesu-Kirche Bonn: a patrVo ereCtVM nepos DICaVIt. (Vom Onkel errichtet, hat es der Neffe geweiht).
  • 1720: an der St.-Nikolaus-Kirche in Vianden: SanCte tVos ChrIstos NICoLae tVere CLIentes CorporIs aC anIMae tVtor orare potens (= MCCCCCCLLVVVIIIII).
Marienrode (1724)
Mariensäule in Buchen (Odenwald), 1753
  • 1722: an der Pestsäule in Wallerstein: Vasta LVes patrIa sIt proCVL atqVe DoMo (=  MDCLVVVVII = Die wüste Seuche sei fern von Heimat und Haus)
  • 1724: am Kloster Marienrode: PaX hVIC aeDI, DabIt hos faVores IesVs et VIrgo pIa, ne fVrores noXII sVrgant, rapIDIVe VentI sInt vIoLentI (= DDDCLXXVVVVVVVVIIIIIIIIIIIIII = Friede diesem Hause. Jesus und die milde Jungfrau schenke gnädig dass nicht schädliches Wüten sich erhebe oder Sturmwinde zerstören.)
  • 1725: am „Haus zur Groe“ in Marktbreit am Main: EN MEA SPES AEDES CERTAE AC PAX ARXQVE BEATA (= MDCCXXV = Seht meine Hoffnung: ein sicheres Haus und Frieden und eine glückliche Burg!)
  • 1730: Doppelchronogramm im Gemälde Karl der Große von Johann Chrysant Bollenrath im Aachener Rathaus: CaroLVs MagnVs hVIVs seDIs regaLIs et VrbIs granensIs (= MDCLLVVVVVIIIII) / et / LaVDabILIs De pannIs IbI statVentIs IVDICII patronVs (= DDDCLLVVVVIIIIIIIIII) – Karl der Große, Patron dieses königlichen Sitzes und der Stadt Aachen sowie des löblichen hiesigen Werkmeistergerichts.
  • 1732: an der Kapitelschwemme in Salzburg: LEOPOLDVS PRINCEPS ME EXSTRVXIT (= MDCLLXXVVII = Fürst Leopold hat mich errichtet).
  • 1744: im Tympanon der Barockkirche (des heutigen Aegidiussaals) in Bornheim-Hersel: SVb praesIDIo CLeMentIs AVgVstI eXaLtatVr rVrsVs (= MDCLLXVVVVVVIIII = unter dem Schutz von Clemens August wurde [diese Kirche] abermals erhöht [gebaut und geweiht, als Nachfolgebau einer zerstörten Kirche])
  • 1745: an der Fassade des Schlossgutes Groß Schwansee: FaVente IehoVa ereXI, faVeat DoMInVs IehoVa CVstos ereCtI (= MDCCXVVVVVVIIIII = Mit dem Beistand Jehovas habe ich es errichtet, möge ihm der Herr Jehova als Beschützer des Errichteten beistehen).
  • 1748: am Epitaph Frech in Marktbreit am Main: FRECHIADVM EXVVIAE HAC POST FATA QVIETE FRVVNTVR (= MDCXVVVVVVVIII = Die sterblichen Hüllen der Familie Frech genießen nach ihren Schicksalen diese Ruhe.)
  • 1750: Kloster Heisterbach: PAX CVIQVE INTRANTI RVRSVM PAX HINC REDEVNTI (anno) ROMAE SANCTO DE SOLO ATTOLLEBAR (= MDCCXXVVVVVIIIII + MDCLLL)
  • 1751: nahe der Aegidiuskirche in Bornheim-Hersel: ChrIsto Dabat CLeMens (= MDCCLI =Clemens weihte [dieses Steinkreuz] Christus). Dieselbe Jahreszahl wird auf einer anderen Hinterlassenschaft desselben Fürsten, an der „Heiligen Stiege“ auf dem Bonner Kreuzberg, durch einen ca. fünfmal so langen Text dargestellt: SCaLa IesV pro nobIs passI a CLeMente AVgVsto ELeCtore et AntIstIte CoLonIensI pIe aVgVste pretIose eXstrVCta et fInIta (= MCCCCCLLLLXVVVVVVIIIIIIIIIII = die Stiege Jesu, der für uns gelitten hat, von Clemens August, dem Kurfürsten und Erzbischof von Köln, fromm, erhaben und kostbar erbaut und vollendet)
  • 1753: Vitivspruch am Sockel der Mariensäule in Buchen (Odenwald), siehe Madonnenländchen: QVI TIBI DEVOTI STATVAM POSVERE CLIENTES ISTOS AUXILIO PROTEGE VIRGO TVO (= VIIIDVIVMVCLIIVXILIVV = Jungfrau, beschütze diejenigen Schutzbefohlenen mit Deiner Hilfe, die Dir getreu die Statue aufgestellt haben.)
Eschweiler (1785)
Eschweiler (1786)
  • 1755: am Portal des Domstifts in Bautzen: MODÔ HÔC COELÔ FAVENTE STO. (= MDCCLV = Aus des Himmels Gunst stehe ich jetzt hier)
  • 1756: am Steiner Stadttor in Krems: ConspICIte fIDeLItatIs praeMIa (= MDCCLIIIII = Seht auf den Lohn der Treue!)
  • 1757: an der Orgelempore der Stadtkirche Maria Himmelfahrt in Berching: Deo aC gLorIosae MatrI eIVs saCra (= MDCCLVII = Gott und derglorreichen Mutter geweiht)
  • 1759: auf der sogenannten "Walkenrieder Friedenstafel" in Walkenried: IanVa nVnC IanI CLaVsa est / anno hoCCe saLVtIs / paX et VVaLCkreDae saLVatorqVe DeVs (Die Januspforte ist nun geschlossen / In diesem Jahre des Heils / Frieden auch in Walkenried und Gott ist der Erretter) [2]
  • 1763: Chronodistichon zum Frieden von Hubertusburg: Aspera beLLa sILent: reDIIt bona gratIa paCIs; o sI parta foret seMper In orbe qVIes (= MDCLLLVIIIIIIII).
  • 1767: auf einem Steinkreuz in Bornheim-Uedorf: CrVCIfIXo Data a praeLato HerMano (= MDCCLXVII = Christi Leiden gewidmet vom Praelaten Hermann)
  • 1771: auf dem Denkmal „Der Fußfall“ in Hochkirchen: eX LargIs IaCobI haMaCher posIta fVIt DonIs (= MDCCLXVIIIIII = aus einer hochherzigen Spende des Jakobus Hamacher errichtet)
  • 1774: am Pöstlingberg in Linz: ARA BEATAE LVGENTIS NECEM FILII QVOTIDIE PRIVILEGIATA (= MDCLLLVVVIIIIIIIII = täglich privilegierter Altar der seligen [Jungfrau], die die Ermordung ihres Sohnes betrauert)
  • 1774: Zweizeilige Inschrift am Eingang zur Wohnung des Propstes des Zisterzienserinnenkloster St. Gertrud in Hedersleben: GERTRVDIS SEDES, SVPERIS VENERABILIS ÆDES / STET SECVRA SOLO, STET BENE GRATA POLO (Der Sitz Gertruds, die Kirche der im Himmel Verehrungswürdigen, stehe sicher auf der Erde und stehe wohl zur Freude des Himmels)
  • 1778: in Abtei (Südtirol): EXVLTABVNT IN CONSPECTV DOMINI (Psalmus 97) (= MDCCLXVVVIII)
  • 1785: in Eschweiler, Erbericher Kreuz aus dem abgebaggerten Ortsteil Erberich: CrVCeM eXaLtabat BarDenheVer Vt VeneretVr (= MDCCLXVVVVV)
  • 1786: in Eschweiler, Gedenkstein aus dem abgebaggerten Ortsteil Laurenzberg: CrVX ChrIstI saLVtIs reDeMptIonIs Vestræ pIgnVs (= MDCCLXVVVVIIIIII)
  • 1790: über dem Portal des Schumannhauses in Bonn-Endenich: ConsILIarIVs KaVfMann Has aeDes eXstrVI CVraVIt (= MDCCLXVVVVVIIIII = Der [kurfürstliche] Rat Kaufmann hat dieses Haus bauen lassen)
  • 1792: über dem Portal des Kaderhofs in Wesseling-Urfeld: Has aeDes aere proprIo st[r]VXIt Ioannes IosephVs CorMan benefICIatVs eX BLIntrop (= MDCCLXXVVVIIIIIII = Johann Joseph Corman, Lehnsmann aus Blintrop, hat dieses Haus aus eigenem Vermögen gebaut)
  • 1793: am Gymnasium in Schäßburg: PatrIae fILIIs VIrtVtI paLLaDIqVe sese VoVentIbVs saCrVM (= MDCLLLVVVVVVVIIIIIIII = Den Söhnen des Vaterlandes, die sich der Tugend und der Wissenschaft gewidmet haben, als Heiligtum)
  • 1813: NVNC GALLICIDIVM. (= MDCCLLVVIII = Jetzt ist der Tod der Gallier) Memorialzahl bezogen auf die Völkerschlacht bei Leipzig
  • 1823: über dem Turmeingang der Kirche St. Andreas und Matthias in Lich-Steinstraß: DEO SACER LOCVS VENITE IVBILEMVS (= MDCCLLVVVVIII = Ein Gott geweihter Ort, kommt, lasset uns lobpreisen!)
  • 1830: am Ludwigsbrunnen bei Mainberg: LVDoVICo prIMo Laetantes et gratI CIVes sVInfortenses (= MDCCLLVVVVVIIIII = Ludwig I. die erfreuten und dankbaren Schweinfurter Bürger)
  • 1845: über dem Portal des Benediktinerpriorats in Limbuš bei Maribor: FerDInanDo IVbente eX arCe fVnDItVs CoLLapsa reVIXI (= DDDCCLLXXVVVVIIIII)
  • 1851: auf dem Denkmal „Der Fußfall“ in Hochkirchen: haeC CrVX DeVotIone aC proprIIs sVMtIbVs hVIVs pagI renVata. (= MDCCCXVVVVVVVIIIIII = Dieses Kreuz wurde aus Pietät und auf Kosten des Dorfes renoviert)
  • 1864: an der Hosannaglocke der Klosterkirche Ottobeuren: FVnestae saeCVLarIsatIonIs noXaM CaVsa IVbILarI eCCLesIae sVae paroChIanI OttobVrae Laetanter LVere VoLVnt (= MCCCCCLLLLLLXVVVVVVVVVIIIIIIIII = Den Schaden der üblen Säkularisation wollen die Pfarrkinder Ottobeurens anlässlich des Jubiläums ihrer Kirche freudig wiedergutmachen.)
Wengen in Südtirol (1876)
  • 1876: in Wengen (Südtirol): GLORIA PERPETVA LAVS DEO EX HOC TEMPLO SANCTO SVO. (= MDCLLLXVVVI = Ewiger Ruhm und Lob aus diesem seinem heiligen Tempel)
  • 1884: in der Klosterkirche in Einsiedeln: In aVLa gLorIosae VIrgInIs MarIa honorIfICetVr DeVs In saeCVLa (= MDCCLLLVVVVVIIIIIIIII = Im Gotteshaus der herrlichen Jungfrau Maria soll Gott in Ewigkeit verehrt werden)
  • 1890: über dem Eingang der Kirche Notre Dame in Spalbeek (Limburg): SeCVnDa DIe IVnII ConseCraVIt DoVtreLoVX (= DDDCCCLXVVVVVIIIII)
  • 1895: an der Kirche zu Rémeling: QVI ChrIsto serVIs, VenI qVaeso, eX CorDe oreqVe SebastIanVM CoLe (= MDCCCLXVVVVVVIIIII = Der, der du Christus dienst, komm, verehre Sebastian mit Herz und Mund)
  • 1896: an einem Straßenkreuz in Bliesheim: SIt IesV ChrIstI CrVX In CaeLVM nobIs DVX (= MDCCCLXXVVVVIIIIII = Sei das Kreuz Jesu Christi unser Führer zum Himmel)
  • 1911: Glasfensterinschrift im Kuppelsaal des St.-Gallus-Stifts (jetzt Vorarlberger Landesbibliothek) in Bregenz: BeneDICta gLorIa ChrIstI In teMpLo sanCto eIVs (= MDCCCLLVIIIIII = Gelobt sei der Ruhm Christi in diesem heiligen Tempel)
  • 1958: am Haupteingang des Stadtgymnasiums Dortmund: sChoLa treMonIense beLLo DIrVta e CInere refeCta (= MDCCCLLLVIII = Dortmunder Schule im Krieg zerstört und aus Asche wieder auferstanden)
  • 1967: im Josefskapellchen in Mützenich: SANCTE JOSEPH LABORVM NOSTRORVM PROTECTOR FIDELIS LABORA NOBISCVM zur Neuerrichtung der Kapelle (= MDCCCCLLLVVVII / unsauberes Chronogramm, da zwei M unberechnet bleiben!).
  • 2000: AVe MarIa / VIrgo DeI genItrIX / aLLeLVIa / pLebIs tVae CantatIs / aVres InCLIna (= MDCCLLLLLXVVVVVVIIIIIIIIII = Gruß dir Maria, Gottes Mutter und Jungfrau, Alleluja, zu den Liedern des Volkes neige die Ohren): anlässlich der Restaurierung am Orgelprospekt der Klosterkirche Maria Laach.
  • 2005: zur Wahl von Papst Benedikt XVI.: habeMVs papaM (= MMV)
Chronogramm an der Universität Innsbruck zu Ehren Karlheinz Töchterles (2007)

Literatur[Bearbeiten]

  • Johannes B. Bauer: Kleine Kulturgeschichte des Chronogramms. Graz 1994.
  • Gerhard Dünnhaupt: Chronogramme und Kryptonyme: Geheime Schlüssel zur Datierung und Autorschaft der Werke des Polyhistors Johannes Praetorius. In: Philobiblon 21 (1977), S. 130–135.
  • Bernard Grothues: reMbranDt Is VersChenen. Kampen 1992.
  • James Hilton: Chronograms, 5000 and more in number, excerpted out of various authors and collected at many places. Elliot Stock, London 1882 (Reprint 2010), online im Internet Archive.
  • James Hilton: Chronograms, continued and concluded, more than 5000 in number, a supplement volume to “Chronograms”, published in the year 1882. Elliot Stock, London 1885 (Reprint Kessinger 2010).
  • James Hilton: Chronograms, Collected more than 4000 in number since the publication of the two preceeding volumes in 1882 and 1885. Elliot Stock, London 1895 (Reprint Kessinger 2007), online im Internet Archive.
  • Hermann Krüssel (Hrsg.): Chronogramme – vergessene Kunst in Aachen: ausgewählte Chronogramme aus der Geschichte und Gegenwart Aachens mit Übersetzungen und Erläuterungen. Einhard, Aachen 2005, ISBN 3-936342-42-3.
  • André Lepine: 400 Chronogrammes Curieux. Cerfontaine 1987.
  • Eduard Lichter: Chronogramme aus dem Regierungsbezirk Trier und dem Saarland 1419–1994. In: Neues Trierisches Jahrbuch 34 (1994), S. 113–142.
  • Veronika Marschall: Das Chronogramm. Eine Studie zu Formen und Funktionen einer Kunstform. Frankfurt/M. u.a. 1997 (= Helicon, Bd. 22).
  • Hans-Ludwig Oertel: Chronogramme in lateinischen Inschriften in Marktbreit, Obernbreit und Segnitz und ihre Deutung. [Reihe Edition Villa Segeniz, Hg. v. Hans Michael Hensel] Segnitz: Zenos Verlag 2008.
  • Waldemar Schupp: Das Chronogramm als kulturgeschichtliches Phänomen. Dokumentarischer Überblick. In: Herold-Jahrbuch. NF 8 (2003), S. 127–188.
  • Waldemar Schupp: Numismatische Chronogrammatik. Chronogrammata in nummis scripta. In: Pro Lingua Latina 10 (2009), S. XCIII–CVIII, 11 (2010), S. CXCII–CCX und 12 (2011), S. CXVII–CXXXVI.
  • Georg Valentin: Über die Bewertung des Y in Chronogrammen. In: August Wilmanns: Beiträge zur Bücherkunde und Philologie. Leipzig 1903, S. 193–198.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Chronogramme – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Ben Schott: Schotts Samelsurium. Bloomsbury, Berlin 2004, S. 103.
  2. Beschreibung der Walkenrieder Friedenstafel im Museums-Portal museum-digital