Chronotyp

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Häufigkeit verschiedener Chronotypen in der deutschen Bevölkerung
Alter und Chronotyp (Schlafmitte)

In der Chronobiologie wird der Begriff Chronotyp für die Kategorien von Menschen verwendet, die aufgrund der inneren biologischen Uhr (Tag/Nacht) physische Merkmale wie z. B. Hormonspiegel, Körpertemperatur, Schlaf- und Wachphasen, Leistungsvermögen zu unterschiedlichen Tageszeiten in unterschiedlicher Ausprägung besitzen.

Beeinflussung des Tag-Nacht-Rhythmus[Bearbeiten]

Beim Menschen und anderen Säugetieren wird in der Netzhaut, in der Zirbeldrüse und im Darm das Hormon Melatonin gebildet, welches den Tag-Nacht-Rhythmus steuert. Die Steuerung der Zirbeldrüse wird u. a. im Nucleus suprachiasmaticus der sich im Hypothalamus befindet, lokalisiert. Es gibt Hinweise darauf, dass die unterschiedlichen Schrittmacher sich unterschiedlich auf die Schlafphasen des Menschen auswirken. Die Synchronisation mit dem astronomischen Tag-Nacht-Wechsel erfolgt über die Erregung der fotosensitiven Ganglienzellen in der Netzhaut, deren maximale Lichtempfindlichkeit bei 480 nm Wellenlänge und somit im Blauen liegt.

Hauptkategorien[Bearbeiten]

Man unterscheidet drei Typen: 1. den Frühaufsteher („Lerche“); 2. den Normaltyp, der den Großteil der Bevölkerung ausmacht, und 3. den Spätaufsteher („Eule“), der nach dem Normaltyp häufiger vorkommt als der Frühaufsteher. Wie aus der Grafik (oben rechts) ersichtlich, ergibt die Verteilung der Chronotypen annähernd eine Normalverteilung (Glockenkurve), wie dies auch bei der Verteilung der Schuhgrößen oder Körpergrößen der Fall ist.

Der Chronotyp ist im Grundsatz genetisch angelegt, ändert sich aber mit dem Alter: Kleinkinder sind fast immer Lerchen. In Pubertät und Adoleszenz entwickelt sich der individuelle Chronotyp sehr schnell in Richtung spät und erreicht mit 19,5 (weibl.) und 20,9 (männl.) Jahren ein Extrem bei durchschnittlich 4:45 Uhr bzw. 5:30 Uhr Mitte des ungestörten Schlafzeitraums (Ortszeit). In diesem Alter knickt die Entwicklung plötzlich in die entgegengesetzte Richtung ab. Im Alter von ca. 55 Jahren ist der geschlechtsspezifische Unterschied bei durchschnittlich 3:30 Uhr Mitte des ungestörten Schlafzeitraums verschwunden.

Eine nachhaltige Anpassung der Schlafzeiten an das soziale Umfeld oder berufliche Erfordernisse ist nur sehr beschränkt durch lichttechnische Maßnahmen möglich (morgendliche Lichtexposition mit hoher Farbtemperatur und ausreichender Beleuchtungsstärke, d. h. sehr helles blaues Licht). Das somit bei der Mehrheit der Bevölkerung zwangsläufig entstehende akkumulierte Schlafdefizit muss daher in der Regel an freien Tagen durch längeres „Ausschlafen“ ausgeglichen werden.

In der Märzausgabe 2009 von SZ-Wissen wird erwähnt, dass im Schnitt die Eule wohlhabender sein soll als die Lerche. [1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Belege[Bearbeiten]

  1. Luise Heine, März 2009, S. 26 "So ticken sie richtig" SZ Wissen

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

  • delta-t Verein für Spätmenschen