Chukarhuhn

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Chukarhuhn
Chukarhuhn (Alectoris chukar)

Chukarhuhn (Alectoris chukar)

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Hühnervögel (Galliformes)
Familie: Fasanenartige (Phasianidae)
Gattung: Steinhühner (Alectoris)
Art: Chukarhuhn
Wissenschaftlicher Name
Alectoris chukar
(Gray, 1830)
Rückenansicht Chukarhuhn, Aufnahme aus Indien
Verbreitungsgebiete der Steinhühner. Grüne Fläche: Verbreitungsgebiet des Chukarsteinhuhns
Auf Hawaii eingebürgertes Steinhuhn
Steinhuhn im Red Rock Canyon, US-Bundesstaat Nevada
Alectoris chukar falki

Das Chukarhuhn (Alectoris chukar), auch Chukarsteinhuhn genannt, ist eine Vogelart aus der Familie der Fasanenartigen (Phasianidae), die zur Ordnung der Hühnervögel (Galliformes) gehört. Es hat innerhalb der Gattung der Steinhühner das umfangreichste Verbreitungsgebiet und kommt von der Balkanhalbinsel und den Inseln des Ägäischens Meeres bis nach Nordchina vor. Es nutzt dabei Lebensräume, die sich hinsichtlich Relief, Klima und Vegetation stark unterscheiden, weswegen man das Chukarhuhn auch als eine Vogelart mit hoher Ökologische Plastizität bezeichnet.[1]

Chukarhühner sind vor allem in den Gebirgsregionen des Kaukasus, Mittelasiens und Kasachstans ein bedeutendes Jagdwild. Es wird hauptsächlich mit der Schusswaffe gejagt. Die Jagdzeit fällt überwiegend in die Monate November und Dezember, wenn Chukarhühner ihr maximales Gewicht erreichen.[2]

Erscheinungsbild[Bearbeiten]

Chukarhühner weisen keinen Geschlechtsdimorphismus auf. Die Nominatform zeichnet sich durch einen weinrötlichen Scheitel aus, der an den Seiten und auf dem Hinterkopf in Aschgrau übergeht. Die Stirn ist schwarz. Eine schwarze Binde umzieht außerdem die Augen und einen rotbraunen Ohrdeckenfleck. Ein grauweißes Überaugenband befindet sich über der Augen- und der Ohrregion. Das Gefieder auf dem Oberrücken und den Schultern ist gleichfalls weinrötlich; Bürzel, Oberschwanzdecken und Unterrücken sind dagegen aschgrau. Der Schnabel, die Wachshaut der Augen und die Beine sind korallenrot gefärbt.

Ausgewachsene Chukarhühner ähneln dem Alpensteinhuhn sehr. Der Kehl- und Kropffleck ist jedoch beim Alpensteinhuhn weiß und nicht rahmfarben wie beim Chukarhuhn. Die beiden Hühnervögel überlappen sich allerdings nicht in ihrem Verbreitungsgebiet.

Die Küken sind auf der Körperunterseite rahmweiß. Vom Augen über die Ohrdecken verläuft ein dünner schwärzlicher Streif. Der Scheitel ist hellbraun mit einer dunklen Sprenklung. Die Körperoberseite ist schwärzlichbraun mit drei rahmfarbenen Längsstreifen.[3]

Fortbewegung[Bearbeiten]

Chukarhühner fliegen nur dann auf, wenn sie entweder einer plötzlichen Gefahr schnell entweichen wollen oder wenn sie den Grund von Schluchten schnell erreichen wollen. Sie legen keine großen Entfernungen fliegend zurück. Die maximale Entfernung, die ein Chukarhuhn von einem Berggipfel aus abfliegend erreichen kann, wird auf nur zwei Kilometer geschätzt.[4] Im Flug wechseln sich Phasen mit schnellen Flügelschlägen und Gleitphasen ab.

Stimme und Instrumentallaut[Bearbeiten]

Auf Grund der begrenzten Sicht in ihrem typischerweise stark zerklüfteten Lebensraum halten Chukarhühner durch Lautgebung Kontakt mit ihrem Trupp oder dem Partnervogel. In Regionen, in denen Chukarhühner häufig sind, sind über den gesamten Tag hinweg ihre Stimmen zu vernehmen. Sie sind nur während der Brutphase und der ersten Zeit der Jungenführung schweigsam.[5]

Namensgebend für das Huhn war der auffallende Ruf, der an ein Tschukar erinnert. Er ist eine Ruffolge eingegliedert, die an ein tschuk... tschuk .... tschuk ....pertschuk...tschukar-tschukar-tschukar erinnert. Mit diesem Ruf sammeln sich Truppmitglieder; er ist außerdem der Warnruf von Männchen zur Revierabgrenzung. Der Gesang ist tiefer und rauer als beim Alpensteinhuhn. Die einzelnen Elemente sind länger und folgen dichter aufeinander. Wie beim Alpensteinhuhn auch fliegen aufgescheuchte Chuckarhühner mit einem laut burrendem Fluggeräusch (sogenannter Instrumentallaut) auf. Dieses laute Geräusch hat vermutlich die Funktion, Bodenfeinde zu erschrecken.[6]

Verbreitungsgebiet[Bearbeiten]

Das Chukarhuhn kommt vom südöstlichen Balkan über Vorder- und Innerasien bis zur Mandschurei vor. Es wurde darüber hinaus in Nordamerika, auf Hawaii sowie Neuseeland und in Südafrika eingeführt.

Die Nordgrenze des Verbreitungsgebietes läuft über Rhodopen, dem Südufer des Schwarzen Meeres, den Nordhängen des Großen Kaukasus, der Halbinsel Mangyschlak, den Südausläufern des Ustjurt-Plateaus, Karataugebirge, den Nordhängen des Tienschan, Tschüi-Ili-Berge, Dsungarischer Alatau, Tarbagatai, Saurgebirge, südlicher Altai, westliches Tannu-ola-Gebirge, Changai-Gebirge und Churchgebirge.[7] Die Südgrenze des Verbreitungsgebietes zieht sich vom südöstlichen Teil der Balkanhinsel über Kleinasien, dem südlichen Nahen Osten, über Südiran, Pakistan, Nordindien und den chinesischen Provinzen Sichuan und Shanxi.[8]

Lebensraum[Bearbeiten]

Chukarhühner besiedeln eine Reihe sehr unterschiedlicher Habitate. Generell ist das Chukarhuhn eine charakteristische Vogelart stark gegliederter Regionen der Steppen-, Halbwüsten- und Wüstenzonen der Paläarktis.[9] Auf Grund seiner Anpassungsfähigkeit ist es jedoch in der Lage, sehr unterschiedliche Lebensräume zu nutzen. Es kommt beispielsweise im Pamir auch auf alpinen Wiesen in 4000 Meter über NN vor.[10] Am häufigsten kommt es jedoch in Höhenlagen zwischen 500 und 2000 Metern vor. Es bevorzugt stark zerklüftete, felsige Räume mit Hängen, Geröllfeldern, offenen Grasflächen und einzelnen Strauchgruppen. Wesentlich ist ein Vorkommen von Wasser in Form von Gebirgsflüssen, Bächen oder Quellen.

Lebensweise[Bearbeiten]

Chukarhühner sind überwiegend Standvögel. In den Hochgebirgen lebende Populationen wandern im Winterhalbjahr jedoch in niedrigere Höhenlagen ab. Für Tadschikistan sind auch abweichend von der Lebensweise von Populationen in anderen Regionen Zugbewegungen beschrieben worden. Hierbei wandern die Chukarhühner ab September von aus den Hochgebirgen des zentralen in niederschlagsärmere Mittelgebirge im Süden Tadschikistans ab, das sie etwa ab Dezember erreichen. Sie kehren im Mai wieder in ihre Brutgebiete zurück.[11] Sie leben überwiegend in Trupps und sind nur während der Fortpflanzungszeit paarweise zu beobachten.

Ihre Nahrung suchen Chukarhühner überwiegend am Boden. Sie fressen hauptsächlich pflanzliche Kost, nehmen in geringer Menge aber auch Wirbellose auf. Grüne Pflanzenteile und Früchte reißen sie mit dem Schnabel ab. Im Boden befindliche Pflanzenteile wie beispielsweise Zwiebeln hacken sie mit dem Schnabel heraus oder scharren sie mit dem Füßen frei. Tränken suchen sie vor allem im Zeitraum Juli bis September auf. Im Frühjahr können sie ihren Wasserbedarf mit grünen Pflanzenteilen decken, im Winter fressen sie Schnee.[12] Hohe Schneedecken schränken die Nahrungssuche können die Nahrungssuche erheblich ein. Sie halten sich deshalb im Winter bevorzugt an Südhängenauf, an denen der Schnee weniger tief ist und einzelne Abschnitte schneller schneefrei werden. Bei häufigem Schneefall mit längeren Frostperioden verhungern Chukarhühner häufig.[13] Schnee behindert außerdem ihre Fortbewegung, so dass sie in schneereichen Wintern häufig eine leichte Beute von Raubtieren werden.

Hähne liefern sich heftige Kämpfe um die Brutreviere, was dazu geführt hat, dass insbesondere in Pakistan mit dieser Art auch Hahnenkämpfe durchgeführt werden. Das Nest ist eine flache Mulde und wird unterschiedlich mit Pflanzenteilen der unmittelbaren Umgebung ausgelegt. Die Gelege bestehen aus 8 bis 15 Eiern, die von gelblicher bis graubrauner Färbung sind und eine rötlichbraune Sprenkelung aufweisen. Das Weibchen brütet allein. Sie beginnt mit der Brut, sobald das Gelege vollendet ist. Die Küken schlüpfen nach 22 bis 24 Tagen.[14]

Systematik[Bearbeiten]

Innerhalb seines natürlichen Verbreitungsgebietes haben sich 14 Unterarten ausgebildet. In Europa beheimatet ist die A. c. cypriotex, die in Bulgarien, auf den Ägäischen Inseln, Kreta, Rhodos und in Kleinasien zu finden ist. Die Nominatform A. c. chukar lebt dagegen im östlichen Afghanistan, Kaschmir und dem Himalaja bis ins westliche Nepal.

Früher wurden das Alpensteinhuhn und das Chukarhuhn als eine Art beschrieben. Mittlerweile hat sich jedoch durchgesetzt, die beiden als jeweils selbständige Art anzusehen. Ausschlaggebend für diese Einordnung war das sehr unterschiedliche Stimmrepertoire der beiden Arten.

Belege[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Heinz-Sigurd Raethel; Wachteln, Rebühner, Steinhühner, Frankoline und Verwandte, Verlagshaus Reutlingen, Reutlingen 1996, ISBN 3-88627-155-2
  • R. L. Potapov, V. E. Fling (HRSG): Handbuch der Vögel der Sowjetunion. Band 4: Galliformes, Gruiformes.’’ Aula Verlag, Wiesbaden 1989, ISBN 3-89104-417-8

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Chukarhuhn – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Chukarhuhn – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Protokoll & Fling, 1989, S. 59
  2. Protokoll & Fling, 1989, S. 67
  3. Collin Harrison, Peter Castell: Jungvögel, Eier und Nester der Vögel Europas, Nordafrikas und des Mittleren Ostens. 2. Auflage. Aula, Wiebelsheim 2004, ISBN 3-89104-685-5. S. 110
  4. Protokoll & Fling, 1989, S. 59
  5. Protokoll & Fling, 1989, S. 56
  6. Hans-Heiner Bergmann; Hans-Wolfgang Helb; Sabine Baumann; Die Stimmen der Vögel Europas – 474 Vogelporträt mit 914 Rufen und Gesängen auf 2.200 Sonogrammen, Aula-Verlag, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-89104-710-1; S. 81.
  7. Protokoll & Fling, 1989, S. 58
  8. Protokoll & Fling, 1989, S. 58
  9. Protokoll & Fling, 1989, S. 59
  10. Protokoll & Fling, 1989, S. 59
  11. Protokoll & Fling, 1989, S. 59
  12. Protokoll & Fling, 1989, S. 59
  13. Protokoll & Fling, 1989, S. 63
  14. Collin Harrison, Peter Castell: Jungvögel, Eier und Nester der Vögel Europas, Nordafrikas und des Mittleren Ostens. 2. Auflage. Aula, Wiebelsheim 2004, ISBN 3-89104-685-5. S. 109