Chukudu

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Dieser Artikel beschreibt ein Fahrzeug im Kongo. Zur gleichnamigen Siedlung in Botswana siehe Chukudu Kraal.
Ein Mann transportiert mithilfe eines Chukudu in Nord-Kivu Bananen zum Markt.

Ein Chukudu ist ein im Osten des Kongo in den 1970er Jahren entwickelter und verwendeter hölzerner Lastenroller, dessen Name die lautmalerische Beschreibung des Fahrgeräusches ist („Chu-ku-du“). Das einem überdimensionalem Tretroller ähnliche Fahrzeug prägt das Straßenbild von Goma. Das unbeladene Fahrzeug wird vom Fahrer mit einem Bein auf ihm kniend durch Abstoßen mit dem anderen Bein vorwärtsbewegt. Mit größerer Beladung muss es ohne Gefälle geschoben werden, die topographischen Verhältnisse erlauben zum Warentransport in die Stadt jedoch meistens ein Bergab-Rollen, bei dem der Fahrer hinter der Ladung auf dem Längsträger steht. Gebremst wird durch Druck auf ein Gummistück, das am Hinterrad befestigt ist.[1][2]

Herstellung[Bearbeiten]

Das Chukudu wird von Handwerkern im Umland von Goma aus einheimischen Hölzern und wiederverwerteten Teilen angefertigt. Für die Laufflächen der Räder und die simple Reibungsbremse am Hinterrad werden zugeschnittene Altreifen verwendet, die Kugellager und Achsen der Räder stammen aus verschrotteten Autos. Das Kniekissen auf dem Längsträger besteht aus der Sohle einer ausgedienten Flip-Flop-Sandale.

Die Angaben zur enormen Tragfähigkeit des Chukudu schwanken zwischen 600 und 700 Kilogramm[1].

Bedeutung[Bearbeiten]

Nach traditioneller Arbeitsteilung tragen Frauen im Kongo die schweren Lasten wie Brennholz, Wasser, Nahrungsmittel. Im bergigen Waldgebiet außerhalb der Stadt Goma kommt das Risiko von Vergewaltigung und Raub durch Rebellen hinzu. Besitzt die Familie ein Chukudu, so übernimmt eher der Mann diese Aufgaben.[3]

Darüber hinaus ist die ökonomische Bedeutung immens. Da zahlreiche Lasten wie Holz oder Bananen aus den umliegenden Bergen bergab in die Stadt gelangen, ist ein sehr rationeller Transport möglich, ohne dass die verhältnismäßig hohen Kosten eines Lkw-Transports anfallen. Ein „Chukudeur“ kann mit Transportdiensten zwischen 10 Dollar und 15 Dollar[1] täglich erzielen, in der armen Region ein sehr guter Verdienst.

Ein Versuch des Bürgermeisters von Goma, die Chukudus aus dem Stadtzentrum zu verbannen, wurde nach Protesten wieder aufgegeben. Inzwischen veranstaltete die UN-Friedenstruppe stattdessen eine mit Preisen versehene „Chukudu-Rallye“.[1]

Sonstiges[Bearbeiten]

Der Anthropologe und Fotograf Teun Voeten leitete seinen Artikel in der tageszeitung bildlich treffend mit folgenden Worten ein:

„Es scheint aus der Höhlengarage der Familie Feuerstein zu kommen.“[1]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Teun Voeten: Chukudu, Chukudu. taz.de, 8. Dezember 2009, abgerufen am 9. Dezember 2009.
  2. Cigdem Akyol: Ohne Holzroller läuft im Kongo gar nichts. Rheinische Post, Weitsicht D7, 22. Februar 2013
  3. Anna Husarska: Meeting Congo’s sex crime victims. Guardian Weekly, 27. März 2008