Chuquicamata

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-22.290555555556-68.901944444444Koordinaten: 22° 17′ 26″ S, 68° 54′ 7″ W

Karte: Chile
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Chuquicamata

Chuquicamata ist eine Stadt in der Atacama-Wüste im Norden Chiles, ca. 15 km von der Stadt Calama entfernt in der Región de Antofagasta. Sie ist bekannt durch den ehemals größten Kupfer-Tagebau der Welt. Mittlerweile ist Chuquicamata eine Geisterstadt – wegen der Umweltbelastung der Mine und weil unter der Stadt ebenfalls Kupfer entdeckt wurde, wurden die Einwohner Chuquicamatas 2004 umgesiedelt. Sie leben nun in einem neuen, eigens errichteten Wohngebiet in Calama.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Gebiet wurde schon vor der Ankunft der Spanier durch die Bewohner genutzt. Das Wort Chuquicamata kommt aus der Aymarasprache und stammt wohl von den ersten Einwohnern des Landes. Chile hat die offizielle Kontrolle über das Territorium erst mit dem Salpeterkrieg und den darauf folgenden Verträgen erhalten, jedoch wurden die Kupfervorkommen erst später entdeckt.

Bergwerk[Bearbeiten]

Chuquicamata, die größte Kupfermine der Welt
100 Muldenkipper sind im Einsatz

Gründung[Bearbeiten]

Im Jahr 1912 nahm die US-Firma Guggenheim Bros. die Lagerstätte in Besitz. Ein Jahr später starteten die ersten Arbeiten und im Frühjahr 1915 begann in Chuquicamata die Produktion von elektrolytisch gewonnenem Kupfer. 1923 übertrug Guggenheim Bros. die Mine an die Anaconda Copper Mining Company. Mit der Reform der Verfassung am 11. Juli 1971 wurde die Kupferproduktion verstaatlicht. Seitdem gehört die Mine dem Staatsunternehmen Codelco.

Förderung[Bearbeiten]

Chuquicamata ist eine sogenannte porphyrische Kupferlagerstätte und einer der bedeutendsten Kupferproduzenten weltweit. Von 1915 bis 2005 förderte das Bergwerk 2,3 Milliarden Tonnen Erz mit einem durchschnittlichen Kupfergehalt von 1,53 Gew.%. Für den Zeitraum 2006–2014 sind weitere 700 Millionen Tonnen geplant. Der Tagebau ist ungefähr 4.300 m lang und 3.000 m breit und bis 1000 Meter tief. Die Multiplikation dieser Maximalerstreckungen ergibt 13 km² Rechteckfläche und 11 km³ Quadervolumen; grob abschätzen lässt sich das tatsächliche Volumen der Mulde mit 17 % (Kegel auf halber Grundfläche) bis 52 % (eingeschriebener Ellipsoid) davon. Im Jahr 2014 soll der Tagebau seine größte Teufe von 1.100 m erreichen. Nach unterschiedlichen Szenarien der Division Codelco Norte, die das Bergwerk betreibt, soll der Abbau im Tagebau spätestens 2017 enden. Ein intensives Erkundungsprogramm hat weitere Ressourcen in Höhe von 2,3 Milliarden Tonnen Erz mit einem Kupfergehalt von 0,81 Gew.% bis zu einer Teufe von 1.800 m unterhalb des Tagebaus nachgewiesen. Eine Machbarkeitsstudie sieht den untertägigen Abbau dieses Lagerstättenteils vor und eine Rampe wird derzeit für weitere Erkundungsmaßnahmen aufgefahren. Die untertägige Produktion soll laut Studie 2014 beginnen und im Jahr 2020 ihre volle Kapazität von 45 Millionen Tonnen Erz pro Jahr erreichen.

Auswirkungen auf Mensch und Umwelt[Bearbeiten]

Rund 20.000 Arbeiter sind in der Mine beschäftigt, die als die größte von Menschen erschaffene Grube gilt. Der aus der Kupfergewinnung resultierende Feinstaub ist die Ursache für viele Krankheiten (typisch sind Staublungen, Asthma und einige Krebsarten). Da Chile internationalen Umweltabkommen beigetreten ist, wurden die Bewohner 2004 nach Calama umgesiedelt, um die Gefahr für die Gesundheit der Menschen zu verringern. Das Stadtgebiet ist seitdem hermetisch abgeriegelt, die Häuser stehen aber alle noch und sehen aus, als würden die Einwohner morgen zurückkehren. Wurde den Arbeitern in der alten Stadt der Wohnraum kostenlos zur Verfügung gestellt, müssen sie in ihrem neuen Stadtviertel in Calama die Wohnungen kaufen.

Die Kupferproduktion ist der größte Umweltverschmutzer im Umkreis. Die Arsen und andere giftige Chemikalien enthaltenden Abwässer wurden jahrzehntelang direkt in die Wüste entsorgt und verseuchten die Landschaft. Heutzutage wird ein Teil der Abwässer für die Produktion wieder aufbereitet, da Wasser in der Wüste nur unzureichend vorhanden ist und somit teuer herangeschafft werden muss.

Mineralfunde[Bearbeiten]

Chuquicamata ist als reichhaltige Erzlagerstätte auch ein bekannter Fundort für viele verschiedene Minerale und ihre Varietäten. Insgesamt konnten hier bisher 130 von der IMA anerkannte Minerale und 8 Varietäten nachgewiesen werden (Stand: 2013). Für folgende 18 Minerale gilt Chuquicamata zudem als Typlokalität: Bellingerit, Betpakdalit-NaNa, Cuprocopiapit, Klinoatacamit, Kröhnkit, Leightonit, Libethenit, Lindgrenit, Mendozavilit-KCa, Metahohmannit, Natrochalcit, Obradovicit-KCu, Obradovicit-NaCu, Obradovicit-NaNa, Parabutlerit, Salesit, Sampleit und Ungemachit.[1][2]

Weitere Mineralfunde sind unter anderem Atacamit, Brochantit, Coquimbit, Devillin, Enargit, Fibroferrit, Galenit (Bleiglanz), Halotrichit, Ilmenit, Jarosit, Kalinit, Lavendulan, Mirabilit, Nitronatrit, Olivenit, Powellit, Quarz, Römerit, Sphalerit, Thénardit, Ulexit, Voltait, Wulfenit und Zoisit.

Quellen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Chuquicamata – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Typlokalität Chuquicamata Mine bei Mineralienatlas (abgerufen am 4. August 2013)
  2. Mindat - Locality Chuquicamata Mine, Chuquicamata District, Calama, El Loa Province, Antofagasta Region, Chile