Cilly Aussem

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Cilly Aussem (1927)

Cäcilie Edith „Cilly“ Aussem (* 4. Januar 1909 in Köln; † 22. März 1963 in Portofino, Italien) war eine deutsche Tennisspielerin. Sie gewann 1931 als erste Deutsche im rein deutschen Finale gegen Hilde Krahwinkel den Titel von Wimbledon.

Leben[Bearbeiten]

Aussem wurde 1909 in eine vermögende Kölner Kaufmannsfamilie geboren. Ihr Vater hatte es durch den Vertrieb von Gervais-Käse in Deutschland zu Wohlstand gebracht. Auf Betreiben ihrer ehrgeizigen Mutter Helen erlernte sie mit 14 Jahren das Tennisspielen und wurde Mitglied im Kölner Verein KTHC Stadion Rot-Weiss. 1925 gewann sie die deutschen Meisterschaften der Junioren. Sie wurde zunächst von Willy Hannemann trainiert, der sie 1927 zum Gewinn der deutschen Meisterschaften führte. Später wechselte sie zu Rot-Weiß Berlin und wurde von Roman Najuch trainiert. 1929 siegte sie erneut bei den deutschen Meisterschaften.

1930 und 1931 wurde Aussem von der Tennislegende Bill Tilden trainiert, mit dem sie 1930 bei den französischen Meisterschaften im Mixed siegreich war. Vorausgegangen war ein Treffen zwischen Tilden und Cillys Mutter bei einem Turnier an der Côte d'Azur, bei dem Helen Aussem den Amerikaner fragte, wie ihre Tochter eine wirklich große Spielerin werden könne. Tilden soll darauf sinngemäß geantwortet haben, „Indem Sie sich in den nächsten Zug nach Deutschland setzen!“, ein Rat, den Helen Aussem befolgte. In den Jahren 1930 und 1931 belegte Aussem den zweiten Platz in der vom englischen Journalisten Arthur Wallis Myers aufgestellten Weltrangliste hinter der überragenden US-Amerikanerin Helen Wills Moody. Bei den Wimbledon Championships 1930 erreichte sie im Einzel das Halbfinale, das sie gegen Elizabeth Ryan unglücklich aufgeben musste. Beim Stand von 4:4 im dritten Satz wurde sie nach einem Schwächeanfall ohnmächtig vom Platz getragen.

In ihrem erfolgreichsten Jahr, 1931, errang die 22-jährige Aussem sowohl bei den französischen Meisterschaften als auch in Wimbledon den Titel. Nach dem Finale von Wimbledon sandte ihr der damalige Oberbürgermeister von Köln, Konrad Adenauer, ein Telegramm mit dem Inhalt „Cilly, ganz Köln gratuliert zum großen Sieg. Ihre Heimatstadt ist stolz auf Sie.“ Daneben gewann sie 1931 auch die Offenen Deutschen Meisterschaften sowie die Meistertitel von Österreich, Argentinien und Chile. Während einer Südamerikareise erlitt sie Ende 1931 eine Blinddarmentzündung, die sie jedoch erst nach der Rückkehr nach Deutschland operieren ließ und sie zu einer langen Turnierpause zwang.

Nach Überwindung der Erkrankung erreichte Aussem nie wieder ihre frühere Leistungsfähigkeit und konnte demzufolge nicht mehr an ihre Erfolge anknüpfen. 1934 wurde sie zuletzt in der Weltrangliste, auf Platz neun, geführt; in der nationalen deutschen Rangliste belegte sie sogar Rang eins. In diesem Jahr trat sie zuletzt in Wimbledon an, unterlag allerdings im Viertelfinale Helen Jacobs chancenlos mit 0:6 und 2:6. Nach Ablauf des Jahres beendete sie ihre Tenniskarriere.

Im März 1936 heiratete Aussem in München den italienischen Diplomaten und Luftwaffenoffizier Graf Fermo Murari dalla Corte Brà, den sie beim Skifahren am Kreuzeck bei Garmisch-Partenkirchen kennengelernt hatte. Mit ihm übersiedelte sie nach der Hochzeit für zwei Jahre ins damals von Italien besetzte Ostafrika, wo sie erneut, diesmal an Malaria, erkrankte. Anschließend zog das Ehepaar zurück auf das Familienanwesen in Portofino. Ihre Geburtsstadt Köln besuchte Aussem nur noch wenige Male, zuletzt 1952. Im Alter von 54 Jahren starb sie, fast völlig erblindet und von der deutschen Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet, nach einer Leberoperation. Sie wurde auf dem Friedhof San Giorgio in Portofino begraben.

Würdigung[Bearbeiten]

Cilly Aussem auf einer Briefmarke aus der Serie Frauen der deutschen Geschichte

Zu ihrem Andenken werden die Mannschaftsmeisterschaften der Juniorinnen des Deutschen Tennisbundes seit 1965 Cilly-Aussem-Spiele genannt. Am 5. Mai 1988 erschien eine Dauermarke der damaligen Bundespost mit dem Bild von Cilly Aussem. Außerdem war bis Dezember 2002 ein ICE-Zugpaar der Deutschen Bahn auf der Verbindung Ruhrgebiet-Berlin nach ihr benannt. Zudem wurde sie 2008 in die neugegründete Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen.

Titel[Bearbeiten]

Einzel[Bearbeiten]

Nr. Jahr Turnier Finalgegner Ergebnis
1. 1931 Französische Meisterschaften Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Betty Nuthall 8:6 6:1
2. 1931 Wimbledon Championships Deutsches ReichDeutsches Reich Hilde Krahwinkel 6:2 7:5

Mixed[Bearbeiten]

Nr. Jahr Turnier Partner Finalgegner Endergebnis
1. 1930 Französische Meisterschaften Vereinigte Staaten 48Vereinigte Staaten Bill Tilden Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Eileen Bennett
FrankreichFrankreich Henri Cochet
6:4, 6:4

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernd Tuchen: Ich galt als Wunderkind ... Cilly Aussem – das Leben der ersten deutschen Wimbledon-Siegerin. Shaker Media, Aachen 2008, ISBN 978-3-86858-089-1.
  • Dieter Koditek: Die Frohnatur. Aus: Deutscher Tennis Bund (Hrsg.): Tennis in Deutschland. Von den Anfängen bis 2002. Duncker & Humblot, Berlin 2002. ISBN 978-3-4281-0846-6.

Weblinks[Bearbeiten]