Ciompi-Aufstand

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Der Ciompi-Aufstand (italienische Aussprache:[ˈtʃom.pi]) war ein Aufstand, der Florenz, die Stadt am Arno, in den Sommermonaten des Jahres 1378 erschütterte. Der Aufstand begann im Juni und dauerte bis Ende August an, hierbei spielten die Ciompi, die Florentiner Arbeiter in der Kleidungsindustrie, eine bedeutende Rolle. Sie waren Träger des Aufstands.

Ablauf[Bearbeiten]

Michele di Lando spielte in der Endphase des Aufstands eine wichtige Rolle.

Die Angehörigen des popolo minuto waren einerseits nicht im Besitz der Bürgerrechte und auch nicht in einer Gilde organisiert, andererseits aber in Teilen, wie zum Beispiel eben die Wollkämmer, aber auch die Gemüse- und Geschirrverkäufer, so radikalisiert, dass sie sich beständig der kontrollierenden Macht widersetzte, die in der Gilde Arte della Lana zusammengefasst war, den etablierten Textilproduzenten, die den wirtschaftlichen Motor des Florentiner Reichtums darstellten.

Der Ciompi-Aufstand, diese kurz erfolgreiche Erhebung der rechtlosen Unterklasse (popolo minuto), wurde für die Mitglieder der großen Gilden zu einer traumatischen Erfahrung, und trug zu der Unterstützung bei, die die Medici lange Zeit später als Stabilisatoren der herrschenden Ordnung erhalten sollten. Die Revolte brachte der Stadt für kurze Zeit einen bis dahin nicht erreichten Grad an Demokratie, die aber von den konservativen Mitgliedern der städtischen Gesellschaft sofort wieder abgeschafft wurde, nachdem sich die großen und die kleinen Gilden zusammengeschlossen hatten, um mit einer Gegenbewegung, in der Salvestro de’ Medici eine wichtige Rolle spielte, die alte Ordnung wiederherzustellen.

Ein typischer Streit unter den Fraktionen innerhalb der Grandi entzündete den Aufstand. Mitglieder der unteren Schichten nahmen im Juli ihr Schicksal in die eigene Hand, sie brachten eine Reihe von Petitionen vor die Signoria, die städtische Regierung, in denen sie eine gerechtere Steuerpolitik forderten sowie das wertvolle Recht, sich selbst in Gilden organisieren zu dürfen. Am 22. Juli übernahmen sie gewaltsam die Regierung, setzten den Wollkämmer Michele di Lando als Gonfaloniere ein und hissten ihr Banner auf dem Palazzo della Signoria.

Die Revolutionäre wurden von radikalen Mitgliedern der machtlosen kleineren Gilden, den arti minori, unterstützt. Sie weiteten die Privilegien der Gilden auf die Ciompi aus, so dass zum ersten Mal in Europa alle sozialen Schichten – wenn auch kurz – an der Regierung beteiligt waren.

Die Ereignisse im August 1378[Bearbeiten]

Innerhalb weniger Wochen jedoch waren die Ciompi von ihrer neuen Regierung enttäuscht, als es dieser nicht gelang, ihre utopischen Forderungen umzusetzen, und Interessenkonflikte zwischen den kleinen Gilden und den Ciompi offensichtlich wurden. Am 31. August wurde eine große Gruppe von Ciompi, die sich auf der Piazza della Signoria versammelt hatte, ohne Mühe von den vereinten Kräften der großen und kleinen Gilden verjagt. Die Revolte war zu Ende, die junge Gilde der Ciompi wurde aufgelöst, und innerhalb von vier Jahren – nach dem Sturz Salvestro de’ Medicis – war die Oberherrschaft der großen Gilden wiederhergestellt.

Widerhall in den Quellen[Bearbeiten]

Machiavellis Geschichte von Florenz zeichnet die Revolte mittels einer Reihe von erfundenen Debatten und Reden nach, die die Positionen ihrer Protagonisten reflektieren, wie sie vom Standpunkt eines Befürworters der Staatsräson und einer freien Republik aus gesehen werden.

Vergleichbare Aufstände[Bearbeiten]

Der Ciompi-Aufstand war nicht der erste und nicht der letzte Versuch in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, nach der Schwarzer Tod genannten Pestepidemie (1347–1353) die Lebensbedingungen der rechtlosen Gruppen zu verbessern. Andere Aufstände – die von Kirche und Adel durchweg als gegen den göttlichen Willen gerichtet verketzert wurden – waren die Jacquerie in Frankreich (1358) und Jack Cades Erhebung in England (1450).

Forschungsüberblick und Bewertungen[Bearbeiten]

Die Beschäftigung mit dem Ciompi-Aufstand gab häufig Anlass, den Aufstand mit modernen Konflikten sozialer und wirtschaftlicher Art zu vergleichen. In der Zeit des Kalten Krieges gab es eine Kontroverse zwischen „bürgerlichen“ und „marxistisch-orientierten“ Historikern, ob der Aufstand der Ciompi als protoproletarische Revolutionsbewegung begriffen werden könnte.

Hidetoshi Hoshino bezeichnete den Ciompi-Aufstand als einen „gescheiterten Zunftkampf“.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen und Darstellungen[Bearbeiten]

Eine kommentierte Übersicht der Standardliteratur zum Thema bietet die Wikiversity.

Quellen[Bearbeiten]

Darstellungen[Bearbeiten]

  • Gene A. Brucker: The Revolt of the Ciompi, in: Florentine Studies, herausgegeben von N. Rubinstein, 1968.
  • Patrick Lantschner: The 'Ciompi Revolution' Constructed: Modern Historians and the Nineteenth-Century Paradigm of Revolution, in: Annali di Storia di Firenze, IV (2009). Online-Zugriff: http://www.dssg.unifi.it/SDF/annali/annali2009.htm
  • Raoul Manselli: Ciompi, Aufstand der. In: Lexikon des Mittelalters II (1983), Sp. 2092-2094.
  • Ernst Piper: Der Aufstand der Ciompi. Über den "Tumult", den die Wollarbeiter im Florenz der Frührenaissance anzettelten. Berlin: Wagenbach, 1978 (Neuausgabe 1990: Wagenbachs Taschenbücherei 175).
  • Ernst Werner: Probleme städtischer Volksbewegungen im 14. Jahrhundert, dargestellt am Beispiel der Ciompi-Erhebung in Florenz, in: Max Steinmetz (Hrsg.): Städtische Volksbewegungen im 14. Jahrhundert, Berlin 1960, S. 11-55.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ciompi-Aufstand – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiversity: Kurs:Ciompi-Aufstand – Kursmaterialien, Forschungsprojekte und wissenschaftlicher Austausch