Circuit des 24 Heures

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Circuit de la Sarthe)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die Automobil-Rennstrecke des 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Für die kleinere permanente Motorsport-Rennstrecke siehe Circuit Bugatti.
Circuit des 24 Heures
Circuit de la Sarthe
Le Mans
Keinlogo-schmal.svg


Circuit des 24 Heures (Frankreich)
Red pog.svg
FrankreichFrankreich Le Mans, Département Sarthe, Pays de la Loire
Streckenart: teilpermanente Rennstrecke
Eigentümer: Automobile Club de l'Ouest
Ville du Mans
Betreiber: Automobile Club de l'Ouest
Eröffnung: 1923
Zeitzone: UTC+1 (MEZ)
Streckenlayout
Circuitdelasarthe.svg
Streckendaten
Wichtige
Veranstaltungen:
24h Rennen von Le Mans
Streckenlänge: 13,629 km (8,47 mi)
Kurven: 38
Rekorde
Streckenrekord:
(Automobil)
3:19.074 min.
(Loïc Duval, Team Oreca Matmut Peugeot 908 HDi FAP, 2010)
http://lemans.org

47.9498540.207523Koordinaten: 47° 56′ 59″ N, 0° 12′ 27″ O

Der Circuit des 24 Heures[1][2] ist die über 13 km lange teilpermanente Motorsport-Rennstrecke, auf der das 24-Stunden-Rennen von Le Mans ausgetragen wird. Nach dem Fluss und Département Sarthe wurde der Kurs auch als Circuit de la Sarthe bezeichnet.[3]

Die Rennstrecke besteht zum größten Teil (9,207 km) aus (im Rennbetrieb abgesperrten) öffentlichen Landstraßen bei Le Mans, und wird ergänzt mit 4,422 km permanenter Rennstrecke sowie den Boxenanlagen, die auch für den kurzen Rundkurs Circuit Bugatti genutzt werden. Die Hochgeschwindigkeitsstrecke hat einen Vollgasanteil von über 85 % und gilt entsprechend als eine Herausforderung für die Fahrer und Rennwagen, sowie deren Motoren, Antriebskomponenten, Bremsen und Fahrwerke.

Streckenhistorie[Bearbeiten]

Die Strecke verband ursprünglich die Orte Le Mans, Mulsanne im Süden und Arnage im Südwesten. Beim ersten Rennen 1923 und in den 1920er Jahren führte die Strecke von den damaligen Boxenanlage in der Rue de Laigné direkt in die Innenstadt von Le Mans, und verließ nach einer engen Rechtskurve in der Nähe der Brücke Pontlieu über eine lange Gerade wieder die Stadt. Die Straße heißt heute Avenue Georges Durand, benannt nach Georges Durand, einem der Gründer des Rennens.

1929 wurde die 17,262 km lange und damals unbefestigte Strecke innerhalb der Innenstadt um 922 m verkürzt. Ab 1932 wurde die Innenstadt sogar komplett gemieden. Die Strecke führte über den damals neuen Streckenabschnitt durch die heute berühmte Dunlop-Brücke, über die Kurven-Kombination Esses bis zur Tertre Rouge. Diese Streckenvariante war 13,492 km lang und wurde so unverändert bis zu der Katastrophe von Le Mans 1955 befahren.

Für 300 Millionen alte französische Francs wurden 1956 die Boxenanlagen modernisiert, aber Fahrbahn und Boxengasse wurden weitere zwei Jahrzehnte nicht – wie mittlerweile üblich – getrennt. Die zentrale Ampelanlage und der Turm für die Flaggenzeichen wurde an das Ende der Mulsanne-Kurve verlegt.

Mit den schneller werdenden Fahrzeugen in den 1960er Jahren gab es besonders bei den Testfahrten im April viele Todesfälle und die Strecke kam immer mehr in die Kritik. 1965 wurde die moderne, kleinere permanente Rennstrecke Circuit Bugatti eröffnet. Beide Strecken teilen sich die Boxengasse, die Boxengassenanlage und die erste Kurve mit der berühmten Dunlop-Brücke. Ab 1968 wurde eine zusätzliche Schikane (Ford-Schikane) befahren, hierdurch werden die Fahrzeuge kurz vor der Boxengasse eingebremst. 1969 wurde die Strecke mit Leitplanken ausgerüstet. 1972 wurde durch den Bau der Porsche-Kurven der schnelle und gefährliche Abschnitt Maison Blanche umgangen.

Die Strecke ist berühmt für ihre 6 km lange Gerade, die auf der öffentlichen Straße Ligne Droite des Hunaudières verläuft, ein Teil der Route départementale D338 (1973-2006 Route nationale N138 / 1824-1973 N158). Diese Gerade führt direkt in die Ortschaft Mulsanne und wird deswegen oft im englischen Sprachgebrauch Mulsanne Straight genannt, obwohl die Route du Mulsanne eigentlich nach Arnage führt. In den späten 1980er Jahren wurden hier Höchstgeschwindigkeiten von über 400 km/h erreicht, was aber in Kombination mit dem steigenden Anpressdruck zu vermehrten Reifenschäden führte. Die offizielle Rekordmarke hält der Franzose Roger Dorchy, der 1988 mit einem WM P87 mit 2,8-Liter-Peugeot-Turbomotor und Michelin-Spezialreifen eine Höchstgeschwindigkeit von 405 km/h erreichte. 1990 wurden aus Sicherheitsgründen auf dieser Geraden zwei Schikanen eingebaut, um die erreichbare Höchstgeschwindigkeit zu reduzieren. Im selben Jahr gab die FIA bekannt, dass Rennstrecken mit Geraden länger als 2 km keine Streckenlizenz mehr erhalten.

Die Durchschnittsgeschwindigkeit in der Qualifikation fiel 1993 von 249 auf 243 km/h und stieg dann bis 2008 wieder bis 247 km/h, aber erreichte nie wieder die ohne Schikanen mit dem Porsche 956 erreichten 251 km/h.

Streckenrekorde[Bearbeiten]

Rekord-
jahr
Streckenvariante Distanzrekord Schnellste Rennrunde Schnellste Qualifikationsrunde
Nr. Zeitraum Länge Fahrer Fahrzeug Strecke Fahrer Fahrzeug Zeit Fahrer Fahrzeug Zeit
1928 1. 1923–1928 17,262 km Woolf Barnato Glen Kidston Bentley 4.5 Litre
"Old Mother Gun"
2669,27 km Henry Birkin Bentley 4.5 Litre 8:07,000 - - -
1930 2. 1929–1931 16,340 km - - - Henry Birkin Bentley Speed Six 6:48,000 - - -
1931 Earl Howe Henry Birkin Alfa Romeo 8C 2300LM 3017,65 km - - - - - -
1955 3. 1932–1955 13,492 km Mike Hawthorn Ivor Bueb Jaguar D-Type 4135,38 km Mike Hawthorn Jaguar D-Type 4:06,600 - - -
1967 4. 1956–1967 13,461 km Dan Gurney A.J. Foyt Ford GT40 Mk.IV 5232,90 km Mario Andretti Ford GT40 Mk.IV 3:23,600 Bruce McLaren Ford GT40 Mk.IV 3:24,040
1971 5. 1968–1971 13,469 km Helmut Marko Gijs van Lennep Porsche 917K 5335,31 km Jackie Oliver Porsche 917LH 3:18,400 Jackie Oliver Porsche 917LH 3:13,600
1978 6. 1972–1978 13,640 km Jean-Pierre Jaussaud Didier Pironi Alpine A442B 5044,53 km Jean-Pierre Jabouille Alpine A442B 3:34,200 Jacky Ickx Porsche 936 3:27,600
1985 7. 1979–1985 13,626 km Klaus Ludwig Paolo Barilla Louis Krages Porsche 956C 5088,51 km Jacky Ickx Porsche 962 3:25,100 Hans-Joachim Stuck Porsche 962 3:14,800
1986 8. 1986–1986 13,528 km Derek Bell Hans-Joachim Stuck Al Holbert Porsche 962 4972,73 km Klaus Ludwig Porsche 956 3:23,300 Jochen Mass Porsche 962 3:15,990
1988 9. 1987–1989 13,535 km Johnny Dumfries Andy Wallace Jan Lammers Jaguar XJR-9 LM 5332,79 km - - - - - -
1988 - - - Alain Ferté Jaguar XJR-9 LM 3:21,270 Jean-Louis Schlesser Sauber C9 3:15,040
1992 10. 1990–1996 13,600 km - - - - - - Philippe Alliot Peugeot 905 3:21,209
1993 Geoff Brabham Éric Hélary Christophe Bouchut Peugeot Evo 1C 5100,00 km Eddie Irvine Toyota TS010 3:27,470 - - -
1999 11. 1997–2001 13,605 km - - - Ukyō Katayama Toyota GT-One 3:35:032 Martin Brundle Toyota GT-One 3:29,930
2000 Emanuele Pirro Frank Biela Tom Kristensen Audi R8 5008,00 km - - - - - -
2002 12. 2002–2005 13,650 km - - - Tom Kristensen Audi R8 3:33:483 Rinaldo Capello Audi R8 3:29,905
2004 Seiji Ara Rinaldo Capello Tom Kristensen Audi R8 5170,00 km - - - - - -
2006 13. 2006–2006 13,650 km Frank Biela Emanuele Pirro Marco Werner Audi R10 TDI 5187,00 km Tom Kristensen Audi R10 TDI 3:31,211 Rinaldo Capello Audi R10 TDI 3:30,466
2008 14. 2007–2011 13,629 km - - - - - - Stéphane Sarrazin Peugeot 908 HDi FAP 3:18:513
2010 Timo Bernhard Romain Dumas Mike Rockenfeller Audi R15 TDI Plus 5410,71 km Loïc Duval Peugeot 908 HDi FAP 3:19,074 - - -

Circuit Bugatti[Bearbeiten]

Hauptartikel: Circuit Bugatti
Circuit Bugatti

Der permanente, im Uhrzeigersinn zu befahrende Zusatzkurs der 13,650 km langen Traditionsrennstrecke Circuit de la Sarthe wurde 1965 mit einer Länge von 4,422 km eröffnet, dient unter anderem als Austragungsort des Großen Preises von Frankreich im Rahmen der Motorrad-Weltmeisterschaft und war bis 2008 Gastgeber der DTM.[4]

Der nach dem Automobilkonstrukteur Ettore Bugatti benannte Circuit Bugatti wurde von Chefingenieur Charles Deutsch entworfen, der hauptberuflich bei der französischen Straßenbauverwaltung arbeitete und nebenbei Teilhaber einer Firma zur Konstruktion von Rennwagen war. Deutsch nutzte für sein Design die Zielgerade und angrenzende Fahrbahnteile der Strecke, auf der das 24-Stunden-Rennen von Le Mans ausgetragen wurde. Hinter den gemeinsam genutzten Boxenanlagen und dem Fahrerlager entwarf er eine neue Sektion mit sechs langsamen bis mittelschnellen Kurven und einer Haarnadelkurve vor der Rückkehr auf die traditionelle Le-Mans-Strecke.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.lemans.org/fr/aco/site/circuits-24-heures.html Accueil > ACO > Les infrastructures > Les circuits > 24 Heures Le circuit des 24 heures
  2. Liste des circuits approuvés Asphalte 2012, www.ffsa.org, abgerufen am 9. Juli 2012.
  3. Originalkarte „Circuit de la Sarthe“ von 1906, abgerufen am 1. Juli 2011.
  4. Streckenplan 2010, PDF-Datei, abgerufen 20. Dezember 2010.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Circuit de la Sarthe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Bugatti Circuit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien