Cirksena

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Stammwappen der Cirksena

Die Cirksena sind eine aus einem Greetsieler Häuptlingsgeschlecht hervorgegangene ostfriesische Adelsfamilie, die ab 1464 als Reichsgrafen und ab 1654 als Reichsfürsten in Ostfriesland regierte und 1687 im Mannesstamm erlosch.

Die Cirksena in Ostfriesland[Bearbeiten]

Ostfriesland um 1600, gezeichnet von Ubbo Emmius

Die Cirksena hatten sich im 15. Jahrhundert - nach einer Zeit, die vom Kampf der Häuptlingssippen um Machtbereiche, Einfluss und Vorherrschaft geprägt war - durchgesetzt. Um 1430 besiegte Edzard Cirksena als Anführer des Bundes der Freiheit seinen Widersacher Focko Ukena. Die Cirksena erstarkten und traten in die Nachfolge des Häuptlingsgeschlechts der tom Brok.

Im Jahr 1439 wurde in Folge der Auseinandersetzungen von den Hamburgern die Stadt Emden zunächst auf Widerruf und seit 1453 endgültig an die Cirksena übergeben; bis in das Jahr 1595 verwaltete und beherrschte die Familie die Stadt. Edzards Sohn Ulrich Cirksena wurde 1464 von Kaiser Friedrich III. in den Reichsgrafenstand erhoben und mit Ostfriesland als Reichsgrafschaft Ostfriesland belehnt. Eine starke Herrschaft konnten die Cirksena in Ostfriesland jedoch nie etablieren. Immer wieder brachen Machtkämpfe mit den selbstbewussten ostfriesischen Ständen aus.[1]

Der bedeutendste Herrscher aus dem Hause Cirksena war Edzard der Große (1462–1528), unter dessen Führung die Reichsgrafschaft Ostfriesland ihre größte Ausdehnung erreichte. In seine Regierungszeit fiel auch die Ausbreitung der Reformation in Ostfriesland. 1654 wurden die Cirksena durch den Kaiser in den Fürstenstand erhoben. Carl Edzard, der letzte Herrscher aus dem Hause Cirksena, starb in der Nacht vom 25. auf den 26. Mai 1744 (angeblich an einem Glas Buttermilch, welches er nach einer Jagd getrunken haben soll) ohne Nachkommen. Unmittelbar darauf nahm Friedrich der Große das Land in Besitz.

Schlösser[Bearbeiten]

Die Cirksena in Rietberg[Bearbeiten]

Die Cirksena stellten von 1581 bis 1699 die Herrscher der Grafschaft Rietberg. Dies geschah zunächst in Personalunion mit Ostfriesland, nachdem Graf Enno III. die Rietbergsche Erbtochter Walburg von Rietberg geheiratet hatte. Im Berumer Vergleich (1600) trat er jedoch die Grafschaft Rietberg an seine Töchter ab.

Ennos Bruder, Graf Johann III., heiratete mit päpstlichem Dispens 1601 seine Nichte Sabina Catharina, Ennos Tochter und Erbin Rietbergs. Beide waren zum Katholizismus konvertiert und begründeten damit die katholische Nebenlinie der Cirksena. Der letzte männliche Nachkomme des Hauses Ostfriesland in Rietberg, Graf Ferdinand Maximilian, starb 1687. Seine Erbtochter Maria Ernestine Francisca heiratete 1699 Maximilian Ulrich von Kaunitz.

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen der Familie Cirksena zeigt einen gekrönten goldenen Jungfrauenadler (andere Bezeichnungen: Harpyie, Engel) auf schwarzem Grund. Dieses Motiv fand in die verschiedensten Nachfolgewappen Eingang. So etwa in das endgültige gräfliche Wappen Ostfrieslands, das Graf Rudolf Christian im Jahr 1625 festlegte. Hier ziert der Jungfrauenadler das vornehmste, heraldisch rechte obere Wappenfeld. Das Wappen ist bis heute als das Wappen von Ostfriesland in Gebrauch.

Die obere Hälfte des Emder Wappens stellt ebenfalls den Cirksena-Jungfrauenadler dar. Die Cirksena residierten bis zur Emder Revolution im Jahr 1595 in der Stadt Emden. Auch die Emden gegenüberliegende niederländische Stadt Delfzijl hat das Cirksena-Wappen in das ihrige aufgenommen. Dies ist auf die Herrschaft Edzards des Großen im Groningerland zurückzuführen. Ebenso ist der in der Farbgebung veränderte gekrönte Jungfrauenadler im Wappen des Landkreises Aurich auf die Cirksena zurückzuführen. Auch die heutige Gemeinde Krummhörn, in der das Stammland der Cirksena lag, hat das Wappen der Familie in das Gemeindewappen aufgenommen.

Nachdem die Cirksena in der Grafschaft Rietberg die Herrschaft übernommen hatten, fand ihr Emblem auch im Wappen Rietbergs seinen Platz zwischen dem Wappen der alten Herrscherfamilie und dem des Harlingerlandes. Später wurde es durch das Wappen der Familie Kaunitz ergänzt.

Durch die Verbindung Ostfrieslands und Rietbergs ist der Cirksena-Adler auch bis heute in umgekehrter Farbgebung (schwarz auf Gold) unten rechts (heraldisch: unten links) im Wappen des Fürstentums Liechtenstein zu finden: Gundacker von Liechtenstein hatte die zweite Tochter von Graf Enno III. und Walburg von Rietberg, Agnes Cirksena, geheiratet und daraus einen Anspruch auf Rietberg abgeleitet.

Namensherkunft[Bearbeiten]

Der Name Cirksena ist friesischen Ursprungs und bis heute als Familienname in Ostfriesland verbreitet. Er geht wahrscheinlich auf den alten Vornamen Tzirk („Cirk“) zurück. Enno Attena übernahm den angesehenen Namen anlässlich seiner Heirat mit der Erbtochter Gela von Manslagt.

Herrscher Ostfrieslands[Bearbeiten]

Abbildung Name und Lebensdaten Regierungszeit Titel Anmerkungen
UllrichI.jpg Ulrich I.
(*um 1408; †25. oder 26. September 1466)
1464–1466 Graf 1464 wurde Ulrich samt seinen Nachkommen in den Reichsgrafenstand erhoben. Seine Hauptresidenz verlegte er darauf von Greetsiel nach Emden, während Aurich seine Sommerresidenz wurde[2].
Theda.jpg Theda
(*1432; †16. November 1494)
1466–1491 Regentin der Grafschaft Ostfriesland Theda führte als Witwe Ulrichs I. während der Unmündigkeit ihrer Söhne die Regierung. Ihr ältester Sohn Enno I. unterstützte sie dabei, bis er am 19. Februar 1491 bei der Friedeburg um Leben kam[3].
Jacob Cornelisz van Amsterdam.jpg Edzard I. (der Große)
(*1461; †14. Februar 1528)
1491–1528 Graf Edzard der Große war Ulrichs I. zweiter Sohn. Er führte die größte Ausdehnung Ostfrieslands herbei und förderte die Reformation. Unter seiner Regierung wurde das „Ostfriesische Landrecht“ geschaffen[4].
Enno2-optimiert.jpg Enno II.
(*1505; †24. September 1540)
1528–1540 Graf Edzards I. zweiter Sohn führte das unter seinem Vater begonnene Reformationswerk weiter, während sein jüngerer Bruder Johann I. katholisch blieb, aber an den Regierungsgeschäften teilnahm[5].
Annaostf.jpg Anna
(*14. November 1501; †24. September 1575)
1540–1561 Regentin der Grafschaft Ostfriesland Witwe Ennos II. Führte die vormundschaftliche Regierung, nachdem sie sich mit ihrem Schwager, dem katholischen Grafen Johann I., verglichen hatte[6].
Johann II.
(*29. September 1538; †29. September 1591)
1561–1591 Graf Ennos II. jüngster Sohn regierte von 1561 bis 1591 neben seinem Bruder Edzard II[7].
Edzardii.jpg Edzard II.
(*24. Juni 1532; †1. März 1599)
1561–1599 Graf Ennos II. ältester Sohn regierte von 1558 neben seiner Mutter, von 1561 bis 1591 neben seinem Bruder Johann II., von 1591 bis 1599 allein. Wegen der Streitigkeiten mit seinem Bruder Johann II. und der Stadt Emden verlegte Edzard II. seine Residenz von Emden nach Aurich[8].
Ennoeastfrisia-optimiert.jpg Enno III.
(*30. September 1563; †19. August 1625)
1599–1625 Graf Unter seiner Regentschaft kam es zum Abschluss zweier bedeutender Verträge zwischen dem Grafenhaus und den ostfriesischen Ständen: den Emder Konkordaten von 1599 und dem Osterhusischen Akkord von 1611[9].
Rudolfchristian.jpg Rudolf Christian
(*2. Juni 1602; †17. April 1628)
1625–1628 Graf Ennos III. zweiter Sohn starb im Alter von 26 Jahren durch einen Unglücksfall. In die Regierungszeit Rudolf Christians fällt die Heimsuchung Ostfrieslands als Rückzugsgebiet und Quartier ausländischer Truppen, die am Dreißigjährigen Krieg beteiligt waren[10].
Ulrichiiostf.jpg Ulrich II.
(*6. Juli 1605; †1. November 1648)
1628–1648 Graf Ennos III. dritter Sohn. In seine Regierungszeit fiel der Dreißigjährige Krieg, in dem Ostfriesland große Not unter der Heimsuchung durch die Truppen des Grafen von Mansfeld zu erleiden hatte. Die einzige Ausnahme bildete Emden, da der kurz zuvor fertiggestellte Emder Wall die Stadt vor der Einnahme durch fremde Truppen schützte. Auch die Fehnkultur begann in dieser Zeit, als Emder Bürger 1633 das Timmelerfehn gründeten (das heutige Westgroßefehn)[11].
Julianeostf.jpg Juliane
(*14. April 1606; †15. Januar 1659)
1648–1651 Regentin der Grafschaft Ostfriesland Juliane, die Witwe Ulrichs II., führte wegen der Minderjährigkeit ihrer Kinder die vormundschaftliche Regierung[12].
Ennoludwig.jpg Enno Ludwig
(*29. Oktober 1632; †4. April 1660)
1651–1660 Graf, ab 1654 Fürst Der älteste Sohn von Ulrich II. trat 1651 die Regierung als Graf von Ostfriesland an. Er wurde 1654 vom Kaiser Ferdinand III. durch Vermittlung des Helmstedter Professors und gebürtigen Ostfriesen Hermann Conring in den persönlichen Reichsfürstenstand erhoben[13].
Georgchristian.jpg Georg Christian
(*6. Februar 1634; †6. Juni 1665)
1660–1665 Fürst Da Enno Ludwig keine männlichen Nachkommen hatte, folgte Ulrichs II. zweiter Sohn in der Regierung. Er wurde 1662 in den erblichen Fürstenstand erhoben[14].
Christinecharlotte.jpg Christine Charlotte
(*21. Oktober 1645; †16. Mai 1699)
1665–1690 Regentin Christine Charlotte von Württemberg regierte nach dem Tod ihres Mannes, des Fürsten Georg Christian von Ostfriesland, ab dem Jahre 1665 25 Jahre lang vormundschaftlich Ostfriesland[15].
Christianeberhard.jpg Christian Eberhard
(*1. Oktober 1665; †30. Juni 1708)
1690–1708 Fürst Christian Eberhard wurde mit dem Tag seiner Geburt 1665 Fürst, blieb aber bis 1690 unter Vormundschaft seiner Mutter. Er wurde wegen seines guten Verhältnisses zu den ostfriesischen Ständen „der Friedsame“ genannt[16].
Georgalbrecht.jpg Georg Albrecht
(*13. Juni 1690; †12. Juni 1734)
1708–1734 Fürst Als zweiter Sohn des Fürsten Christian Eberhard regierte er in schwieriger Zeit. Das Land wurde namentlich durch die Weihnachtsflut von 1717 schwer getroffen. Auch der Konflikt des Fürstenhauses mit den Ständen entlud sich zu Regierungszeiten Georg Albrechts abermals[17].
Carledzard.jpg Carl Edzard
(*18. Juni 1716; †25. Mai 1744)
1734–1744 Fürst Carl Edzard war der letzte Fürst von Ostfriesland aus dem Haus Cirksena. Nach den Dauerkonflikten der vorangegangenen Jahre zwischen dem Fürstenhaus und den Ständen hatte jenes kaum mehr ein Ansehen. Die Stadt Emden und andere renitente Landstände verweigerten ihm die Huldigung. Nach seinem Tod fiel Ostfriesland an König Friedrich II. von Preußen[18].

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst Esselborn: Das Geschlecht Cirksena. Die Häuptlinge, Grafen und Fürsten von Ostfriesland. s. n., Berlin 1945.
  • Hans Heinrich Hobbing: Die Begründung der Erstgeburtsnachfolge im ostfriesischen Grafenhaus der Cirksena. Friemann, Aurich 1915 (Abhandlungen und Vorträge zur Geschichte Ostfrieslands 19, ISSN 0724-9772).
  • Günther Möhlmann: Cirksena. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 3, Duncker & Humblot, Berlin 1957, ISBN 3-428-00184-2, S. 255 f. (Digitalisat).
  • Heinrich Reimers: Ostfriesland bis zum Aussterben seines Fürstenhauses. Friesen-Verlag, Bremen 1925 (Nachdruck. Sändig, Vaduz 1991).

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Martin Tielke: Ostfriesische Landschaft
  2. Biographisches Lexikon für Ostfriesland: Ulrich I (PDF; 107 kB)
  3. Biographisches Lexikon für Ostfriesland: Theda (PDF; 48 kB)
  4. Franz Xaver von Wegele: Edzard I.. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 5, Duncker & Humblot, Leipzig 1877, S. 650.
  5. Biographisches Lexikon für Ostfriesland: Enno II. (PDF; 70 kB)
  6. Ernst Friedländer: Anna, Gräfin und Regentin von Ostfriesland. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 1, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 468 f.
  7. Biographisches Lexikon für Ostfriesland: Johann II. (PDF; 55 kB)
  8. Biographisches Lexikon für Ostfriesland: Edzard II. (PDF; 145 kB)
  9. Biographisches Lexikon für Ostfriesland: Enno III. (PDF; 66 kB)
  10. Biographisches Lexikon für Ostfriesland: Rudolf Christian (PDF; 47 kB)
  11. Biographisches Lexikon für Ostfriesland: Ulrich II. (PDF; 48 kB)
  12. Biographisches Lexikon für Ostfriesland: Juliane (PDF; 52 kB)
  13. Biographisches Lexikon für Ostfriesland: Enno Ludwig (PDF; 68 kB)
  14. Biographisches Lexikon für Ostfriesland: Georg Christian (PDF; 70 kB)
  15. Biographisches Lexikon für Ostfriesland: Christine Charlotte
  16. Biographisches Lexikon für Ostfriesland: Christian Eberhard
  17. Günther Möhlmann: Cirksena. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 3, Duncker & Humblot, Berlin 1957, ISBN 3-428-00184-2, S. 255 f. (Digitalisat). (Familienartikel, dort S. 256 erwähnt)
  18. Biographisches Lexikon für Ostfriesland: Carl Edzard (PDF; 81 kB)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: House of Cirksena – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien