Cité Soleil

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Cité Soleil (2006)
Kind auf einer Müllhalde in Cité Soleil. Haiti im Juli 2002

Cité Soleil (haitianisch Site Soley, deutsch: Sonnenstadt) ist ein sehr dicht bevölkertes Elendsviertel in Port-au-Prince, Haiti. Sie liegt zwischen dem Hafen und weiteren Elendsvierteln. Dieser Slum gehört zu einem der größten in der westlichen Hemisphäre. Die Siedlung war ursprünglich als Arbeitersiedlung konzipiert.[1]

Situation der Bewohner[Bearbeiten]

Die geschätzten 200.000 bis 400.000 Menschen leben hier in extremer Armut auf einer Fläche von 5 Quadratkilometern.[2] Es gibt wenig Polizei, keine Kanalisation, keine Läden, und so gut wie keine Elektrizität. Es gibt keine stabilen sozialen Systeme. Gewalt und Bandenwesen[3] bestimmen die soziale Atmosphäre. 90 Prozent der Bewohner sind arbeitslos. Das Jahreseinkommen liegt bei den meisten Bewohnern unter 360 US-Dollar. Menschen und Tiere versuchen die riesigen Müllhalden in Cité Soleil als ihre Lebensressource zu nutzen.

Gesundheitsversorgung[Bearbeiten]

Für die Einwohner bestanden 2004/05 zwei Gesundheitszentren, die täglich bis zu 20 Patienten behandeln können. Die Kosten für eine Behandlung außerhalb von CS sind für die Bewohner nicht bezahlbar. Seit September 2005 engagieren sich die Ärzte ohne Grenzen und konnten die weiterhin minimale medizinische Versorgung verbessern.[4]

Eingriffe der UNO-Mission[Bearbeiten]

Nach Angaben der UNO sind UN-Soldaten auf den Ruf der Regierung René Préval hin in Cité Soleil aktiv. Das Mandat der UN-Stabilisierungsmission in Haiti (MINUSTAH)[5],[6] wurde am 15. Oktober 2007 vom UN-Sicherheitsrat einstimmig verlängert. Menschenrechtsorganisationen und die haitianische Nachrichtenagentur HIP sowie Yves Engler[7] und andere Journalisten[8] berichten über zahlreiche Übergriffe der UN-Soldaten auf die Zivilbevölkerung. Auf Video wurden Erschießungen von Zivilisten dokumentiert. UN-Panzer zerstörten bei einem Einsatz im Jahre 2007 „baufällige Gebäude“. Bei diesem Tageseinsatz wurden 22.000 Schüsse abgefeuert und zahlreiche Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, getötet.[9] Kritisiert wird die UNO-Mission auch von Menschenrechtsorganisationen[10] und gewerkschaftlicher Seite. Die Leiterin der basisdemokratischen Gewerkschaftsorganisation Batay Ouvriye, Yannick Etienne, hält den Einsatz der UN-Truppe für einen „totalen Misserfolg“. Der Alltag der Menschen in Haiti sei angesichts der Gewalt „durch ein Gefühl der Angst dominiert“ (Sonja Wenger, WOZ). Auch in den Staat hätten sie „kein Vertrauen“.[11]

Film[Bearbeiten]

In seiner Dokumentation Ghosts of Cité Soleil beschreibt Asger Leth die Lage in Cité Soleil während der letzten Wochen der Regierung Aristide im Jahr 2004 .

Berühmte Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Mario Delatour. Filmemacher: The Kingdom (1994), The Serpent and the Rainbow (1987)

Literatur[Bearbeiten]

  • Mike Davis: Planet der Slums. Verlag Assoziation A. Berlin, Hamburg 2007
  • Nick Stone: Voodoo. Originalausgabe 2006 Mr. Clarinet. Dt. Ausgabe 2007, Goldmann, (Rezension Michael Drewniok online)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. RedCross.int (no date): „Hoping for change in Haiti's Cité Soleil“, von Didier Revol
  2. Handelsblatt v. 15. August 2003: Ein Stück Afrika in Lateinamerika von Klaus Ehringfeld
  3. vgl. auch Haiti Report (9. September 2002): „Violence Between Gangs in Cite Soleil“
  4. Medizinische Hilfe in haitianischem Elendsviertel. Bericht der Ärzte ohne Grenzen vom 12. September 2005
  5. vgl. auch HAITI: Poor Residents of Capital Describe a State of Siege (February 2007)
  6. vgl. auch: HaitiAction.net (25. April 2005): „Cité Soleil under siege: Haiti's elite, U.N., and fat cat NGOs paralyzed“
  7. ZMag.org (17. Juli 2005): „Murdering Haiti“, von Yves Engler
  8. vgl. Counterpunch.org (24. November 2006): „The UN Fails Haiti, Again“, von Kim Ives
  9. WikiLeaked U.S. Cables Paint Portrait of Brutal, Ineffectual and Polluting UN Force By Dan Coughlin 27. September 2011
  10. vgl. DemocracyNow.org (29. Dezember, 2006): „Another Massacre in Cite Soleil?“ Interview mit dem kreolischen Menschenrechtsaktivisten Lovinsky Pierre-Antoine
  11. Hans-Ulrich Dillmann: Düstere Sonnenstadt – Drückende Armut, bewaffnete Banden, Straffreiheit und Korruption: In Haiti vergeht kein Tag ohne Morde und Entführungen. uni-kassel.de. Archiviert vom Original am 10. Mai 2008. Abgerufen am 28. April 2013.

Weblinks[Bearbeiten]

18.583055555556-72.335Koordinaten: 18° 34′ 59″ N, 72° 20′ 6″ W